Mit “Neuer Almanach” legt der in Berlin lebende Soundkünstler Felix-Florian Tödtloff – bekannt auch als Sferics und aus Formationen wie Magazine Magazine, The Old Dream of Symmetry und Swoosh – ein zurückgenommenes, zugleich sehr konzentriertes Album vor, das seine Arbeit im Bereich Ambient und Drone weiter verdichtet und an seine bisherige Beschäftigung mit Weiterlesen
Archiv der Kategorie: Reviews
DENIZ TAFAGHODI: Self Portrait
Irgendwo an einer Backsteinmauer, in einer tristen Ecke, hängt ein einzelner Lautsprecher. Ein drahtiges Gitter liegt wie ein Schutzschild darüber, als müsse verhindert werden, dass er beschädigt wird oder dass seine akustischen Äußerungen nicht gehört werden dürfen. Der Lautsprecher wirkt zugleich ausgesetzt und abgeschirmt, präsent und isoliert. Das Bild evoziert eine Situation von Weiterlesen
ASMUS TIETCHENS / THORSTEN SOLTAU: Lichthöfe
Zuletzt hatte uns der Hamburger Asmus Tietchens mit der jünsgten Veröffentlichung seines anagrammatischen Projekts Statische Musen begeistert und wir attestierten, er erschaffe „Musik, der man durchaus das Attribut wunderschön verleihen kann.“
Im Laufe seiner langen Karriere hat Tietchens neben seinen zahlreichen Soloalben auch immer wieder mit anderen zusammengearbeitet, deren Klangmaterial er be- und verarbeitete. Weiterlesen
CHI HIM CHIK / AQUILES HADJIS: Burnt Sand Learning to Sing
Unberechenbarkeit wird oft als Mangel an Ordnung empfunden, als etwas, das sich der Kontrolle entzieht. Zugleich kann sie aber auch eine willkommene Voraussetzung für Aufmerksamkeit sein: Wo Verläufe offen bleiben, entsteht eine besondere Form von Spannung, die nicht auf Auflösung drängt, sondern auf Wahrnehmung. An diese Art von Spannung fühlt man sich erinnert, wenn man sich auf Weiterlesen
IRA HADŽIĆ: Geographies Of Sleep
Schlaf als Zustand zwischen Bewusstsein und Auflösung, zwischen Kontinuität und Bruch – dieses Spannungsfeld steht im Zentrum von Ira Hadžićs Album “Geographies Of Sleep”. Die aus Sarajevo stammende Berliner Künstlerin versteht ihre Arbeit als eine Art akustische Kartografie: Resonanzen, die sich in konzentrischen Kreisen ausbreiten, Strukturen, die sich von innen her verschieben, minimale Bewegungen, die dennoch ein Maximum an Aufmerksamkeit erfordern. Weiterlesen
GREY MALKIN: Haunted Lives (A Retrospective)
Bedenkt man, wie vielfälltig und umfangreich das Werk des schottischen Musikers, Klangkünstlers, Folkforschers und Geistersuchers Grey Malkin – zunächst mit dem frühen Projekt The Hare & The Moon, dann mit verschiedenen Bands, Kollaborationen und gelegentlich auch solo – ist, dann muss einem die vorliegende Retrospektive als lange überfällig erscheinen. “Haunted Lives”, dessen Titel die Inhalte seiner Arbeiten wunderbar zusammenfasst, versammelt als Weiterlesen
ILLUSION OF SAFETY: Cancer
Das um Dan Burke gruppierte Projekt Illusion Of Safety hat auf vielen Veröffentlichungen in den letzten Jahrzehnten verschiedenste Formen des Postindustrials gespielt: von einem rabiaten, äußerst unangenehmen von Sprachsamples durchzogenen Album wie „Bad Karma“, das damals und heute vielleicht noch viel mehr eine angemessene Musik zur Zeit war bzw. ist, bis hin zu dem verhalteneren „New Rules, Same Game, Less Instruction“ auf Drone vor ein paar Jahren. Weiterlesen
PAUL SCHÜTZE: The Mosaic Of Starlight Slips Back Like The Lid Of An Opening Eye
Der gebürtige Australier Paul Schütze, der seit Jahren in England – lange London, nun an der Küste Kents - lebt, war in den letzten Jahrzehnten in vielen Bereichen künstlerisch tätig und beschreibt sich selbst als „artist composer performer“. Neben der Musik (Klanginstallationen, Soundtacks) hat er sich visuell betätigt (Filme, Fotografien) und sogar Parfüms konzipiert. Es entstanden sowohl Soloalben als auch Zusammenarbeiten, Weiterlesen
V.A.: The Oneirocritical Society Vol. 2
Die im Großraum Athen ansässige Oneirocritical Society ist in eigenen Worten eine Plattform für Träume in loopbarer Form. Verschiedene Künstler, primär aus den Medien Musik und Dichtung präsentieren Sequenzen, die sich mit Darstellungen ihrer eigenen nächtlichen Bildern überlagern sollen. Der vor einigen Wochen erschienene erste Teil der Reihe versammelte elf Beiträge aus dem Umfeld experimenteller und Weiterlesen
ANNE-JAMES CHATON / ANDY MOOR / YANNIS KYRIAKIDES: Tailles
