Gerade erscheint eine digitale EP von Herbst in Peking, die das Stück “Wenn ich traurig bin” in zwei Versionen enthält. Das Stück entfaltet sich entlang geflüsterter Sprache, schwebenden Soundschichten und scharf akzentuierten Gitarrenparts, der Text kreist um Orte und Situationen stillgestellter Zeit – Klinikflure, nummerierte Unterlagen, blasses Licht, leise Geräusche im Gang – und zeichnet in wenigen Versen ein komplexes Bild von Verlust, Überwachung und Verwandlung. Zwischen Erinnerung und sedierter Gegenwart taucht immer wieder der Ort El Dopa auf, benannt nach einem Medikament und eventuell als eine Art Chiffre für Rückzug, Betäubung oder auch Sehnsucht nach einem Zustand jenseits der Klarheit verwendet.
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V.A.: Lost Coast: Some Visionary Music from California, 1980–1992
Kalifornien ist wohl der amerikanische Staat, der am meisten quasimythisch aufgeladen ist, der „golden state“, dessen Geographie in besonderem Maße Versprechen des amerikanischen Traums enthielt. Man denke an die Küste, die die Lyrik Robinson Jeffers’ prägte. Es ist sicher dann auch kein Zufall, dass zahlreiche gegenkulturelle Bewegungen in all ihrer Ambivalenz – Weiterlesen
BELLUCCI: Seta
“Seta”, das Debütalbum von Bellucci, einem neuen, wohl in Berlin ansässigen Projekt der Künstlerin Paola Lesina, ist eine bemerkenswerte Veröffentlichung, die auf den ersten Höreindruck fast verschlossen anmutet und in ihrer Vielschichtigkeit nur schwer zu fassen ist – ein Werk, das sich gängigen Kategorisierungen weitgehend entzieht, dabei aber v.a. duch seine präzise Gestaltung beeindruckt. Weiterlesen
Aki Takase und Isabel Rößler im Berliner Ausland
Freitag, den 23. August im Berliner Ausland: Im Rahmen der Reihe Biegungen im Ausland treffen die Pianistin Aki Takase und die Kontrabassistin Isabel Rößler aufeinander, ein Duo, das sich mit großer Klarheit und Dynamik zwischen Komposition und Improvisation bewegt. In ihrem Zusammenspiel entstehen direkte, akustische Dialoge, die mit Energie und überraschenden Wendungen den Moment ausloten.
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Neues Album mit Konzertaufnahmen von Klotz Wenzel Vethake
Am 15. August erscheint mit “Session VII-II-MMXXV” die zweite Veröffentlichung des Berliner Trios Klotz Wenzel Vethake, bestehend aus Manuel Klotz, Karla Wenzel und Tobias Vethake, digital auf Blankrecords. Das Projekt präsentiert eine kompromisslose musikalische Sprache, aufgenommen vor einigen Monaten bei einem Konzert in Berlin. In ihren Improvisationen lassen die drei eine dichte, oft raue Klangstruktur entstehen, in der eruptive Passagen auf tranceartige Momente treffen.
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Soundwalkscapes: Zweiter Teil der Sammlung von Viv Corringham
Viv Corringham veröffentlicht mit “Soundwalkscapes (Volume 2)” eine neue Sammlung ihrer stimmlich geführten Klangbeobachtungen, erneut entstanden aus monatlichen Spaziergängen, vor Ort aufgenommenen Geräuschen und improvisierter Stimme. In ihrer Methode geht es nicht um Zurückhaltung, sondern um Präsenz: Corringham mischt sich hörbar in ihre Umgebung ein, sei es mit einem bestellten Cappuccino, einem gesanglich imitierten Insekt oder dem Nachzeichnen der Konturen eines unterirdischen Flusses.
