BONNIE PRINCE BILLY: Best Troubadour

Will Oldham und der im letzten Jahr verstorbene Merle Haggard verbindet u.a., dass sie leidenschaftliche Channeler sind. Neben ihren ohnehin häufigen Neuinterpretationen älterer Stücke finden sich immer wieder die Spuren einflussreicher Vorbilder in ihren Songs. Während Haggard seit seinen Anfängen Mitte des 20. Jahrhunderts dem Erbe zahlreicher Country-, Bluegrass- und Folksänger neues Leben einhauchte, die einem hoffnungslosen „21st century digital boy“ wie mit allenfalls dem Namen nach bekannt sind, zählt für Oldham Haggard selbst zu den großen Idolen. Weiterlesen

DAWN MCCARTHY: Traveller Returning

Man muss das Wort “Nabelschau” nicht mögen, aber ein Blick zurück auf die eigenen Anfänge ist für viele Musiker interessant. Welche Unsicherheiten konnte man mit der Zeit überwinden, welche ganz persönlichen Elemente gingen andererseits mit zunehmender Erfahrung verloren? Wie lassen sie sich wiederfinden? Wann und wie entstand eine eigene Handschrift, eine eigene Stimme, die von einem bestimmten Moment an untrennbar mit einem musikalischen Werk verbunden bleiben sollte? Dawn McCarthy, die seit ihrem Album mit Weiterlesen

BONNIE ‘PRINCE’ BILLY: Singer’s Grave A Sea Of Tongues

Oberflächlich betrachtet kann man Will Oldhams Werdegang als eine Entwicklung vom minimal instrumentierten Lofi-Dilettantismus hin zu einem opulenten und virtuosen Bandsound interpretieren – um dann vielleicht noch die Einschränkung hinzuzufügen, dass sich diese Entwicklung nicht vollkommen linear vollzieht. In Wirklichkeit sind die beiden Gestaltungsweisen seiner Musik, der Purismus und das virtuose Zusammenspiel mit anderen professionellen Musikern, so stark ineinander verzahnt, dass es bei genauerem Hinsehen problematisch ist, sie einfach auf unterschiedliche Werkphasen zu verteilen. Weiterlesen

BONNIE ‘PRINCE’ BILLY: s/t

Bonnie ‘Prince’ Billys selbstbetiteltes Album hat zwar schon ein paar Monate auf dem Buckel, verdient aber schon deshalb noch immer Erwähnung, weil es mehr als alle anderen Lebenszeichen des Sängers übergangen und in den Chroniken vermutlich einmal als obskure Randerscheinung geführt werden wird. Oldham brachte es letzten Herbst im Eigenverlag heraus, und die größte Werbung, die dafür gemacht wurde, bestand in der Vinylversion, die relativ unkommentiert auf den Merchandise-Tischen der jüngsten Tour auslag. Interessant ist es auch deshalb, weil es, wie nicht unüblich bei Weiterlesen

ALASDAIR ROBERTS AND FRIENDS: A Wonder Working Stone

Gemessen an seinem Folk-Image ist der in Deutschland geborene Schotte Alasdair Roberts ein echter Kosmopolit. Dass seine stilistischen Wurzeln primär dem anglophonen Raum entstammen, tut der Sache keinen Abbruch, denn seine Zusammenführung traditioneller Spielweisen beiderseits des Atlantik unterscheiden sich recht stark von den sonst üblichen Synthesen. Bei den meisten Kollegen wirkt eine der beiden Einflusssphären sekundär, oder man bereichert die typischen Elemente der einen Tradition mit den untypischen der jeweils anderen. Roberts dagegen Weiterlesen

SCOUT NIBLETT: No More Nasty Scrubs 7”

Wollte man die populäre Musik seit dem Millennium grob schematisch in Phasen einteilen, so könnte man – nach einem leichten Nachhall der 90er in den ersten Jahren – zuerst von einer akustisch dominierten Phase bis ca. 2006 sprechen und von einer eher elektronischen Phase im Anschluss und bis heute. In den ersten Jahren der Nuller war akustisches Gitarrenspiel hip, man durfte wieder ohne viel Ironie die Hippiezeit aufleben lassen, die nicht nur unter Weird Folk ihren postmodernen Wiedergang erlebte, sondern auch in zum Teil recht biederen Singer Songwriter-Schmonzetten. Weiterlesen

TREMBLING BELLS & BONNIE ‘PRINCE’ BILLY: The Marble Downs

Duette zwischen Sängerinnen und Sängern sind wahrscheinlich so alt wie die Musik selbst. Im Pop hat sich dabei besonders das Schema „böser Bube, nettes Mädchen“ bewährt, bei dem ein verwegenes Raubein seine Prinzessin umgarnt und dabei in charakterisierender Stimmlagenverteilung zum Ziel kommt oder auch nicht. Carter und Cash, Birkin und Gainsbourg, Campbell und Lanegan, you name it. Eine weitere, meist komödiantische, manchmal auch tragikomische Spielart davon inszeniert Kappeleien schon bestehender Paare. In nicht wenigen Fällen scheitert der männliche Part in seinen eitlen Bemühungen und wird Weiterlesen

BONNIE ‘PRINCE’ BILLY AND THE CAIRO GANG: Island Brothers

Will Oldham alias Bonnie ‘Prince’ Billy ist leidenschaftlicher Kollaborateur, und eine der wohl besten Nachrichten des neuen Musikjahres kündet von der Wiederbelebung seiner vielleicht fruchtbarsten Allianz, namentlich SUPERWOLF zusammen mit Matt Sweeney. Doch auch seine letztjährige Zusammenarbeit mit THE CAIRO GANG wahr wohl kein einmaliges Unterfangen, denn mit der neuen 10”-Single legt das Gespann einen kleinen aber würdigen Nachfolger des letzten Albums vor. Weiterlesen

BONNIE ‘PRINCE’ BILLY & THE CAIRO GANG: The Wonder Show Of The World

An Will Oldham scheiden sich seit Jahren die Geister. Während die einen Tiefe und subtile Bedeutungsfülle in seinen Songs erkennen, sehen die anderen in ihm einen unermüdlichen Garanten der Ermüdung, der Idiosynkrasie in Verbindung mit gepflegtem Dahinplätschern stets ähnlicher Klänge. Aus einer gewissen Nahdistanz heraus ist es vielleicht nicht abwegig, bei der Beurteilung seines mittlerweile umfangreichen Gesamtwerks recht ambivalent zwischen beiden Positionen zu changieren. Weiterlesen