TOR LUNDVALL: Ghost Years

Es ist vielleicht ganz passend, dass diese Zusammenstellung von Stücken aus den letzten 15 Jahren auf Tursa erscheint, wurde ein etwas breiteres Publikum doch erstmalig durch Lundvalls (visuelle) Arbeit für und seine (musikalische) Zusammenarbeit mit Tony Wakeford auf den nordamerikanischen Maler und Musiker aufmerksam. Auf „Autumn Calls“ (mit Wakeford) wurden Lundvalls verhallte Ambientklänge mit akustischen Instrumenten kombiniert um eine melancholische Ode an den Herbst aufzunehmen (nicht grundlos nannte Lundvall sein eigenes Minilabel Eternal Autumn Editions). Weiterlesen

BEE (Birch Book/In Gowan Ring) – Interview

1994 veröffentlichte Bobin Eirth, der sich B’eirth oder Bee nennt, sein erstes Album (“Love Charms”) unter dem Namen IN GOWAN RING. Dort – wie auch auf den beiden folgenden Studioalben – verknüpfte er fragile, sicherlich europäisch beeinflusste Folkmusik mit meditativen, psychedelischen Drones. 2002 erschien das vierte und bislang letzte (Vollzeit-)Album “Hazel Steps Through A Weathered Home”, das das songorientierteste Album war und acht zerbrechlich-melancholische Stücke enthielt, die mit zum Ergreifendsten gehören, das in den letzten Jahren veröffentlicht wurde. Weiterlesen

T.E.D. KLEIN: Reassuring Tales

Fast zeitgleich mit “Teatro Grottesco“ erscheint in dem auf limitierte Spezialauflagen bekannten US-amerikanischen Verlag Subterranean Press (in dem auch schon Ligotti veröffentlicht hat) eine Sammlung von Kurzgeschichten T.E.D. Kleins, der ähnlich viel publiziert (hat) wie Jerome D. Salinger. 1973 wurde er mit (der hier enthaltenen und sicher im Rahmen dieser Sammlung den Höhepunkt darstellenden) langen Erzählung “The Events At Poroth Farm“ bekannt, die acht Jahre später in stark veränderter und erweiterter Form als der bisher einzige Roman unter dem Titel “The Ceremonies“ veröffentlicht wurde Weiterlesen

WILLIAM BENNETT (WHITEHOUSE) – Interview

William Bennett hat mit WHITEHOUSE in den vergangenen drei Jahrzehnten extrem(st)e elektronische Musik gemacht und damit ein Genre mitgeschaffen,  dessen enge Grenzen WHITEHOUSE allerdings bereits lange gesprengt haben. Schon seit längerem sind die analogen den digitalen Geräten gewichen, sind die Texte (spätestens seit “Cruise”) – auch Bennetts Interesse an NLP geschuldet –komplexer geworden; Weiterlesen

HERZ JÜHNING: Miasma

Mit seiner schnell ausverkauften EP hatte sich Kay Jühning gut ins analoge Universum des kleinen (Post-)Industrial Labels eingefügt, irgendwo im abgesteckten Feld zwischen Angstpop und harscheren Sounds. Das Vollzeitdebüt führt dieses Changieren zwischen melodischeren Momenten und stärker aufs Harsche und Schockierende fokussierten Stücken fort: Nach dem scheinbar als Intro funktionierenden weitgehend instrumentalen “Induction“ folgt mit dem Titelstück ein durch die verzerrten Vocals raueres Stück, die Synths pulsieren und fiepen. Weiterlesen

LILI REFRAIN: 9

LILI REFRAIN ist eine junge römische Gitarristin und Sängerin, die bisher vor allem im eigenen Land von sich reden machte. Vor rund zwei Jahren erschien ein schlicht „Lili Refrain“ betiteltes Debütalbum auf CDr, das die Künstlerin wohl ohne weitere Unterstützung aufnahm, und das erwartungsgemäß in unseren Breiten kaum beachtet wurde. Weiterlesen