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The Sixth Configuration: Neue Compilation u.a. mit Temple Music, Ashtoreth, Nam-Khar, David E. Williams und La Porta Ermetica
Gerade ist die vom Santa Sangre-Magazin herausgegebene Download-Compilation “The Sixth Configuration” erschienen, die ganze hundert Tracks enthält. Die Sammlung verzichtet bewusst auf ein übergeordnetes Konzept, stattdessen versammelt sie eine Vielzahl musikalischer Stimmen, deren Gemeinsamkeit eher in der Haltung als in einem festgelegten ästhetischen Rahmen liegt. Der Titel spielt auf William Peter Blattys Film The Ninth Configuration an, ohne dessen Erzählstruktur oder Themen direkt aufzugreifen. Vielmehr steht hier die lose Zusammenstellung im Vordergrund: als persönliches Archiv, als Momentaufnahme einer Szene zwischen Postindustrial, Ambient, rituellen Formen und experimenteller Elektronik.
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Neue Arbeit für Perkussionsquartett von Ehsan Saboohi
Mit “Q Time Machine. Percussion Quartet Nos. 1–5″ stellt der iranische Komponist Ehsan Saboohi ein radikal neues Verständnis von Zeit im Rahmen der Musik vor. Im Zentrum des Projekts, so erfährt man im begleitenden Text, steht die Idee, Zeit nicht länger als abstrakten Rahmen zu begreifen, sondern als eigenständiges, wirkendes Prinzip, als eine Art handelndes Gegenüber, das musikalische Ereignisse prägt und gleichsam durch sie geformt wird. Die Grundlage, so heißt es ferner, bildet eine neu eingeführte rhythmische Einheit namens Q – benannt nach dem Quark in der Physik.
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Kayo Dot: Neues Album im August
Am 1. August veröffentlichen Prophecy Productions das neue Studioalbum von Kayo Dot, “Every Rock, Every Half-Truth under Reason”. Zum zwanzigjährigen Jubiläum ihres Debüts “Choirs of the Eye” kehrt Mastermind Toby Driver hierfür mit der Originalbesetzung zurück. Das elfte reguläre Album der US-amerikanischen Formation bewegt sich erneut jenseits gängiger Genregrenzen zwischen Post Rock, Post Metal, Prog und experimentellen Strukturen. Der Klang ist feingliedrig, teils fragil, teils verstörend.
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In Heaven.: Neues Album von Hyacinth.
Das neue Album von Hyacinth., erschienen am 1. August bei Cruel Nature Records als Kassette und zum Download, trägt den Titel “In Heaven.” und bewegt sich in einem eigenwilligen Grenzbereich zwischen instrumentalem Hip-Hop, Ambient und verfremdeter Electronica. Entstanden ist die Musik in einem abgelegenen Küstenhaus in Oregon – einem Ort, der sich dem Künstler zufolge auch in der Atmosphäre der Aufnahmen niederschlägt: melancholisch, neblig und zugleich durchlässig für Momente des Lichts.
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A Book of Waves: Gemeinsames Album von Andy Graydon und Klaus Janek
Mit “A Book of Waves” legen Andy Graydon und Klaus Janek ein gemeinsames Album vor, das über zwei Jahre hinweg zwischen Berlin, Minneapolis, Bahia (Brasilien) und Maui (Hawaii) entstand. Die Ausgangssituation war ein Einschnitt: Nach langjähriger gemeinsamer Arbeit in Berlin – von intimen Trio-Settings bis zu größeren Improvisationsensembles – führte ein Umzug von Graydon in die USA zur räumlichen Trennung. An die Stelle spontaner Bühneninteraktion trat nun ein schrittweiser Austausch von Aufnahmen, ein asynchroner Dialog, der sich den Künstlern zufolge zunehmend wie Schreiben anfühlte.
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Leonie Roessler, Soheil Soheili, Diana Fonseca, Mire, Von Jeglichem Wort und Paul Brody im Berliner Hošek Contemporary
Im Rahmen der Konzertreihe “Improvised and Experimental” zeigt Hošek Contemporary zwei elektroakustische Improvisationen, die mit offenen Strukturen und intermedialen Verbindungen zwischen Klang und räumlichem Installationskontext arbeiten. Die erste Formation – Leonie Roessler, Soheil Soheili und Diana Fonseca – kombiniert Field Recordings, Live-Elektronik und unterschiedliche
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Hillbilly Ragas: Neues Soloalbum von Sir Richard Bishop
Sir Richard Bishop, der für seine kompromisslosen Gitarren-Exkursionen bekannte Musiker, legt mit “Hillbilly Ragas” ein neues Soloalbum vor. Drag City, die das Werk am 26. September herausbringen werden, schreiben: “Our favorite six-string shaman is back! Waving his axe of choice, Sir Richard Bishop once again summons forth damnable truth and beauty on an all-new album…” – und man kann sich dem kaum entziehen: Die neun rein akustischen Stücke, allesamt improvisiert, entfalten sich mit einer Mischung aus Unruhe, Unmittelbarkeit und Eigenwilligkeit, die nicht auf Traditionspflege, sondern auf persönliche Spurensuche zielt.
