Mit „Safe Inside The Day“ bekam Baby Dee, die man hier sicher nicht extra vorstellen muss, ihr erstes großes Medienecho. Neben einer Art Durchbruch und gewissen Erfolgen bei einem größeren Publikum markierte dieses Album auch die Hinwendung zu einem etwas breiter instrumentierten Sound und die Verabschiedung ihres anfangs primär auf Stimme, Piano und Harfe reduzierten Klangbildes. Weiterlesen
Archiv der Kategorie: Reviews
SIX ORGANS OF ADMITTANCE: Asleep on the Floodplain
Ich erinnere mich noch daran, dass puristische Fans von SIX ORGANS OF ADMITTANCE gar nicht so begeistert waren von Ben Chasnys ersten Veröffentlichungen auf dem renommierten Chicagoer Drag City-Label. Vermutlich befürchtete man eine zu starke Hinwendung zu einem glatten und poppigen Indie-Sound, an dem die Band an einigen Stellen auch haarscharf vorbeigeschlittert ist. Weiterlesen
V. A.: We Bring You a King with a Head of Gold
2007 veröffentlichte das auf (legale) Folkdownloads spezialisierte Webportal Woven Wheat Whispers mit Hilfe von Cold Spring „John Barleycorn Reborn“, eine Doppel-CD, auf der sich zahlreiche Künstler daran machten, unter dem Titel des vielfach interpretierten Traditionals „John Barleycorn“ eine Traditionslinie vom „dunklen Britannien“ ins 21. Jahrhundert fortzuführen. Weiterlesen
PREMATURE EJACULATION: 6
Der siebte Teil von Rozz Williams’ „Lost Recordings“, enthält –sieht man von ein paar Tracks ab, die auf „A Little Hard to Swallow“ veröffentlicht wurden – unveröffentlichtes Material, das laut Labelinfo irgendwann vor 1987 aufgenommen wurde. Das Cover, auf dem eine anatomische Studie eines menschlichen Kopfes und Halses mit freigelegten Blutgefäßen zu sehen ist, ist eine adäquate Illustration von Williams’ Herangehensweise (sei es musikalisch, sei es in seinen Collagen), findet sich doch in seinem PREMATURE EJACULATION-Artwork mehrfach die Aufforderung: „Open your eyes“. Weiterlesen
BONNIE ‘PRINCE’ BILLY AND THE CAIRO GANG: Island Brothers
Will Oldham alias Bonnie ‘Prince’ Billy ist leidenschaftlicher Kollaborateur, und eine der wohl besten Nachrichten des neuen Musikjahres kündet von der Wiederbelebung seiner vielleicht fruchtbarsten Allianz, namentlich SUPERWOLF zusammen mit Matt Sweeney. Doch auch seine letztjährige Zusammenarbeit mit THE CAIRO GANG wahr wohl kein einmaliges Unterfangen, denn mit der neuen 10”-Single legt das Gespann einen kleinen aber würdigen Nachfolger des letzten Albums vor. Weiterlesen
ANDREW LILES: Muldjewangk, Morgawr & Other Monsters
Die Kryptozoologie ist eine Art Parawissenschaft, die sich im Schatten des Hochbetriebes unserer Wissensfabriken eine kleine Nische gesichert hat. In ihrem Wesen oft spekulativ, versucht sie höchst interessanten Fragen auf den Grund zu gehen. Wie viele unentdeckte Tierarten mag es wohl auf unserem Planeten geben, und wird man sie jemals alle entdecken? Wie groß war die Fauna vergangener naturgeschichtlicher Epochen, über die man nur Bruchstücke weiß? Und welche Tiere waren eigentlich die Urbilder der vielen Fabelwesen, die die Mythen aller Kulturen bevölkern? Weiterlesen
OWLS: The Night Stays
“It was the owl that shrieked, the fatal bellman,
Which gives the stern’st good-night.” (W. Shakespeare, Macbeth, II.2)
