BEE (Birch Book/In Gowan Ring) – Interview

1994 veröffentlichte Bobin Eirth, der sich B’eirth oder Bee nennt, sein erstes Album (“Love Charms”) unter dem Namen IN GOWAN RING. Dort – wie auch auf den beiden folgenden Studioalben – verknüpfte er fragile, sicherlich europäisch beeinflusste Folkmusik mit meditativen, psychedelischen Drones. 2002 erschien das vierte und bislang letzte (Vollzeit-)Album “Hazel Steps Through A Weathered Home”, das das songorientierteste Album war und acht zerbrechlich-melancholische Stücke enthielt, die mit zum Ergreifendsten gehören, das in den letzten Jahren veröffentlicht wurde. Seitdem hat Bee sich stärker auf BIRCH BOOK konzentriert, ein Projekt, das eher in der amerikanischen Folktradition verwurzelt zu sein scheint, textlich persönlicher als IN GOWAN RING und letztlich auch weniger ätherisch und fragil ist. Das gerade veröffentlichte dritte Album “A Hand Full Of Days” erweckt aber den Eindruck, als würden sich beide Projekte stärker einander annähern.

Nach seinem vor etwa 25 Leuten stattfindenen Konzert in Die Halle in Frankfurt, bei dem Bee zusammen mit der schwedischen Band LISA O PIU auftrat, die ihn auch musikalisch unterstützte, hatten wir die Gelegenheit mit ihm zu sprechen.

Wie kam die Idee zustande, zusammen mit Lisa O Piu aufzutreten. Warst du länger in Schweden?

Nein, nicht wirklich, ich bin dort  zwar einige Male aufgetreten, aber ich habe PIU nicht getroffen. PIU hatten was auf einem Label gemacht, auf dem ich vielleicht etwas in der Zukunft veröffentlichen werde und die Idee entwickelte sich einfach.

In den letzten Jahren hast du dich eher auf BIRCH BOOK konzentriert. Wo siehst du die Unterscheide zwischen BIRCH BOOK und IN GOWAN RING? Wenn man an die vier Elemente denkt, scheint IN GOWAN RING eher mit Luft assoziiert zu werden und BIRCH BOOK scheint eher in der Erde verwurzelt zu sein.

Ja, so kann man das sehen. Es [BIRCH BOOK] begann als eine persönlichere Sache, es hatte mit Lebenserfahrungen zu tun.

“The Trip Goes On”…

Genau. Manchmal entwickeln sich auch abstraktere Konzepte, aber insgesamt ist es etwas bodenständiger. Manche der Songs sind schon ziemlich alt.

Auf einer deiner vier “Exists and Entrances”-CDs findet sich “Coffee Morning”, was dann auf dem ersten BIRCH BOOK-Album auftauchte.

Ja.

Ich habe den Eindruck, dass BIRCH BOOK und IN GOWAN RING sich stilistisch stärker einander nähern, würdest du das auch so sehen?

Ja.

Wenn du Songs schreibst – nach welchen Kriterien entscheidest du, ob es ein BIRCH BOOK- oder IN GOWAN RING-Song ist? Weißt du das schon zu Beginn des Komponierens?

Nein, nicht wirklich. Ich schreibe einfach Songs und sie bewegen sich in irgendeine Richtung. Ich habe Material für ungefähr fünf weitere Alben und die Stücke entwickeln sich. Es gab einfach einen Punkt, an dem ich verschiedene Namen verwenden wollte, um eine Art Grenze zu ziehen.

Wie lang geht eure Tour noch?

Der letzte Auftritt ist am 27 [September].

Dann gehst du zurück?

Ja, jetzt geht es zurück nach Hause.

Du hast vorhin vom neuen BIRCH BOOK-Album ein paar Songs gespielt.

Ja, ich glaube drei Stücke.

Würdest du BIRCH BOOK als temporäres Projekt betrachten?

