Mit “Ritual Fever” legen Water Is The Sun – das gemeinsame Projekt von Mkl Anderson (Drekka) und Adam Parks (Timber Rattle, Lightning White Bison) – ein beeindruckendes Album vor, das sich am ehesten als zusammenhängendes, beinahe initiatisch fungierendes Ganzes begreifen lässt, das zwischen Soundtrack, meditativem Klangritual und imaginären Landschaftsgemälden im Dämmerlicht oszilliert. Weiterlesen
Archiv der Kategorie: Reviews
RLW: Minority Of The Dead
Auf „Minority Of The Dead“ stellt Ralf Wechowsky, der uns kürzlich noch mit dem Album “Fading Pictures” begeistert hatte, unter seinem RLW-Alias drei Stücke zusammen, deren Genese und Konzeption so wichtig sind, dass Informationen zu den einzelnen Stücken einen nicht unerheblichen Teil des CD-Artworks ausmachen: Weiterlesen
DEISON / MINGLE: Everything Collapse(d) – Piano Versions
Wiederentdeckungen in der Musik sind selten bloß archivierende Akte. Im Falle von Deisons und Mingles “Everything Collapse(d) – Piano Versions” läuft die Wiederentdeckung viel eher auf die nachträgliche Rekonstruktion eines künstlerischen Zusammenhangs hinaus, der im Moment seines Entstehens noch nicht vollständig sichtbar war. Die Aufnahmen entstanden bereits vor gut zehn Jahren beinahe Zeitgleich zur üppigeren Weiterlesen
TEMPLE MUSIC: Man, Creator Of His Own Universe
Mit “Man, Creator Of His Own Universe” bringen Alan Trench und Steve Robinson alias Temple Music ein Album heraus, das sich weniger als eine Sammlung von Stücken im klassischen Sinne versteht, denn als ein zusammenhängende inneres Erlebnis, als eine klangliche Meditation über Wahrnehmung, Kreation und die porösen Grenzen zwischen Innen und Außen. Entstanden im griechischen Euböa, trägt die Weiterlesen
NEUNTAGE ALT: Waif
Manchmal klingen frühe Synthie-Experimente mit Punk’n'Wave-Einfärbung, als geisterten sie im Halbschlaf zwischen Euphorie und Verunsicherung durch den Raum. In einem solchen Zwischenraum entfaltet sich auch der Reiz von “Waif” der Berliner Combo Neuntage Alt. Hervorgegangen aus dem DDR-Urpunk und ferner sozialisiert im Dunstkreis von Gruppen wie Ornament & Verbrechen und AG Geige entwarfen Weiterlesen
AND ALSO THE TREES: The Devil’s Door
Ein Wort, das im Zusammenhang mit der britischen Band And Also The Trees in den Sinn kommt, ist Konstanz. Nicht nur deswegen, weil sie seit inzwischen mehr als vier Jahrzehnten aktiv sind und – im Gegensatz zu manchen ihrer Kollegen – noch immer regelmäßig Alben veröffentlichen, sondern auch weil diese auf einem konstant hohen Niveau bleiben und es keinerlei musikalischen Ausfälle gibt. Weiterlesen
TRAS: Zcajk
“Durch eine weite Wüste fahren, der Wind schlägt hart ins Gesicht, das Wasser wird knapp, der Treibstoff geht zur Neige. Herz und Verstand kollabieren auf süße Weise, die nervöse Hülle fällt ab, legt die Haut frei, Freude beschleunigt, während alles auf einen weiteren Aufprall zusteuert, ohne den Wunsch zu bremsen. Wir sind hier, um all das zu erleben”. Diese Passage aus den Liner Notes beschreibt präzise die Grundhaltung von Weiterlesen
THIS MORN’ OMNIA: Insha
Die belgische Formation This Morn’ Omnia um Mastermind Mika Goedrijk ist bereits seit fast dreißig Jahren aktiv und bewohnt einen Bereich im weitverzweigten Grenzgebiet aus spirituell ausgerichtetem Ritualismus und einer rhythmusbasierten Dynamik, deren Wurzeln sowohl in postindustrieller Elektronik und technoiden Ansätzen als auch in älteren, oft außereurpäischen Traditionen stecken. Weiterlesen
SABA ALIZADEH: Rituals Of The Last Dawn
Wann eigentlich beginnt ein Ritual? Mit einer klar erkennbaren Geste, mit einer festgelegten Handlung? Oder vielleicht schon mit einem einzelnen Ton, der sich tastend in den Raum stellt und erst allmählich seine Bedeutung im größeren Zusammenhang entfaltet? Bei “Rituals Of The Last Dawn”, dem neuen Album von Saba Alizadeh, scheint diese Frage durchaus passend, denn die beiden Stücke dieser Veröffentlichung entfalten sich Weiterlesen
ORDZ / NOISE CLUSTER: From Chaos To Balance
“From Chaos to Balance”, das erste gemeinsame Tape von Ordz und dem Kollektiv Noise Cluster, versteht sich als eine Art geologische Sinfonie, inspiriert von der Entstehung der Kontinente und von den Theorien Alfred Wegeners zur Kontinentalverschiebung. In dieser Perspektive erscheint die Erde nicht als statische Bühne, sondern als ein Organismus in permanentem Wandel, als Gefüge aus Kräften, die sich über Weiterlesen
