In Richard Powers Roman The Time of Our Singing sagt der Ich-Erzähler an einer Stelle: „most people wanted from music not transcendence but simply companionship, a tune just as bound by gravity as its listeners were“. Wer die Swans bei einem ihrer zahlreichen Auftritte erlebt hat, der braucht nicht einmal auf Michael Giras Äußerung zum neuen Album zu verweisen (“I’m decidedly not a Deist, but on a few occasions – particularly in live performance – it’s been my privilege, through our collective efforts, to just barely grasp something of the infinite in the sound and experience generated by a force that is definitely greater than all of us combined.”), Weiterlesen
Archiv der Kategorie: Reviews
V.A.: Electri_City 2
Musikalische Biotope, die teils aus raumzeilichen Bedingungen, zum Teil aber auch durch das Zusammenwirken von Zufallsfaktoren entstehen, sind eine feine Sache, und wenn der Hauptbezugspunkt ein geografischer ist – warum nicht? Relativ übersichtliche Zentren sind Städte, und so gibt es – bei aller Ungenauigkeit, sie solche Bezeichnungen mit sich bringen – einen Bristol-Sound und einen Denver-Sound, die Genialen Dilettanten in Berlin und die Hamburger Schule des sogenannten Diskurs-Pop. Weiterlesen
STEIN URHEIM: Strandebarm
Der Begriff des Multiinstrumentalisten wird gerne voller Bewunderung verwendet, doch manchmal auch etwas zu oft, denn wer zwei Saiteninstrumente und Klavier beherrscht und sich nebenbei noch ein bisschen Handperkussion zutraut, der kann fraglos ein guter Musiker sein, sollte aber immer noch ohne den Zusatz ‘multi’ auskommen. Stein dagegen scheint in die Vielfalt der unterschiedlichsten Instrumente regelrecht verliebt zu sein, und man könnte eine halbe Rezension nur über die verschiedenen Klangerzeuger schreiben, die auf seinen aktuellen Weiterlesen
LITTLE ANNIE: Trace
Wenn man die eigene Lebensgeschichte erzählt, tut man ganz unterschiedliche Dinge. Man erschafft, gestaltet, malt sein Narrativ in besonderen Farben, um eben ein bestimmtes Bild zu zeichnen, vor sich und vor anderen. Das ist, wenn man so will, der selbstbezogene und zugleich unmittelbar schöpferische Teil. Konzentriert man sich mehr auf die Spuren, die andere Menschen, aber auch Dinge und Ereignisse in der Biographie hinterlassen haben, wird das Erzählen zur Suche und der Erinnernde selbst zum Leser der Geschichten, die andere dem Leben eingeschrieben haben. Weiterlesen
CONCRETE MASCARA: Perennial Disappointment
Sein Ziel beschreibt das Trio Concrete Mascara auf seiner Website mit folgenden Worten: „Concrete Mascara is devoted to vanity, hedonism and addiction. Beauty at any cost. Life lived between the razor and the mirror.” Auf dem Track “Snake Skin Stilettos” findet sich dann auch passenderweise die Apotheose des Abusus: “God is in the mirror/god is on the mirror/staring back/through white lines”. Weiterlesen
V.A.: 1961-2014. An Anthology of Turkish Experimental Music
Selten hat man in den Medien hierzulande so viel über die Türkei gehört wie in jüngster Zeit, und ein positives Beiprodukt der nicht immer erfreulichen Schlagzeilen ist der Einblick, den man in die unterschiedlichen Milieus des Landes bekommt. Weitgehend unbekannt ist, dass die Türkei auch eine emsige Szene an experimenteller Musik hat, und gerade Istanbul muss sich in der Hinsicht keineswegs hinter anderen „orientalischen“ Metropolen wie Beirut oder Kairo verstecken. Sub Rosa, die sich seit Jahren der dokumentierenden Aufarbeitung Weiterlesen
LANIAKEA: A Pot Of Powdered Nettles