Ich bin nicht ganz sicher, es kann sein, dass das das letzte Album ist. Vielleicht kommt noch ein weiteres. Es ist etwas amerikanischer. Es gibt noch einige Coversongs, die ich gerne machen würde.

Wenn du sagst, dass BIRCH BOOK eher in der amerikanischen Tradition verwurzelt ist, könnte man sagen, dass IN GOWAN RING etwas europäisch klingt? Es wurde auf World Serpent veröffentlicht, es gab mittelalterliche Einflüsse. Interessierst du dich noch dafür?

So etwas kommt und geht. Ich denke, was ich spiele, ändert sich etwas, aber ich verliere nie ganz das Interesse an europäischer Renaissancemusik.

Gibt es Pläne, einen Nachfolger zu “Hazel Steps Through A Weathered Home” zu veröffentlichen?

Wir wollen das “Flower Moon”-Minialbum [das im Rahmen der “Folklore of the Moon”-Serie auf Hand/Eye 2005 veröffentlicht wurde] mit einem weiteren Song wiederveröffentlichen. Wir wollen es auch neu mixen, wenn ich die Originalspuren finden sollte. Und – wie ich vorhin schon erwähnt habe – gibt es Material für fünf weitere Alben, aber ich bin mir nicht ganz sicher, wann das alles aufgenommen wird.

Wenn man sich die “Exists and Entrances”-Compilations anschaut und deren Nachfolger “Webs Among The Din”, dann hat man den Eindruck, dass Reisen für dich eine wichtige Sache ist. Du vermerkst immer so schön, wo du überall warst und wem du zusammen gespielt hast.

Es macht Spaß, aber manchmal wird es etwas viel. Ich habe vergangenes Jahr angefangen, etwas sesshafter zu werden.

Gibt es momentan einen Ort, an dem du fest wohnst?

Ja, im Nordwesten, in Astoria; das befindet sich etwa zwei Stunden von Portland entfernt, aber ich fahre eigentlich nicht oft nach Portland.

Es gibt eine Art alternative Folkszene in Denver und Portland.

In Portland schon, in Denver…Eines meiner Labels ist in Denver.

Helmet Room.

Genau. Ich bin da ab und an.

Im letzten Jahrzehnt ist amerikanische Folkmusik recht populär geworden. Hat dich das irgendwie beeinflusst, motiviert?

Vielleicht. Auf gewisse Weise ist es ein zweischneidiges Schwert. Als ich in den 90ern angefangen habe, hatte ich den Eindruck, dass all die Musik, die es zu hören gab, Scheiße war. (lacht) Es ist also schon interessant zu sehen, wenn jüngere Leute Musik machen, die in meinen Augen interessant ist. Ich denke, in allen Genres ist es zu einer Explosion an interessanter Musik gekommen. Als ich anfing, hatte ich den Eindruck, dass niemand da war, der Musik wie ich machte. Vielleicht ist solche Musik jetzt da. Auf der anderen Seite gibt es jetzt auch eine Reihe von Posern. Es hat zwei Seiten, aber es ist nett. Es ist toll, wenn Leute spielen und genau das machen, was sie wollen. Es gibt auch sicherlich ein breiteres Publikum. Als ich anfing, war Folk eigentlich ein Schimpfwort, fast jeder hat sich über Folk lächerlich gemacht. Niemand wollte sich die dummen Sachen anhören, die nach dem klangen, was ihre Eltern gehört haben.

Würdest du sagen, dass sich dein Publikum über die Jahre verändert hat? Hängt das vielleicht auch vom Land ab?

Ja, das stimmt. Es hängt von der Gegend ab.

Hier in Frankfurt ist es etwas tote Hose.

(lacht)

Zwanzig oder dreißig Leute mehr wäre toll gewesen. Kannst du uns etwas über deine Zusammenarbeit mit Maja Eliot sagen? Es gibt da eine Live-CD.

