Als Soloprojekt einen veritablen Bandsound auf die Beine zu bringen ist auch im Black Metal kein Unding. Mit seinem wandlungsfähigen Saitengeschruppe und einer ebensolchen Drumsection sticht Mastery aus der kalifornischen Bay Area dennoch heraus, zumal seine Stilidee, Black Metal mit jazzigen Versatzstücken zu kombinieren, gar nicht bemüht wirkt. Die nahezu schizoiden Gegensätze, die auf Masterys erstem Longplayer (vorausgegangen ist u.a. eine Split mit Skullflower) aufeinandertreffen, finden sich weniger in Weiterlesen
Archiv der Kategorie: Reviews
ZONE DEMERSALE: Motore Primo
Ob man Zone Démersale die intensive Beschäftigung mit Philosophie anhört, die Michele Ferretti und Pietro Riparbelli als Inspirationsquelle für ihren dunklen Ambienttechno angeben, ist schwer zu sagen. Etwas nachvollziehbarer wird dieser Hintergrund, wenn man bedenkt, dass die beiden Produzenten vor allem der Reflexion über Wahrnehmungsphänomene zugetan sind und die sinnlichen Vorgänge untersuchen, die griechische Philosophen aisthesis nannten, wovon unser Begriff der Ästhetik abstammt. Als Zone Démersale spielen sie eine Musik Weiterlesen
SIR RICHARD BISHOP: Tangier Sessions
Der Mythos um „Tangier Sessions“ ist schon seit ein paar Monaten im Umlauf – eine in einem Schweitzer Trödelladen zufällig aufgeschnappte Gitarre aus besseren Zeiten und von besonderem Fabrikat, Sir Richard Bishops wiedererwachte Lust, darauf die vielen Motive aus arabischen, maghrebinischen, griechischen und anderen Traditionen aufleben zu lassen, die der Gitarrist seit seinen Tagen bei den Sun City Girls kennen gelernt hatte und nicht zuletzt ein kleines Apartment mit Dachterrasse im marrokkanischen Tanger, wohin er sich für eine Zeit zurückzog und die vielen Echos zu einem eigenständigen Werk heranreifen ließ. Weiterlesen
PRAIRIE: Like A Pack Of Hounds
Wenn man bedenkt, dass Postrock -wie die Vorsilbe impliziert- (auch) eine Überwindung des als schematisch empfundenen Rock war, ist dessen Halbwertszeit nicht ganz so lang gewesen, führte (natürlich unweigerlich) zu Ermüdungserscheinungen, wie so immer, wenn Genres von der Peripherie ins Zentrum rücken und drängen. Weiterlesen
AIDAN BAKER: The Sea Swells A Bit
Willst du was gelten, mach dich selten – zu den Musikern, die dieses Motto regelmäßig ad absurdum führen, zählt auch der aus Kanada stammende Drone-Spezialist Aidan Baker, der am laufenden Band veröffentlicht, gerne kolaboriert, auf etlichen Labels zuhause ist und gerade im deutschen Hauptstadtkontext auch regemäßig auftritt. Jeder Versuch, seinen Werdegang inklusive seiner Band Nadja und seinem offenen Projekt B/B/S zu rekapitulieren, läuft Gefahr, in ermüdende Aufzählungen zu kippen, vorausgesetzt, man überblickt sein Output überhaupt. Weiterlesen
EDWARD KA-SPEL: The Victoria Dimensions
Angesichts der enormen Veröffentlichungsflut Edward Ka-Spels wundert es kaum, dass abgesehen von ein paar Die Hard-Fans wohl den meisten Anhängern des schlaftrunkenen Psychedelikers immer wieder einiges entgeht. Auch wenn man eine handvoll Platten des Legendary Pink Dots-Gründers übergeht – er läuft einem ja nicht weg, und sollte man sich in zwei Jahren mal wieder ein Album von ihm zulegen, so wird es einen sicher wieder mit der gleichen soliden Schrägheit beglücken wie eh und je. Schade wäre es nur, wenn dabei ausgerechnet das vor kurzem erschienene Weiterlesen
CELER: Sky Limits
Zu den bekanntesten optischen Täuschungen zählt das durchsichtige, oft nur schwach erkennbare Spiegelbild in einer einfachen Glasscheibe, das sich mit den Objekten hinter dieser Scheibe überblendet. Die Illusion einer solchen Überblendung erfolgt bei vielen Menschen immer dann, wenn Erinnertes oder Imaginiertes die Bilder der äußeren Realität überlagert, wenn das, was man gerne das geistige Auge nennt, die tatsächliche Sinneswahrnehmung in den Hintergrund drängt. Weiterlesen
DAVE PHILLIPS: Burn
Es gibt die weitverbreitete Gewohnheit, sich allem voran auf die Sprache zu verlassen, wenn es um die Annäherung an Multimedia-Konzepte geht. Dave Phillips ist ein Künstler, bei dem Musik, Text, Bild, Film und Performance in etwa gleiche Rollen spielen, dazu kommen zahlreiche Verweise auf externe Quellen und all dies verfolgt einen kritischen, im weitesten Sinne politischen Ansatz. Nähert man sich Phillips über das Medium Sprache, so findet man in seinen Booklets Texte von z.T. erstaunlicher Klarheit – eigene Manifeste oder Essays anderer Autoren, die sloganhafte Kommentare zum Stand der Zivilisation und teilweise direkte Handlungsanweisungen enthalten. Bezieht man dann jedoch Weiterlesen
