FEINE TRINKERS BEI PINKELS DAHEIM: A Bug’s Life

In der Geräuschmusik und überall sonst, wo mit Samples gearbeitet wird, sind Tiergeräusche eine beliebte Soundquelle, und zu den gefragtesten Geräuschproduzenten zählen seit jeher Insekten – was wäre ein sommerliches Kitschkolorit ohne das Zirpen von Grillen und Zikaden, und dass man aus dem Summen fliegender Insekten Noise und elektroakustiche Musik machen kann, ist hinlänglich bekannt.

Beliebt sind Feldaufnahmen, bei denen die Sounds weitgehend naturbelassen bleiben und nur gelegentlich etwas Struktur eingebracht wird wie bei Dave Phillips’ und Hasegawa Hiroshis “Insect Apocalypse” oder “The Progeny of Flies” von Daniel Manche und Andrew Liles. Seltener sind Aufnahmen, bei denen die Sounds so stark verfremdet sind, dass man ohne Hintergrundwissen die Quelle kaum erkennen kann. Etwas derartiges hat der feine Pinkel, ähm: Trinker Jürgen Eberhard vor Kurzem unter dem Titel “A Bug’s Life” zustande gebracht.

Die komplette CD wirkt wie ein Zoom, bei dem die Kamera dem lebenden Objekt so nah auf den Panzer rückt, dass man nur noch kleinteilige Strukturen in Übergröße erkennt, während größere Zusammenhänge nur noch zu erahnen sind. Vieles klingt wie ins Monströße vergrößert: Maschinell klingendes Summen, dass zeitweise in Noisewände übergeht, Detonationen, verursacht von einem enormen Insekt, das gegen eine überdimensionierte Scheibe knallt. Zirpen und Flattern, das eher nach einem Vogel klingt, und dem Tier, dessen rhythmischer Flügenschlag gegen Ende zu hören ist, möchte ich nicht im Dunkeln begegnen. So furchteinflößend es hier zugeht, hat die bizarre Szenerie auch irrsinnig Komisches zu bieten.

Neben all dem gibt es zahlreiche Stellen, an denen kaum zu erkennen ist, ob die Aufnahmen ganz unkenntlich gemacht wurden oder anderen, z.B. elektronischen Ursprungs sind. Dies gilt für geschliffenen Ambientsound und zirkushafte Melodien ebenso wie für den entspannten Ethnosound, der irgendwann ganz überraschend eine Sängerin begleitet (die meisten Stimmbeiträge von Geneviève Pasquier, Allseits vs Troum,  Frl. Linientreu und Joke Lanz sind spoken words). Ebenso gilt dies für monströses Brüllen, dass hoffentlich von einem Wirbeltier stammt.

Aber warum eigentlich? Im Unterschied zu naturbelassenen Insektensounds lassen die Aufnahmen hier die Tiere enorm groß erscheinen und brechen so mit gänigen Wahrnehmungsgewohnheiten. Die nachhaltige, über den bloßen Schock weit hinausgehende Wirkung, kann im besten Fall in einem veränderten Blick auf das Tierreich münden. (J.G./U.S.)

Label: Zoharum