BAMBARA: Shadow On Everything

Der Titel des dritten Albums der ursprünglich aus Georgia stammenden und inzwischen in Brooklyn ansässigen Band ist sicher programmatisch zu verstehen, denn auf all den hier in den narrativen Lyrics erzählten Geschichten scheint tatsächlich ein (tief)schwarzer Schatten zu liegen, der von der Musik angemessen weiter geschwärzt wird: Der Opener „Dark Circles“ mit seinem an die Cramps erinnernden Gitarrenspiel und dem monotonen, treibenden Schlagzeug, das ganz entfernt an The Cures “Pornography”-Abum denken lässt, setzt die Stimmung, Weiterlesen

GLOWING SWORDS: The Autumn Elegy

Das aus Zach Corsa (Nonconnah) und Scott Cortez (Astrobrite, Lovesliescrushing) bestehende Duo kategorisiert seine Musik selbst als „lo-fi noise/drone“ und diese Bezeichnung, der das Cover zierende seiner Blätter beraubte Baum und der Titel des Albums geben die ungefähre Richtung von „The Autumn Elegy“ vor: Die insgesamt zehn Tracks sind in der Tat eine Elegie auf den Herbst und sind eine gute Illustration dieser Jahreszeit in all ihrer Ambivalenz: Auf der einen Seite die Manifestation des Vergänglichen Weiterlesen

O YUKI CONJUGATE: Tropic

„Tropic“, das vor einigen Monate veröffentlichte neue Album des seit den frühen 80ern aktiven und inzwischen hauptsächlich aus Andrew Hulme und Roger Horberry bestehenden Projekts, basiert auf ursprünglich 1994 aufgenommenem Material. Im Innern der CD heißt es, „Tropic“ sei „a collection of misplaced, forgotten and unreleased tracks recorded in London 1994-95”. Diese seien dann zwischen 2015 und 2016 überarbeitet worden. Weiterlesen

CONTROLLED BLEEDING: Music For Gilded Chambers

Ich habe schon an anderer Stelle geschrieben, dass die Controlled Bleeding-Rezeption (hauptsächlich) auf drei musikalischen Strängen beruht: Da sind Controlled Bleeding als Vertreter von Musik als Destruktion (gängiger Strukturen), versinnbildlicht durch die Anfang der 80er gemachten Aufnahmen. Dann gibt es kommerzielle(re), auf Wax Trax erschienene Aufnahmen, die sich dem EBM annähern und m. E. ungleich langweiliger sind als viele andere Arbeiten der Band. Weiterlesen

It’s very difficult to come up with just two or three words that describe an act that crosses multiple genres: Interview mit Lost Harbours

Seit gut 10 Jahren existiert das aus Richard Thompson und Emma Reed bestehende Duo Lost Harbours. Auf inzwischen drei Alben und zahlreichen kleineren Veröffentlichungen spielen sie eine Musik, die sie selbst als „exprimental folk“ bezeichnen – und diese teils transzendentale Musik transzendiert auch tatsächlich (allzu) einfache Kategorisierungen und Genrebegrenzungen – „Hymns & Ghosts“ heißt fast schon programmatisch ein Album von Lost Harbours. Ursprünglich aus Southend-on-Sea stammend, lebt Thompson inzwischen in Lettland.  Weiterlesen

It’s very difficult to come up with just two or three words that describe an act that crosses multiple genres: Interview with Lost Harbours

Lost Harbours, the duo consisting of Richard Thompson and Emma Reed, has existed for about ten years. On three albums and a number of smaller releases they play a music that they themselves call “experimental folk”; and this sometimes transcendent music indeed transcends simple categories or genre limitations – maybe the title of the album “Hymns & Ghosts” can be read programmatically. Originally from Southend-on-Sea, Thompson now lives in Latvia. Weiterlesen

