Die in Wien lebende Sängerin und Klangbastlerin Maja Osojnik arbeitet seit den frühen 90ern mit zahlreichen Gruppen zusammen und wirkte an mehr als zehn Alben maßgeblich mit, die in die unterschiedlichesten musikalischen Himmelsrichtungen drängten. Kurz vor ihrem vierzigsten Lebensjahr bringt sie (nach einem vor sechs Jahren erschienenen Polka-Album) ihre erste nur auf Eigenkompositionen basierende Solo-Platte heraus, und nach eigenen Angaben ist das stark persönlich gefärbte „Let Them Grow” das Resultat eines Weiterlesen
ANDREW LILES: Animal Magick
Nach den rund zwanzig Jahren, die Andrew Liles nun die Welt mit musikalischen und visuellen Monstrositäten bereichert, kann man durchaus ein Resümee zu der Richtung wagen, die sein bisheriges Werk genommen hat. Liles ist über die Jahre bunter, schriller und extrovertierter geworden, der Spaß an immer wieder neuen Facetten des Bizarren ist offensichtlicher, und nichts ist ihm heute fremder als das bisweilen trockene und vornehme Image der allgemein als experimentell bezeichneten Musik. Weiterlesen
NOVEMBER NÖVELET: The World In Devotion
Von den minimalistischen analogen Dissonanzen, die das Debüt „More Satanic Heroes“ prägten, hat sich der Haus Arafna-Seitenableger hin zu einer von Vintagesynths geprägten minimalen, analogen und melancholischen Popmusik entwickelt und auf inzwischen drei Alben und drei EPs gezeigt, wie – Achtung! Oxymoron – zeitgemäße an der elektronischen Vergangenheit orientierte Musik klingen kann. Weiterlesen
KEDA: Hwal
Auf Koreanisch bedeutet „Hwal“ Bogen, und mit etwas Fantasie könnte man das auf den großen Bogen beziehen, der auf Kedas so betiteltem Debüt gespannt wird – von Korea über Frankreich bis Burkina Faso, von höfischer und volkstümlicher Musik bis hin zu Blues, Dub und experimenteller Elektronik. Vom Naturbelassenen bis zum gestylten Feinschliff. Von meditativer Ruhe zum tanzbaren Groove in dezenter Gangart. Darüber hinaus kommt auf der Musik aber auch ein Bogen zum Einsatz. Weiterlesen
GENETIC TRANSMISSION: Last
Das polnische Projekt, das sich nach einem bekannten SPK-Track benannt hatte, existiert schon ganze zwanzig Jahre lang und hat sich in vielen Aufnahmen einem Sound verschrieben, der dem entspricht, was Leute wie Vivenza einmal mit einem Begriff wie Industrial verbunden hatten: Gesamplete, kollagierte und nur subtil bearbeitete Sounds aus den Bildwelten industrieller Produktionsstätten. Dennoch bekommt man bei der Musik von Tomasz Twardawa schnell den Eindruck, dass es nicht einfach um eine Dokumentation oder atmosphärische Nachzeichnung von Weiterlesen
NOVÝ SVĚT / GERMAN ARMY: Split 7”
Von dieser im vergangenen Herbst erschienenen Split 7” sind wahrscheinlich nur noch wenige Exemplare zu ergattern, aber da mich das gute Stück nun nach einer postalischen Irrfahrt doch noch erreicht hat, soll es den Lesern unserer Seite, die sicher zum Großteil mit dem undefinierbaren Kosmos Nový Světs und der von Noise und Exotica angereicherten Elektronik German Armys vertraut sind, nicht vorenthalten werden. Weiterlesen
FAMILY FODDER: Sunday Girls (Director’s Cut)
Hätte es 1979 die Punk’n'Wave-Kultur noch nicht gegeben, so hätten Alig Pearce und seine Band Family Fodder diesen ganzen Kosmos im Alleingang erfinden können, denn wenige Bands aus dieser Ära, die Simon Reynolds in seinem Band „Rip It Up And Start Again“ abfeiert, konnten es mit dadaeskem Humor, rebellischem Sarkasmus und sprunghafter musikalischer Vielfalt mit dem nerdigen Kollektiv aufnehmen, dem in der gängigen Geschichtsschreibung alternativer Musik meist nur ein kleines Kapitel beigemessen wird, das unter Freunden experimenteller Weiterlesen