Es gibt Platten, die in musikalisch-textlicher Hinsicht eine solche Reichhaltigkeit und Tiefe aufweisen, dass ihr Charisma ganz ohne einen besonderen Hintergrund auskommt. Erfährt man dann doch etwas über die Raison d’Être eines solchen Albums, bekommt man eine Ahnung, woraus sich diese Fülle speist. Im Fall von „A Pot of Powdered Nettles“, dem Debüt des aus Daniel O’Sullivan und Massimo Pupillo bestehenden Duos Laniakea, ist dieser Hintergrund nicht etwa in theoretischen Überlegungen zu finden, sondern in der Vorgeschichte, die bis in die Spätphase von Coil zurück reicht Weiterlesen
SPARKLE IN GREY: ﺭﺍﺩﻳﻮ ﺇﺯﺩﺍﻍ (Brahim Izdag )
Das italienische Kollektiv Sparkle in Grey spricht davon, dass das Material für das neue Album schon in Sessions zu den letzten beiden Alben entstanden ist. Während dieser Aufnahmen habe man bemerkt, wie Elemente anderer musikalischer Kulturen immer mehr in ihre Musik eingeflossen seien. Die Band nennt als Bezugspunkte Senegal und Ägypten, Bali sowie Äthiopien, Schottland und Frankreich – um nur ein paar der aufgezählten Länder zu nennen, die verdeutlichen, dass man sich nicht auf einen Kontinent oder Kulturkreis beschränkt. Weiterlesen
BLACK SUN PRODUCTIONS: Dies Juvenalis
Auf „Dies Juvenalis“, das erstmals vor neun Jahren auf dem bandeigenen Label erschienen ist, zeigen sich Black Sun Productions von ihrer rituellen Seite, was nicht nur auf die Musik gemünzt ist, denn in der Hinsicht könnte man das mit etwas Wohlwollen von beinahe jeder Arbeit der Schweitzer sagen. Im inhaltlich stringenten Konzept nämlich dreht sich alles um eine rituelle Evokation von Jugend und unbeschwerter Lust. Weiterlesen
OISEAUX-TEMPÊTE: Unworks & Rarities
Oiseaux-Tempête gründeten sich vor einer handvoll Jahren in Paris und sind so etwas wie eine feste Band und ein offenes Kollektiv zugleich. Mit einem gängigen Rockinstrumentarium bildet ein harter Kern an Musikern die Basis für die meist instrumentalen Kompositionen irgendwo zwischen tremolierendem Gitarrenambient und kantigem, schwerem Doom, an dem auch jemand wie Jim Jarmush seine Freude hätte. Weiterlesen
AKAUZAZTE: Etzazuaka
Bei aller Vielfalt folkig oder traditionell angehauchter Musik überwiegt doch meist das Eingängige oder gar Liebliche, denn der Reiz einfacher Songs in romantisch-schöner Gewandung zu produzieren ist groß. Wesentlich schwerer tut man sich mit einer Musik, der das Urige, Ungeschlachte archaischer Kläge betont und dabei in die Atonalität des Noise oder Noiserock kippt. Akauzazte ist in der Hinsicht ein unentdeckter Schatz, was sicher auch damit zu tun hat, dass das raue Weiterlesen
KRENG: Selfed
Manche Formen instrumentaler Musik, (Dark) Ambient oder gewisse Spielarten des Drones etwa, lassen sich wegen der vorhandenen Leerstellen (auch immer) als Soundtrack für imaginäre/imaginierte Filme verstehen und deuten. Der Belgier Pepijn Caudron hat unter seinem Projektnamen Kreng in den vergangenen Jahren Klänge nicht nur fürs Kopfkino komponiert, sondern für insgesamt 50 Theater- und Tanzproduktionen die Musik geschrieben, sehr häufig für eine Theatergruppe mit dem bezeichnenden Namen „Abbatoir Fermé“. Weiterlesen
FUTEISHA: Alegria y Duelos de mi Alma
Mit diesem Tape, benannt nach dem Freuden und Kämpfen seiner Seele, zieht uns Juan Scassa in das amusikaliche Inferno von Futheisha – verfremdete Schreie, klirrendes Material, zermalmendes und zermalendes, schepperndes und schabendes: Scassa, der sich mit La Piramide di Sangue, den großen Orientalisten des italienischen Psych Rock, einer Ästhetik des Schönen verschrieben hat, macht ernst mit seinem eigenen Projekt Futeisha, das man beim Debüt „Dannato” noch für eine einmalige Hommage an eine okkulte apokalyptische Folklore halten konnte. Weiterlesen
HOLGER CZUKAY: Movie!