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A Storm and its Aftermath: Gemeinsames Album von David Donohoe und Kate Carr
Am 18. Juli erscheint das gemeinsame Album “A Storm and its Aftermath” von David Donohoe und Kate Carr bei Flaming Pines. Das Werk basiert auf einer Performance beim letztjährigen Open Ear Festival auf Sherkin Island (Irland), wo beide mit Feldaufnahmen, Instrumenten und Fundstücken von der Insel gearbeitet haben. Die Komposition widmet sich, wie es in der Liner Notes von Jack Chuter heißt, weniger dem dramatischen Höhepunkt eines Unwetters als dessen Rändern: dem Vorher und dem Danach, die sich nicht eindeutig voneinander trennen lassen. “Carr and Donohoe eschew the typical depiction of a storm as a linear escalation”, heißt es weiter. Statt eines eindeutigen Anfangs oder Endes zeichnen sie flüchtige Zustände auf – das Verdichten des Winds, das Verstummen der Vögel, das sich verändernde Rauschen des Regens. Der Donner setzt erst spät ein, und wenn er kommt, ist er leise, fast beiläufig.
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Attrition: Neue LP von Slikback auf Planet Mu
Mit “Attrition” legt der aus Nairobi stammende und heute in Polen lebende Produzent Slikback am 18. Juli sein erstes Album bei Planet Mu vor, ein Werk zwischen präziser Komposition und roher Energie. Die Tracks entfalten sich in dicht verwobenen Strukturen, durchzogen von verzerrtem Lärm, vertrackten Rhythmen und elaborierten Texturen, mal kantig, mal schillernd, stets unerwartet.
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SIMONEL: Cartographies Of Silence
Unter dem Namen Simonel veröffentlicht der in Mexiko geborene Joan Obed Márquez mit „Cartographies Of Silence“ nach dem 2023 erschienenen „Colmena“ das zweite Album auf Line. Konzeptionell will das Album verstanden werden als Antidot zum ubiquitären Lärm: „’Cartographies of Silence’ is an intentional space. A place to listen deeply, to contemplate, and to discover the resonant beauty held within the quiet corners of our experience.“, schreibt das Label. Weiterlesen
DARK SCROTUUM: Rotting Dreams
Die unausweichliche Verdammnis des Schicksals, das seine eigenen Entscheidungen bringt, ausführt und vergehen lässt – davon kündet ein kurzes Gedicht in den Liner Notes von “Rotting Dream”, das die Grundstimmung des ersten Longplayers des englischen Duos Dark Scrotuum recht gut zusammenfasst. Es beschreibt einen Kreislauf, in dem alles – das Neue, das Gute, das Schlechte – gleichermaßen vergeht und sich Weiterlesen
Horror Vacui und Supplant im Berliner Urban Spree
Am Sonntag, den 10. August, bringen Aufnahme + Wiedergabe zwei Acts zu einem Doppelkonzert ins Berliner Urban Spree. Horror Vacui aus Bologna zählen zu den eigenständigsten Formationen des gegenwärtigen Death Rock. Ihr Sound, fest verwurzelt im des Punk, greift die Ästhetik des frühen Eighties-Gothic ebenso auf wie prägnante Gitarrenlinien und eingängige Refrains. Trotz hörbarer Nähe zu so unterschiedlichen Bands wie Christian Death, Killing Joke oder Corpus Delicti geht es Horror Vacui laut Programmtext nicht um bloße Rückschau: Ihre Texte reflektieren soziale Zustände und psychologische Abgründe in einem unmittelbaren Ausdruck.
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