NOVÝ SVĚT: …Into Your Skies

Im Laufe der Jahre haben wir eine Reihe von sehr fruchtbaren Interviews mit Jürgen Weber geführt, die seine Herangehensweise(n) an die Musik beleuchteten und manchmal erhellten. Gleichzeitig sagte er uns zuletzt, wie sehr ihn an Interviews die oft zu Missverständnissen führende Zitierbarkeit störe. Insofern sollte man vorsichtig sein, wenn man sich jetzt auf frühere Äußerungen bezieht. Weiterlesen

I feel free to create without superstructure. Interview mit Marcello Fraioli alias Spectre

In allen Milieus erscheinen die Figuren am interessantesten, die auf den ersten Blick schwer greifbar oder gar widersprüchlich wirken. Freilich kann so etwas auch schnell zu einer Masche werden – Widersprüchlichkeit kann forciert werden, und nichts ist so langweilig wie gespielte Ambivalenz. Zudem kann eine schwere Verortbarkeit auch das Resultat bloßer Ratlosigkeit sein. Daneben gibt es Figuren wie Spectre. Weiterlesen

GREAT LAKE SWIMMERS: Lost Channels

Die GREAT LAKE SWIMMERS wurden mir im Vorfeld als Band in der Nachfolge von Jason Merritt angekündigt. Das ist natürlich eine Empfehlung, nicht nur weil ich den Banjofolk und das ergreifende Tremolo des publicityscheuen Portlanders schätze, sondern auch weil seine beiden Projekte, die Band TIMESBOLD und das Einzelunternehmen WHIP, die Welt nicht gerade mit Aufnahmen überschütten. Da ist ein bisschen Schulemachen mehr als legitim. Weiterlesen

HAUS ARAFNA: New York Rhapsody

Puristen – und die gibt es insbesondere in Subkulturen so häufig, dass man sich vor lauter Reinheit manchmal  nach etwas Schmutz sehnt – mögen sich zuerst einmal vor den Kopf gestoßen fühlen: ein Album, das anlässlich des Auftritts der Modedesignerin Katie Gallagher bei der New York Fashion Week am 12. September 2009 konzipiert wurde?  Handelt es sich gar um den Versuch, Eintritt in die glamouröse Welt der Models gewährt zu bekommen? Was hat das mit Industrial, mit Transgression zu tun?  Weiterlesen

V. A.: Free Music Impulse. A Double Disc Compilation To Keep Hybrida Alive

Wie ein Rundumschlag durch die unterschiedlichsten Black-relevanten Musiksparten mutet diese Compilation an, auf der insgesamt dreiunddreißig Künstler das italienische Hybrida-Netzwerk in Erinnerung rufen – und einen kleinen engagierten Beitrag zu dessen Fortbestand leisten. Weiterlesen

DITHER CRAF & HIS LIFELESS ORCHESTRA: The Legend Of Rufus Funk Death

Wie man den Liner Notes von „The Legend of Rufus Funk Death“ entnehmen kann, ist Dither Craf das legendäre Mastermind einer Atonalpop-Combo, die für ihren erstklassigen Spaghetti-Psychrock berühmt und berüchtigt ist. Gemeint ist natürlich MUSHROOM’S PATIENCE, die sich gerade im schleichenden Prozess eines Comebacks befinden. Weiterlesen

BACKWORLD: Come the Bells

Der Amerikaner Joe Budenholzer veröffentlichte ab Mitte der 90er Jahre über World Serpent eine Reihe von Alben, die stark vom Folk der britischen Inseln beeinflusst waren, bevor er sich mit „Of Silver Sleep“ – das mit „Melody“ und “The Tide“ zwei der vielleicht stärksten BACKWORLD-Stücke enthielt -, aber insbesondere dem fünften Album „Good Infection“ stärker an der akustischen Musik seines Heimatlandes orientierte. Weiterlesen

MASKA GENETIK: Strada

Als vor etlichen Jahren MASKA GENETIK, das Projekt des Russen Amon Radek, auf Galakthorrö die Debütsingle „Quarantine“ veröffentlichte, hörte man melancholische Analogschleifen, dazu Vocals, die eher Trauer als Wut auszudrücken schienen und auf dem Cover weckte der bandagierte Körper Assoziationen an Rudolf Schwarzkogler: Hier trat der Künstler als Verletzter auf, als (Ver)Wunde(ter), als Schmerzensmann. Weiterlesen

MOON DUO: Mazes

Das MOON DUO gibt es schon ein paar Jahre und wurde oft wie ein Ableger der WOODEN SHJIPS gehandelt, bei denen Gitarrist Ripley Johnson schon etwas länger die Saiten bearbeitet. Das Duo gründete er 2009 zusammen mit seiner Partnerin Sanae Yamada, und auf der aktuellen Tour der beiden wurde schnell klar, dass es sich bei ihrer Musik keineswegs nur um ein randständiges Experimentierfeld handelt. Weiterlesen

