BONNIE ‘PRINCE’ BILLY AND THE CAIRO GANG: Island Brothers

Will Oldham alias Bonnie ‘Prince’ Billy ist leidenschaftlicher Kollaborateur, und eine der wohl besten Nachrichten des neuen Musikjahres kündet von der Wiederbelebung seiner vielleicht fruchtbarsten Allianz, namentlich SUPERWOLF zusammen mit Matt Sweeney. Doch auch seine letztjährige Zusammenarbeit mit THE CAIRO GANG wahr wohl kein einmaliges Unterfangen, denn mit der neuen 10”-Single legt das Gespann einen kleinen aber würdigen Nachfolger des letzten Albums vor.

Konzeptuell hat die Veröffentlichung der beiden bereits bühnenerprobten, aber noch unveröffentlichten Songs einen markanteren Hintergrund, als bloß das eigene Fortbestehen in Erinnerung zu rufen: Ein Teil der Erlöse für die Single gehen an eine Benefiz-Aktion zur Medizin- und Wasserversorgung der vom letztjährigen Erdbeben besonders betroffenen Gebiete auf Haiti. Inhaltlich, d.h. textlich nehmen die beiden Stücke “Island Brothers” und “New Wonder” vage auf die Situation des Antillenstaates bezug, was man bereits anhand der Songtitel erkennen kann. Wirklich katastrophisch geht es allerdings kaum zu, und nach geheucheltem Betroffenheitspathos kann man ebenfalls lange suchen. Vielmehr künden die Stücke von der Erfahrung des Zusammenhaltens, von Geradlinigkeit und dem unverkitschten Glauben an einen Neubeginn, wie groß auch immer der sein mag.

Stilistisch wären beide Stücke auf dem Album durchaus gut aufgehoben gewesen. “Island Brothers” ist ein gutes Beispiel für die extrovertierte Seite Oldhams (die ihm einige absprechen wollen), verknüpft die Materialität des satten Rock mit den Stimmungen aus Blues, Gospel und Soul und verdeutlicht nicht zum ersten Mal, dass Oldham auch einem recht konventionellen Klangpaket eine Größe einzuhauchen versteht, die nur sehr schwer an greifbaren musikalischen Eigenschaften festzumachen ist. Wer auf den jüngeren Bonnie ‘Prince’ Billy-Alben eher den intimen Folksound schätzte oder ein heimlicher Neil Young-Fan ist, der wird seine Freude an “New Wonder” haben. Zeitweise eingepackt in einen hintergründigen Chorgesang stimmt Oldhams brüchige Stimme eine Musik an, die es nicht nötig hat, spektakulär zu sein.

Will Oldham ist sowohl als Musiker als auch als öffentliche Person jemand, dem man (auch im Bezug auf das Benefiz-Konzept von „Island Brothers“) seine Freundlichkeit abnimmt, da sie niemals forciert erscheint – das könnte damit zu tun haben, dass er kein Image, keine Attitüde konstruieren muss. Und erneut erwische ich mich dabei, Songs mit ihm als Solostücke zu begreifen, da er – u.a. aus den gerade genannten Gründen – wie selbstverständlich im Zentrum seiner Gemeinschaftsarbeiten steht. An dieser Stelle also auch ein Lob für die musikalische und atmosphärische Leistung der personell erweiterten Cairo Gang. (U.S.)