Wenn Sprache auf Material trifft, entsteht Reibung – so oder so ähnlich könnte ein Motto zu “Tailles”, der bereits vor einigen Monaten erschienenen Single des Trios Anne-James Chaton, Andy Moor und Yannis Kyriakides, lauten, denn in dieser Arbeit wird Reibung gewissermaßen zur Struktur: rhythmisch wie ein Schnittmuster, hart akzentuiert wie ein Taktstock, der nicht dirigiert, sondern Zeiteinheiten und Arbeitsabschnitte konturiert. Die drei widmen sich Weiterlesen
DAOU: Blue Ghost
Erinnerung und Gegenwart liegen in “Blue Ghost” so dicht beieinander, dass sie kaum noch zu unterscheiden sind. Das Album beginnt wie das Fragment einer Erinnerung: Geräusche tauchen auf, verwehen, schichten sich übereinander, als lausche man einem Ort, den man nie wirklich verlassen hat. Der Text, der dem Werk von Georges Daou vorangestellt ist, evoziert diese Stimmung bereits in Worten: das Meer als Weiterlesen
ASSAULT BOUQUET: Rushing To The Lake, All My Friends Are At The Bottom
Assault Bouquet ist Zen Zsigo, der bei zahlreichen Noiseprojekten aktiv ist – u.a. bei Cremation Lilly, die uns auf der Outsider Art-Compilation „True Listening Is Love In Action“ zu der Aussage brachten: „Als Abschluss hört man Cremation Lilly auf dem desolaten ‘How To Believe In Yourself When You’ve Been Dead For Years’ mit melodischen flächigen Sounds und traurigem Gesang, der am Ende in völlige Verzweiflung umschlägt. “ Weiterlesen
LA HERIDA: Dead in Devil’s Paradise
Lärmwellenartige Intervalle und alarmierende Synthies eröffnen ein raues Soundszenario, das sich bald zu einem Gewitter aus rhythmischem Noise steigert, während verschiedene Pulsstrukturen gegeneinanderlaufen und trotzdem ineinandergreifen – so könnte man “Mark of Arana”, den Opener des Debütalbums der semiobskuren Band La Herida beschreiben. Die Combo, bestehend aus Eugenio Acrartep (Ab Uno) und Lorenzo Setti (Atômi), beschreibt “Dead in Devil’s Paradise” als Weiterlesen
PLANTS HEAL: Forest Dwellers
Plants Heal, das aus einem Albumtitel hervorgegangene und heute aus Dan Nicholls, Dave De Rose und Lou Zon a.k.a. Louise Boer bestehende audiovisuelle Trio, ist zurück mit einem furiosen Longplayer, dessen acht Tracks wie konzentrierte Ergebnisse eines freien Zusammenspiels wirken und dies wohl auch sind – irgendwo im weitläufigen Grenzgebiet zwischen Improvisation, Clubästhetik und Weiterlesen
IAN BODDY / CHRIS CARTER: Caged
Chris Carter, der Abba-Fan, galt von allen Throbbing Gristle-Mitgliedern immer am ehesten als jemand, der eine Popsensibilität hatte, die sich dann auch über Jahrzehnte bei Chris & Cosey manifestierte. Solo konnte er aber durchaus anders klingen. Auf diesen Seiten hatte er uns solo mit „Chemistry Lessons Volume One“ begeistert, Weiterlesen
LÄUTEN DER SEELE: Unterhaltungen mit Larven und Überresten
“Wir sind die, die vorsichtig an eure Tür klopfen, und wir grüßen euch freundlich” – sagt eine klare Frauenstimme gleich zu Beginn des vor einigen Wochen unter dem Titel “Unterhaltungen mit Larven und Überresten” erschienen Albums von Läuten der Seele, und schon ist man mittendrin in diesem seltsamen Raum zwischen Ankunft und Abschied, zwischen Larven, die sich regen, und Überresten, die Weiterlesen
TERESA RIEMANN: Head Shot Shy
Teresa Riemanns neues Album “Head Shot Shy” beginnt, als wolle es gleich in die Mitte eines schon bestehenden Szenarios gehen – in ein brodelndes, rumpelndes Geflecht aus perkussiven Ausbrüchen und mitreißenden stimmhaften Seufzern, die sich bald zu Worten formen. Weiterlesen
COSIMO QUERCI: Rimane
In den letzten Jahren hat sich das italienische Label Quindi Records als wahre Fundgrube origineller, zum Teil nicht immer leicht kategorisierbarer Musik erwiesen, die wir auf diesen Seiten auch immer wieder besprochen haben – zuletzt hatte uns der Italiener Fortunato Durutti Marinetti begeistert, jetzt folgt mit „Rimane“ das Debüt eines weiteren Musikers aus Italien: Cosimo Quierci, der fast alle Instrumente spielt Weiterlesen
ÜMLAUT: The Distance Between Two Points
Die fünf Stücke von Ümlauts bereits vor einigen Monaten erschienenem Album “The distance between two points” wirken wie eng verbundene Variationen eines übergeordneten Gedankens, der sich schrittweise verdichtet und wieder öffnet. Bereits zu Beginn deutet sich an, dass der hinter dem Projekt stehende Jeff Düngfelder mit dem Einsatz von Tape-Loops, Field Recordings und Synthies interessante Weiterlesen