CURRENT 93: Honeysuckle Æons

Das Nichtstillstehenkönnen oder –wollen David Tibets – letztes Jahr sagte er in einem Interview, das wir mit ihm führten: „Ich habe immer den Eindruck, dass ich weiter und weiter rennen muss, mich weiter bewegen muss, weiter aufnehmen und schreiben muss“ –  spiegelt sich auch in der Anzahl der Veröffentlichungen der letzten Jahre wider: Hatte sich eine Zeitlang ein Dreijahresrhythmus zwischen den Hauptwerken herauskristallisiert, erschienen seit 2009 jährlich reguläre Studioaufnahmen. Weiterlesen

CONRAD SCHNITZLER & BJORN HATTERUD: Hirschgebrüll

Trägt ein Album bereits eine akustische Anspielung im Titel, dann legt man den Tonträger meist mit einer gewissen Erwartungshaltung ins Abspielgerät und meint zu ahnen, wie sich das ganze nun anhören könnte. Eine CD, auf der in unterschiedlicher Bearbeitung echtes Hirschgebrüll zu hören ist, wäre durchaus möglich. Beim Zusammentreffen zweier Musiker, deren Hauptwerkzeug seit jeher der Synthesizer ist, aber auch nicht allzu wahrscheinlich. Weiterlesen

RUIN: Half Skull

Martin Eder ist in der Kunstszene kein Unbekannter. Seine Bilder voll bonbonfarbener Kätzchen und lasziver Frauenkörper spielen mit provozierendem Kitsch und haben ihm einen Platz unter den bekanntesten deutschen Malern gesichert. Er selbst ist hin und wieder als Model des Designers Frank Leder zu sehen, dessen preußischer Stil zwischen Androgynität und der Derbheit ungeschlachter Fleischergesellen ebenso ernsthaft selbstironisch ist wie die Gemälde Eders. Weiterlesen

MUSHROOM’S PATIENCE: Dicer’s Oath/Eve And The Plastic Apple

MUSHROOM’S PATIENCE sind eine Legende, soviel ist sicher. Doch Dither Craf und seine Kumpanen zählen leider auch zu den unrechtmäßig unterschlagenen Geheimtipps experimenteller Musik, und wer sich angesichts dieser kürzlich bei Klanggalerie erschienenen Wiederveröffentlichung nicht flugs auf Schatzsuche begibt, der verdient mindestens drei Stunden Nachsitzen auf dem Eselsbänkchen. Weiterlesen

PREMATURE EJACULATION: Attempts at 7

Im Rahmen der bisherigen Besprechungen der (Wieder-)Veröffentlichungen von Material von Rozz Williams’ Experimentalprojekt wurde schon mehrfach thematisiert, dass Williams mit PREMATURE EJACULATION dem Anthropofagen, dem Untier Mensch (s)einen Spiegel vorhält. Dabei wird dies aufgrund des (sieht man vom Einsatz von Sprachsamples einmal ab) weitgehend instrumentalen Charakters der Musik primär auf der bildlichen Ebene transportiert, auf dem bislang unveröffentlichten „Attempts at 7“ geschieht dies durch einen Zeitungsausschnitt über eine Elektroschockfoltermaschine aus einem türkischen Gefängnis. Weiterlesen

KINIT HER – Interview

KINIT HER, das aus Nathaniel Ritter und Troy Schafer bestehende Duo, hat innerhalb kurzer Zeit mit einer Reihe von Veröffentlichungen ein originelles Werk erschaffen, das sich aus einem reichhaltigen Fundus teils randständiger Musik speist und das im Spannungsfeld zwischen Song und Experiment, Folk und rituellen Klängen steht. Titel und Artwork verorten KINIT HER in Regionen jenseits der Ratio und Nüchternheit. Seit kurzen besteht neben KINIT HER das neue Projekt WREATHES, das stärker auf den Song fokussiert ist. Weiterlesen

MUTE SWIMMER: Some Examples/Song Against Itself

MUTE SWIMMER ist ein britisches Folkprojekt, das schon länger eine Erwähnung im Black verdient hat. Gemeinsame Aktivitäten mit hier bereits vorgestellten Künstlern (CARLA BOZULICH, BIRDENGINE, THE GREAT PARK) sprechen dafür, der in seiner Schlichtheit intime Akustiksound und die originellen, nachdenklichen Texte des Sängers sollten dabei noch mehr ins Gewicht fallen. Weiterlesen

Angura – Experimentelle Kunst und Musik aus Japan

Dass Staalplaat auch eine deutsche Dependence besitzt, hat sich mittlerweile sicher bis in die entferntesten Winkel der Subkultur herumgesprochen. Mit seinem Umzug von Berlin-Mitte erst nach Kreuzberg und schließlich nach Neukoelln ist der Laden wie viele weitere idealistische Unternehmen dieser Art Gentrifizierungsflüchtling und -vorhut zugleich und würde ausreichend Stoff für ein kleines Kapitel urbaner Kulturgeschichte abgeben. Weiterlesen

MUSHY: Faded Heart

Ob die junge Römerin Valentina F. mit ihrem Pseudonym MUSHY auf die etwas zotige Wirkung im Deutschen hin abzielt, ist mir nicht bekannt. Den Italienern ist ihr Name schon seit Jahren ein Begriff, denn die Künstlerin ist bereits seit 2003 im italienischen Underground aktiv. Als Musikerin, DJ und Grafikerin. Weiterlesen