TRAPPIST AFTERLAND: Kindred Hymnal – Walk to Paradise Garden Pt. 2
Vor etwas mehr als einem Jahr legte der australische Musiker Adam Geoffrey Cole mit seinem Projekt Trappist Afterland das großartige Album “Evergreen – Walk To Paradise Garden” vor, eine persönliche Auseinandersetzung mit Verlust, Trauer und der Suche nach einem Neuanfang. Geprägt vom Tod seiner Mutter und dem Scheitern seiner Ehe verband das Werk bittere Erfahrungen mit dem Bild eines Weiterlesen
CORPSE OF DISCOVERY: For The Promise Of The Unknown
Es mag Genres geben, die sich auf den ersten Blick gegenüber manchen Themen sperren bzw. oftmals ein eher (sehr) enges Spektrum zulassen. Das Abarbeiten gewisser Themen kann in manchen Fällen auch für das Genre konstituierend sein – Extremfälle sind etwa sogenannte True Crime Electronics. Allerdings scheinen sich inzwischen fast alle Spielarten (nicht nur) extremer Musik so weit ausdifferenziert zu haben, dass man Weiterlesen
DAVID E. WILLIAMS: All My High School Teachers Are Dead
David E. Williams hat nach beinahe vier Jahren den ersten neu geschriebenen Song herausgebracht und seinen verblichenen Lehrern aus der High School-Zeit gewidmet – ein Thema, bei dem man, zumindest als Schreiber, der mittlerweile als “middle aged” durchgeht, kaum umhin kann, sich die eigene Zeit als klugscheißender Schulschwänzer in Erinnerung zu rufen, und natürlich die Menschen aus Weiterlesen
Metamorphose: Gemeinsame LP von Shawn Mativetsky, Amir Amiri und Sarah Pagé
Das Trio Mativetsky, Amiri & Pagé veröffentlicht am 20. März sein Debütalbum “Metamorphose” bei Fifth House Records. Zeitgleich mit der Ankündigung erscheint die Single “Yavaran”, Vorbestellungen sind ab sofort möglich. Die in Montréal ansässigen Musiker Shawn Mativetsky an der Tabla, Amir Amiri am Santur und Sarah Pagé an der Harfe bringen jeweils eigenständige künstlerische Hintergründe ein, die von traditionellen und klassischen Musikarten bis zu experimentellen und genreübergreifenden Projekten reichen.
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ALAN VEGA: Alan Vega / Collision Drive
Im Rahmen der Vega Vault-Reihe haben Sacred Bones bislang „Mutabor“ mit unveröffentlichten Aufnahmen Vegas aus den Jahren 1995/1996 herausgebracht, vor einiger Zeit sind nun bei dem amerikanischen Label die ersten beiden Soloalben des 2016 verstorbenen New Yorkers wieder verfügbar gemacht worden. Weiterlesen
NOÉMI BÜCHI: Exuvie
Meist zeigt sich “das, was uns ausmacht” und was man gerne Identität nennt, weniger im Festhalten als im Abstreifen. Was bleibt, wenn eine Form sich löst, wenn eine alte Haut zurückgelassen wird, ist weder reines Verschwinden noch vollständiger Neubeginn, sondern ein Zwischenzustand. Genau in diesem Spannungsfeld bewegt sich das neue Album “Exuvie” von Noémi Büchi. Weiterlesen
MARC ALMOND AND THE GASLIGHT TROUBADOURS: Salambo
Nostalgie entpuppt sich bei näherem Hinschauen oft weniger als Rückblick denn als Inszenierung, als ein Spiel mit Versatzstücken vergangener Zeiten, die sich neu zusammensetzen und – zumindest in einem gewissen Maß – umdeuten lassen. Zwischen Jahrmarktsmusik, Halbwelt-Glanz und leicht schräger Melancholie kann dann ein Raum entstehen, in welchem Überzeichnung und Ernst nebeneinanderstehen. Daran lässt sich auch denken, wenn Weiterlesen
ASMUS TIETCHENS: Conclusio
Die Stadt hatte zwischen 2003 und 2022 eine umfangreiche, aus insgesamt 18 Alben bestehende, Wiederveröffentlichungsreihe des Frühwerks Asmus Tietchens’ gemacht. Nun erscheint mit „Conclusio“ neues Studiomaterial auf dem Bremer Label. Weiterlesen
FROZEN WARNINGS: Momentum
Caira Paravel und Walker Phillips, die auch privat ein Paar sind, sind bereits seit einigen Jahren musikalisch aktiv, sowohl solo mit ihren melancholisch-mystischen Folkprojekten als auch in diversen Band wie Tabernacle, die britische Folksongs in einer metallischen Schwere neu interpretieren, und dem verrückten Psychedelic-Projekt The Partridge Family Temple. Jüngst sind sie öfter auch ganz explizit als Duo in Erscheinung getreten und haben in dem Zusammenhang eine Art Sprung, wenn man Weiterlesen