BONNIE ‘PRINCE’ BILLY AND THE CAIRO GANG: Island Brothers

Will Oldham alias Bonnie ‘Prince’ Billy ist leidenschaftlicher Kollaborateur, und eine der wohl besten Nachrichten des neuen Musikjahres kündet von der Wiederbelebung seiner vielleicht fruchtbarsten Allianz, namentlich SUPERWOLF zusammen mit Matt Sweeney. Doch auch seine letztjährige Zusammenarbeit mit THE CAIRO GANG wahr wohl kein einmaliges Unterfangen, denn mit der neuen 10”-Single legt das Gespann einen kleinen aber würdigen Nachfolger des letzten Albums vor. Weiterlesen

TRANART – Interview mit der Sängerin und Malerin Val Denham

Sollte irgendwann einmal jemand die Biografie von Val Denham schreiben, so wäre das Werk im gelungensten Fall auch eine kleine Geschichte englischer Gegenkultur, gespiegelt im Leben einer facettenreich schillernden Person. Keine der unzähligen kreativen Begegnungen konnten die selbstbewusste Musikerin und Malerin, die einst den Entschluss fasste, kein Mann sein zu wollen, von ihrem eigenen Weg abbringen. Weiterlesen

ANDREW LILES: Muldjewangk, Morgawr & Other Monsters

Die Kryptozoologie ist eine Art Parawissenschaft, die sich im Schatten des Hochbetriebes unserer Wissensfabriken eine kleine Nische gesichert hat. In ihrem Wesen oft spekulativ, versucht sie höchst interessanten Fragen auf den Grund zu gehen. Wie viele unentdeckte Tierarten mag es wohl auf unserem Planeten geben, und wird man sie jemals alle entdecken? Wie groß war die Fauna vergangener naturgeschichtlicher Epochen, über die man nur Bruchstücke weiß? Und welche Tiere waren eigentlich die Urbilder der vielen Fabelwesen, die die Mythen aller Kulturen bevölkern? Weiterlesen

OWLS: The Night Stays

“It was the owl that shrieked, the fatal bellman,
Which gives the stern’st good-night.” (W. Shakespeare, Macbeth, II.2)

Eulen sind einerseits Symbole der Weisheit, ihnen ist aber gleichzeitig oftmals die Rolle der Unglücksbringer, der Todesboten zugeschrieben worden und zumindest zwei der drei an OWLS Beteiligten haben sich im Laufe ihrer langen Karrieren auf die eine oder andere Art mit dem grim reaper auseinadergesetzt und sind seit Jahrzehnten in verschiedensten (sub-) kulturellen Konstellationen aktiv. Weiterlesen

VAL DENHAM & Ô PARADIS: Transform Thyself

Wenn es etwas Offensichtliches gibt, das die englische Künstlerin Val Denham und den katalanischen Experimentalpopper Demian Recio verbindet, dann ist es die Affinität zu interessanten Kollaborationen. Beide scheinen immer auf der Suche nach Gegensätzen zu sein und drücken den unterschiedlichsten Gemeinschaftsarbeiten doch stets ihre unverkennbaren Stempel auf. Was bei dem einen mediterrane Wärme, ist bei der anderen das forsche Draufgängertum einer leider noch viel zu unbekannten Transgender-Ikone. Weiterlesen

PJ HARVEY: The Word That Maketh Murder

PJ Harvey ist zur Zeit wieder in aller Munde, so wie im Grunde bei allen Veröffentlichungen der Britin mit den angeblich „sanftesten Lippen des Showbiz“ (Nick Cave). Und da ihr vor kurzem erschienenes Album „Let England Shake“ schon ordentliches Feedback bekommen hat und vermutlich auch noch weiteres bekommen wird, soll hier einmal besonders auf die Single-Auskopplung hingewiesen werden, die im großen Blätterwald wie üblich etwas unterzugehen droht. Weiterlesen

BIRDENGINE – Interview

Lawry Joseph Tilbury rief vor vor rund einem halben Jahrzehnt das Projekt BIRDENGINE ins Leben. Die musikalischen Komponenten, die sich im Spannungsfeld akustischer Songs und noisiger Tapeloops bewegen, sind nicht die einzigen Gegensätze, die in Tilburys Welt wie im Handumdrehen miteinander versöhnt und auf ein fruchtbares Zusammenspiel hin ausgelotet werden. Birdengine verknüpft auch ein Faible für dunkle und mysteriöse Texte mit einem erfrischend unelitären Verständnis vom Musikersein. Weiterlesen

M.B.: S.F.A.G.

