CTEPHIN: Duad 7″

Knapp 100 Singles oder auch „Drone-Bombs for your Dream-Mind“ sind bisher bei dem kleinen Label aus Bremen erschienen. Singles, die mit liebevollen und humorvollen Gattungsbeschreibungen versehen wurden, und die trotz unterschiedlicher musikalischer Ausrichtung(en) immer ins Konzept, ins weite Feld des Drones pass(t)en. Ctephin – ein Duo aus Oklahoma City, das dem „Umbrella Noize Collective“ angehört – zitieren im Inlay Frater Perdurabo (vulgo: Mr Crowley)  und scheinen sich, was Titel, Zitat („For I am divided for love’s sake, for the chance of union.“) und Artwork nahe legen, mit dem Verhältnis von Trennung und (Ver-)Einigung zu beschäftigen. Weiterlesen

LUSTMORD – Interview

„There is a place/Within darkness/Beyond, between/Without name“

Brian Williams’ Projekt entstand in den Nachwehen der ersten Industrialgeneration. Seine Bekanntschaft mit Throbbing Gristle, SPK und Monte Cazazza ließ ihn zuerst noch in bester transgressiver Tradition atonale Klänge herstellen, bevor er sich weniger konfrontativer und atmosphärisch dichterer Musik zuwandte und dabei ein Genre erfand, das unglücklicherweise wenig originell mit Dark Ambient betitelt wurde Weiterlesen

EVERYTHING BUT THE GARGOYLE: Four Flies on Grey Velvet

Diese Veröffentlichung ist ein Beispiel dafür, wie Bandname und Albumtitel ein weites, teils zufälliges Referenznetz knüpfen können. Der Name spielt  (sehr wahrscheinlich) bewusst auf das britische Popduo an, das statt des Wasserspeiers das Mädchen im Namen trug und gibt (damit) einen Hinweis auf die Besetzung: In diesem Fall zeichnet sich Ferrara Brain Pan, dessen eigenes Projekt Forms of Things Unknown vor einigen Jahren mit einem großartigen, von verschiedenen Blasinstrumenten stark geprägten Minialbum debütierte, für die gesamte Musik verantwortlich Weiterlesen

ZOLA JESUS: Stridulum

Der Name der jungen Amerikanerin Nika Roza Danilova, die ihre künstlerische Inkarnation ZOLA JESUS nennt, raunte in den letzten zwei Jahren in zuverlässiger Regelmäßigkleit durch internationale Medien. Was hat es auf sich mit dieser merkwürdig retromäßigen Wave-Musik, die gerade einem Szene-Schuppen der frühen 80er entsprungen sein könnte und schon deshalb heute, wo die Eighties-Welle doch vor einiger Zeit erfolgreich abgeklungen ist, der letzte Schrei sein müsste? Vielleicht ist es die Ernsthaftigkeit der Philosophiestudentin aus dem provinziellen Wisconsin, die ihrer vordergründig so altbekannten Musik die verdiente Aufmerksamkeit beschert. Weiterlesen

A Powerful Channel of Catharsis. Interview mit der Musikerin Lili Refrain

Die Rede vom Verschmelzen des Künstlers mit seinem Werk muss nicht zwangsläufig ein Gemeinplatz sein. Die junge römische Musikerin Lili Refrain jedenfalls, die unlängst ein Album namens “9” aufnahm und ihrer Gitarre widmete, behandelt ihr Instrumentarium beinahe wie ein lebendes Wesen, sich selbst benennt sie auf der anderen Seite nach einem musikalischen Begriff. Immer scheint die Musik selbst Thema ihrer Arbeiten zu sein, klingt sie doch in einigen ihrer Songtitel ebenso an wie in häufigen zitathaften Rückgriffen auf bekannte und weniger bekannte Stationen der Musikgeschichte. Weiterlesen

BABY DEE: A Book of Songs for Anne Marie

Die meisten dürften wissen, dass „A Book of Songs…“ nicht der wirkliche Nachfolger zu dem 2008 auf Drag City erschienenen „Safe Inside the Day“ ist, handelt es sich doch um eine Überarbeitung und Neuinterpretation – und nicht um eine Wiederveröffentlichung, wie in einigen Rezensionen fälschlich zu lesen war – des 2004 auf Durtro in einer Miniauflage von 150 Exemplaren veröffentlichten gleichnamigen Albums. Weiterlesen

