Das Duo mit dem exotisch klingenden Namen Geins’t Naït entstand irgendwann im Dunstkreis der legendären Coldwaver von Kas Product und existiert nun bereits seit fast dreißig Jahren, bei denen allerdings eine lange Pause mitgerechnet wird. Hierzulande überwiegend frankophilen Kennern ein Begriff, ist die Band auf der anderen Rheinseite kein Geheimtipp mit ihrem eigenwilligen Stil an der Schnittstelle von Punk- und Industrial-Einflüssen, Songs und Soundscapes sowie technoiden und klassischen Arrangements. Weiterlesen
METZENGERSTEIN: Albero Specchio
Als Edgar Allen Poe sich für sein fiktives Adelsgeschlecht den Namen Metzengerstein ausdachte, hatte er sicher die mysteriöse Tiefgründigkeit und zugleich kantige Härte im Sinn, die Fremdsprachler seit jeher mit dem Deutschen assoziieren. In den 90ern taufte sich ein Buchverlag auf diesen Namen, und dass sich erst vor wenigen Jahren eine Band so nannte, ist fast schon etwas verwunderlich, denn er würde zu so ziemlich allem passen, was irgendwie finster und sperrig klingt, von Black Metal über Goth bis mit etwas Fantasie hin zu dunklem Crustcore. Weiterlesen
ANDREW LILES: Cover Girls
Im Vergleich zu Steven Stapleton, den Liles seit Jahren sowohl live als auch im Studio unterstützt, ist letzterer sicher stärker am Song orientiert, an Songs interessiert und hat sich im Verlauf der Jahre an verschiedensten Genres/Musiken abgearbeitet, z.B. Metal. Dabei ist man bei seinen (Re-)Interpetationen vielleicht versucht von Dekonstruktionen zu sprechen, wobei da der semantische Resonanzraum vielleicht zu groß ist. Aber dazu später mehr. Weiterlesen
DBPIT AND GUESTS: Dark Lights [Frantic Cityscapes]
Unter einem urbanen Lebensstil kann man sehr unterschiedliche Dinge verstehen. Gerade der kreative, hippe Großstädter, der einem großen Teil der Musik- und Kunstwelt seinen Stempel aufdrückt, hat meist wenig Bezug zu den Banlieues dieser Welt, was deren Tristheit gelegentlich verstärken mag und ihnen zugleich eine gewisse Ehrlichkeit lässt – schließlich findet man ihn doch meist in Stadtteilen, die ihre raueren Zeiten bereits hinter sich haben, in beschaulich-unordentlichen Altbaugegenden in Brooklyn, Neukölln oder dem Römischen Pigneto. Das resultiert nicht selten in einem Erfahrungshorizont, der immer noch näher an der Weiterlesen
FRODE HALTLI: Vagabonde Blu
Nichts würde dem Norweger Frode Haltli wohl ferner liegen, als sein gleichzeitiges Interesse an traditionellem Folk und an zeitgenössischer Kunstmusik als Spagat oder gar Doppelexistenz zu betrachten, bewegt er sich doch mit Vorliebe in den Randgebieten musikalischer Regionen, in denen alle Überbegriffe obsolet sind. Sein Instrument ist das Akkordeon, das er in Projekten und Ensembles spielt sowie an einer Musikhochschule unterrichtet. Seit Jahren tritt er unter seinem bürgerlichen Namen auf, und das live vor Publikum eingespielte “Vagabonde Blu” gilt nun als sein erstes Soloalbum. Doch genau genommen stimmt auch das nicht so ganz. Weiterlesen
FATHER MURPHY: Croce
In unserem Interview kündigten Father Murphy bereits vor einem knappen Jahr ihr neues Album “Croce” an und erwähnten, dass sie sich – trotz ihrer ansonsten englischsprachigen Texte – für den Titel entschieden hatten, weil er im Italienischen wesentlich kantiger klingt als das vergleichsweise softe englische “Cross”. Das war schon deshalb eine treffende Wahl, da auch die Musik rau und kantig klingt, genau so, wie man es von dem Duo aus Veneto, das eine düstere Form des Noiserock spielt, auch erwartet. Doch er ist auch eine gute Wahl wegen seines Symbolgehalts. Wenn Federico und Chiara als Weiterlesen
When the borders become fuzzy: Interview mit Compound Eye