NATE YOUNG: Regression

Nate Young hat in den letzten Jahren zusammen mit bei den großartigen DEMONS gezeigt, dass er neben dem erratischen und manchmal etwas beliebig klingenden Werk der WOLF EYES konzentriert instrumentale, atmosphärisch dichte Musik ohne allzu große Schockeffekte oder Brachialität erzeugen kann; “Regression“ knüpft an die bisherigen Werke von DEMONS an: Weiterlesen

CURRENT 93: Aleph At Hallucinatory Mountain

Betrachtet man den experimentierfreudigeren Teil gegenwärtiger Popkultur, so stellt das personell sehr wechselhafte Ensemble CURRENT 93 eine der wichtigsten grauen Eminenzen dar. Ob man nun von ANTONY AND THE JOHNSONS ausgeht, von Countrykauz WILL OLDHAM oder von den gerade wieder angesagten Drone-Spezialisten SUNN O))) – auf der Suche nach Hintergründen und Querbezügen landet man früher oder später bei dem mittlerweile transatlantischen „Folk and more“-Kollektiv um Sänger, Maler und Mad Poet DAVID TIBET. Weiterlesen

PETER CHRISTOPHERSON – Interview

Peter Christopherson, der schon seit mehr als drei Dekaden den Spitznamen Sleazy trägt, hat wohl wie kaum ein anderer im weiten Feld des (Post-) Industrials eine tragende Rolle gespielt. Er gründete mit Chris Carter, Cosey Fanni Tutti und (damals noch) Genesis P. Orridge die aus der von den Wiener Aktionisten beeinflussten Performancegruppe COUM TRANSMISSIONS hervorgegangenen THROBBING GRISTLE. Weiterlesen

BALLO DELLE CASTAGNE: Ballo Delle Castagne

Bei BALLO DELLE CASTAGNE könnte man es sich leicht machen und das Projekt auf eine Formel wie “vier Italo-Folker auf Post Punk-Kurs“ herunterbrechen. Ganz abgesehen davon, dass nur schlechte Musik eine derart simple Beschreibung verdient, greift sie hier auch stilistisch viel zu kurz. Weiterlesen

DEMONS: Evocation

Hinter diesem – was Projektnamen wie auch Titel des Albums anbelangt – gelinde gesagt klischeehaften Auftreten verbergen sich Nate Young und Steve Kenny, ersterer u.a. bei WOLF EYES tätig. Merkt man bei diesem in den letzten Jahren auch durch die beiden auf Sub Pop veröffentlichten Alben relativ populär gewordenen Projekt neben dem Einfluss THROBBING GRISTLES (vor allem) auch starke Metal- und Hardcoreeinflüsse, sind DEMONS davon meilenweit entfernt. Weiterlesen

THE GREEN MAN: From Irem To Summerisle

Mit “From Irem To Summerisle” wird das Debüt des italienischen Duos in leicht veränderter Form wiederveröffentlicht. Die ersten vier Tracks verweisen auf den Orient, auf die sagenumwobene Stadt Irem, die auch H.P. Lovecraft (in “The Call Of Cthulhu”) erwähnt und auf alternative, häretische Quellen (etwas, mit dem sich die Italiener auf ihrem zweiten Album ex- und intensiver beschäftigen sollten). Weiterlesen

SATORI: Kabanashi

Das Noiseprojekt, dass Cold Spring-Chef Justin Mitchell zusammen mit Neil Chaney betreibt, konzentriert sich auf diesem ursprünglich 2007 veröffentlichten Album, wie schon das Artwork – eines der berühmten Nachtmahr-Gemälde des Blake-Zeitgenossen Füssli – und die Titel (“Hypnagogic State”, “Nocturnal Fury”, “Threshold Consciousness”) verdeutlichen, auf das Thema Schlaf bzw. dessen unangenehme Aspekte. Weiterlesen