ANEMONE TUBE: Golden Temple
Im Zentrum von Tokyos Bezirk Minato erhebt sich die Skyline der Roppongi Hills, einer Gruppe von Bürotürmen um den mächtigen Mori Tower, den die kritisch gesinnten unter den Einheimischen in leicht abergläubischer Weise den bösen Turm nennen. In ihrer Wahrnehmung steht er für die Macht, die das Kapital und der entfesselte Konsum auf alle Lebensbereiche ausweitet. Für den Musiker Anemone Tube, der vor einigen Jahren Japan bereiste und am Fuße der Türme das Covermotiv und nicht wenige der Sounds seines aktuellen Albums „Golden Temple“ aufnahm, ist der Ort ein Symbol der Weiterlesen
JOCHEN ARBEIT & HUAN: s/t
Mit Jochen Arbeit und Víctor Hurtado alias Huan treffen zwei erfahrene Klangzauberer auf einander, die schon lange in unterschiedlichen Konstellationen aktiv sind. Arbeit, der erstmals mit Die Haut von sich reden machte, seit knapp zwanzig Jahren bei den Einstürzenden Neubauten die Gitarre spielt und neben vielen weiteren Aktivitäten mit Julia Kent, Palumbo und Beauchamp dröhnt und mit Mueran Humanos rockt, sollte hierzulande jedem Freund ausgefallener Musik bekannt sein. Sein katalanischer Kollege Hurtado ist jedoch nicht minder Weiterlesen
THE ISLAND BAND: Like Swimming
Wenn eine Island Band ein Album namens „Like Swimming“ herausbringt und das Cover noch mit einer Strandlandschaft illustriert, klingt das alles sehr nach Wohlfühlplatte, und dies zu allem Überfluss nicht einmal zu Unrecht. Aber es ist auch eine Wohlfühlplatte aus dem Hause Hubro, und damit sind doppelte Böden, überraschende Wendungen und ein bisschen Spannung und Verlorenheit inmitten all der Tagträumerei erwartbar. The Island Band ist eine Art Supergroup norwegischer Musiker quer durch alle möglichen und unmöglichen Weiterlesen
POST SCRIPTVM: Gauze
Es gibt Musiker, die erst nach einigen Jahren ihre besondere musikalische Sprache finden, vielleicht anfangs noch einem Genre anhängen und erst mit der Zeit einen unabhängigen Stil finden. Oder aber sie irren anfangs noch etwas unsicher umher um erst nach einigen wechselhaften Releases ihre Heimat in etablierten Strukturen finden. Dann gibt es aber auch solche, die von Anfang an wissen, wohin die Reise geht und ihre einmal eingeschlage Richtung nur variieren und verfeinern. Zu dieser Gruppe zählen die beiden in New York lebenden Andrei und Liana, die als Post Scriptvm Weiterlesen
SUN CITY GIRLS: Torch Of The Mystics
Eine der Schattenseiten des DIY besteht in der Tatsache, dass viele der zwangsläufig limitierten Veröffentlichungen von relativ unbekannten aber hochrenommierten Bands früher oder später für drei- bis vierstellige Summen gehandelt werden. Ist dies schlicht Teil eines wilden Anarchismus oder doch der unweigerliche Sieg des kapitalistischen Marktes? Ultralibertäre würden sicher beides bejahen und darauf pochen, dass das ohnehin das gleiche sei. Wie dem auch sei, der natürliche Feind des Leichenflädderers ist die Wiederbelebung von Toten, und dank der vorliegenden Weiterlesen
400 PPM: Just In Time
Shawn O‘ Sullivan, der u.a. mit Led Er Est, einem Trio aus New York, eine Musik spielt, die ihre Inspiration ganz sicher aus dem Wave der 80er zieht und mit ihnen auf einer Reihe von Alben die Möglichkeiten melancholischer Musik ausgelotet hat, debütierte 2013 mit einer EP unter dem Namen 400 PPM, auf dem er einen reduzierten Techno spielte, der musikalisch scheinbar weit entfernt von Led Er Est war, was aber nicht verwunderte, hat O‘ Sullivan seine Wurzeln doch im Techno. Weiterlesen
