DEAN HURLEY: Anthology Resource Vol. 1: △△ ‎

Als vor einigen Jahren bekannt wurde, dass David Lynch und Mark Frost eine neue Staffel von Twin Peaks drehen würden, waren die Reaktionen durchaus enthusiastisch, andererseits musste einem klar sein, dass der immense cultural impact der ersten beiden Staffeln kaum erreicht werden könnte. Zu groß war der Einfluss, den die Serie auf andere TV-Produktionen hatte – sowohl thematisch als auch was die Art des Erzählens anbelangte. Gleichzeitig ist bei solch einer langen Unterbrechung auch die Gefahr, dass die neue Staffel zu einem reinen Akt der Nostalgie wird, bei dem den Fans ein (vermeintliches) Best of serviert wird. Weiterlesen

CARLOS CASAS: Pyramid of Skulls

Bei einem Titel wie Pyramid of Skulls denken einige vielleicht an Herrscher wie Timur Leng, die im Zentralasien des Mittelalters nach der Eroberung feindlicher Städte die Schädel der Besiegten zu enormen Pyramiden gestapelt haben sollen. Ich weiß nicht, ob Carlos Casas auch darauf anspielt, um Zentralasien jedoch, genauer um die Pamir-Region in Tadschikistan geht es in seinem semi-dokumentarischen Werk ebenfalls. Weiterlesen

AK’CHAMEL: Death Chants

Rituelle Musik kann unterschiedliche Ausprägungen haben. Man denke an die flächigen, ganze Plattenseiten füllenden Soundscapes, die sich auf den frühen Alben von Current 93 oder Ain Soph fanden und dann an stärker perkussiv ausgerichtete Projekte wie Zero Kama, deren Musik vielleicht als “Technik der Ekstase“ (Eliade) zu Trancezuständen führen sollte. Natürlich ist so eine Unterteilung nie ganz trennscharf: LAShTALs auf Necrophile veröffentlichtes Album z.B. enthält Stücke, die in beide Kategorien passen. Weiterlesen

SWANS: The Great Annihilator (inkl. MICHAEL GIRA: Drainland)

In einer Hinsicht kann man die Phase der Swans Mitte der 90er mit der heutigen Zeit vergleichen: Ein Abschnitt ihres Schaffens hatte so langsam seinen Zenit überschritten und neigte sich seinem Ende zu, das eine Auszeit und einen wie auch immer gearteten Neuanfang nach sich ziehen musste. „The Great Annihilator“ war das letzte typische Album dieser Werkphase, die seit Ende der 80er andauerte und im Unterschied zum düster-atonalen Frühwerk – ohne dessen Hang zu repetitiver Monotonie völlig aufzugeben – melodische Elemente integrierte. Ähnlich einer ganze Zahl an lärmenden Weiterlesen

ALAN VEGA: It

Es gibt kaum eine Liste mit verstörenden Stücken, auf der sich nicht Suicides „Frankie Teardrop“ findet, das schon einmal als „Taxi Driver: The Musical“ tituliert wurde und eine Abrechnung mit den Schattenseiten des amerikanischen Traums war. Auch Vegas Arbeiten der letzten Jahre – ob solo oder mit anderen (PanSonic bei VVV, Étant Donnés, Stephen Lironi) – sind häufig (auch auf diesen Seiten) immer wieder als Thematisierung des American Nightmares gelesen worden, als Auseinandersetzung mit den (tief)schwarzen Schattenseiten von „God’s Own Country“. Weiterlesen

HUNTING LODGE: 1982 – 1989

Lon C. Diehl und Richard Skott, die 1981 die Band Hunting Lodge gründeten, haben besseres verdient, als in die Annalen des Post-Industrial als One Hit-Wonder einzugehen. Freilich, kein Kenner der Materie würde sie so nennen, aber unter denen, die lärmige Musik primär über die schwarzen Clubs kennen gelernt haben, verbinden einige die beiden Amerikaner überwiegend mit ihrem perkussiven Kracher “Tribal Warning Shot”, der, ich geben es zu, zurecht legendär ist. Weiterlesen

KATARINA GLOWICKA: Seven Sonnets

Wenige außerhalb der Anglistik und erst recht außerhalb des englischsprachigen Raums kennen heute Sir Philip Sidney, Edmund Spenser und andere Verfasser von Sonetten aus der Zeit von Königin Elisabeth I an der Schwelle zum 17. Jahrhundert. William Shakespeares Gedichte dagegen, gleichwohl „the bard“ primär für seine Dramen bekannt wurde, sind in den folgenden Jahrhunderten nie aus der Mode gekommen, haben spätere Dichter inspiriert und zugleich Versuche angestoßen, diese entweder rezitativ oder in gesungener Form zu vertonen. Weiterlesen