Die beiden Musiker, die sich hinter der Hommage an das Seltsame des Facettenauges verstecken, haben zusammen einen umfangreichen musikalischen Stammbaum: Tres Warren hat mit den Psychic Ills Psychrock eine neue Dimension gegeben und im Kopf der Zuhörenden „Hazed Dreams“ entstehen lassen, Drew McDowall hat mit seiner damaligen Frau Rose Anfang der 80er The Poems gegründet, als Captain Sons and Daughters mit Kara Bohnenstiel akustische und elektronische Instrumente dröhnen lassen und war eine Reihe von Jahren Mitglied von Coil. Als Compound Eye Weiterlesen
BOGONG IN ACTION: Mahalo
Wenn ich meinen Recherchekünsten trauen soll, dann gibt es bislang keine deutschsprachige Netzquelle, die tiefergehendes Wissen über Bogong in Action verbreitet. Dabei ist das räudige Lärmtrio in ihrer Heimatstadt, dem süditalienischen Taranto, das ohnehin eine kleine Musikhochburg ist, längst berühmt-berüchtigt. Zudem jemand mit von der Partie ist, der auch hierzulande seine Fans hat, nämlich der Drummer Gaspare Sammartano, der zusammen mit Donato Epiro das psychedelische Schweineorgelduo Cannibal Movie betreibt, wobei es dann endgültig geklingelt haben sollte. Nun sind die Kannibalen auf ihre Art durchaus schöngeistig unterwegs, und Weiterlesen
PETER HOPE & THE EXPLODING MIND: Hot Crow on the Wrong Hand Side
In der Klischeewahrnehmung war Psychedelic in den 80ern tot und erst im Rahmen jüngerer Retrophänomene wieder auferstanden, und wahrscheinlich existiert immer noch das Vorurteil, dass all dies kaum mit Post Punk und Wave vereinbar sei. Gegen solche Schwarzweißmalerei sprechen nicht nur zahlreiche Aufnahmen von The Residents bis LPD, die zeigten, dass sich das Psychedelische nur neue, vielleicht subtilere Wege gesucht hat. Und heute sprechen Weiterlesen
STEVE REICH/ENSEMBLE AVANTGARDE: Four Organs/Phase Patterns/Pendulum Music
Zu dem Komponisten Steve Reich ist viel gesagt worden und gerade als interessierter Laie ohne musiktheoretisches Fundament neigt man vielleicht dazu, sich im Großen und Ganzen an die gängige Sicht zu halten, die auch recht überzeugend klingt. Reich gilt als einer der konsequentesten Vertreter der sogenannten Minimal Music, die sich seit den 60ern in bewusster Abgrenzung zum als abstrakt empfundenen Serialismus der repetitiven Reihung kleinster musikalischer Muster zuwandt, einer additiv ausgerichteten Musik, die auf den ersten Eindruck monoton erschien und hypnotisierend wirkt. Weiterlesen
MASTERY: Valis
Als Soloprojekt einen veritablen Bandsound auf die Beine zu bringen ist auch im Black Metal kein Unding. Mit seinem wandlungsfähigen Saitengeschruppe und einer ebensolchen Drumsection sticht Mastery aus der kalifornischen Bay Area dennoch heraus, zumal seine Stilidee, Black Metal mit jazzigen Versatzstücken zu kombinieren, gar nicht bemüht wirkt. Die nahezu schizoiden Gegensätze, die auf Masterys erstem Longplayer (vorausgegangen ist u.a. eine Split mit Skullflower) aufeinandertreffen, finden sich weniger in Weiterlesen
ZONE DEMERSALE: Motore Primo
Ob man Zone Démersale die intensive Beschäftigung mit Philosophie anhört, die Michele Ferretti und Pietro Riparbelli als Inspirationsquelle für ihren dunklen Ambienttechno angeben, ist schwer zu sagen. Etwas nachvollziehbarer wird dieser Hintergrund, wenn man bedenkt, dass die beiden Produzenten vor allem der Reflexion über Wahrnehmungsphänomene zugetan sind und die sinnlichen Vorgänge untersuchen, die griechische Philosophen aisthesis nannten, wovon unser Begriff der Ästhetik abstammt. Als Zone Démersale spielen sie eine Musik Weiterlesen
SIR RICHARD BISHOP: Tangier Sessions
Der Mythos um „Tangier Sessions“ ist schon seit ein paar Monaten im Umlauf – eine in einem Schweitzer Trödelladen zufällig aufgeschnappte Gitarre aus besseren Zeiten und von besonderem Fabrikat, Sir Richard Bishops wiedererwachte Lust, darauf die vielen Motive aus arabischen, maghrebinischen, griechischen und anderen Traditionen aufleben zu lassen, die der Gitarrist seit seinen Tagen bei den Sun City Girls kennen gelernt hatte und nicht zuletzt ein kleines Apartment mit Dachterrasse im marrokkanischen Tanger, wohin er sich für eine Zeit zurückzog und die vielen Echos zu einem eigenständigen Werk heranreifen ließ. Weiterlesen
