REINIER VAN HOUDT: Igitur Carbon Copies

Wer den Niederländer Reinier Van Houdt nur als Pianisten kennt, der Current 93 in den letzten Jahren im Studio und live unterstützt hat, der hat vielleicht einen etwas (zu) einseitigen Blick auf das Werk van Houdts, schließlich hat er u.a. Musik von Walter Marchetti und Charlemagne Palestine interpretiert und mit Alvin Lucier und Luc Ferrari zusammengearbeitet – eine vollständige Liste seiner musikalischen Partner liest sich wie ein Who’s Who zeitgenössicher experimenteller Musik. Das Vorgängeralbum Weiterlesen

CURRENT 93: The Light Is Leaving Us All

Im Frühjahr 2014 wurde der nach einer Zeile aus einem Gedicht von John Clare betitelte eigentliche Vorgänger „I Am The Last Of All The Field That Fell” veröffentlicht. Seitdem erschienenen die beiden Alben „The Moons At Your Door“ sowie „The Stars On Their Horsies“, die den Fokus weniger auf den Song als auf das Soundscape richteten. Zudem gab es zwei Seitenprojekte: das mit Killing Jokes Youth eingespielte, opulenter instrumentierte, fast schon orchestral klingende Hypnopazuzu-Album “Create Christ, Sailor Boy” sowie jüngst noch das schon vor einigen Jahren aufgenommene Weiterlesen

CONSUMER ELECTRONICS: The Weight / Hostility Blues

Nach Philip Bests Umsiedlung in den Staat der USA, in der momentan im Rennen um den Senat ein Demokrat, der Bassist in einer Punkband war, gegen einen Republikaner antritt, der gerne Schinkenspeck am Laufe eines Maschinengewehrs erhitzt, hat er sich als Verleger etabliert und in seinen kleinen Verlag Amphetamine Sulphate u.a. Kurzgeschichten von Sleaford Mods Jason Williamson veröffentlicht. Weiterlesen

V.A.: Don’t Look Now: Aural Apparitions from the Geographic North

Bald ist die Zeit, in der man wieder das „October Country“ (Ray Bradbury) durchschreiten kann, die Luft von was auch immer für Wesen heimgesucht wird und es vielleicht heißt: „Guide them, holy lantern, through darkness and disaster. “ (Thomas Ligotti). Das in Decatur, Georgia, ansässige Label Geographic North veröffentlicht diese Compilation – die vielleicht auf Daphne du Mauriers Kurzgeschichte gleichen Namens oder Nicolas Roegs Verfilmung, deren deutscher Titel die Gondeln der Lagunenstadt im Namen trägt, verweist – , die als “frightening foray into Halloween-inspired sounds” bezeichnet wird. Weiterlesen

ORGANUM: Raven

Vielleicht ist diese Einschätzung nur der Rückschau geschuldet, aber eventuell ließe sich sagen, dass selbst in der dissonanten Frühphase in der ersten Hälfte der 80er das Werk David Jackmans als Organum – bei der unter seinem eigenen Namen veröffentlichten Musik sieht es ähnlich aus -  einen fast meditativen Charakter hatte, dass den aus schabenden und kratzenden metallischen Klängen, die zu zirkulierenden Noisesymphonien verdichtetet wurden, Weiterlesen

THROBBING GRISTLE: Journey Through a Body

Nach „The Second Annual Report“, „20 Jazz Funk Greats“ und der Best of „The Taste of TG“ erscheinen nun drei weitere Alben Throbbing Gristles im Rahmen der Wiederveröffentlichungsoffensive von Mute Records: “Heathen Earth”: 1980 vor einem Publikum – das viele versammelte, die die Industrial Culture geprägt hatten -live im Studio aufgenommen. „Mission of Dead Souls“- die Dokumentation des letzten Auftritts der Band in San Francisco 1981, auf der Stücke wie „Thee Process“ und „Looking for the OTO“ schon auf die Themenfelder hinweisen sollten, die Psychic TV über lange Jahre beschäftigen würden. Weiterlesen

DREW MCDOWALL: The Third Helix

In den letzten paar Jahren ist das ehemalige Coil-Mitglied Drew McDowall verstärkt als Solokünstler in Erscheinung getreten, hat eine Reihe hervorragender Alben veröffentlicht, über die es auf diesen Seiten hieß, Mc Dowall spiele und erzeuge „dystopische Musik jenseits billiger Schockeffekte “. Auch wurde gefordert: „Wegen der im eigentlichen Sinne ‘rituellen’ Musik seiner Soloarbeiten, die keine prätentiösen Konzepte nötig hat, sollte sein Name künftig dicker gedruckt werden.” Mit Labelkollegin Hiro Kone hatte McDowall jüngst noch Georges Bataille seine Ehre auf einem Album erwiesen, auf dem Weiterlesen

URUK: Mysterium Coniunctionis

Thighpaulsandra hat neben seinen umfangreichen, expansiven Arbeiten – wie etwa „I, Thighpaulsandra“, dem auf Eskaton veröffentlichten Doppelalbum, mit dem er als Solokünstler debüttierte -, auf denen Genres permanent gewechselt wurden und Stücke von „Cosmic Beauty “ entstanden (wie es ihm auf Julian Copes Head Heritage-Seite attestiert wurde), auch reduzierte, auf Drones basierende Arbeiten aufgenommen, wie z.B. das jüngst auf Klanggalerie wiederveröffentlichte Album „The Lepore Extrusion“. Weiterlesen

