MIRCO MAGNANI / ERNESTO TOMASINI: Madame E

Georges Bataille scheint durch seine Überlegungen zur Transgression oftmals der Haus- und Hofphilosoph von den Vertretern randständiger Musik zu sein, die eher am Überschreiten von geschmacklichen als von musikalischen Grenzen interessiert sind, wobei man oftmals den Eindruck hat, die Rezeption verlaufe primär über Schlagworte und gehe nicht einmal so tief wie die Juniuseinführung – ähnlich den Neofolkern, die als Lieblingsdenker Nietsche [sic] angeben. Weiterlesen

WILLIAM BASINSKI: A Shadow in Time

In einem anlässlich der Veröffentlichung von Christoph Ransmayrs neuem Romans über den „Lauf der Zeit“ gemachten Interviews versucht der Journalist fortwährend dem Autoren Sätze zu entlocken, dass das Erzählen über den Lauf der Zeit triumphieren kann – einem Wunsch, dem der Österreicher nicht nachkommt: „Wenn seine [des Erzählers] Gehirnströme erlöschen, zum Stillstand kommen, und sein Herzschlag, dann ist das Spiel natürlich auch für ihn zu Ende und von einem Triumph dann noch zu reden, wäre lächerlich.“ Weiterlesen

THE OWLS ARE NOT WHAT THEY SEEM: Hearth

Bei der Ausdifferenzierung/Fragmentierung der verschiedenen Spielarten randständiger Musik kann man sich kaum vorstellen, dass heute noch ein Sampler veröffentlicht würde, auf dem Asmus Tietchens neben Genocide Organ zu finden wäre. Gleichzeitig zeigen eine Vielzahl von Bands Hybridisierungstendenzen, wird z.B. Harsch Noise mit Black Metal, Power Electronics mit Dark Ambient kombiniert. Weiterlesen

SOUNDWALK COLLECTIVE WITH JESSE PARIS SMITH FEAT. PATTI SMITH: Killer Road

Manchmal hatte man in den letzten Jahren den Eindruck, Nicos zeitlose Musik werde zu sehr von ihrem Leben (als „Femme Fatale“, Junkie, früh Verstorbene etc.) überlagert, die Titel einiger gelungener und weniger gelungener Hommages an sie mögen das illustrieren: Da wurde die als Christa Päffgen in Köln Geborene wahlweise zur „Ikone“ , „Sphinx aus Eis“ oder „Mondgöttin“. Vielleicht ist dann auch eine der beeindruckensten Stellen in Susanne Ofertingers Dokumentation, wenn John Cale am Ende (s)eine Version von „Frozen Warnng“ anstimmt und damit noch einmal Nicos Qualitäten als Songschreiberin illustriert. Weiterlesen

V.A.: Killed By Deathrock – Volume Two

Die Bezeichnung Death Rock beinhaltet(e) oftmals zweierlei: Eine nationale (eine im Gegensatz zum englischen Gothic Rock in den USA beheimatete Musik) und musikalische (eine starke Orientierung am Punk) Verortung. Die auf dieser Compilation verwendete Begrifflichkeit ist allerdings eine andere und meint scheinbar weder das eine noch das andere, denn die Bandauswahl ist was die Nationalität anbelangt sehr inklusiv und auch musikalisch heterogen, so heißt es dann von Labelseite auch: „Looking back among and between these genres we now recognize various blends of Weiterlesen

UNITED BIBLE STUDIES: I Am Full Gibbous

Seit Anfang der 00er Jahre sind United Bible Studies, ein loses Kollektiv, das auf zahlreichen Veröffentlichungen an der Schnittstelle von Folk, Improvisation und Experiment gearbeitet hat, aktiv, wobei der experimentelle Teil in den vergangenen Jahren erheblich zugenommen hat. Das auf Hand/Eye veröffentlichte „I Am Full Gibbous“ besteht aus drei langen Tracks, die bei einem Auftritt der Gruppe 2008 in Detroit und 2009 in Irland aufgenommen wurden. Weiterlesen

V.A.: DRONE-MIND // MIND-DRONE Vol. 5

Auf diesen Seiten sind schon mehrfach die Veröffentlichungen der “Drone-Mind/Mind-Drone”-Reihe besprochen worden, die es sich u.a. zum Ziel gesetzt hat, Drones aus verschiedensten Teilen der Welt zu präsentieren. Dabei ist der Ansatz eine Betonung geographischer Diversizität, bei der aber gleichzeitig die Verbundenheit mit- und untereinander herausgestellt wird: „DRONEMIND and MIND-DRONE build a circle of diverse interrelations.The Drone as a metaphor for everything that vibrates, that releases energy – from atoms and elementary particles to the hum of Weiterlesen

LEONARD COHEN: You Want it Darker

Es gibt wohl wenige (ursprünglich) der ökonomischen Notwendigkeit geschuldeten Comebacks – die Veruntreuung von Cohens Ersparnissen durch seine Managerin während seines Aufenthaltes im buddhistischen Kloster ist gut dokumentiert  -, die künstlerisch so ertragreich gewesen sind wie das des inzwischen 82-jährigen Kanadiers – und zwar qualitativ wie quantitativ: Schließlich hat Cohen seit 2012 alle zwei Jahre ein neues Studioalbum veröffentlicht, etwas, das ihm seit seinen ersten drei Alben nicht mehr gelungen ist. Weiterlesen

