SABBATH ASSEMBLY: Restored To One

Sabbath Assembly, benannt nach der wöchentlichen Zusammenkunft der Process Church of the Final Judgment und bestehend aus Jex Thoth und David Nuss – mit Unterstützung von Produzent Randall Dunn, vertonen auf ihrem Debüt Hymnen eben jener von Robert und Mary Ann de Grimston Anfang der 60er gegründeten Gruppe, die schon recht früh auch popkulturell Spuren hinterlassen hat; so zitierte George Clinton auf den ersten  Funkadelicalben de Grimston. Weiterlesen

CURRENT 93: Baalstorm, Sing Omega

Will Oldham schrieb in den Linernotes zur Compilation „Judas as Black Moth” über David Tibets Projekt: „Current 93 exists at the eye of a salutary storm; one that yields fear from fear, awe from awe and love from love.” Diese Sturmmetaphorik durchzieht das gesamte neue Album. Anlässlich der beiden Auftritte im HMV Forum bezeichnete Sebastian Horsley – der „Dandy in der Unterwelt” – einen Dichter als jemanden, der seine Faust emporstreckt und hofft, dass ein Blitz einschlagen werde. Weiterlesen

NOVELLER: Desert Fires

Ich kann nicht umhin, mir die Wüstenfeuer, die dem neuen NOVELLER-Album den Namen geben, als nur schemenhaftes Glühen am nächtlichen Horizont vorzustellen, aller naiven Farbenpracht des Covers zum Trotz. Höchstwahrscheinlich lassen die klangvollen Variationen auf der elektrischen Gitarre, in ihrer Entrücktheit und Intensität an hypnotische Dämmerzustände erinnernd, am ehesten derart nächtliche Assoziationen zu. Weiterlesen

THE GREAT PARK: If You Can Hold It You Can Throw It

Das Kontrastieren von schönen, mitunter gar idyllisch anmutenden Klängen mit bitteren oder zumindest doppelbödigen Lyrics ist seit jeher eines der beliebtesten Vexierspiele der Musik. Doch Vorsicht ist geboten, denn so etwas kann schnell bemüht wirken und nach hinten losgehen, und ehe sich der Künstler versieht, lautet das Urteil der feindseligen Schreiberzunft: „plakativ“. Wenn das Ganze sich jedoch nicht allzu demonstrativ durch ein ganzes Album zieht, sondern eher mit beiläufiger Selbstverständlichkeit vonstatten geht, kann so etwas nach wie vor seine Wirkung haben. Weiterlesen

ROWLAND S. HOWARD: Pop Crimes

Rowland S. Howard verdient es wie wenige, als Pionier und Urgestein des Postpunk bezeichnet zu werden. Zusammen mit Nick Cave und Mick Harvey schrieb der Australier mit Bands wie BOYS NEXT DOOR und THE BIRTHDAY PARTY Musikgeschichte, emanzipierte sich als Gitarrist mit der Band CRIME AND THE CITY SOLUTION und als Sänger mit THESE IMMORTAL SOULS. Später arbeitete er mit Lydia Lunch, den NEUBAUTEN und vielen anderen und legte zum Millennium sein erstes Soloalbum vor. Letztes Jahr arbeitete er an dessen Nachfolger „Pop Crimes“, das sein Comeback einleiten sollte. Aus dem Comeback wurde allerdings ein Abschiedsgeschenk, da Howard kurz vor Jahresende an einem Leberleiden verstarb. Weiterlesen

ANDREW LILES: Where The Long Shadows Fall

„And formless we lay and shall dream“

Eine Taxonomie von Coverversionen zu entwerfen ist schwierig, aber vielleicht könnte man folgenden Vorschlag machen: Da gibt es die gefühlt größte Gruppe der Reproduktoren, die meistens bar eigener Fähigkeiten und Originalität versuchen ein Stück Ton für Ton nachzuspielen, auf dass ein Teil des Glanzes des Originals auf das eigene Schattendasein falle. Meistens fällt aber nur der Erzeuger – und zwar aus sehr niedriger Höhe. Dann gibt es die Assimilatoren, die sich fremde Stücke einverleiben, um sie verdaut und transformiert zum Teil des eigenen Oeuvres machen. Weiterlesen

