TELEPLASMISTE: To Kiss Earth Goodbye

Bei weitgehend instrumentaler Musik kann durch Bandnamen, Titelgebung und Artwork Hörerlenkung erfolgen und das Werk klarer konzeptionell situiert werden. Das aus Mark O Pilkington, der Strange Attractor Press leitet, u.a. bei Urthona gepielt hat und sich in den letzten Jahren mit allerlei Themen im Bereich Grenzwissenschaft(en) beschäftigt hat und Michael J York, der schon mit Coil, Shirley Collins, Current 93 und Cyclobe aufgetreten ist und aufgenommen hat, bestehende Duo veröffentlicht mit “To Kiss Earth Goodbye”  den Nachfolger von “Frequency Is The New Ecstasy”. Weiterlesen

BACKWORLD: Sacred And Profane Songs

Als das Debütalbum „Holy Fire“ auf Joe Budenholzers Minilabel Harbinger House 1996 über World Serpent veröffentlicht wurde, da passte es musikalisch-thematisch zum dort beheimateten Apocalyptic Folk. Der aus dem Umfeld des Cinema of Transgression stammende New Yorker orientierte sich mit seiner oft dunklen Musik am Folk der britischen Inseln und während Kollegen Jim Jones coverten, ließ er auf dem Debütalbum David Koresh, den Jesus von Waco, zu Wort kommen, über den er auch einmal ein Musical schreiben wollte. Weiterlesen

ASMUS TIETCHENS: Bleiche Brunnen

Das Album mit dem alliterierenden Titel ist das dritte (repsektive vierte, wenn man die Zusammenarbeit mit Arcane Device dazunimmt) Album des Hamburgers auf dem Dark Vinyl Sublabel Stille Andacht. Tietchens’ Veröffentlichungen der letzten Jahre sind von einer zunehmenden Abstraktion gekennzeichnet, von einer Reduktion, einem Minimalismus, ungefähr beginnend mit dem 2000 auf Ritornell erschienenen ersten Teil der Mengenserie. Weiterlesen

PAUL SCHÜTZE: Without Thought

Seit Jahrzehnten arbeitet der in London lebende gebürtige Australier Schütze im Bereich Ambient, war vor Ewigkeiten Mitglied von Laughing Hands, hat zahlreiche Soundtracks zu Kurzfilmen veröffentlicht, genre- und gattungsübergreifend als Videokünstler gearbeitet und auch Parfüms entworfen, wobei es in den letzten Jahren (musikalisch) etwas ruhiger um ihn geworden ist. Weiterlesen

WETWARE: Flail

Während eine Reihe von Duos, die im Rahmen des 80er Dark Wave-Revivals durchaus stimmungsvoll klingen, sind sie häufig doch etwas (zu) glatt, sind abseits des schönen dunklen Scheins letztlich doch nur Meterware für die Tanzfläche. Wetware, das aus Roxy Farman und Matt Morandi bestehende Duo, kommen aus einer musikalisch anderen Tradition und agieren irgendwo als Hybrid zwischen No Wave und Industrial und lassen ein gefälliges (Zu-)Hören nicht zu. Weiterlesen

HIMUKALT: Sex Worker II

Unter dem Projektnamen Himukalt hat Ester Kärkkäinen in den vergangenen Jahren eine Reihe von Arbeiten veröffentlicht, die sich im Bereich Noise und Power Electronics verorten lassen. Was die thematische Ausrichtung anbelangt, so gibt sie auf ihrem ursprünglich 2017 erschienenen Album „Vulgar“ eine Zusammenfassung: „much of the themes in Himukalt deal with human sexuality. In particular, mine“. Weiterlesen

DAVID ÅHLÉN: My Face Will Shine

Der Schwede David Åhlén hat ein Thema – ob anfangs in der Indieband Mamur oder seit einer Reihe von Jahren als Solokünstker; wenn  Åhlén mit fast schon fragiler Stimme, die sich oft dem Falsett annähert, Texte intoniert, wird schnell klar, worum es (ihm) geht. Der aus einer Baptistenfamilie stammende Åhlén sagte in einem Interview, das wir vor etlichen Jahren mit ihm führten: „Ich bin süchtig nach Gott – ich kann ohne seinen heiligen Geist nicht leben. Wenn ich Musik mache, mache ich es aus Verehrung.“ Weiterlesen

DARK LEAVES: Forest Flowing EP

Dark Leaves, das Einmann-Folkprojekt von Patrick Aston aus Penzance, veröffentlicht nach dem auf Reverb Worship 2018 erschienenen Debüt-Album „Grey Stone In The Wood“ eine EP mit drei Stücken, die musikalisch und konzeptionell an den Longplayer anknüpft. Aston bezeichnet seine Musik als „Alternative, atmospheric folk, inspired by folk lore.“ Letzeres spiegelt sich dann auch in den Texten wider, die mit ihrer Naturmetaphorik einen ländlichen Lebensraum evozieren. Weiterlesen

CONTROLLED DEATH: Beautiful Decomposition

Seit Maso Yamazaki, der „Gott des Lärms“, sein manisch-eruptives Noiseprojekt Masonna weitgehend ruhen lässt und augenblicklich seine Energie auf das dunkle, man möchte fast sagen: depressive Death Industrial-Projekt Controlled Death fokussiert, sind seit 2018 zahlreiche Tonträger erschienen. Dabei hat man den Eindruck, dass er wechselt zwischen massiven, umfangeichen Veröffentlichungen, wie etwa dem Doppeltape „Black Scorpion Rising“ oder der kürzlich erschienenen Doppel-LP „Ritualistic Mutilation In The Bloody Darkness“ und Weiterlesen

