Seit Jahren finden sich Hybridisierungstendenzen in verschieden(st)en Spielarten (nicht nur) extremer Musik. Dabei gibt es Genres, die eine stärkere Affinität zueinander haben und wo die (musikalisch-thematischen) Anknüpfungspotenziale größer als bei anderen sind. Sutekh Hexen bewegen sich seit etwa zehn Jahren in einem Bereich, in dem sich Power Electronics, Black Metal und Dark Ambient zu einem interessanten Gebräu (ver)mischen, das man als Weiterlesen
Archiv des Autors: Michael
NONCONNAH: Dead Roses, Digged Up Zombies, Broken Pieces Of Diamonds, Live Cats
Das aus Zachary and Denny Corsa bestehende „doomy dronegaze collective“, das selbst erklärt, „damaged hymns from the broken Mid-South“ zu spielen und seit einigen Jahren in Memphis ansässig ist, veröffentlicht mit „Dead Roses, Digged up Zombies, Broken Pieces of Diamonds, Live Cats“ das zweite Album. In dem Interview, das wir letztes Jahr führten, wies Zach darauf hin, dass „The Gloom And The Glowing“, das erste Album des aus Lost Trail Weiterlesen
CURRENT 93: Invocations Of Almost
Als David Tibet und Steven Stapleton vor etlichen Jahren eine gemeinsame Ausstellung ihrer visuellen Werke im Londoner Horse Hospital hatten, wurde eine Doppel-CD veröffentlicht, auf der Musik für die Ausstellung zu finden war. Stapleton überarbeitete später den lapidar „Salt“ betitelten Track, und daraus wurde als „Salt Marie Celeste“ sicherlich eine der stärksten Veröffentlichungen Nurse With Wounds; der Current 93-Beitrag war ein weitgehend instrumentales Weiterlesen
ORDEAL BY ROSES: s/t
Vor einigen Monaten erschien im Schweizer Kein und Aber-Verlag eine Neuübersetzung von Yukio Mishimas autobiographischem Roman Geständnisse einer Maske. Wer dort liest, wie das Erwachen (homo)sexuellen Verlangens und die Verknüpfung von Sexualität mit Gewalt(fantasien) und Tod thematisiert werden, der braucht nicht mehr das Werk Freuds und Batailles zu bemühen. Weiterlesen
WILLIAM BASINSKI: On Time Out Of Time
Letztlich sind fast alle Arbeiten William Basinskis Auseinandersetzungen mit (dem Wesen) der Zeit. Was die Zeit alles zersetzen kann, spielte eine zentrale Rolle in Basinskis wohl bekanntestem und inzwischen auch schon mehrfach orchestral aufgeführten Werk „The Disintegration Loops“ und auch der Titel seiner Bowiehommage machte dies deutlich. Weiterlesen
SPIRES THAT IN THE SUNSET RISE: House Ecstatic (Cover Your Blood)
Es gibt wenige Künstler, die ein solch eigenwilliges Werk wie die nach einer Zeile aus einem Gedicht von Baudelaire benannten Spires That In The Sunset Rise veröffentlicht haben. Der von ihnen gespielte Folk ist/war tatsächlich und im besten Wortsinne „weird“. Nachdem sie zwischenzeitlich zu einem Quartett angewachsen waren, sind sie seit einigen Jahren nur noch ein aus Ka Baird und Taralie Peterson bestehendes Duo.