Das ultimative Referenzwerk aus der Frühphase Maurizio Bianchis ist das 1981 erstmals auf Nigel Ayers’ Label Sterile Records veröffentlichte Album „Symphony for a Genocide“, ein Album voll entmenschlichten Maschinenlärms, das im 11. Kata-Magazin der Come Organisation adäquat als „low key depression piece[…]“ tituliert wurde.  Zwei Jahre später wurde das nur in einer geringen Auflage herausgebrachte Album als Tape auf Broken Flag wiederveröffentlicht – auf Bianchis Wunsch zusammen mit einem Remix des Albums namens „S.F.A.G.“. Weiterlesen

THE SKULL DEFEKTS: Peer Amid

Wenn ein Album als musikalischer Drogencocktail angekündigt und im selben Atemzug mit SONIC YOUTH vergleichen wird, dann verheißt das nicht unbedingt einen angenehmen Trip. Thrill Jockey ging sogar noch einen Schritt weiter und sprach vom neuen Album der Schweden THE SKULL DEFEKTS als einer „Frustrationsablageplattform der düsteren Art“. Ich will nicht sagen, dass mich „Peer Amid“ als Gutelauneplatte überrascht hätte, aber die befürchteten Winterdepressionen blieben bislang aus. Weiterlesen

ARBOURETUM: The Gathering

Wie es scheint, setzt Thrill Jockey beim derzeitigen Labelprogramm alle Karten auf Schwere, das heißt auf Stoner Rock und vor allem auf Doom in allen Varianten. Spätestens seit BARN OWLS gefeiertem „Ancestral Star“-Album ist der Funke dann auch endgültig auf das Publikum übergesprungen – Grund, gleich mehrfach nachzulegen. Zeigt THE SKULL DEFEKTS den Sound des Labels von einer komplexen und dynamischen Seite, so repräsentiert „The Gathering“, das vierte Album der Amerikaner von ARBOURETUM, die eingängige Downer-Version. Weiterlesen

THE MOUNT FUJI DOOMJAZZ CORPORATION: Anthropomorphic

Doomjazz, Darkjazz, wären die beiden Bands, die solche Begriffskonstrukte im Namen tragen, nicht durchweg cool und mit einer stilvollen Mixtur aus Unnahbarkeit und Ironie ausgestattet, müsste man sie als Kategorien wohl ablehnen. Ernsthaft betrachtet klingen sie nämlich prätentiös und suggerieren, es handele sich um Spielarten des Jazz. Es handelt sich aber um Spielarten des Ambient, um recht virtuose und reichhaltige zudem. Ernst gemeint sind sie ohnehin nicht. Weiterlesen

IRON & WINE: Kiss Each Other Clean

In einer gerechteren Welt würde vielleicht mal ein Journalist behaupten, IRON & WINE klängen ein bisschen nach BIRCH BOOK. Überstrapazieren würde er den Vergleich natürlich nicht, keineswegs, denn Sam Beam und seine Begleiter kommen um einiges technischer und temporeicher daher als die verträumt-melancholischen Songs des älteren Kollegen. Dennoch, eine gewisse Parallele in Stimmarbeit und Harmonien würde er nicht leugnen können, gerade bei den frühen Aufnahmen liegen sie fast schon auf der Hand. Weiterlesen

BIRTHE KLEMENTOWSKI: Stille

Im Angesichts des scheinbar schwer Fassbaren kommt vielen Menschen häufig die eigentlich unerträgliche Floskel „Das ist ja unvorstellbar“ über die Lippen, dabei vergessen (oder verdrängen) sie, dass das gerade so Bezeichnete eben längst geschehen ist, geschehen, weil es in der Vorstellungskraft des Menschen lag und die ist bei Folter, Vergewaltigung und Mord schon immer sehr kreativ gewesen. Weiterlesen