DANIEL MENCHE: Now We Are A Ghost Ship

Daniel Menche macht seit Jahrzehnten Geräuschmusik und hat auf zahlreichen Labeln wie z.B. Side Effects, Soleimoon, Alien8 oder Important veröffentlicht, hat mit Andrew Liles, John Wiese, KK Null oder Mamiffer gearbeitet und aus verschiedenstem Ausgangsmaterial, so z.B. Geräuschen des Körpers (wie auf „Screaming Caress“), Gamelan Gongs („Marriage of Metals“), dem Surren von Strommasten („From Here To Electricity“) oder Wasserfällen („Kataract“), um nur ein paar Beispiele zu nennen, die sich (fast) beliebig fortsetzen ließen, beeindruckende sowohl lärmende als auch bedrückende Klanglandschaften geschaffen. Weiterlesen

PHURPA: Hymns Of Gyer

Viele denken beim Thema Schamanismus heutzutage wahrscheinlich weniger an Mircea Eliade als an auf Island gedrehte und in Spitzbergen spielende Mysteryserien oder an die zahlreichen/zahllosen Scharlatane, die denjenigen, die auf der Suche nach einem weiteren Mosaikstück für ihre Bricolagespiritualität sind, ihre Dienste anbieten. Weiterlesen

Neue Veröffentlichung von William Basinski und Richard Chartier

William Basinski hat in den vergangenen Jahren mehrfach mit Richard Chartier zusammengearbeitet. Jüngst wurde unter dem Titel „Something From The Pink House“ exklusiv bei Bandcamp eine 2004 entstandene Liveaufnahme als Download veröffentlicht. Von Basinski selbst als „archival oddity“ tituliert, fand diese Liveimprovisation im Haus von Basinskis Partner James Elaine statt. Teile des Materials wurden später für das 2013 veröffentlichte Album „Aurora Liminalis“ verwendet. Weiterlesen

GOLEM MECANIQUE: Nona, Decita et Morta

Unter der Namen Golem Mecanique hat die Französin Karen Jebane in den letzten zehn Jahren eine Reihe von teilweise konzeptionellen Arbeiten veröffentlicht, so z. B. Alben beeinflusst von Dantes Göttlicher Komödie („Chant IV“) oder Pasolini/Euripides („Medea“). Sie selbst spricht auf ihrer Bandcampseite als Bezeichnung für ihre Musik von „Drone Sacred music/ghost /speaking with faded gods /blind spots / Weiterlesen

IAN WILLIAM CRAIG: Red Sun Through Smoke

Von all den Künstlern, die in ihren Arbeiten (sich auflösende) Tape(loop)s integrierten, unterschied sich der in Vancouver ansässige Craig immer dadurch, dass der Fokus bei ihm meistens auf den Song gelegt war. „Red Sun Through Smoke“, sein – je nach Zählweise – mitlerweile achtes Album, ist reduziert und um das Klavier zentriert. Weiterlesen

DITTERICH VON EULER-DONNERSPERG / FELIX KUBIN: NNOI#1

In der NNOI Festival-Reihe werden Aufnahmen von Künstlerinnen und Künstlern veröffentlicht, die auf dem gleichnamigen Festival , “für 12,756 Tonmusik, obskure Lehren & Organ der Weltbauchrednerloge”, gespielt haben (u.a. werden noch Asmus Tietchens und Frieder Butzmann folgen). Den Auftakt macht eine Split-Veröffentlichung:  Ditterich von Euler-Donnersperg, Sachwalter des Werkbunds, selbst so titulierter „Knurrhahn“  hat mit den zwischen 1996 und 2014 erschienenen “Pelzwurstliedern”, sogenannten „Reimdichtungen im Geiste Klopstocks mit elektronischem Zuspielband“, originellste, Weiterlesen

TAETER: Magnum Opus

Der Italiener Nicola Vinciguerra arbeitet sich mit seinen verschiedensten (Noise-)Projekten an den genreüblichen Themen (Sex in allen abseitigen Spielarten etc.) fast monomanisch ab und auch sein neues Tape mit dem etwas anmaßenden, hyperbolischen Titel ist bezeichnenderweise in „Side Death“ und „Side Sex“ unterteilt. Diese Apotheose des Abjekts hat passagenweise vielleicht einen etwas infantilen Charakter, aber in einer Zeit, in der teilweise versucht wird, mit einem puritanischen Furor Kunst in all ihren Ausdrucksweisen zu etwas Aseptischem, Sterilem zu machen, ist das vielleicht durchaus verzeihbar. Weiterlesen

WILLIAM BASINSKI: Hymns Of Oblivion

Als 2006 „Not Alone“, die umfangreiche von Mark Logan und David Tibet kuratierte 5CD-Box, deren Erlös den Ärzten ohne Grenzen zukam, veröffentlicht wurde, fand sich auch ein exklusives Stück William Basinskis, was allerdings aus dem restlichen damals bekannten Werk herausstach. Nicht unbedingt wegen seiner Länge respektive Kürze, denn obwohl Basinski tendenziell die Langform vorzieht und Weiterlesen

AK’CHAMEL, THE GIVER OF ILLNESS: The Totemist

Die hinter skurillen Masken sich versteckenden Bandmitglieder, die vielleicht irgendwann einmal ein Festival mit den Residents und Caroliner spielen sollten, haben zahlreiche Tapes veröffentlicht. Die bisherigen Aufnahmen mit ihren rituellen Gesängen waren geprägt von einem verrauschten Lo-Fi-Sound, der an frühe Nový Svět denken ließ und der dem Projekt eine Aura des Authentischen gab (ähnlich wie bei frühen Ain Soph). Weiterlesen