TILDAFLIPERS: Muau Muau

Bei den Tildaflipers hat man es mit einer dieser Bands zu tun, die auf den ersten Blick Denkblasen mit großen Fragezeichen hervorrufen: die ungreifbare Mixtur aus minimalistischem New Wave, schwülstigen 70er Jahre-Soundtracks und einer luftigen Produktion mit vielen Dub-Anleihen wirkt genau so obskur wie die vordergründig einfache Produktion, bei der alles unter einer seltsamen Patina verborgen scheint, und die doch Raum für perfekt gestaltete Details lässt – oder das launige Cover mit den aufgescheuchten Tieren, die im Kontext der Musik alles und nichts bedeuten können. Vielleicht trägt die Tatsache, dass man über die Band kaum Informationen erhält und hierzulande ohnehin wenig über den argentinischen Underground weiß, zur geheimnisvollen Aura des Projektes bei.

Eines der Leitmotive auf dem aktuellen Album ist die etwas nasale und immer mit viel Hall und Pathos versehene Stimme des Sängers, dessen spanischer Gesang sich über feierlichen Fanfaren und eisigen Coldwave-Takten entfaltet (“Carceria”), oder sich aus der Tiefe durch die tremolierenden Soundschichten mit afrikanischen Melodien bohrt (“Hojas”), während ein Snaredrum-Takt immer mehr Bewegung hineinbringt. Hier und da bekommt der Vokalist Unterstützung von einer Sängerin, die manchmal das Mikro ganz in die Hand nimmt. So in dem groovigen Ohrwurm “Sacachispas”, der wie ein Zombie von Wall of Voodoos “Mexican Radio” klingt.

Viele der Settings wirken spontan und klingen entsprechend kurzweilig, auch dann, wenn die Lust am Experiment vollends die Oberhand bekommt und – wie in “Valle sin Viento”, das mit seiner Überblendung von Bläsern und Strandbargeräuschen eher wie die Skizze eines Songs wirkt – eher Soundscapes entstehen. Meist haben die Stücke aber durchaus etwas Poppiges, und die arhythmisch surrenden Federn lassen die entspannte Atmosphäre der Twangs und Klavierparts in “Sueño” ebenso unangetastet wie die sumpfig schwüle Sounddecke die tolle Melodie in “Dengue”. Letztlich könnte man den Eindruck bekommen, die Tildaflipers trauen der allzu direkten Schönheit mit ihren perfiden Kitschfallen nicht über den Weg, und vielleicht haben sie da auch ein bisschen recht.

Das neue Album stellen Tildaflipers in den nächsten Wochen auch auf einigen europäischen Bühnen vor, die sie sich u.a. mit ihren Landsleuten von Mueran Humanos teilen. Gourmands, die Morricone ebenso viel angewinnen können wie Minimal Wave und die elektronischeren Arbeiten von Novy Svet ebenso schätzen wie dublastige Rootsmusik, werden sie lieben, und ich vermute stark, dass noch einige Hörer außerhalb dieser sicher recht knapp bemessene Schnittmenge auf den Geschmack kommen könnten. (U.S.)

Label: Prios Discos