OREN AMBARCHI: Hubris

Auf dem ersten Eindruck erscheint das Album „Hubris“, das Oren Ambarchi mit Hochkarätern wie Arto Lindsay, Jim O’Rourke, Joe Talia, Ricardo Villalobos und Keith Fullerton Whitman aufgenommen hat, wie ein äußerst strenges Werk, und dieser Eindruck bleibt über weite Strecken bestehen: Einfache rhytmische Muster dominieren den ganzen, noch eher sauber klingenden ersten Teil und verändern sich nur langsam über einen größeren Zeitraum hinweg, werden dichter, griffiger, neue Elemente kommen mit der Zeit dazu, doch an der Basis gilt de nova da capo.

Nach „Sagittarian Domain“ und dem abstrakteren „Quixotism“ bildet Hubris den dritten Teil einer Reihe an Kollaborationen, bei denen Ambarchi altgediente musikalische Muster aus Elektronik und Rock auf ihre basalen Strukturen herunterbricht, um ihnen in einer Verbindung aus Wiederholung und Steigerung eine andere, ungewohnte Dynamik zu geben.

Das wie der Vorgänger in drei Abschnitte unterteilte „Hubris” nimmt seinen Ausgangspunkt laut Label in der Zeit ab den späten 70ern, als Disco und New Wave der Popmusik auf recht unterschiedliche Art neue Rhythmen gaben, eine der Hauptinspirationsquellen war wohl Wang Chungs Musik zum William Friedkin-Film To Live and Die in L.A.. Man kann diese Referenzen in den knapp zwanzig Minuten des ersten Tracks noch etwas deutlicher heraushören, insgesamt aber verselbstsändigen sich die Stücke so sehr, dass von diesen Bezügen allenfalls eine vage Ahnung bleibt, und selbst der Opener mit seinen vielfach bearbeiteten Gitarren und den Sounds, die nach Bläsern und Cembalo klingen, bildet ein derart eigenes System, dass gegen Ende allenfalls die perkussive Elektronik die Referenz am Leben erhält.

Das zweite Stück ist mit seinen knapp zwei Minuten ein merkwürdig zweigeteiltes Interludium, bei dem sich Gitarrenpicking, mehrschichtige Bassspuren und halb verstecktes Stimmengemurmel überlappen. Dagegen ist das finale Stück wieder ähnlich dem Opener gestrickt und mit seiner organisch klingenden Drumarbeit – Elektronisches von Villalobo trifft hier auf die Schlagwerke von Joe Talia und Will Guthrie – ein Highlight an exaltiertem Groove.

In die hypnotischen Rhythmen zwischen Mid- und Uptempo kann man allerhand hineindeuten, aber mir erscheinn sie längst nicht so ethnolastig, wie von manchen Kollegen behauptet, schaffen mit den verzerrten Gitarren, die sich erst durch noch eher behutsames Kratzen ankündigen und schon nach kurzer Zeit eine wahre Fuzzorgie lostreten, eine immer unberechenbarere Entgrenzheit, bei der man, gibt man ihrer Sogwirkung nach, sehr leicht übersehen könnte, dass auch hier – unter chaotischen Synthieschnipseln, plötzichen Rocksoli und chaotischer Ekstase – die repetitive Struktur gewahrt bleibt. (A. Kaudaht)

Label: Editions Mego