ANIMAL COLLECTIVE: Oddsac

Pantomimisches Musikvideo? Schamanistischer Backwood Thriller? Organischer Horror? Surreales Spektakel? Nichts könnte belangloser sein, als beim neuen Album des ANIMAL COLLECTIVE, das diesmal ein audiovisuelles ist, nach einer Verortbarkeit in vorgefertigten Schemata zu suchen. Zusammen mit dem Videokünstler DANNY PEREZ, dem die Band bereits einige Clips und jüngst eine audiovisuelle Installation im New Yorker Guggenheim Museum verdankt, haben Avery Tare, Geologist und Deakin, die dank einzelner Songs gelegentlich dem Folk zugerechnet werden, fünf Jahre lang an ihrem visuellen Album „Oddsac“ gearbeitet. Das Resultat ist beachtlich und straft all jene Lügen, die am Hipster-Image der Gruppe festhalten. Weiterlesen

STONE BREATH (with THE FOREST BEGGARS): The Shepherdess and the Bone-White Bird

Auf Timothy Renners Website lostgospel.org findet sich eine Zeichnung, auf der das (oft schwer zu durchschauende) „tangled web“ von seinen Bands/Projekten abgebildet ist. Seine bekannteste Band dürften Stone Breath sein, die lange bevor Weird Folk ein Modewort wurde, eine eigenwillige Form der Folkmusik spielten und deren Texte immer auch von Timothys spiritueller Suche zeugten. Weiterlesen

MARC ALMOND: Varieté

Das Wort „Varieté“ leitet sich ursprünglich von „Vielfalt“ ab. Zurecht, denn man bezeichnet damit eine Art Theater, in welchem die unterschiedlichsten Kleinkünste auf die Bühne gebracht werden. Kabarettistische Aufführungen, Gesangseinlagen, Tanz und allerlei Bizarres. Es gäbe wohl kaum ein passenderes Wort, um Marc Almonds derzeitigen Stand seiner Karriere zu überschreiben, bedenkt man wie umtriebig und vielseitig der Sänger seit seinem Comeback wieder in musikalischen Gefilden unterwegs ist. Weiterlesen

BONNIE ‘PRINCE’ BILLY & THE CAIRO GANG: The Wonder Show Of The World

An Will Oldham scheiden sich seit Jahren die Geister. Während die einen Tiefe und subtile Bedeutungsfülle in seinen Songs erkennen, sehen die anderen in ihm einen unermüdlichen Garanten der Ermüdung, der Idiosynkrasie in Verbindung mit gepflegtem Dahinplätschern stets ähnlicher Klänge. Aus einer gewissen Nahdistanz heraus ist es vielleicht nicht abwegig, bei der Beurteilung seines mittlerweile umfangreichen Gesamtwerks recht ambivalent zwischen beiden Positionen zu changieren. Weiterlesen

ALLSEITS: Hel

ALLSEITS ist der Zwilling von ALL SIDES, dem etwas bekannteren Projekt der Bremer Drone-Spezialistin Nina Kernicke. Ob die beiden Bälger nun aus einem Ei stammen sei dahingestellt. ALLSEITS ist jedenfalls – Freunde des Dark Ambient aufgemerkt – der unterkühltere von beiden, denn im Unterschied zum basslastigeren, organischen Klangmaterial des Schwesterprojektes stehen hier eisig-metallische Klangflächen vorwiegend elektronischen Ursprungs auf dem Programm, die durch ein Land voll unklar umrissener Schatten führen und eine subtile, bedrohliche Stimmung generieren. Weiterlesen

LISA O PIU: Behind The Bend

Kein Jahr nach ihrem Debüt „When This Was The Future“ legt die schwedische Folkband um LISA ISAKSSON nun mit dem als Minialbum konzipierten „Behind the Bend“ nach. Fallen einem Unterschiede ins Auge, so betreffen diese wohl zunächst den visuellen Rahmen – dort zeichnet sich nämlich eine noch stärkere Abkehr von zivilisatorisch konnotierten Bildmotiven ab. Die Wegweiser zeigen in Richtung Natur, ebenso sehr in Richtung eines neuromantischen bis äthetizistischen Retro-Jugendstils. Weiterlesen

EF: Mourning Golden Morning

Der unauffällige Bandname der drei Schweden mag ein Grund sein, weshalb mir die zwei ersten EF-Alben entgangen sind. Mit „Mourning Golden Morning“ sollen die Götheburger und ihre Gäste jedenfalls einen radikalen Stilwandel vollzogen haben. Wie dem auch sei, sie wandeln mit ihrem dritten Longplayer auf durchaus bekannten Wegen und liefern dabei überaus gelungenes Handwerk ab. Weiterlesen

