SKREI: Önämuumänö

Ich weiß nicht, ob der Name SKREI etwas bedeutet oder ob das seltsame Palindrom des Titels aus eine ugro-finnischen Sprache stammt, hinter dieser geballten Ladung sprachlicher Obskurität jedenfalls verbirgt sich der in Berlin ansässige Neopolitaner Giuseppe Capriglione, der bereits auf eine ereignisreiche Zeit im weiten Feld zwischen Gitarrendrone, Improv und Harshnoise zurückblicken kann – als Betreiber von rührigen Tape- und Vinyl-Labels, als Veranstalter von Konzertreihen und mit eigenen Musikprojekten wie Gun, Gunzard und Weiterlesen

Das Opium der Schönheit. Interview mit Demian von Ô Paradis

Es gibt Attribute, mit denen man sparsam umgehen sollte, wenn man über Musik spricht, und eines davon ist sicher das Wort einzigartig. Man sollte aber nicht allzu erschrocken sein, wenn es einem im Bezug auf Ô Paradis ab und an herausrutscht, denn für einen solchen Fauxpas gäbe es Anlässe genung: Die Kunst, mit gesampleten Sounds originelle Kollagen zu zaubern, die gekrönt mit einer Weiterlesen

RAPOON: Blue Days

In den letzten Jahren haben sich zwei Entwicklungslinien im Werk von Robin ‘Rapoon’ Storey herausgebildet. Während der frühere Zoviet France-Musiker in einigen Arbeiten seine rituell-ambiente Seite in langsam aufbauenden Kompositionen primär auf Wirkungsintensität ausrichtet, gibt es seit einiger Zeit vermehrt Veröffentlichungen, denen man nur im weitesten Sinne Albumcharakter attestieren kann, die eher Sammlungen von Skizzen sind, bei denen man als Hörer oft nicht umhin kann, sich die einzeln vorgeführten Sounds in größeren konzeptuellen Zusammenhängen vorzustellen. Weiterlesen

FUTEISHA: Sulla Via Del Re Nel Ritorno

Juan Scassa ist einer der Mannen von La Piramide Di Sangue und hat vor gut einem Jahr mit seinem Soloprojekt Futeisha debütiert. Mit dem Album „Dannato” wäre er vermutlich als spätes Wunderkind des Neofolk gefeiert worden, wenn es bei einem entsprechenden Label herausgekommen wäre, denn solche Kriterien sind mittlerweile der am ehesten ausschlaggebende Faktor für Genrezuweisungen dieser Art – vorausgesetzt man besingt die entsprechenden Themen und lässt, wenn man aus Italien kommt, ab und an ein Akkordeon im Weiterlesen

MATS ERLANDSSON: Valentina Tereshkova

Das Schweigen der unendlichen Räume des Alls ließ schon Pascal erschau(d)ern und ein österreichischer Misanthrop setzte diese berühmten Worte aus den Pensées des Franzosen vor seinen Roman Verstörung. Hollywood hat sich in den letzten Jahren (wieder) vermehrt dem Weltraum zugewendet: Alfonso Cuarón hat mit Gravity dem Zuschauer zumindest kurzzeitig verdeutlicht, was man (auch) unter der Geworfenheit des Menschen verstehen kann, um dann allerdings durch das obligatorische (und wohl notwendige) against-all-odds happy ending Konsequenz vermissen zu lassen, Weiterlesen

FATIMA AL QADIRI: Brute

Mit einem ordinären Hype hat die stetig wachsende Anerkennung Fatima al Qadiris als Producer wenig zu tun, denn selbst wenn sich die Stylerfraktion der elektronischen Musik zu Wort meldet, ist nie ausschließlich von ihrer Originalität die Rede, sondern ebenso sehr von ihrem Talent für stimmige inhaltliche Konzepte, die immer eine politische Dimension haben und stets über subtile Andeutungen ästhetisch umgesetzt werden. Dabei wird keineswegs mit Lob für ihr handwerkliches Können gespart. Zurecht, muss man ergänzen. Weiterlesen

