Martin Eder ist in der Kunstszene kein Unbekannter. Seine Bilder voll bonbonfarbener Kätzchen und lasziver Frauenkörper spielen mit provozierendem Kitsch und haben ihm einen Platz unter den bekanntesten deutschen Malern gesichert. Er selbst ist hin und wieder als Model des Designers Frank Leder zu sehen, dessen preußischer Stil zwischen Androgynität und der Derbheit ungeschlachter Fleischergesellen ebenso ernsthaft selbstironisch ist wie die Gemälde Eders. Weiterlesen
MUSHROOM’S PATIENCE: Dicer’s Oath/Eve And The Plastic Apple
MUSHROOM’S PATIENCE sind eine Legende, soviel ist sicher. Doch Dither Craf und seine Kumpanen zählen leider auch zu den unrechtmäßig unterschlagenen Geheimtipps experimenteller Musik, und wer sich angesichts dieser kürzlich bei Klanggalerie erschienenen Wiederveröffentlichung nicht flugs auf Schatzsuche begibt, der verdient mindestens drei Stunden Nachsitzen auf dem Eselsbänkchen. Weiterlesen
PREMATURE EJACULATION: Attempts at 7
Im Rahmen der bisherigen Besprechungen der (Wieder-)Veröffentlichungen von Material von Rozz Williams’ Experimentalprojekt wurde schon mehrfach thematisiert, dass Williams mit PREMATURE EJACULATION dem Anthropofagen, dem Untier Mensch (s)einen Spiegel vorhält. Dabei wird dies aufgrund des (sieht man vom Einsatz von Sprachsamples einmal ab) weitgehend instrumentalen Charakters der Musik primär auf der bildlichen Ebene transportiert, auf dem bislang unveröffentlichten „Attempts at 7“ geschieht dies durch einen Zeitungsausschnitt über eine Elektroschockfoltermaschine aus einem türkischen Gefängnis. Weiterlesen
SLIM CESSNA’S AUTO CLUB: Unentitled
Da sind sie wieder, die sechs traditionsbewussten Anarcho-Cowboys aus Denver, Colorado, die Helden der Prädestination und des Polka Punk. Genug der Klischees? Nein. Denn erneut spielen sie den Filmscore für den letzten Gothic Western vor der Apokalypse. Weiterlesen
KINIT HER – Interview
KINIT HER, das aus Nathaniel Ritter und Troy Schafer bestehende Duo, hat innerhalb kurzer Zeit mit einer Reihe von Veröffentlichungen ein originelles Werk erschaffen, das sich aus einem reichhaltigen Fundus teils randständiger Musik speist und das im Spannungsfeld zwischen Song und Experiment, Folk und rituellen Klängen steht. Titel und Artwork verorten KINIT HER in Regionen jenseits der Ratio und Nüchternheit. Seit kurzen besteht neben KINIT HER das neue Projekt WREATHES, das stärker auf den Song fokussiert ist. Weiterlesen
MUTE SWIMMER: Some Examples/Song Against Itself
MUTE SWIMMER ist ein britisches Folkprojekt, das schon länger eine Erwähnung im Black verdient hat. Gemeinsame Aktivitäten mit hier bereits vorgestellten Künstlern (CARLA BOZULICH, BIRDENGINE, THE GREAT PARK) sprechen dafür, der in seiner Schlichtheit intime Akustiksound und die originellen, nachdenklichen Texte des Sängers sollten dabei noch mehr ins Gewicht fallen. Weiterlesen
Angura – Experimentelle Kunst und Musik aus Japan
Dass Staalplaat auch eine deutsche Dependence besitzt, hat sich mittlerweile sicher bis in die entferntesten Winkel der Subkultur herumgesprochen. Mit seinem Umzug von Berlin-Mitte erst nach Kreuzberg und schließlich nach Neukoelln ist der Laden wie viele weitere idealistische Unternehmen dieser Art Gentrifizierungsflüchtling und -vorhut zugleich und würde ausreichend Stoff für ein kleines Kapitel urbaner Kulturgeschichte abgeben. Weiterlesen
MUSHY: Faded Heart
Ob die junge Römerin Valentina F. mit ihrem Pseudonym MUSHY auf die etwas zotige Wirkung im Deutschen hin abzielt, ist mir nicht bekannt. Den Italienern ist ihr Name schon seit Jahren ein Begriff, denn die Künstlerin ist bereits seit 2003 im italienischen Underground aktiv. Als Musikerin, DJ und Grafikerin. Weiterlesen
GERECHTIGKEITS LIGA: Dystopia
GERECHTIGKEITS LIGA veröffentlichten Anfang der 80er eine Reihe von Tapes und eine 12″ bevor ihr erstes Vollzeitalbum auf GRAEME REVELLS Label Side Effects veröffentlicht wurde: „Hypnotischer Existenzialismus“ und die Auftritte waren gekennzeichnet von tribaler Perkussion, die weniger vom Futurismus (wie etwa VIVENZA, der sich explizit auf Marinetti berief) beeinflusst war, sondern vielmehr von der Rhythmik in „Primitive Culture[s]“, um einen Titel des ersten Albums zu zitieren – nicht im Sinne eines westlich-herablassenden Blicks, sondern beeinflusst von Eliades Band „Schamanismus und archaische Ekstasetechnik“. Weiterlesen
CULT OF YOUTH: Cult of Youth