Eulen sind einerseits Symbole der Weisheit, ihnen ist aber gleichzeitig oftmals die Rolle der Unglücksbringer, der Todesboten zugeschrieben worden und zumindest zwei der drei an OWLS Beteiligten haben sich im Laufe ihrer langen Karrieren auf die eine oder andere Art mit dem grim reaper auseinadergesetzt und sind seit Jahrzehnten in verschiedensten (sub-) kulturellen Konstellationen aktiv. Weiterlesen
VAL DENHAM & Ô PARADIS: Transform Thyself
Wenn es etwas Offensichtliches gibt, das die englische Künstlerin Val Denham und den katalanischen Experimentalpopper Demian Recio verbindet, dann ist es die Affinität zu interessanten Kollaborationen. Beide scheinen immer auf der Suche nach Gegensätzen zu sein und drücken den unterschiedlichsten Gemeinschaftsarbeiten doch stets ihre unverkennbaren Stempel auf. Was bei dem einen mediterrane Wärme, ist bei der anderen das forsche Draufgängertum einer leider noch viel zu unbekannten Transgender-Ikone. Weiterlesen
PJ HARVEY: The Word That Maketh Murder
PJ Harvey ist zur Zeit wieder in aller Munde, so wie im Grunde bei allen Veröffentlichungen der Britin mit den angeblich „sanftesten Lippen des Showbiz“ (Nick Cave). Und da ihr vor kurzem erschienenes Album „Let England Shake“ schon ordentliches Feedback bekommen hat und vermutlich auch noch weiteres bekommen wird, soll hier einmal besonders auf die Single-Auskopplung hingewiesen werden, die im großen Blätterwald wie üblich etwas unterzugehen droht. Weiterlesen
M.B.: S.F.A.G.
Das ultimative Referenzwerk aus der Frühphase Maurizio Bianchis ist das 1981 erstmals auf Nigel Ayers’ Label Sterile Records veröffentlichte Album „Symphony for a Genocide“, ein Album voll entmenschlichten Maschinenlärms, das im 11. Kata-Magazin der Come Organisation adäquat als „low key depression piece[…]“ tituliert wurde. Zwei Jahre später wurde das nur in einer geringen Auflage herausgebrachte Album als Tape auf Broken Flag wiederveröffentlicht – auf Bianchis Wunsch zusammen mit einem Remix des Albums namens „S.F.A.G.“. Weiterlesen
THE SKULL DEFEKTS: Peer Amid
Wenn ein Album als musikalischer Drogencocktail angekündigt und im selben Atemzug mit SONIC YOUTH vergleichen wird, dann verheißt das nicht unbedingt einen angenehmen Trip. Thrill Jockey ging sogar noch einen Schritt weiter und sprach vom neuen Album der Schweden THE SKULL DEFEKTS als einer „Frustrationsablageplattform der düsteren Art“. Ich will nicht sagen, dass mich „Peer Amid“ als Gutelauneplatte überrascht hätte, aber die befürchteten Winterdepressionen blieben bislang aus. Weiterlesen
ARBOURETUM: The Gathering
Wie es scheint, setzt Thrill Jockey beim derzeitigen Labelprogramm alle Karten auf Schwere, das heißt auf Stoner Rock und vor allem auf Doom in allen Varianten. Spätestens seit BARN OWLS gefeiertem „Ancestral Star“-Album ist der Funke dann auch endgültig auf das Publikum übergesprungen – Grund, gleich mehrfach nachzulegen. Zeigt THE SKULL DEFEKTS den Sound des Labels von einer komplexen und dynamischen Seite, so repräsentiert „The Gathering“, das vierte Album der Amerikaner von ARBOURETUM, die eingängige Downer-Version. Weiterlesen
THE MOUNT FUJI DOOMJAZZ CORPORATION: Anthropomorphic