RANGDA: The Heretic’s Bargain

Rangda sind eine sogenannte Supergroup, d.h. sie bestehen aus altgedienten Musikern, die z.T. in bekannten Bands spielen, bzw. zahlreiche Soloarbeiten und Kollaborationen zu verzeichnen haben. Da wären an den beiden Gitarren Sir Richard Bishop, der seit dem Ende der Sun City Girls primär solo unterwegs ist und zuletzt ein fantastisches Akustikalbum im Stil arabischer und nordafrikanischer Musik herausbrachte, und Ben Chasny, dessen Hauptprojekt Six Organs of Admittance Weiterlesen

If you’re writing music, you write what’s inside of you. Interview mit der Musikerin und Kuratorin R. Loftiss

Als im vergangenen Jahrzehnt grade Folkmusik in aller Munde war, gerieten neben den großen Hypes und dem obligatorischen Mittelmaß auch ein paar obskure Gewächse in den Fokus, denen aufgrund ihrer Sperrigkeit und ihrer Unscheinbarkeit die Aufmerksamkeit großer Magazine versagt blieb. Zu diesen Gewächsen zählte auch das Projekt mit dem mysteriösen Namen The Gray Field Recordings, dessen Musik nur schwer einzuordnen war: Neben filigranen Melodien auf der Weiterlesen

VIRTUAL FOREST: Ritual Machine Music

Ein Titel wie „Ritual Machine Music” spielt natürlich mit einer offenkundigen Referenz, und vielleicht soll die gleichzeitige Assoziation zu Ritualmusik und zu Lou Reeds Pionierarbeit zeitgenössischer Geräuschkunst ja auch ein wenig den Ort umreißen, den Marco Bernacchia seinem Projekt Virtual Forest auf der Landkarte ungewöhnlicher Musik reserviert hat. Nach einem Tape, auf dem Bernacchia mit urigen Sounds einem – trotz elektronischer Verfemdung und vielen kleinteiligen Soundideen – eher klassichen Ritualismus frönte, steht seine neue LP ganz im Zeichen eines Weiterlesen

MONKEY PLOT: Angående Omstendigheter Som Ikke Lar Seg Nedtegne

Seltsame Dinge geschehen unter dem Zeichen des Uhu, den die Norweger Hubro nennen. Ein etwas nachlässig gekleideter Kerl spült Geschirr vor einer Blockhütte. Wie um das Klimpern zu übertönen hämmert eine kindliche Spieluhr eine nur schwer greifbare Melodie. Monoton angeschlagene Basssaiten erklingen und steigern sich mehr und mehr zu einem schrammeligen Allegro. Irgendwann, ein Track weiter, tritt Statik ein, Ausbremsung, ein Drummer frickelt auf seinen Fellen herum, und man fragt sich, ob all dies nur der Präsentation der Instrumente dienen soll. Weiterlesen

V.A.: The Last House On Dead End Street

Wenn man inzwischen auf Langstreckenflügen Episoden von The Walking Dead sehen kann, dann merkt man, wie weit man inzwischen von der Video Nasties- und „Mama, Papa, Zombie“-Hysterie der frühen 80er entfernt ist. In den letzten Jahren sind vermehrt, u.a. über Death Waltz, Soundtracks von Filmen auf Vinyl veröffentlicht worden, die früher Betroffenheitsfanatiker zum Klo hätten rennen lassen. Weiterlesen

THE BALUSTRADE ENSEMBLE: Renewed Brilliance

Als ich vor rund zehn Jahren erstmals auf einer heute nur noch für Archäologen interessanten Platform namens Myspace auf The Balustrade Ensemble stieß, war ich recht angetan von der filigranen Musik des geheimnisvollen Kollektivs, das mit seinen wohligen Klängen nicht so recht “experimentell” klingen wollte, gleichzeitig aber auch zu abstrakt und zerfleddert daherkam, um als Postrock oder gar Pop zu gelten. Jedenfalls stach die Band, die  damals noch kein release zu verzeichnen hatte, weit heraus aus dem Standard der zahlreichen Gewächse, die das gerade aufkommende Weiterlesen

VIRTUAL FOREST: Unconscious Cognition is the Processing of Perception

Beim langen Übergang von der Kindheit zum Erwachsenenleben spielt in unserer Alltagssprache der Begriff der Initiation kaum eine Rolle. Lediglich die Literaturwissenschaft hat den Begriff der Initiationsgeschichte geprägt für einen Typ Erzählung, in der ein junger Mensch durch eine einschneidende, meist desillusionierende Erfahrung und mit Hilfe einer Mentorfigur einen neuen – erwachseneren – Blick auf die Welt bekommt. In tribalen Gesellschaften von überschaubarer Größe wurde der Übergang viel bewusster und aktiver angegangen. Weiterlesen