AXEBREAKER: Brutality In Stone
Man hat oft den Eindruck, dass Vertreter von Power Electronics unter enormem Kongruenzdruck stehen, da fortwährend gezeigt werden muss, dass extreme Musik immer auch extremer Inhalte bedarf. Whitehouse, auf deren „Erector“-Album die Gattungsbezeichnung zurückgeht, haben mit ihren in der ersten Hälfte der 80er Jahre entstandenen Arbeiten (musikalisch wie vor allem ästhetisch-inhaltlich) Blaupausen für das geliefert, was das Genre die nächsten Jahrzehnte (häufig) prägen sollte: Weiterlesen
JOZEF VAN WISSEM / JIM JARMUSCH: An Attempt to Draw Aside the Veil
Der Lautenspieler Jozef van Wissem und Jim Jarmusch haben schon häufiger zusammengearbeitet: Von ihrem Soundtrack für Jarmuschs großartige Vampirmeditation „Only Lovers Left Alive“ bis zu einer Reihe von weiteren Alben. Nach einigen Jahren kommt mit „An Attempt to Draw Aside The Veil“ ein weitgehend instrumentales Album, auf dem sich die beiden auf drei Personen beziehen, die alle auf Weiterlesen
LUSTMORD: First Reformed (Extended Motion Picture Soundtrack)
Paul Schrader hatte lange vor seinem Erfolg als Drehbuchautor und Regissuer einen Text über das, was er den transzendentalen Stil im Film nannte, verfasst, eine Art von Film, der verglichen mit psychologischem Realismus “a spiritual state by means of austere camerawork, acting devoid of self-consciousness, and editing that avoids editorial comment “ illustriere. Jüngst ist dieser Text mit einer neuen Einleitung wiederveröffentlicht worden. Weiterlesen
JH1.FS3: Trials and Tribulations
Hinter dem scheinbar kryptischen Projektnamen verbergen sich Frederikke Hoffmeier, die als Puce Mary in den letzten Jahren dissonante Elektronik gespielt hat, und Jesse Sanes, der unter dem wagnerianischen Namen Liebestod ebenfalls gezeigt hat, dass er weiß, was atonal bedeutet. Als JH1.FS3 agieren die beiden weitaus weniger brachial, aber kaum weniger irritierend. Sie selbst sprechen davon, dass es um ein „cinema of the ear“ gehe und das ist vielleicht auch für das zweite Album der beiden nicht die schlechteste Beschreibung. Weiterlesen
UNIVERSAL EYES / WOLF EYES: Two Civilized Centers
Auf Lower Floor Music wird dieses Split-Tape von Wolf Eyes, die nach dem Weggang des Gitarristen James Baljo nun als Duo aus John Olsen und Nate Young agieren, und Universal Eyes, dem inzwischen aus Aaron Dilloway, Gretchen Gonzales, Olson und Young bestehenden Projekt, veröffentlicht. Auch wenn die letzten Jahre von Wolf Eyes geprägt waren von einer klanglichen Reduktion und etwas weniger von Eruption und Brachialität, so war die auf den Tonträgern erzeugte Stimmung noch immer wenig optimistisch. Weiterlesen
TIMOTHY RENNER: Belsnickel
Zur Weihnachtszeit gab es schon des Öfteren spezielle Veröffentlichungen von Timothy Renner und vor Jahren hatte er das dronebasierte Album „SnowAngelsUndeathSong“ aufgenommen, welches er jetzt für „Belsnickel“, ein selbst so betiteltes „wintertime album“, überarbeitet und erweitert hat. Der Titel des Albums verweist auf den aus Süddeutschland („Pelzmärtel“) stammenden und von den Pennsylvania Dutch verwendeten Namen des vorweihnachtlichen Gabenbringers, der es bis in die amerikanische Version von The Office geschafft hat, Weiterlesen
WALKER PHILLIPS: My Love Sunday
Plötzlich taucht scheinbar aus dem Nichts ein grandioses Album auf, das völlig aus der Zeit gefallen zu sein scheint: Walker Phillips schaut auf dem Cover als melancholischer Hippie so aus, als sei mit einer Zeitmaschine aus dem Haight- Ashbury der 60er gekommen – vielleicht hat er aber auch gerade bei Lord Summerisle vorbeigeschaut. Diese ganze Ambivalenz spiegelt sich auf „My Love Sunday“ wider, einem wunderschönen (Folk-)Album, auf dem sich Gegensätze sowohl innerhalb einzelner Stücke als auch zwischen den Songs zeigen (und vielleicht auflösen). Weiterlesen
