Das Album “The Dream Border” von Dora Bleu, Periklis Tsoukalas und Cedrik Fermont entfaltet eine fragile und zugleich verstörende Schönheit. Die Stücke bewegen sich zwischen akustischem Gitarren-”Folk” avantgardistischer Prägung, experimentellen Strukturen und den eindringlichen Texten von Dora Bleu, deren helle Stimme immer wieder die Kontraste zwischen Traum und Bedrohung verdeutlicht und wie aus einem Weiterlesen
Archiv der Kategorie: Reviews
PREFACES: Acqua Marina
Verlassene Pools, verblasste Fliesen, verwitterte Strandclubs – Orte, die gleichzeitig Vergangenheit und Gegenwart tragen, bilden das ästhetische Fundament von “Acqua Marina”. Das Album kreist um die vergilbten Spuren eines Lebensstils, der längst der Vergangenheit gehört oder vielleicht auch nie ganz da war, und bringt die unterschiedlichsten Erinnerungen hervor: persönliche, kollektive und höchstwahrscheinlich auch Weiterlesen
GRYKE PYJE: Crepuscular Elixirs
Schon die ersten Töne lassen keinen Zweifel daran, dass hier etwas eigentümlich Magisches angerührt wurde. Die Stücke auf Grykë Pyjes aktuellem Longplayer “Crepuscular Elixirs” wirken wie seltsame Gebräue, die zwischen Alchemie und verspielter Geräuschkunst changieren – rätselhaft, manchmal schroff und konsequent von einer schalkhaften Schrägheit durchzogen. Schon der Albumtitel deutet an, dass es um Elixiere geht, die von den beiden Klangkünstlern Jani Hirvonen und Johannes Schebler nicht im Weiterlesen
NIGHTMARE NEIGHBOR: Infatuation
V.A.: The Dome Sessions
In Tripoli, im Norden des Libanon, liegt ein Ort, der zugleich Symbol für Fortschrittsutopien und für das Verharren in einem Zustand des Nichterfüllten geworden ist: der unweit des Meeres und der historischen Altstadt gelegene unvollendete Kuppelbau des Rachid Karami International Fair. Entworfen 1962 von dem hierzulande durch das Berliner Hansaviertel, v.a. aber durch die repräsentativen Bauten der brasilianischen Hauptstand bekannten Oscar Niemeyer als Teil eines Weiterlesen
ALI BALIGHI: Ghazale Vay
Manchmal wirkt Musik und Klangkunst am stärksten dann, wenn sie sich scheinbar widersprüchlicher Elemente bedient: Geräusche, die wie Naturereignisse klingen, treffen auf klassische Instrumente, die zugleich vertraut und verfremdet wirken. In Ali Balighis neuem Album “Ghazale Vay” wird genau dieses Spannungsfeld produktiv gemacht. Der aus dem Iran stammende Komponist und Klanggestalter, der derzeit in den USA ansässig ist, verbindet darin zusammen mit einem siebenköpfigen Weiterlesen
YAYOBA: Sensory Sensei
Bisweilen liegt die Besonderheit einer Musik weniger in großen Gesten als in der Art, wie kleinste Details ineinander greifen. Schon beim ersten Hören von Yayobas schon vor einigen Monaten erscheinenem Tape “Sensory Sensei” fällt auf, wie stark die einzelnen Bausteine nicht nur nebeneinanderstehen, sondern sich ineinander verschieben und so einen vielschichtigen, oft überraschenden Klangstrom Weiterlesen
RELAY FOR DEATH: Mutual Consuming
2019 erschien auf The Helen Scarsdale Agency unter dem Titel „On Corrosion“ eine Mammutveröffentlichung: Auf 10 in einer Holzbox zu findenden Tapes versammelten sich Künstler von Alice Kemp über Himulkalt bis zu She Spread Sorrow mit je einem Album. Einige der Alben wurden in den letzten Jahren als Einzeltonträger wiederveröffentlicht, etwa der Beitrag von Gary Mundys sehr produktivem Projekt Kleistwahr oder das Weiterlesen
LAY LLAMAS: Hidden Eyes of a Ghost Jungle
Vieles spricht heute eher dagegen, musikalische Arbeiten gerade aus den experimentierfreudigeren Bereichen als Reise oder Klangreise zu beschreiben, v.a. aufgrund der Überstrapaziertheit solcher Begriffe im musikjournalistischen Diskurs. “Hidden Eyes of a Ghost Jungle”, die vor einigen Wochen erschienene LP des sizilianischen Projektes Lay Llamas, mutet allerdings tatsächlich wie ein musikalischer Reiseroman an, der einen langsam und Weiterlesen
ANIQO: The Call
Manchmal kündigt sich Veränderung nicht laut an, sondern flüsternd, als leiser Impuls, dem man nur folgen kann, wenn man bereit ist, alles Vertraute hinter sich zu lassen. “The Call”, der neue Song der Sängerin und Mehrfachinstrumentalistin Aniqo handelt von genau so einem Moment, einem inneren Aufbruch, der keiner klaren Richtung folgt, aber doch Weiterlesen
