LAWRENCE ENGLISH / LEA BERTUCCI: Chthonic

Der Australier Lawrence English hat auf zahlreichen Veröffentlichungen, allein oder mit anderen (u.a. mit Loscil, William Basinski, Merzbow, David Toop oder etwa als Hexa zusammen mit Jamie Stewart) ein beeindruckendes von Feldaufnahmen durchzogenes Werk geschafffen und veröffentlicht auf seinem Label Room 40 seit gut zwei Jahrzehnten verwandte Musik(er).

Auf seiner Zusammenarbeit mit der Multiinstrumentalistin Lea Bertucci (auf „Chthonic“ spielt sie Cello, Geige, Flöte und Lapsteelgitarre) – die beiden trafen sich 2019 erstmals auf einem Festival in Rio – diente als Inspiration “musings on geological scale, movements – tectonic or otherwise – of the Earth, and subterranean density and pressure.“  Dies gibt schon einen Hinweis darauf, wie der Titel des Albums zu verstehen ist, werden eben hier keine in der Unterwelt hausende Entitäten beschworen -  man schaue sich nur exemplarisch bei Discogs an, wie viele Bands Alben mit diesem Wort im Titel veröffentlicht haben.

„Amorphic Foothills“ beginnt mit in der Ferne tönenden Schlägen, es setzen Streichinstrumente ein, die wie quietschende Züge klingen, es schabt und dröhnt, zähflüssige Lavamassen scheinen sich hier zu bewegen. „Dust Storm“ vermischt Knistern, Wasserrauschen und flirrende Töne, die im Laufe des Stücks anschwellen und sich bis zum Atonalen verdichten. „Geology Of Fire“ ist dagegen ein melodischeres, weniger karges Stück. Wenn man „A Fissure Exhales“ hört, das den Eindruck erweckt, Geröllschichten verschöben sich, dann ist es hier inmitten des 12-minütigen Dröhnens – wie eigentlich auch auf dem Rest des Albums – unmöglich (noch) Instrumente entdecken zu wollen. Als letztes Stück ist „Strata“ durchzogen von einem minimalistischen Hochtönen – vielleicht lässt sich hier eine Flöte erahnen.

Das ganze Album ist geprägt  von einem Gefühl des Seltsamen, Kaum-Fassbaren und Irritierenden. Vielleicht kann man auch einfach sagen, dass angesichts der Jahrmillionen, die sich in geologischen Formationen widerspiegeln, wahrlich keine subterranen Monstrositäten nötig sind, um den Hörenden erschauern zu lassen. (MG)

Label: American Dreams