WILLIAM BASINSKI / LAWRENCE ENGLISH: Selva Oscura
Mit vielen seiner Veröffentlichungen hat William Basinski die Grenzen von alten Arbeiten und neuen Kompositionen verwischt. Sein extensives Archiv mit Tapeloops aus den frühen 80ern dient ihm immer wieder als Klangmaterial für seine Kompositionen (zuletzt noch auf seiner Hommage an David Bowie). Keine seine Arbeiten hat mehr Resonanz erfahren als die vier Teile von „The Disintegration Loops“, die es inzwschen sogar bis ins New Yorker 9/11-Memorial geschafft haben. Weiterlesen
V.A.: Troum Transformation Tapes
Hommages an das Werk eines Künstlers kann manchmal das Stigma von Festschriften anhängen. Man hat noch einen Text/ein Stück Musik in der Schublade und steuert es bei – egal, ob es irgendeinen Bezug zum jeweiligen Oeuvre hat. Bei den Künstlern, die anlässlich des 20-jährigen Bestehens von Troum auf dieser Doppel-CD vertreten sind, ist dies sicher nicht der Fall, sind doch die meisten Troum und/oder dem Label Drone Records seit langen Jahren verbunden und geben die Linernotes Einblicke in ganz unterschiedliche Herangehensweisen. Weiterlesen
REINIER VAN HOUDT: Igitur Carbon Copies
Wer den Niederländer Reinier Van Houdt nur als Pianisten kennt, der Current 93 in den letzten Jahren im Studio und live unterstützt hat, der hat vielleicht einen etwas (zu) einseitigen Blick auf das Werk van Houdts, schließlich hat er u.a. Musik von Walter Marchetti und Charlemagne Palestine interpretiert und mit Alvin Lucier und Luc Ferrari zusammengearbeitet – eine vollständige Liste seiner musikalischen Partner liest sich wie ein Who’s Who zeitgenössicher experimenteller Musik. Das Vorgängeralbum Weiterlesen
CURRENT 93: The Light Is Leaving Us All
Im Frühjahr 2014 wurde der nach einer Zeile aus einem Gedicht von John Clare betitelte eigentliche Vorgänger „I Am The Last Of All The Field That Fell” veröffentlicht. Seitdem erschienenen die beiden Alben „The Moons At Your Door“ sowie „The Stars On Their Horsies“, die den Fokus weniger auf den Song als auf das Soundscape richteten. Zudem gab es zwei Seitenprojekte: das mit Killing Jokes Youth eingespielte, opulenter instrumentierte, fast schon orchestral klingende Hypnopazuzu-Album “Create Christ, Sailor Boy” sowie jüngst noch das schon vor einigen Jahren aufgenommene Weiterlesen
CONSUMER ELECTRONICS: The Weight / Hostility Blues
Nach Philip Bests Umsiedlung in den Staat der USA, in der momentan im Rennen um den Senat ein Demokrat, der Bassist in einer Punkband war, gegen einen Republikaner antritt, der gerne Schinkenspeck am Laufe eines Maschinengewehrs erhitzt, hat er sich als Verleger etabliert und in seinen kleinen Verlag Amphetamine Sulphate u.a. Kurzgeschichten von Sleaford Mods Jason Williamson veröffentlicht. Weiterlesen
V.A.: Don’t Look Now: Aural Apparitions from the Geographic North
Bald ist die Zeit, in der man wieder das „October Country“ (Ray Bradbury) durchschreiten kann, die Luft von was auch immer für Wesen heimgesucht wird und es vielleicht heißt: „Guide them, holy lantern, through darkness and disaster. “ (Thomas Ligotti). Das in Decatur, Georgia, ansässige Label Geographic North veröffentlicht diese Compilation – die vielleicht auf Daphne du Mauriers Kurzgeschichte gleichen Namens oder Nicolas Roegs Verfilmung, deren deutscher Titel die Gondeln der Lagunenstadt im Namen trägt, verweist – , die als “frightening foray into Halloween-inspired sounds” bezeichnet wird. Weiterlesen