CHRIS CARTER: Chemistry Lessons Volume One

Von allen (ehemaligen) Throbbing Gristle-Mitgliedern ist Chris Carter vielleicht derjenige, dessen Nimbus (fast) einzig und allein aus seinen musikalischen Leistungen resultiert und weniger aus außermusikalischen Transgressionen. Sein Einfluss auf die Entwicklung elektronischer Musik ist wohl kaum zu überschätzen. Weiterlesen

THE ART BARBEQUE: Feet Hacked Rails

Seit einiger Zeit wird die musikalische Historie Controlled Bleedings aufgearbeitet und vergriffene Aufnahmen werden wieder verfügbar gemacht. Im April erscheint eine Mammutzusammenstellung von zehn Alben, die zwischen 1985 und 1988 aufgenommen wurden. Schon vor Jahren schrieb Paul Lemos anlässlich der „Curd“-Wiederveröffnetlichung: „[W]e were constantly experimenting with sound, and recording day and night.“ Weiterlesen

DREW MCDOWALL / HIRO KONE: The Ghost of Georges Bataille

Georges Bataille gehört (wie z.B. auch Nietzsche oder Jünger) zu einer Reihe von Literaten und Philosophen, die einen Resonanzraum geschaffen haben, der manche glauben lässt, es reiche aus, den einen oder anderen Begriff in ebendiesen zu werfen und ohne große inhaltliche Füllung (ver)hallen zu lassen. Zum Teil scheint dann selbst manchmal im akademischen Bereich die Auseinandersetzung mit dem Franzosen auf das Abspulen der immer gleichen Schlagworte (Transgression etc.) beschränkt zu sein. Weiterlesen

There’s always been hints of apocalypse in our work: Ein Interview mit Nonconnah

Das nach einem Ort in Tennessee benannte aus Zachary Corsa und Denny Wilkerson Corsa bestehende Duo Nonconnah spielt “Damaged hymns from the broken Mid-South”. Vorher hatten die beiden zahlreiche Tonträger unter dem Namen Lost Trail veröffentlicht, einem selbst so bezeichneten “ambient/drone/shoegaze project”. Musikalisch knüpft Nonconnah an das Vorgängerprojekt an: Feldaufnahmen, Samples, Giatarre und Drones werden zu einer Musik verdichtet, auf der das Dunkle und Mysteriöse, das sich im Klangbild, Artwork und in Tracktiteln widerspiegelt, (auch immer) ein Moment des Trostes enthält. Weiterlesen

NIGHT CLEANER: Even

Bisher spielte der in Atlanta ansässige Matthew Lambert mit seiner Band All The Saints Shoegaze. Sein Soloprojekt Night Cleaner ist etwas anders ausgerichtet. Nach dem 2015 (auch auf Geographic North) veröffentlichten “Sketch for Winter III: Green Sleeves” ist der Nachfolger „Even“ eine beeindruckende Sammlung von sechs Stücken, die alle einer LoFi-Ästhetik folgen (“written, recorded & mixed by Matthew Lambert in a basement & a closet”). Weiterlesen

TOR LUNDVALL: A Dark Place

In den letzten Jahren hat Tor Lundvall eine Reihe von Boxsets veröffentlicht, auf denen alte und neue Arbeiten zu finden waren. Mit „A Dark Place“ – sicher eine angemessene Beschreibung der Stimmung des Albums und durchaus programmatisch zu verstehen – veröffentlicht Lundvall über Dais Records das erste nicht instrumentale Album seit dem 2009 veröffentlichten (aber schon 2005 aufgenommenen) „Sleeping and Hiding“. Weiterlesen

NONCONNAH: Winter EP 17‘

Der Winter ist sowohl eine Illustration des Zustands des (Ab-)Gestorbenseins („What old December’s bareness everywhere“ (Shakespeare)), wenn der Sensenmann die Ernte einfährt, als aber auch in Verbindung mit dem gefallenen Schnee eine Zeit des Gedämpften, des Zur-Ruhe-Kommens in Winterwäldern, die „lovely, dark and deep“ (Robert Frost) sein können. Weiterlesen