PRAIRIE: Like A Pack Of Hounds
Wenn man bedenkt, dass Postrock -wie die Vorsilbe impliziert- (auch) eine Überwindung des als schematisch empfundenen Rock war, ist dessen Halbwertszeit nicht ganz so lang gewesen, führte (natürlich unweigerlich) zu Ermüdungserscheinungen, wie so immer, wenn Genres von der Peripherie ins Zentrum rücken und drängen. Weiterlesen
AIDAN BAKER: The Sea Swells A Bit
Willst du was gelten, mach dich selten – zu den Musikern, die dieses Motto regelmäßig ad absurdum führen, zählt auch der aus Kanada stammende Drone-Spezialist Aidan Baker, der am laufenden Band veröffentlicht, gerne kolaboriert, auf etlichen Labels zuhause ist und gerade im deutschen Hauptstadtkontext auch regemäßig auftritt. Jeder Versuch, seinen Werdegang inklusive seiner Band Nadja und seinem offenen Projekt B/B/S zu rekapitulieren, läuft Gefahr, in ermüdende Aufzählungen zu kippen, vorausgesetzt, man überblickt sein Output überhaupt. Weiterlesen
EDWARD KA-SPEL: The Victoria Dimensions
Angesichts der enormen Veröffentlichungsflut Edward Ka-Spels wundert es kaum, dass abgesehen von ein paar Die Hard-Fans wohl den meisten Anhängern des schlaftrunkenen Psychedelikers immer wieder einiges entgeht. Auch wenn man eine handvoll Platten des Legendary Pink Dots-Gründers übergeht – er läuft einem ja nicht weg, und sollte man sich in zwei Jahren mal wieder ein Album von ihm zulegen, so wird es einen sicher wieder mit der gleichen soliden Schrägheit beglücken wie eh und je. Schade wäre es nur, wenn dabei ausgerechnet das vor kurzem erschienene Weiterlesen
CELER: Sky Limits
Zu den bekanntesten optischen Täuschungen zählt das durchsichtige, oft nur schwach erkennbare Spiegelbild in einer einfachen Glasscheibe, das sich mit den Objekten hinter dieser Scheibe überblendet. Die Illusion einer solchen Überblendung erfolgt bei vielen Menschen immer dann, wenn Erinnertes oder Imaginiertes die Bilder der äußeren Realität überlagert, wenn das, was man gerne das geistige Auge nennt, die tatsächliche Sinneswahrnehmung in den Hintergrund drängt. Weiterlesen
DAVE PHILLIPS: Burn
Es gibt die weitverbreitete Gewohnheit, sich allem voran auf die Sprache zu verlassen, wenn es um die Annäherung an Multimedia-Konzepte geht. Dave Phillips ist ein Künstler, bei dem Musik, Text, Bild, Film und Performance in etwa gleiche Rollen spielen, dazu kommen zahlreiche Verweise auf externe Quellen und all dies verfolgt einen kritischen, im weitesten Sinne politischen Ansatz. Nähert man sich Phillips über das Medium Sprache, so findet man in seinen Booklets Texte von z.T. erstaunlicher Klarheit – eigene Manifeste oder Essays anderer Autoren, die sloganhafte Kommentare zum Stand der Zivilisation und teilweise direkte Handlungsanweisungen enthalten. Bezieht man dann jedoch Weiterlesen
Vielleicht ist Raum einfach das, was die Sinne zusammenbringt. Interview mit Elyse Tabet alias Litter
So schwer es auch ist, Musik qualitativ zu bewerten – das Album “Newfound Grids”, das die libanesische Künstlerin Elyse Tabet mit ihrem Projekt Litter vor einiger Zeit herausgebracht hat, zählt sicher zu den virtuosesten Geheimtipps atmosphärischer Elektronik und könnte in kompositorischer wie gestalterischer Hinsicht den einen oder anderen Maßstab setzen. Tabets Zugang zu Klängen und musikalischen Strukturen läuft nicht über die Codes der Notation, sondern eher über den visuellen Umweg der Farben, Formen und Linien. Dies mag einen bei einer Künstlerin, die ebenso sehr in Bereichen wie Weiterlesen