SALFORD ELECTRONICS: After The Rain
David Padbury hat sich jahrzehntelang am eher rabiaten Feld aus Power Electronics und Industrial abgearbeitet. Seit einigen Jahren nimmt er – im Projektnamen auf seine Heimatstadt verweisend – als Salford Electronics auf. Wies das 2017 auf Tesco veröffentlichte Album „Communique No. 2“ noch Spuren von Industrial auf, so näherten sich die zahlreichen (hauptsächlich digital verfügbaren) Alben und Tracks allerdings stärker einem tendenziell dunklen, Weiterlesen
THE SPECTRAL LIGHT: Obliteration
Das neue Album “Obliteration” von The Spectral Light, bestehend aus Amanda Votta, Neddal Ayad und Jon Free, ist ein düsteres, raues Werk, das sich mit fünf ausgedehnten, jeweils um die zehn Minuten langen Stücken gänzlich der Langsamkeit, Tieftönigkeit und atmosphärischen Verdichtung verschreibt. Alles wirkt hier abgründig und gespenstisch – eine Musik zwischen bröckelndem Lärm, zäher Wucht und einer zerfransten, melancholischen Schönheit. Weiterlesen
SARY MOUSSA: Wind, Again
Es gibt Musik, die nicht nach Einheit strebt, sondern gerade aus dem Zusammenprall unterschiedlicher Elemente ihre Spannung bezieht. “Wind, Again”, das neue Album von Sary Moussa, das der hier als Sazspieler auftretende Musiker zusammen mit einigen der großen Namen der libanesischen Experimentalszene – Julia Sabra (Piano, Hammond-Orgel), Paed Conca (Klarinette), Abed Kobeissi (Buzuq), Sary Moussa (Saz), Fadi Tabbal (Gitarre) und Pascal Semerdjian (Schlagzeug) – eingespielt hat, ist Weiterlesen
IBIZA MOVE: #1
Rauschen, Knistern, Stimmenfetzen, die wie aus einem Traum auftauchen und wieder verschwinden – “Ibiza Move #1″ entfaltet sich wie ein akustisches Geflecht aus Fragmenten, Zufällen und präzise gesetzten Eingriffen. Nichts wirkt zufällig, auch wenn vieles auf den ersten Eindruck so erscheint. Jedes Detail scheint an seinem Platz, ob brodelnde Texturen, marschierende Rhythmen oder warme Pianoloops. Hinter dieser dicht verwobenen, in Echtzeit entstandenen Weiterlesen
SELENE HELIOTROPE: Monorama
Ein stets wiederkehrendes, tastendes Umkreisen von Motiven, Gedanken und Zuständen scheint das Prinzip zu sein, das sich nicht nur in der musikalischen Struktur, sondern auch in der inhaltlichen Ausrichtung des Albums “Monorama” von Selene Heliotrope spiegelt. Ursprünglich 2011 bei Reverb Worship erschienen, wird das Werk nun erstmals zum Weiterlesen
DANGOLOID: Onehundred Lockgrooves On A White 10”
Der deskriptive Titel dieser Veröffentlichung macht sofort klar, was der Hörer hier bekommt. Das Kölner Projekt Dangoloid, das 2023 mit „The Flight Of The Schemtterling” “den Sound von Eisenbahntunneln, Heizungskellern, Kühlgeräten und Montagehallen aus seinen Oszillatoren krault[e]“, stellt sich in eine lange Tradition: Weiterlesen
DEEP FADE: Oblivion Spell
Es gab in den vergangenen Jahrzehnten eine Menge an Platten, die Bestandsaufnahmen apokalyptischer Niedergangsszenarien in wunderschönen harmonischen Klängen und mit Texten, die auch nach herkömmlichen Standards als poetisch verstanden werden können, auszudrücken wussten, und in vielen Fällen konnte und kann das auch wunderbar funktionieren. Natürlich lassen sich manche Bilder von Zerfall und Untergang ebenso gut und bisweilen besser durch eine Weiterlesen
FORTUNATO DURUTTI MARINETTI: Bitter Sweet, Sweet Bitter
Der gebürtige Italiener und nun in Toronto ansässige Daniel Colussi nimmt seit einigen Jahren unter dem Namen Fortunato Durutti Marienetti auf und hat gerade sein viertes Album veröffentlicht. Man kann ihn irgendwo in einem Spannungsfeld von Rock und Jazz verorten. Im Zentrum ist sicher seine Stimme, der es mühelos gelingt, zwischen Lakonie, Wärme und gezügeltem Pathos zu changieren. Weiterlesen
DUCHAMP: The Wild Joy
Was bleibt vom Klang, wenn man alles Narrative, alles Bildhafte, alles allzu Identifizierbare entfernt? Auf ihrem neuen Album entwirft DuChamp ein musikalisches Szenario, das weniger auf konkrete Bedeutung als auf Präsenz und Empfindungen zielt. “The Wild Joy” ist ein Werk, das sich an der Grenze zwischen Struktur und Auflösung mit großer Konsequenz der Aufmerksamkeit auf den Moment widmet. Weiterlesen