[BOLT]: (4)

Die Zahl derjenigen Bands, die sich im Bereich Drone/Doom bewegen, ist inzwischen Legion. Dabei erweitern selbst diejenigen, die oft mit Reduktion (des Klangspektrums, des gewählten Instrumentariums) assoziiert werden, ihr Klangbild. Es gibt einen erheblichen Unterscheid zwischen Sunn O)))s „Grimmrobe Demos“ und einem Album wie „Monoliths and Dimensions“ und auch Al Cisneros und Emil Amos haben die Beschränkung auf Bass, Schlagzeug und Gesang aufgegeben und das Duo OM mit Robert Lowe (aka Lichens) klanglich wie personell erweitert – um nur zwei prominente Beispiele zu nennen. Weiterlesen

WETWARE: Automatic Drawing

Als vergangenes Jahr Drew Mc Dowall sein zweites Soloalbum veröffentlichte, da steuerte Roxy Farman auf einigen Stücken Vocals bei. Sie ist eine Hälfte von Wetware, eines aus ihr und Matt Morandi bestehenden Duos, das sich irgendwo an der Schnittstelle von Postindustrial und Techno bewegt und (nach zwei EPs) mit „Automatic Drawing“  nun das Langdebüt vorlegt. Weiterlesen

STROMSTAD: New Devoted Human

Unter einem Portmanteauwort als Projektnamen veröffentlichen Jasse Tuukki und Toni Myöhänen -die als Strom.ec eine Reihe von im Power Electronics angesiedelten Alben veröffentlicht haben – und Kristoffer Oustad, der eher partiell etwas ruhiger, aber nicht weniger dunkel agieren kann, ihre erste Zusammenarbeit und das Debütalbum „New Devoted Human“ lässt dann auch klar den Einfluss der vorherigen Arbeiten der drei spüren. Weiterlesen

WILDNISGEIST: s/t

Timothy Renner hat neben seinen zahlreichen songorientierten Arbeiten auch immer wieder experimentellere, dronebasiertere Aufnahmen gemacht, etwa auf “SnowAngelsUndeathSong” oder dem „Undeath“-Album. In den letzten Jahren wurde Renners Interesse an Cryptozoologie und an (scheinbar) Unerklärlichem verstärkt virulent, was sich auf den letzten beiden Stone Breath-Alben „Cryptids“ und „Witch Tree Prophets“ sowie seinen Büchern (u.a. zu Bigfoot) und dem wöchentlichen Podcast „Strange Familiars“ widerspiegelt. Weiterlesen

CONTROLLED BLEEDING: Headcrack

Ich habe an anderer Stelle einen kurzen Abriss über die musikalische Entwicklung Controlled Bleedings gegeben, deswegen hier nur ein paar kurze Anmerkungen zur Kontextualisierung von „Headcrack“, dem ursprünglich 1986 auf Nigel Ayers‘ Sterile Records veröffentlichten Album. Nachdem sich die Ende der 70er gegründete Ursprungsformation, die eine eigenartige Form von Progressive Rock spielte, aufgelöst hatte, gründete Paul Lemos die Band 1983 neu Weiterlesen

LOST HARBOURS: Towers Of Silence

Das vor einigen Monaten veröffentlichte dritte Album des aus Richard Thompson und Emma Reed bestehenden „experimental folk duo“ Lost Harbours beginnt mit einer Interpretation von “Black Is The Colour”, die die musikalische Ausrichtung des Albums verdeutlicht: Das ursprünglich aus Schottland stammende Traditional, das über die Jahre zahllose Musiker (u.a. Nurse With Wound) eingespielt haben, wird bei Lost Harbours zu einem von zweistimmigem Gesang dominiertes Stück, das fast schon als Klagelied bezeichnet werden kann. Weiterlesen