V.A.: With Friends Like These

Der Weg des Tursa-Völkchens ist von einer beeindruckenden Geradlinigkeit und Unbeirrbarkeit geprägt. Seit den Anfangstagen von SOL INVICTUS scharte Tony Wakeford Musiker mit eigenen Projekten um sich, doch spätestens seit Mitte der 90er kann man von einer eigenständigen kleinen Szene sprechen mit nur noch losem Bezug zur sich immer mehr aufsplittenden World Serpent-Familie. Und als diese irgendwann in völlig unterschiedliche Richtungen auseinander fiel, stellte sich für Tony und seinen Anhang die Frage nie wirklich, ob man nun der „England’s Hidden Reverse“-Richtung näher stehe, oder jenen Sezessionisten, die damals die Neofolk-Szene so stark prägten. Weiterlesen

YEAR OF NO LIGHT: Ausserwelt

YEAR OF NO LIGHT wurde in unseren Breiten erst vor kurzem eine größere Beachtung zuteil, denn im Frühjahr spielten sie sich im Vorprogramm von SHRINEBUILDER durch sechs Konzerthäuser von Hamburg bis Wien und gleichsam in die Herzen der deutschsprachigen Stoner- und Sludge-Community. Seitdem taucht der Name der Franzosen immer wieder in einem Atemzug mit recht unterschiedlichen Bands auf, beispielsweise den unlängst verblichenen ISIS, den schwer rubrizierbaren WOLVES IN THE THRONE ROOM und den ähnlich gelagerten Iren von ALTAR OF PLAGUES. Weiterlesen

FURSAXA: Mycorrhizae Realm

Seit Jahren veröffentlicht Tara Burke unter dem Namen Fursaxa Alben, die sich einer einfachen Kategorisierung (Schublade „Weird Folk“ auf und wieder zu) widersetzen. Was Stimmung wie Stimme anbelangt, könnte man fast soweit gehen und sagen, dass Fursaxa näher an Nico als an Vashti Bunyan oder Shirley Collins ist (eine Einschätzung, die einige andere Rezensenten zu teilen scheinen). Teilweise erinnert Burke auch etwas an Sharron Kraus (mit der sie auf dem Projekt Tau Emerald zusammengearbeitet hat). Weiterlesen

ANDREW LILES: Monster Munch E.P.

Unter dem Monströsen versteht man traditionell die (furchteinflößende) Steigerung des Grotesken und Bizarren. Es ist auch eine Art Warnsignal, denn Monster sind in der Regel gefährlich. ANDREW LILES, unter anderem bekannt von seiner mittlerweile sehr maßgeblichen Beteiligung bei NURSE WITH WOUND und auch als Solokünstler längst ein Held der Experimentalszene, scheint mit seiner neuen „Monster“-Veröffentlichungsreihe in seinem Element zu sein. Seit jeher sind seltsame, irritierende Formen Teil seiner Klänge, Titel und Grafiken. Weiterlesen

JOOLIE WOOD: 45 Birds

In Zeiten, in denen nahezu jeder musikalische Gehversuch in irgendeiner Form an die Öffentlichkeit gerät, sind Künstler wie JOOLIE WOOD eine wertvolle Seltenheit – Künstler, welche die Resultate ihres Schaffen lange heranreifen lassen und keine Eile haben, erst nach und nach aus dem Schatten bekannterer Bands herauszutreten und mit einer eigenen Karriere ernst zu machen. Rund zwanzig Jahre stellte Joolie ihre Künste an diversen Instrumenten in den Dienst anderer, erst 2006 erschien ihr Debüt “Tales Of Colour And White”. Soeben ist ihre zweite, diesmal audiovisuelle, EP erschienen. Weiterlesen

HARVEY MILK: A Small Turn Of Human Kindness

Ein riesiger Felsblock bahnt sich einer enormen Walze gleich seinen Weg durch ein ödes Wüstenszenario. So zumindest könnte die erste bildliche Assoziation aussehen, die “A Small Turn of Human Kindness”, der neueste Wurf der aus Athens, Georgia, stammenden Metaller um Sänger Creston Spiers, weckt. Vielleicht würde das Bild einer ungeschlachten, großen Maschine noch ein bisschen besser passen, die sich auf wuchtigen Stahlpranken durch die urtümliche Landschaft bewegt – langsamen und behäbigen Schrittes, und doch alles unter sich begrabend. Sind es die Schmerzensschreie der Zermalmten, oder mehr die Wut des mechanischen Ungetüms selbst, die das in seiner Monotonie dennoch infernalische Growlen hervorrufen? Weiterlesen