TALONS: Hollow Realm

Hereford ist eine englische Kleinstadt an der Grenze zu Wales, und wenn man hierzulande schon einmal von dem Ort gehört hat, dann aufgrund der berühmten Hereford-Rinder, die seit dem 17. Jahrhundert dort gezüchtet werden und bis heute zu den am weitesten verbreiteten Rinderrassen der Welt zählen. Dank einer Band namens TALONS darf der Name des Städtchens nun auch im Musikatlas etwas dicker gedruckt werden. Weiterlesen

We are an army of two and we take no prisoners. Interview mit Mueran Humanos

Im Vorwort zu Jeanette Leechs „Seasons They Change“ beklagt Greg Weeks, dass viele neue Entwicklungen in der Musik rein regenerativer Art sind und letztlich zu einem ungenießbaren Aufguss einst aufregender Innovationen führen. In der jüngst auf diesen Seiten veröffentlichten Rezension des Debüts von MUERAN HUMANOS, den zwei in Berlin lebenden Argentiniern, wurde darauf hingewiesen, wie frisch, unverbraucht und originell dieses Album ist Weiterlesen

THE GREAT PARK: Winter

Stephen J. Burch alias THE GREAT PARK zählt zu den Unermüdlichen. Allerdings zeigt sich das nicht nur in seinem stetigen Drang, neue Songs zu schreiben, es betrifft auch den permanenten Häutungsprozess, dem er schon bestehende Aufnahmen unterzieht. Acht Longplayer mit seinem eingängigen, sehr englischen “Winter Death Folk” brachte er bereits heraus, auf dem gerade erschienenen Album, das dann auch gleich „Winter“ heißt, findet sich überwiegend älteres Material. Dieses unterscheidet sich jedoch recht stark von den früheren Versionen der Songs. Weiterlesen

MERZBOW: Marmo

Was schreibt man nach gut dreißig Jahren Bandbestehen über MERZBOW? Vorstellen muss man Masami Akita sicher niemandem, auch die wichtigsten Wegmarken seiner Karriere sind oft beschrieben worden. Bekannt sind seine Wandlungen vom analogen zum digitalen Kracherzeuger, seine Ausflüge in tanzbare Gefilde, seine unzähligen Remix-Projekte. Ebenso die zahllosen Wiederholungen und Selbstzitate, die schiere Masse an Alben und kleineren Releases. Weiterlesen

MUERAN HUMANOS: s/t

Es ist schon beeindruckend, wie erfolgreich sich das Phänomen „Eighties“ in der aktuellen Musikwelt behauptet. Der Bereich angeschwärzter Subkulturen bildet da keine Ausnahme: Schon vor einigen Jahren machte sich eine handfeste Rückbesinnung bemerkbar, Szeneclubs veranstalten Batcave- oder Deathrock-Partys, hybride Retrostile wie Horrorpunk entstanden. Man muss leider hinzufügen, dass solche Strömungen im engeren Szenerahmen eher randständig sind, und nicht alle Ausnahmen sind dann auch wirklich überzeugend. Weiterlesen

ANDREW LILES: Mind Mangled Trip Monster

Schaut man sich den Output des in Brighton lebenden Liles an, kann man meinen, er sei ein Besessener: Kaum ein Monat vergeht, in dem er nicht solo oder in Zusammenarbeit mit anderen etwas veröffentlicht, dabei scheint er Serielles zu schätzen (man denke etwa an die archivarische „Vortex Vault“-Reihe). Einige von Liles Veröffentlichungen zeigen zudem, wie sehr er an der (Zusammen-)Arbeit mit Sängern  interessiert ist (u.a. steuerten Ernesto Tomasini, Rose Mc Dowall, Karl Blake oder Danielle Dax Vocals zu Liles’ Veröffentlichungen bei). Am kohärentesten und konsequentesten gelang dies bislang auf der Femme Fatale-Inszenierung „No Birds Do Sing“ mit Diana Rogerson. Weiterlesen