Von CULT OF YOUTH berichtete mir erstmals Tomás Nochteff von MUERAN HUMANOS. Die Band um den Brooklyner Sean Rogar hat gerade die US-Tour der Deutsch-Argentinier organisiert. Dann erfuhr ich, dass zwei weitere Mitglieder der Band auf dem neuen BACKWORLD-Album mitwirken. Als ich dann noch hörte, das selbstbetitelte Zweitwerk der Band sei bei Sacred Bones erschienen, musste ich die CD einfach haben. Weiterlesen
THE KILIMANJARO DARKJAZZ ENSEMBLE: From The Stairwell
Darkjazz und kein Ende. Nachdem Denovali Records vor kurzem erst „Anthropomorphic“, das neueste Produkt des Zweitunternehmens THE MOUNT FUJI DOOMJAZZ CORPORATION ins gedämpfte Gaslicht entließ, legt das Stammprojekt THE KILIMANJARO DARKJAZZ ENSEMBLE gleich nach. Weiterlesen
THE GREEN MAN: Horus Calling
Die italienische Band THE GREEN MAN schlug auf ihrem Debüt „From Irem to Summerisle“ einen Bogen von der von Legenden umrankten Stadt Irem zu der fiktiven schottischen Insel, auf der Christoper Lee in „The Wicker Man“ (dem Film, dem die Band auch ihren Namen verdankt) als Lord Summerisle residiert. Auf der einige Jahre später wiederveröffentlichten CD thematisierte man auf einem Bonustrack noch das Liber AL vel Legis (vulgo: das Buch des Gesetzes). Weiterlesen
JULIA KENT: Green and Grey
Im Zusammenhang ihrer letztjährigen EP “Last Day In July” sprach Cellistin Julia Kent bereits über ein neues Vollzeitwerk. Nun ist es da, und es knüpft an die Stimmung und Machart des nun fünf Jahre zurückliegenden “Delay”-Albums an. Das ist äußerst erfreulich, gemessen an ihren doch verhältnismäßig raren Lebenszeichen als Solokünstlerin und an ihrem somit noch unverbrauchten Stil. Umso schöner, dass es im Kleinen ein paar markante Veränderungen zu verzeichnen gibt. Weiterlesen
ADAM DONEN: Immortality
Etwas wunderlich schaut er ja schon drein, dieser Adam Donen. Aber wenn es um etwas so großes wie Unsterblichkeit geht, versteht man so einiges, und wie er da als Popart-Kleriker mit Seventies-Locken vor der grauen Flut steht, ruft er glatt die Untoten des jüngst verstorbenen Filmemachers Jean Rollin in Erinnerung, jene dem Meer erwachsenen Nachtgestalten, denen der Meister einige Denkmäler von beeindruckender Skurrilität gesetzt hat. Weiterlesen
ALELA DIANE & WILD DIVINE: s/t
Alela Diane gehört zu den Folksängerinnen, die es recht früh verstanden, mit ihren eingängigen, bisher eher schlicht instrumentierten Songs auch ein Mainstreampublikum zu begeistern. Dafür heimste sie außer Lob auch schon mal harte Worte ein. Interessant ist dabei, dass ihre immer etwas gefällige Musik im klassischen Rock-Millieu (Rolling Stone) meist gut weg kam, während die Schelte aufgrund ihrer vermeintlichen “Posthippie Biedermeier”-Attitüde eher von der angegenderten Popfraktion kam. Weiterlesen
BABY DEE: Regifted Light
Mit „Safe Inside The Day“ bekam Baby Dee, die man hier sicher nicht extra vorstellen muss, ihr erstes großes Medienecho. Neben einer Art Durchbruch und gewissen Erfolgen bei einem größeren Publikum markierte dieses Album auch die Hinwendung zu einem etwas breiter instrumentierten Sound und die Verabschiedung ihres anfangs primär auf Stimme, Piano und Harfe reduzierten Klangbildes. Weiterlesen
SIX ORGANS OF ADMITTANCE: Asleep on the Floodplain
Ich erinnere mich noch daran, dass puristische Fans von SIX ORGANS OF ADMITTANCE gar nicht so begeistert waren von Ben Chasnys ersten Veröffentlichungen auf dem renommierten Chicagoer Drag City-Label. Vermutlich befürchtete man eine zu starke Hinwendung zu einem glatten und poppigen Indie-Sound, an dem die Band an einigen Stellen auch haarscharf vorbeigeschlittert ist. Weiterlesen
V. A.: We Bring You a King with a Head of Gold
2007 veröffentlichte das auf (legale) Folkdownloads spezialisierte Webportal Woven Wheat Whispers mit Hilfe von Cold Spring „John Barleycorn Reborn“, eine Doppel-CD, auf der sich zahlreiche Künstler daran machten, unter dem Titel des vielfach interpretierten Traditionals „John Barleycorn“ eine Traditionslinie vom „dunklen Britannien“ ins 21. Jahrhundert fortzuführen. Weiterlesen
PREMATURE EJACULATION: 6
Der siebte Teil von Rozz Williams’ „Lost Recordings“, enthält –sieht man von ein paar Tracks ab, die auf „A Little Hard to Swallow“ veröffentlicht wurden – unveröffentlichtes Material, das laut Labelinfo irgendwann vor 1987 aufgenommen wurde. Das Cover, auf dem eine anatomische Studie eines menschlichen Kopfes und Halses mit freigelegten Blutgefäßen zu sehen ist, ist eine adäquate Illustration von Williams’ Herangehensweise (sei es musikalisch, sei es in seinen Collagen), findet sich doch in seinem PREMATURE EJACULATION-Artwork mehrfach die Aufforderung: „Open your eyes“. Weiterlesen