TANZ OHNE MUSIK: Night

Vor zwei Jahren debüttierte das Duo aus Bukarest mit dem Longplayer „Infinity“ auf Galakthorrö. Zuvor waren schon eine Reihe von Tonträgern in Eigenregie veröffentlicht worden. Über „Infinity“ schrieb ich damals: „Tanz Ohne Musik bewegen sich in dem gleichen analogen Universum [wie andere auf Galakthorrö veröffentlichte Künstler], arbeiten eher mit Reduktion als Opulenz.“ Weiterlesen

HERZ JÜHNING: Samsara

Ich habe schon an anderer Stelle geschrieben, dass die auf Galakthorrö veröffentlichenden Künstler nicht nur klangliche Gemeinsamkeiten haben – meistens eine Fokussierung auf analoges Instrumentarium im Spannungsfeld von Angst Pop und Power Electronics-, sondern es auch thematische Konstanten gibt: so etwas wie eine Konzentration auf das (scheinbar) Abseitige, eine Abarbeitung an den Nachtseiten der menschlichen Existenz. Auf jeder Veröffentlichung des kleinen Labels scheint das Bataillesche Heterogene, der verfemte Teil um die Ecke zu Weiterlesen

ZU93: Mirror Emperor

Endlich erscheint das vor einigen Jahren aufgenommene und schon u.a auf dem Donausfestival 2011 aufgeführte Album der Zusammenabeit von David Tibet und den italienischen ZU. Man mag vielleicht vorschnell einen Vergleich zu Hypnopazuzu, Tibets Zusammenarbeit mit Killing Jokes Youth, ziehen (deren Debüt ebenfalls auf House of Mythology veröffentlicht wurde), aber während „Create Christ, Sailor Boy“ von einer orchestralen Opulenz geprägt war und sich Weiterlesen

THOMAS LIGOTTI: The Bungalow House

1996 erschien The Nightmare Factory, eine Zusammenstellung der meisten Geschichten aus Thomas Ligottis Sammlungen Songs of a Dead Dreamer, Grimscribe und Noctuary (keine Berücksichtigung fanden die unter dem Titel The Agonizing Resurrection of Victor Frankenstein and Other Gothic Tales versammelten Vignetten). Es gab aber auch eine Sektion namens „Teatro Grottesco“, die eine Reihe neuer Kurzgeschichten versammelte, von denen sich viele mit Künstlern, mit der „artistic underworld“, wie es in der Titelgeschichte heißt, beschäftigten. Weiterlesen

TIMOTHY RENNER: Fallow

Timothy Renner hat neben zahlreichen Stone Breath-Veröffentlichungen (jüngst noch hier) immer wieder (teilweise unter leicht verschiedenen Namen) Soloalben veröffentlicht, die musikalisch sehr unterschiedlich ausgerichtet sein konnten: Vom Experimentellen hin zu selbstreflexiv betitelten „Primitive Recordings“ von Traditionals oder aber einer Tour de Force durch die verschiedensten Genres, die Renner sich im Laufe seiner Karriere zu eigen gemacht hat. Weiterlesen

ANDREW TUTTLE: s/t

Schaut man sich Andrew Tuttles Selbstbeschreibung an, so wird schnell deutlich, dass es um das Überschreiten von (vermeintlichen) Schwellen geht, um das Einreißen von (musikalisch-konzeptionellen) Grenzen, nämlich zwischen akustischen und elektronischen Instrumenten, zwischen Komposition und Improvisation, Folk und Elektronik. Weiterlesen

BAMBARA: Shadow On Everything

Der Titel des dritten Albums der ursprünglich aus Georgia stammenden und inzwischen in Brooklyn ansässigen Band ist sicher programmatisch zu verstehen, denn auf all den hier in den narrativen Lyrics erzählten Geschichten scheint tatsächlich ein (tief)schwarzer Schatten zu liegen, der von der Musik angemessen weiter geschwärzt wird: Der Opener „Dark Circles“ mit seinem an die Cramps erinnernden Gitarrenspiel und dem monotonen, treibenden Schlagzeug, das ganz entfernt an The Cures “Pornography”-Abum denken lässt, setzt die Stimmung, Weiterlesen

GLOWING SWORDS: The Autumn Elegy

Das aus Zach Corsa (Nonconnah) und Scott Cortez (Astrobrite, Lovesliescrushing) bestehende Duo kategorisiert seine Musik selbst als „lo-fi noise/drone“ und diese Bezeichnung, der das Cover zierende seiner Blätter beraubte Baum und der Titel des Albums geben die ungefähre Richtung von „The Autumn Elegy“ vor: Die insgesamt zehn Tracks sind in der Tat eine Elegie auf den Herbst und sind eine gute Illustration dieser Jahreszeit in all ihrer Ambivalenz: Auf der einen Seite die Manifestation des Vergänglichen Weiterlesen

O YUKI CONJUGATE: Tropic

„Tropic“, das vor einigen Monate veröffentlichte neue Album des seit den frühen 80ern aktiven und inzwischen hauptsächlich aus Andrew Hulme und Roger Horberry bestehenden Projekts, basiert auf ursprünglich 1994 aufgenommenem Material. Im Innern der CD heißt es, „Tropic“ sei „a collection of misplaced, forgotten and unreleased tracks recorded in London 1994-95”. Diese seien dann zwischen 2015 und 2016 überarbeitet worden. Weiterlesen