GNAWED: Pestilence Beholden

Im weiten Feld der Geräuschmusik gibt es verschiedene Möglichkeiten ein Werk zu auratisieren, so kann z.B. manchmal ein Hinweis auf das verwendete Klangmaterial dazu beitragen. In seinem Text „Der Böttger-Effekt“ hat sich Asmus Tietchens dazu wenig begeistert geäußert: „Worüber werden wir aufgeklärt, wenn wir abstraktes Schnarren wahrnehmen, das laut credits aus dem Soundscape eines nordafrikanischen Marktes abgeleitet ist? Gut, wir lernen, dass so etwas technisch möglich ist. Und weiter? Vielleicht noch, dass wir uns auch mal an solchen Übungen versuchen könnten. Immerhin.“ Weiterlesen

THE STARGAZER’S ASSISTANT: Remoteness of Light

Ging es auf dem letzte Woche hier besprochenen Lustmord-Album noch um die dunkle Materie, um das All, so thematisiert das neue Album des die Begeisterung für den Blick auf die Sterne im Bandnamen tragenden Projekts einen anderen Ort, der aber ebenso wenig erforscht ist wie der Kosmos – und zwar die Tiefsee. Im Booklet weist das Projekt aber darauf hin, dass es dort inmitten der „endlosen Schwärze“ Kreaturen gebe, die einen „carnival of light in this kingdom of darkness“ schaffen, nur um dann den Blick in den Himmel zu richten: Weiterlesen

LUSTMORD: Dark Matter

Das Weltall hat im Werk von Brian Williams schon oft eine zentrale (nicht nur metaphorische) Rolle gespielt, so etwa auf dem noch immer als Dark Ambient-Referenzwerk geltenden „The Place Where The Black Stars Hang“, auf dem im Booklet zu lesen war: „There is a place /where the black stars hang/and the strangest eons call /that amorphous mass /unknown, immense /ambivalent to all“. Weiterlesen

HYPNOPAZŪZU: Create Christ, Sailor Boy

Im Vorfeld der Veröffentlichung wurde von Seiten der Beteiligten über den langen Zeitraum gescherzt, der zwischen dem ersten und zweiten musikalischen Zusammentreffen von Killing Jokes Youth und David Tibet liegt, wobei sich natürlich auch Qualität wie Quantität der Zusammenarbeit unterscheiden, steuerte Youth 1984 doch lediglich ein paar Bassspuren zu Current 93s LP-Debüt „Nature Unveiled“ bei, während er sich auf „Create Christ, Sailor Boy“ komplett für die Musik verantwortlich zeigt. Weiterlesen

CONTROLLED BLEEDING: Larva Lumps and Baby Bumps

War in den letzten Jahren der Output von Controlled Bleeding sehr sporadisch geworden und konnte man den Eindruck gewinnen, dass Paul Lemos (vielleicht auch bedingt durch den Tod der beiden Mitstreiter Chris Moriarty und Joe Papa) etwas ausgebrannt und frustriert war, so scheint ihm das Musikmachen inzwischen wieder sichtlich zu begeistern, er hat sich als Gitarrist neu erfunden und scheint auch mit seiner Vergangenheit im Reinen zu sein. Weiterlesen

STONE BREATH: Cryptids

Vor einiger Zeit hatte Timothy Renner einmal angesprochen, dass die Thematisierung des Spirituellen, die sich (auch) immer wieder in seinem Werk gefunden hat, zu Missverständnissen (in der Wahrnehmung anderer) geführt hat. Mit seinem Projekt Albatwitch hat er in den letzten Jahren zwei dezidiert politische Alben eingespielt. Vielleicht hat auch die Tatsache, dass in seinem Heimatland seit einer Reihe von Jahren der evangelikale lunatic fringe sich in zunehmendem Maße in den Mainstream der GOP ge- bzw. verschoben hat, dazu beigetragen, jetzt etwas zurückhaltender zu sein. Weiterlesen

SHACKLETON WITH ERNESTO TOMASINI: Devotional Songs

Sam Shackleton hat in den letzten Jahren gezeigt, dass er sowohl die Großform als auch die Konzentration auf das Kleine sowie die Verschmelzung von Techno mit im weitesten Sinne fernöstlichen Klängen beherrscht. Ernesto Tomasini hat mit seiner Stimme die bisherigen drei Alben von Othon Mataragas maßgeblich mitgeprägt, seine Arbeit u.a. mit Andrew Liles oder im Bandkontext von Almaghest! haben bewiesen, dass er auch in einem experimentelleren Rahmen zu Hause ist. Weiterlesen

TANZ OHNE MUSIK: Infinity

Von fast allen anderen auf Galakthorrö veröffentlichenden Künstlern (sieht man von Hermann Kopp einmal ab) unterscheidet sich das Duo Tanz Ohne Musik -bestehend aus dem Rumänen Dan Serbanescu und Lina, die für Fotos und Videos zuständig ist- insofern, als dass die beiden schon vorher in Klein(st)auflage Material veröffentlicht haben. Weiterlesen

V.A.: Epicurean Escapism III

Von Anfang an waren die Epicurean Escapism-Festivals und die dazugehörigen Veröffentlichungen nie rein musikalisch ausgerichtet und auch wenn das Adjektiv schon lange sehr inflationär verwendet wird, kann man durchaus von einem multimedialen Ansatz sprechen, in dem Musik, Film und Bild gleichwertige Rollen spielen. Weiterlesen