Das war eine lustige Situation. Ich war auf Tour und ich hatte einen Auftritt in Breslau – ich weiß nicht genau, wie es ausgesprochen wird- in Polen. Ich hatte also diesen Auftritt da und einer von meinem Label, nein, einer von den Veranstaltern vermittelte mir eine Fahrt mit Baby Dees Harfe, für die er einen speziellen Wagen brauchte um sie nach Prag zu transportieren; also fuhr ich zusammen mit der Harfe (lacht) nach Prag, das war näher an dem Ort, wo ich hinmusste. Von da nahm ich dann einen Bus. In der Zwischenzeit gab es einen Abend, an dem CURRENT 93 spielten und ich traf sie in einem enormen Hotel, das noch aus der Zeit der Kommunisten stammte, das war ein lustiger Ort. Als ich zu Abend aß, blieb ich bei Maja, wir unterhielten uns und überlegten uns, vielleicht etwas zusammen zu machen. Und das haben wir dann auch gemacht.

Das ist aber eher eine Livesache oder plant ihr, etwas im Studio aufzunehmen?

Ich weiß nicht, wir haben so ein paar vage Pläne, aber nichts Spezielles. Aber es war toll, die Auftritte zu machen und Arrangements zu schreiben. Wir haben in Göteburg, Oslo, Kopenhagen und Portugal gespielt.

Sind viele deiner Kollaborationen spontane Sachen?

Etwas. Es macht Spaß Leute zu treffen.

Ich hatte dein neues Album heute einem Freund vorgespielt, der noch nie etwas von dir gehört hat und wenig über die Art Musik weiß, die du spielst. Seltsamerweise dachte er dabei sofort an die 80er, was mich zunächst verwunderte…

Echt? Das klingt interessant, aber was meinte er damit?

Er meinte, dass man an deiner Musik sofort heraushört, dass du einer späteren Generation entstammst als die Folksänger der 60er und 70er, und fühlte sich wohl auch an einige “alternative” Liedermacher der 80er erinnert. Die Melancholie und alles erinnerten ihn daran.

Das ist wirklich ein interessanter Punkt, über den ich noch nie nachgedacht hatte. Aber ich kann mir vorstellen, was er vielleicht meinte. Ich hatte ja meine Jugend in den 80ern und bin natürlich auch mit Gruppen wie THE CURE und BAUHAUS aufgewachsen. Kann durchaus sein, dass man auch das in meiner Musik hört.

Du spielst auch eine Reihe von Coverversionen. Zum Beispiel heute “Revolution”. In der Ansage meintest du aber, dass es nicht politisch zu verstehen sei.

Ich glaube noch nicht einmal, dass es für die Autoren politisch war. Es handelt vom Wechsel der Jahreszeiten. Man geht mit der Zeit durch Phasen der Wiedergeburt in der eigenen Psyche. Davon handelt es meiner Meinung nach. Für mich ist die innere Revolution wahrscheinlich wichtiger als die politische. Ich habe von Politik etwas die Nase voll. Ich finde es schwierig, darüber zu reden, aber Politik wird manchmal zu einer Religion, an die ich nicht glaube.

Wir drei haben vor vielen Jahren mal ein Interview per E-Mail geführt und zwar für das Equinoxe Magazin. In dem Interview hast du gesagt, dass du auch schon einmal live rockigere Elemente integrierst.

Wirklich? Wow. Ich kann mich nicht erinnern. Vielleicht habe ich damals so etwas gemacht.

Ich erinnere mich auch nicht mehr genau, aber ich meine, du hättest gesagt, dass “The Rolling of the Stones” eher eine Rockstruktur hat.

(Lacht)

Heutzutage geht wegen des Internets nicht mehr so viel verloren. Alles, was du irgendwo machst, wird aufgenommen.

Man wird dann irgendwann zur Rechenschaft gezogen. (lacht)

Hast du eigentlich noch einmal vor, mit Timothy Renner und Dark Holler zusammenzuarbeiten?

Ja, wir werden, wie gesagt, die “Flower Moon”-CD wiederveröffentlichen. Vielleicht bin ich auch auf einem seiner nächsten Alben dabei.

- M.G. & U.S.-

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