JOHN CARPENTER: Lost Themes
Sieht man von Bernard Herrmanns – ein Filmkomponist, den John Carpenter in einem Interview einmal als wichtige Inspiration angab – atonalen Violinen für die Duschszene in Psycho ab, so ist die Halloweentitelmelodie im 5/4-Takt vielleicht das bekannteste Stück Musik, das je einen Horrofilm untermalte. Nur wenige Töne genügen, um vor dem geistigen Auge des Zuhörers die Captain Kirk nachempfundene Maske, unter der Michael Myers sein Gesicht verbirgt, erscheinen zu lassen. Ursprünglich mag die Tatsasche, dass der Regisseur seine eigenen Filme scorte, finanziellen Gründen geschuldet gewesen sein („I usually score my films because I’m the fastest and the cheapest.“, bemerkte er einmal lapidar). Dabei lag Carpenters Stärke oftmals in der Reduktion: Weiterlesen
JOSEF DVORAK feat. FUCKHEAD & DER BLUTHARSCH AND THE INFINITE CHURCH OF THE LEADING HAND: Sous L’Arbre De Sience
Der Wiener Josef Dvorak ist Theologe und Psychoanalytiker mit Wurzeln im Wiener Aktionismus. Mir ist er in erster Linie als Autor eines Buches über den Satanismus bekannt, das sich wie die Zusammenfassung einer halben Spezialbibliothek liest und aufgrund der enormen Dichte an Namen und Begriffen v.a. ein gutes Nachschlagewerk abgibt. Keine Frage, dass er ein äußerst untypischer Vertreter seines Faches ist und seine Anhänger weniger in den akademischen Fakultäten als in einschlägigen Subkulturen findet, wo es an nonkonformen Suchern nicht mangelt. Gelegentlich hört man ihn Weiterlesen
URNA: Couchemar
Hinter dem Namen Urna versteckt sich der italienische Ritualdröhner Gianluca Martucci, der neben der Musik auch als Maler und Tattoo Artist aktiv ist und bereits Artwork für Kinit Her gestaltet hat. Dass seine bisherigen Alben hierzulande, trotz Signings bei Slaughter Productions oder den rührigen Brave Mysteries, etwas untergegangen sind, mag eventuell auch dem unscheinbaren Namen geschuldet sein. Dem sollte man allerdings abhelfen, und sein neues Tape könnte da einen guten Einstieg bieten. Weiterlesen
THOMAS KÖNER: La Barca (Complete Edition)
Thomas Köner hat sich allein schon mit seinem Frühwerk einen Platz im Pantheon der Geräuschmusik(er) gesichert, die nun nur digital erhältliche Veröffentlichung „La Barca (Complete Edition)“ wird ein Weiteres dazu beitragen und ist ein wahres Mammutunterfangen: Ursprünglich war „La Barca“ eine Videoinstallation, audiovisuelle Liveperformance wie auch ein Album, das 2009 als CD, 2010 auf Vinyl mit fünf Bonustracks erschien und nun für die digitale Veröffentlichung um weitere fünf, bisher unveröffentlichte Stücke ergänzt wurde. Weiterlesen
SAWAKO: Nu.it
Welche Eigenschaften muss eine Musik haben, um „nächtlich“ zu klingen? Lässt man seinen Assoziationen freien Lauf, wird schnell klar, welch Fass ohne Boden die Nacht ist und wie reichhaltig die Musikgeschichte ist an Nokturnen, kleinen Nachtmusiken und weiteren Versuchen, die dunkle Seite des Tages zu erfassen. Ein Medium par excellence ist sicher Ambient. Gleitend, oft dunkel und geheimnisvoll, meist frei von lauter Geschäftigkeit scheint diese Musik wie geschaffen für die Ausfüllung dunkler Orte. Dass das nicht immer auf Düsterklischees hinauslaufen muss, belegt jüngst die profilierte Multimediakünstlerin Sawako. Weiterlesen
FORRESTA DI FERRO: Bury Me Standing
Mit „Seppelliscimi in Piedi“, dem ausklingenden zweiten Titelsong ihres bisher einzigen Albums, ist Forresta di Ferro ein seltsames Meisterstück gelungen – vordergründig ein simpler Italofolksong mit Akkordeon und zirkushaftem Walzertakt wirkt das Stück durch seine effektunterlegte Vokalspur, die wie aus einem Telefonhörer herüberweht, ins nahezu Unwirkliche, Gespenstische entrückt. Mit seinem kämpferischen Text und der repetitiven Struktur suggerierte das Lied für mich stets die Vorstellung einer ausladenden Kamerafahrt durch ein Ruinenfeld irgendwo im Italien Weiterlesen
ALBATWITCH: If Corporations Are People, Why Don’t They Die?