ROBIN CRUTCHFIELD – Interview

„FaerieDreams“ und „Zither Madness“

Robin Crutchfield hat einen langen Weg hinter sich: Mitte der 70er kam er nach New York und gründete 1978 zusammen  mit Arto Lindsay und Ikue Mori die No Wave-Band DNA.  Nach kurzer Zeit verließ er DNA und gründete Dark Day, die eine Reihe von Lineupwechseln und musikalischen Stilen durchliefen. Weiterlesen

THOMAS LIGOTTI: Teatro Grottesco

“Eines Nachts, in längst vergangenen Zeiten, erwachte der Mensch und sah sich selbst. Er sah, dass er nackt war unter dem Kosmos, unbehaust in seinem eigenen Körper.“

Peter Wessel Zapffe, Der letzte Messias

Schon seit einigen Jahren angekündigt, erscheint bei David Tibets Kleinverlag Durtro die neueste Sammlung mit Kurzprosa des Amerikaners. Neu muss allerdings relativiert werden, denn einige der Geschichten wurden ursprünglich schon 1996 in der Sammlung “The Nightmare Factory“, der Anthologie Ligottis, die im angloamerikanischen Raum sicher die verbreitetste ist, unter dem Titel “Teatro Grottesco“ publiziert. Weiterlesen

ROBIN CRUTCHFIELD: The Hidden Folk

Vor kurzen beklagte ein bekannter Musikjournalist in der konkret den “Hang zum Irrationalen und zur Neoromantik“ in der zeitgenössischen Popmusik. Für den Autor dürfte Robin Crutchfields neues (Solo-)Album ziemlich ungenießbar sein, widmet der ursprünglich aus der New Yorker No Wave-Szene stammende Crutchfield nun zum insgesamt vierten Mal (s)ein Album Gnomen, Zwergen, Kobolden, sprich: “seinen Freunden in der verzauberten anderen Welt“ – Weiterlesen

“A harp is like a piano without its clothes on while it’s still young and pretty”

Baby Dee interviewed by Uwe Schneider

Over breakfast a friend of mine came up with the idea of investing a few thousands in a baby company, taking her eggs and my sperm and a few poor women, later sell the high-class blue-eyed treasures to the highest bidders. Then I got asked by a friend of a friend if I could babysit their daughter tonight. And on my way home huge masses of snow came down the roofs like white and shiny (late) Christmas bombs, I couldn’t help but imagine at least one of them hitting a baby buggy – survival of the luckiest. Weiterlesen

SARAH JUNE: In Black Robes

„It was another world altogether…a twisted paradise of danger and derangement…of crumbling houses packed extremely close together…of burned-out houses  leaning towards utter extinction…of houses with black openings where once there had been doors and windows“(Thomas Ligotti, Purity)

Auf ihrem 2008 auf Hand/Eye erschienenen Debüt sang Sarah June mit einer an Alison Shaw erinnernden Stimme nur von ihrer Akustikgitarre begleitet davon, dass sie ein „ghostly girl“, eine „radio wave“ sei.  Weiterlesen

TOR LUNDVALL: Ghost Years

Es ist vielleicht ganz passend, dass diese Zusammenstellung von Stücken aus den letzten 15 Jahren auf Tursa erscheint, wurde ein etwas breiteres Publikum doch erstmalig durch Lundvalls (visuelle) Arbeit für und seine (musikalische) Zusammenarbeit mit Tony Wakeford auf den nordamerikanischen Maler und Musiker aufmerksam. Auf „Autumn Calls“ (mit Wakeford) wurden Lundvalls verhallte Ambientklänge mit akustischen Instrumenten kombiniert um eine melancholische Ode an den Herbst aufzunehmen (nicht grundlos nannte Lundvall sein eigenes Minilabel Eternal Autumn Editions). Weiterlesen

