SQUADRA OMEGA: Antiterra

Seit zehn Jahren nun improvisieren die halbanonymen Squadra Omega ausladende psychedelische Klangwelten, die mit der Wucht eines Orkans in die herausforderndsten Irrgärten führen. Die Dynamik ihrer Aufnahmen verdankt sich einer vom Freejazz inspirierten Spontaneität, und obwohl vieles schwerer Rock ist, hat der Sound besonders in den tribal-perkussiven Momenten zugleich die abgehobene Leichtigkeit einer krautigen Weltmusik.

Antiterra repräsentiert diese Leichtigkeit als Titel ganz gut, doch das neue Album hat als rein elektronische Veröffentlichung auch einen ganz eigenen Ort in der Diskografie der Italiener. Mit mehreren Szenenwechseln wirkt der erste der fünf numerierten Abschnitte bereits wie eine großangelegte Suche nach einer Richtung – das Resultat nach diesem Trip durch elektronisches Gefrickel, exotische Melodien, Synthiescapes der alten Schule liebliche Flötenparts und monumentale Detonationen mag auf die Feststellung hinauslaufen, dass alle Bewegung erratisch sein darf oder zumindest keine Spur von Linearität aufweisen muss.

Antiterra ist auf seine Art natürlich auch nostalgisch: Trotz der fehlenden Giallosounds, die den Vorgänger.. charakterisierten, trotz der aufwühlenden und manchmal nervenzerrenden Kleinteiligkeit und auf eine Art und Weise, die immer noch mehr progressiv als museal daherkommt. Das wird deutlich in anrührenden Synthesizer-Melodien, die aufgeregtem Pochen und Kratzen standhalten. Aber auch in einer hypnotisch treibenden Bewegung, die ausnahmsweise auf Geradlinigkeit setzt und trotz des Tempos entspannt bleibt.

Auf 75 Minuten, unterteilt in fünf lange Tracks, passiert einiges, das auch dann in Erinnerung bleibt, wenn sich gegen Ende alles in einem regressiven Synthieparadies auflöst. Antiterra ist als Doppel-Tape im Selfrelease und als reguläre  CD erschienen. (A. Kaudaht)

Label: Macina Dischi / Offset Records