Man mag manchmal den Eindruck haben, dass Personen, die ein spirituell geprägtes Weltbild haben oder ein Leben führen, in dem Metaphysik keine nur marginale Rolle zukommt, politisch nicht immer besonders scharfsinnig sind. Timothy Renner allerdings, dessen von christlichen und animistischen Ideen geprägte Band Stone Breath im wahrsten Sinne des Wortes die Avantgarde, die Speerspitze des Weird Folk darstellt(e), hatte schon mit seinem mit Brian Magar eingespieltem Albatwitch-Debüt „Only Dead Birds Sing Over the Graves of Fallen Kings“ radikale Kritik an menschlicher Hybris, an naiver Technikgläubigkeit Weiterlesen
CONURE: Interpretations
Als Ende der 70er Genres wie Noise und Industrial entstanden, erlebte die experimentelle elektronische Musik nicht nur neue Dimensionen des Atonalen und Verstörenden. In ihrer sarkastischen Haltung zur spätindustriellen Gesellschaft und aufgrund ihrer Liebe zum Schrott brachen einschlägige Musiker auch eine Lanze für das Aneignen, Recyclen und Umcodieren ganz unterschiedlicher Ausgangsmaterialien, sei es durch Sampling, durch Querverweise oder durch Kollagetechniken unterschiedlichster Art. Über die Jahre ist aus der einstmals revolutionären Neuerung ein solides Handwerk geworden, auf das nur selten noch jemand explizit verweist. Zu den Ausnahmen zählt der in Berlin lebende Kalifornier Mark Wilson, der seit gut fünfzehn Jahren unter dem Namen Conure – dt. „Sittich“ – aktiv ist. Weiterlesen
COSTANZA FRANCAVILLA & ALEX INFASCELLI: Bushwick17
Überlegt man, wie viel Costanza Francavilla und Alex Infascelli gemeinsam haben, dann überrascht es kaum, dass sich ihre Wege irgendwann kreuzten. Beide verschlug es vor einigen Jahren von Italien nach Amerika, beide sind Soundbastler mit einem Faible für feinsinnige Drones, beide arbeiten zudem in visuellen Bereichen und wagen alle möglichen und unmöglichen Kollaborationen. Auch sollen beide von der Zahl 17 fasziniert sein, weshalb der Legende nach diese exakt siebzenminütige Improvisationssession im kalifornischen Bushwick stattfand. Weiterlesen
RASP: Radiate Power Words
Die Entstehungsgeschichte des ersten Rasp-Albums liest sich wie eine Wette – schaffen es zwei Musiker, ein komplettes Album an zwei Abenden, in nur zwei kurzen Sessions zu improvisieren und aufzunehmen, ohne akribische Vor- und Nachbereitung und ohne Erfahrung in derart spontaner Arbeit? Nun, „Radiate Power Words“ ist eine Antwort auf diese Frage, und was dabei herausgekommen ist, klingt eigenwilliger als alles, was man bisher von den beiden Beteiligten zu hören bekam. Weiterlesen
DREAM WEAPON RITUAL: Ebb and Flow
Simon Balestrazzi mag seinen verschiedenen Projekten nach T.A.C. in etwa den gleichen Status beimessen und sie alle als gleichwertige Stationen seiner musikalischen Suche verstehen – letztlich ist Dream Weapon Ritual jedoch die Band, die am ehesten das Erbe der legendären „Tomografia“ angetreten hat. Zum einen ist Monica Serra wieder mit von der Partie, die während ihrer Zeit bei T.A.C. eine zweite Karriere als Schauspielerin begonnen hatte. An Mikro und Kaoss Pad ergänzt sie Simons düstere Soundscapes in einer Weiterlesen