BEE (Birch Book/In Gowan Ring) – Interview

1994 veröffentlichte Bobin Eirth, der sich B’eirth oder Bee nennt, sein erstes Album (“Love Charms”) unter dem Namen IN GOWAN RING. Dort – wie auch auf den beiden folgenden Studioalben – verknüpfte er fragile, sicherlich europäisch beeinflusste Folkmusik mit meditativen, psychedelischen Drones. 2002 erschien das vierte und bislang letzte (Vollzeit-)Album “Hazel Steps Through A Weathered Home”, das das songorientierteste Album war und acht zerbrechlich-melancholische Stücke enthielt, die mit zum Ergreifendsten gehören, das in den letzten Jahren veröffentlicht wurde. Weiterlesen

T.E.D. KLEIN: Reassuring Tales

Fast zeitgleich mit “Teatro Grottesco“ erscheint in dem auf limitierte Spezialauflagen bekannten US-amerikanischen Verlag Subterranean Press (in dem auch schon Ligotti veröffentlicht hat) eine Sammlung von Kurzgeschichten T.E.D. Kleins, der ähnlich viel publiziert (hat) wie Jerome D. Salinger. 1973 wurde er mit (der hier enthaltenen und sicher im Rahmen dieser Sammlung den Höhepunkt darstellenden) langen Erzählung “The Events At Poroth Farm“ bekannt, die acht Jahre später in stark veränderter und erweiterter Form als der bisher einzige Roman unter dem Titel “The Ceremonies“ veröffentlicht wurde Weiterlesen

WILLIAM BENNETT (WHITEHOUSE) – Interview

William Bennett hat mit WHITEHOUSE in den vergangenen drei Jahrzehnten extrem(st)e elektronische Musik gemacht und damit ein Genre mitgeschaffen,  dessen enge Grenzen WHITEHOUSE allerdings bereits lange gesprengt haben. Schon seit längerem sind die analogen den digitalen Geräten gewichen, sind die Texte (spätestens seit “Cruise”) – auch Bennetts Interesse an NLP geschuldet –komplexer geworden; Weiterlesen

HERZ JÜHNING: Miasma

Mit seiner schnell ausverkauften EP hatte sich Kay Jühning gut ins analoge Universum des kleinen (Post-)Industrial Labels eingefügt, irgendwo im abgesteckten Feld zwischen Angstpop und harscheren Sounds. Das Vollzeitdebüt führt dieses Changieren zwischen melodischeren Momenten und stärker aufs Harsche und Schockierende fokussierten Stücken fort: Nach dem scheinbar als Intro funktionierenden weitgehend instrumentalen “Induction“ folgt mit dem Titelstück ein durch die verzerrten Vocals raueres Stück, die Synths pulsieren und fiepen. Weiterlesen

LILI REFRAIN: 9

LILI REFRAIN ist eine junge römische Gitarristin und Sängerin, die bisher vor allem im eigenen Land von sich reden machte. Vor rund zwei Jahren erschien ein schlicht „Lili Refrain“ betiteltes Debütalbum auf CDr, das die Künstlerin wohl ohne weitere Unterstützung aufnahm, und das erwartungsgemäß in unseren Breiten kaum beachtet wurde. Weiterlesen

NATE YOUNG: Regression

Nate Young hat in den letzten Jahren zusammen mit bei den großartigen DEMONS gezeigt, dass er neben dem erratischen und manchmal etwas beliebig klingenden Werk der WOLF EYES konzentriert instrumentale, atmosphärisch dichte Musik ohne allzu große Schockeffekte oder Brachialität erzeugen kann; “Regression“ knüpft an die bisherigen Werke von DEMONS an: Weiterlesen

CURRENT 93: Aleph At Hallucinatory Mountain

Betrachtet man den experimentierfreudigeren Teil gegenwärtiger Popkultur, so stellt das personell sehr wechselhafte Ensemble CURRENT 93 eine der wichtigsten grauen Eminenzen dar. Ob man nun von ANTONY AND THE JOHNSONS ausgeht, von Countrykauz WILL OLDHAM oder von den gerade wieder angesagten Drone-Spezialisten SUNN O))) – auf der Suche nach Hintergründen und Querbezügen landet man früher oder später bei dem mittlerweile transatlantischen „Folk and more“-Kollektiv um Sänger, Maler und Mad Poet DAVID TIBET. Weiterlesen