MACIEK SZYMCZUK: Music For Cassandra

Kassandra, die trojanische Königstochter, die die Zukunft voraussagen kann und zugleich gestraft ist, für immer ungehört zu bleiben – wie würde ihr Ruf klingen, wäre er Musik? Wäre er schrill und hysterisch, um voller Verzweiflung gegen die tauben Ohren derer anzukämpfen, die ihr Fatum vergessen und verdrängen? Oder wäre er ganz leise, kaum hörbar, im diffusen Rauschen der Welt verhallend? Maciek Szymczuk entwirft in seiner „Music for Cassandra“ eine Figur, die längst Teil des Schicksals geworden ist, das sie voraussagt, und die der Taubheit und Indifferenz ihrer Adressaten eine genügsame Weiterlesen

ÉTANT DONNÉS: Aurore

Wie es scheint, widmen sich die Gebrüder Hurtado, die in den frühen Eighties die nach einem Spätwerk Duchamps benannte Band Étant Donnés gründeten, zur Zeit verstärkt der Zugänglichmachung vergriffener Aufnahmen. Nachdem vor kurzem einige alte Tape-Aufnahmen bei Vinyl on Demand auf Schallplatte erschienen sind, steht nun – dankenswerterweise, muss man sagen – eines ihrer bekanntesten Alben wieder in den Läden. Weiterlesen

JOZEF VAN WISSEM: When Shall This Bright Day Begin

Seit den Tagen mit den Brethren of the Free Spirit ist viel Zeit vergangen, eine Zeit, in der auch die Musik Jozef van Wissem extrovertierter, songhafter und im weitesten Sinne popkultureller geworden ist. „When Shall This Bright Day Begin“ präsentiert den Lautenspieler zwischen besinnlichen Barock-Klängen und coolem Desert Rock, bei dem Ben Chasny die Saiten gespannt haben könnte. Weiterlesen

GRIZZLY IMPLODED: Steel From Your Brow

Die italienischen Musikszenen unterhalb der Wahrnehmungsgrenze langweiler Strebermagazine sind wie vieles in diesem Land einer starken Trennung zwischen den nördlichen und den südlichen Regionen unterworfen. Während zwischen Mailand und Bologna, zwischen Turin und Venedig eine solide Infrastruktur an Vertriebs- und Auftrittsmöglichkeiten plus gute internationale Vernetzung Standard ist, pflegt die südliche Hälfte nicht selten eine charmante Selbstorganisation, die oft ebenso hobbyistisch wie regional orientiert ist. Genau genommen trifft dies sogar schon auf Weiterlesen

SIEBEN: Briton EP

Mit der EP „Briton“ bringt Matt Howden alias Sieben nun die über Bandcamp vertriebene Trilogie über den Norden Europas zum Abschluss, die mit „Lietuva“ und „Norse“ begonnen hatte. Nach der Hommage an Litauen, einem Land, zu dem Howden über die Jahre einen besonderen persönlichen Bezug entwickelt hatte, und der dem Skandinavischen gewidmeten Fortsetzung, ist der Sänger und Geiger nun in seiner britischen Heimat angekommen und liefert seine eigene musikalisch-atmosphärische Interpretation dessen ab, was für ihn den Weiterlesen

REINHOLD FRIEDL: KORE Performed Live By Zeitkratzer

Auf „KORE” steht ein Merkmal im Vordergrund, das bei vielen Aufnahmen von Reinhold Friedl und seinem Ensemble zeitkratzer eine wichtige Rolle spielt, nämlich die Aufnahme live eingespielter Instrumentalbeiträge mit Amps, wobei es weniger um den Aspekt der Lautstärke geht, sondern um die vielfältigen Möglichkeiten, einzelne Klänge auf untypische Art zu fokussieren und zu exponieren, was zu einem mitunter stark veränderten Klangresultat führen kann. Der hier vorliegende Mitschnitt vom Hamburger Klub Katarakt-Festival 2013 ist eine Weiterlesen