OTHON – Interview

Im vergangenen Jahr wurde auf Durtro das Debütalbum des griechischen Pianisten OTHON Mataragas veröffentlicht, auf dem als Gastsänger Marc Almond, David Tibet und (seine Muse) Ernesto Tomasini zu hören waren. “Digital Angel” war in seiner Exzentrik, Emotionalität und Originalität einer der Höhepunkte des letzten Jahres. Momentan arbeitet OTHON an zwei weiteren Alben und auf dem im Oktober in Rom stattfindenden PRE Final Fest wird er einen neuen Soundtrack zu Jörg Buttgereits Klassiker “Nekromantik” vorstellen. Weiterlesen

WILLIAM BASINSKI: 92982

William Basinski hat sich in den letzten Jahren einen völlig eigenen, letztlich zeitlosen Kosmos geschaffen. Der inzwischen in Los Angeles lebende Musiker veröffentlicht hier erneut Archivmaterial, ursprünglich am 29.09.82 aufgenommen – was den auf den ersten Blick kryptischen Titel erklärt – und 2009 gemastert. Weiterlesen

BIRCH BOOK: Vol. III. A Hand Full Of Days

BOBIN EIRTH alias B’EE ist längst eine feste Größe in der Folkszene, sein Name ist sicher jedem schon einmal untergekommen, der sich für derartige Musik begeistern kann. In den 90ern bereicherte der örtlich meist ungebundene Amerikaner mit seiner Band IN GOWAN RING das Neofolk-Genre um einen urtümlichen Klang und eine Komponente des Fragilen. Mit filigranem Gitarrenspiel und einer Art zu singen, die meditativ und verträumt klingt, wusste er von Beginn an zu begeistern. Weiterlesen

FOVEA HEX – Interview

FOVEA HEX ist das Projekt von Clodagh Simmonds, die in den 60ern bei der Folkband MELLOW CANDLE spielte und auch schon für Mike Oldfield gesungen hat. Auf den bisherigen Veröffentlichungen – drei EPs, die zusammen die “Neither Speak Nor Remain Silent“-Trilogie bilden – wurde sie u. a. von Andrew McKenzie (THE HAFLER TRIO), Colin Potter (u.a. NURSE WITH WOUND), Brian Eno und Robert Fripp unterstützt – um nur ein paar der Beteiligten zu nennen. Weiterlesen

SIX ORGANS OF ADMITTANCE: Luminous Night

Ben Chasny hat inzwischen eine Reihe an Alben bei Drag City herausgebracht. Das neueste, “Luminous Night”, erscheint kurz nach der Compilation “RTZ” und steht in einem auffälligen Kontrast zu den darauf gesammelten älteren Aufnahmen, die sich durch einen rauhen Klang und eine eher spärliche Produktion auszeichnen. Dies verdeutlicht besonders der Opener “Actaeons Fall (Against The Hounds)”, der mit seiner durchaus ergreifenden Kombination aus Flöte, E- und Akustikgitarre doch etwas konventionell und bieder klingt, wobei die Erweiterung des Instrumentariums dem Album durchaus gut tut. Weiterlesen

SIX ORGANS OF ADMITTANCE: RTZ

Ben Chasny hat sich mit seinen letzten beiden Veröffentlichungen auf Drag City etwas von dem von indischen Ragas beeinflussten Frühwerk (u.a. auf Holy Mountain erschienen) gelöst und auch erstmals in einem richtigen Studio aufgenommen. “RTZ” ist eine (An-)Sammlung früherer Aufnahmen, die zum Teil lediglich in ultralimitierter Auflage zu haben waren und auch wenn es den einen oder anderen Sammler schmerzen mag: Musik, nach der Bedarf besteht, von ihrer oft künstlerisch oder künstlich herbeigeführten Verknappung zu befreien, darf durchaus als sympathisch gelten. Weiterlesen