Doomjazz, Darkjazz, wären die beiden Bands, die solche Begriffskonstrukte im Namen tragen, nicht durchweg cool und mit einer stilvollen Mixtur aus Unnahbarkeit und Ironie ausgestattet, müsste man sie als Kategorien wohl ablehnen. Ernsthaft betrachtet klingen sie nämlich prätentiös und suggerieren, es handele sich um Spielarten des Jazz. Es handelt sich aber um Spielarten des Ambient, um recht virtuose und reichhaltige zudem. Ernst gemeint sind sie ohnehin nicht. Weiterlesen
IRON & WINE: Kiss Each Other Clean
In einer gerechteren Welt würde vielleicht mal ein Journalist behaupten, IRON & WINE klängen ein bisschen nach BIRCH BOOK. Überstrapazieren würde er den Vergleich natürlich nicht, keineswegs, denn Sam Beam und seine Begleiter kommen um einiges technischer und temporeicher daher als die verträumt-melancholischen Songs des älteren Kollegen. Dennoch, eine gewisse Parallele in Stimmarbeit und Harmonien würde er nicht leugnen können, gerade bei den frühen Aufnahmen liegen sie fast schon auf der Hand. Weiterlesen
BIRTHE KLEMENTOWSKI: Stille
Im Angesichts des scheinbar schwer Fassbaren kommt vielen Menschen häufig die eigentlich unerträgliche Floskel „Das ist ja unvorstellbar“ über die Lippen, dabei vergessen (oder verdrängen) sie, dass das gerade so Bezeichnete eben längst geschehen ist, geschehen, weil es in der Vorstellungskraft des Menschen lag und die ist bei Folter, Vergewaltigung und Mord schon immer sehr kreativ gewesen. Weiterlesen
TALONS: Hollow Realm
Hereford ist eine englische Kleinstadt an der Grenze zu Wales, und wenn man hierzulande schon einmal von dem Ort gehört hat, dann aufgrund der berühmten Hereford-Rinder, die seit dem 17. Jahrhundert dort gezüchtet werden und bis heute zu den am weitesten verbreiteten Rinderrassen der Welt zählen. Dank einer Band namens TALONS darf der Name des Städtchens nun auch im Musikatlas etwas dicker gedruckt werden. Weiterlesen
THE GREAT PARK: Winter
Stephen J. Burch alias THE GREAT PARK zählt zu den Unermüdlichen. Allerdings zeigt sich das nicht nur in seinem stetigen Drang, neue Songs zu schreiben, es betrifft auch den permanenten Häutungsprozess, dem er schon bestehende Aufnahmen unterzieht. Acht Longplayer mit seinem eingängigen, sehr englischen “Winter Death Folk” brachte er bereits heraus, auf dem gerade erschienenen Album, das dann auch gleich „Winter“ heißt, findet sich überwiegend älteres Material. Dieses unterscheidet sich jedoch recht stark von den früheren Versionen der Songs. Weiterlesen
MERZBOW: Marmo
Was schreibt man nach gut dreißig Jahren Bandbestehen über MERZBOW? Vorstellen muss man Masami Akita sicher niemandem, auch die wichtigsten Wegmarken seiner Karriere sind oft beschrieben worden. Bekannt sind seine Wandlungen vom analogen zum digitalen Kracherzeuger, seine Ausflüge in tanzbare Gefilde, seine unzähligen Remix-Projekte. Ebenso die zahllosen Wiederholungen und Selbstzitate, die schiere Masse an Alben und kleineren Releases. Weiterlesen
MUERAN HUMANOS: s/t
Es ist schon beeindruckend, wie erfolgreich sich das Phänomen „Eighties“ in der aktuellen Musikwelt behauptet. Der Bereich angeschwärzter Subkulturen bildet da keine Ausnahme: Schon vor einigen Jahren machte sich eine handfeste Rückbesinnung bemerkbar, Szeneclubs veranstalten Batcave- oder Deathrock-Partys, hybride Retrostile wie Horrorpunk entstanden. Man muss leider hinzufügen, dass solche Strömungen im engeren Szenerahmen eher randständig sind, und nicht alle Ausnahmen sind dann auch wirklich überzeugend. Weiterlesen