DREW MCDOWALL: Haecceity Deluge
Im Laufe seiner Karriere hat Drew McDowall recht unterschiedliche Musik gespielt, die – abgesehen vom punkigen Frühwerk – das im weitesten Sinne Experimentelle und Elektronische gemeinsam hat. In den letzten Jahren trat er hauptsächlich als eine Hälfte von Compound Eye in Erscheinung, und untermauerte dort seinen Ruf als exzellenter Dröhner fernab dessen, was heute Hipsterstandard ist. Daneben unterstützt er im Rahmen seiner Produzentenarbeit junge Bands und tritt mittlerweile auch verstärkt solo Weiterlesen
TRONDHEIM JAZZ ORCHESTRA / CHRISTIAN WALLUMRØD: Untitled Arpeggios and Pulses
Über weite Strecken mag man kaum glauben, dass ganze zehn Musiker an den „Untitled Arpeggios and Pulses“ mitgewirkt haben, und die ersten gut zehn Minuten erscheinen ausgesprochen minimalistisch orchestriert. Eine Folge durlastiger Akkorde auf Wallumrods Flügel, scheinbar endlos wiederholt, eine immergleiche Melodie. Eine ganze Weile lang muss man genau hinhören, um all das zu registrieren, was irgendwann nicht mehr zu überhören ist, nämlich dass dieses trügerische Einerlei voll kleiner, mit der Zeit immer deutlicher werdender Brüche ist. Weiterlesen
CURRENT 93: The Moons At Your Door
Im Anfang war das Wort. So könnte man die Geschichte der Genese/der Genesis von Current 93 beginnen, denn obwohl längere Texte auf dem Frühwerk nur selten vorkamen und manchmal die Stimme nur ein Klang(mittel) unter anderen war, so spielte das Konzept(ionelle), der Logos schon immer eine dominierende Rolle – man denke nur an das musikalisch noch etwas unausgegorene 1983 erschienene 12′-Debüt „LAShTAL“. Weiterlesen
IRMLER / EINHEIT: Bestandteil
Zum dritten mal nun hat sich das ohnehin recht kollaborationsfreudige Duo Hans Joachim Irmler (erstmals mit Faust in Erscheinung getreten) und F.M. Einheit (früher bei den Einstürzenden Neubauten) zusammen ins Studio begeben und in einer längeren Reihe an Jam-Sessions ein beeindruckendes Album entstehen lassen. Den spontanen, tendenziell improvisierten Charakter spürt man an allen Ecken und Enden, trotz allem ist „Bestandteil“ aber auch ein kollagenartiges Werk, das seinen einzelnen Komponenten viel Raum gibt und immer wieder bestimmte Klänge besonders exponiert. Dies verführt natürlich leicht dazu, den Weiterlesen
HIJOKAIDAN: Emergency Stairway To Heaven
Die 1979 in Kyoto gegründete Formation Hijokaidan ist eines der ältesten und langlebigsten Urgesteine aus dem Bereich, der gemeinhin Japanoise genannt wird, und auf der vor sechs Jahren erschienenen 30CD-Box mit dem schlichten Titel “The Noise” – die ich nur in Auszügen kenne – konnte man sich ein Bild machen von den typischen Stilelementen und den Wandlungen der von einigen Umbesetzungen geprägten Gruppe um Gründer Jojo Hiroshige. Hijokaidan sind v.a. durch ihre spektakulären Auftritte berüchtigt, doch es gibt auch eine Vielzahl von Studioafnahmen, die oft in Kollaboration mit Weiterlesen
CONSUMER ELECTRONICS: Dollhouse Songs
Überraschend schnell legen Philip Best, seine Frau Sarah und Russell Haswell nach dem im letzten Jahr veröffentlichten „Estuary English“ mit „Dollhouse Songs“ einen Nachfolger vor, der an den Vorgänger textlich wie musikalisch anknüpft. Eröffnet wird das Album, dessen Cover Trevor Brown gestaltet hat, mit „History of Sleepwalking“, einem Stück aus verzerrten, brutzelnden Sounds, und (kaum zum Tanzen animierenden) Beats. Weiterlesen