Mit CAN komponierte Holger Czukay einiges an Filmmusik, deren Höhepunkte bereits 1970 auf der Compilation „Soundtracks“ erschienen sind. Als er ein Jahr nach dem Ende der Band in Eigenregie das Album „Movies“ herausbrachte, spielte der Titel wohl primär auf Czukays Faible für das Medium Film an, und auch wenn es dazu keine genaueren Erklärungen gibt, fallen doch einige Bezüge auf – der szenische und bisweilen episodische Charakter der Stücke, der zusammen mit etlichen Reminiszenzen an damals zeitgenössische Filmmusik zwangsläufig bewegte Weiterlesen
UNICAZÜRN: Omegapavilion
In musikalischer Hinsicht mag UnicaZürn, die Band, die David Knight und Stephen Thrower nach der Dichterin und Zeichnerin benannt haben, deren künstlerisches Charisma sie so beeindruckte, nicht ganz so weit entfernt sein von anderen Projekten der beiden wie Arkkon oder Cyclobe, zumindest insofern, dass in all den genannten Fällen dröhnende, „kosmische“ Klangflächen in feinsinniger Gestaltung vorkommen. Dass UnicaZürn oft noch um einiges freier und unvorhersehbarer klingt, hängt mit dem Unterschied zusammen, dass die beiden hier meist wesentlich spontaner und im besten Sinne planloser vorgehen und die Stücke in ergebnisoffenen Weiterlesen
ANOHNI: Hopelessnes
Viele sind traurig, dass es Antony And The Johnsons nun nicht mehr gibt, ebenso wie den Sänger Antony Hegarty. Kann man es ihnen verdenken? Sicher nicht, denn die Band hat im Laufe ihres Bestehens mehrfach Außergewöhnliches in die Welt gesetzt, und Leser von Seiten wie dieser kennen ihre Musik in der Regel noch ein paar Jahre länger als all die Indiehanseln da draußen, die von einer zehnjährigen Bandgeschichte faseln und „I am a Bird Now“ für das Debüt halten. Weiterlesen
MAREK X. MARCHOFF: Funeral Musik for You and Me
Auf den ersten Eindruck könnte man denken, der Titel „Funeral Musik for You and Me“ sei ironsich gemeint, nicht nur wegend es Mix aus deutschen und englischen Wörtern, denn weder die Musik, noch die Titel der einzelnen Abschnitte dieses Werks einer eher abstrakten Klangkunst zeigen einen offenkundigen Bezug zu Themen wie Tod und Trauer. Wie der Untertitel des Release allerdings impliziert, bedinden wir uns „Within a Triangle of Esoteric Sound“, was naheliet, dass es bei Marek X. Marchoff, bekannt durch die Projekte Different State und 23 Threads, ohnehin wenig konkret zugeht. „Funeral Musik for You and Me“ folg allerdings auf das Weiterlesen
COH: Music Vol.
Unter denjenigen, die computerbasierte Musik machen, gibt es wenige, die das so ernsthaft betreiben wie Ivan Pavlov, der seit Jahren als COH in verschiedensten Genres elektronischer Musik agiert. Dabei können innerhalb einer Veröffentlichung Stimmungen und musikalische Ausrichtung wechseln, wie auf der vor etlichen Jahren veröffentlichten hervorragenden „Love Uncut EP“. Weiterlesen
JO QUAIL: Five Incantations
Jo Quail hat wie viele Musiker, die mit traditionellen Instrumenten etwas mehr oder weniger Experimentelles machen, eine klassische Musikausbildung genossen und ist dann später – durch die Begegnung mit etwas schägeren Subkulturen – “auf Abwege” gekommen. Auf diesen Abwegen hinterlässt sie nun seit einigen Jahren interessante Spuren, ihre Signatur dabei ist ein erdiger, bisweilen bodenständiger und doch immer auch eine gewisse Weite implizierender Sound auf dem E-Cello. Weiterlesen