KITCHIE KITCHIE KI ME O: Are You Land or Water

Mit ihren düsteren Kopfhängersongs und einem Schuss Americana konnten die Norweger Madrugada um die Jahrtausendwende herum ein recht unterschiedliches Publikum begeistern, wozu neben der Tiefe ihrer Songs sicher auch die Tatsache mit beitrug, dass sich Nick Cave gerade immer mehr vom Geschmack seiner Fans entfernte, während Mark Lanegan noch brav bei den Queens of the Stone Age Studentenrock fabrizierte. Nach drei Alben löste sich die Band allerdings auf, und das Weiterlesen

HOLY PALMS: Jungle Judge

Gäbe es den Begriff medias in res noch nicht, so hätten die Alten Römer ihn extra für den Moskauer Gitarristen und Drummer Pavel Eremeev alias Holy Palms erfinden müssen. Mit einem Schlag ist man mitten in der gitarrenbasierten Dubwelt des Jungle Judge, der seine relaxten und paradoxerweise gleichsam hektischen Takte durch einen respektablen Katalog an Effekten jagt. Weiterlesen

BERTONI / BOCCARDI / MONGARDI: Litio

Die initiale Idee zu diesem Trio kam dem Mailänder Alberto Boccardi, der von Haus aus elektronischer Sounddesigner ist, aber auch ein Faible für Gitarrenmusik jenseits herkömmlicher Rockstrukturen hat. Nachdem er sein Electronica-Album „Fingers“ herausgebracht hatte, konsultierte er seine beiden Landsleute Antonio Bertoni (Bass) und Paolo Mongardi (Drums), die vom Rock und vom Jazz kommen, für eine auf dem Album basierende Tour. Während dieser wurde Weiterlesen

HYPNOPAZŪZU: Create Christ, Sailor Boy

Im Vorfeld der Veröffentlichung wurde von Seiten der Beteiligten über den langen Zeitraum gescherzt, der zwischen dem ersten und zweiten musikalischen Zusammentreffen von Killing Jokes Youth und David Tibet liegt, wobei sich natürlich auch Qualität wie Quantität der Zusammenarbeit unterscheiden, steuerte Youth 1984 doch lediglich ein paar Bassspuren zu Current 93s LP-Debüt „Nature Unveiled“ bei, während er sich auf „Create Christ, Sailor Boy“ komplett für die Musik verantwortlich zeigt. Weiterlesen

DENVER BRONCOS UK: Songs One Through Eight

Seit Jahren schon gibt es im Umfeld von Slim Cessna und Jay Munly ein weiteres Projekt, das neben dem Auto Club und den Lupercalians das Dreigestirn komplettiert – die Denver Broncos UK, kurz DBUK. Da mit Rebecca Vera und Dwight Pentecost nur zwei weitere Musiker der älteren Bands involviert sind, kann man über den Existenzzweck dieses Projektes nur anhand von musikalischen und textlichen Merkmalen spekulieren. Zum einen fehlt den Broncos das Uptempo, der Schuss Polka des Auto Clubs, zum anderen ist auch Weiterlesen

FUTEISHA: Last Nihilist

Wäre „Last Nihilist“ ein Filmtitel, was für ein Streifen würde sich wohl hinter den zwei Wörter verbergen? Geht man nach den vielen Andeutungen, die das so betitelte Tape von Futeisha spicken, erhält man keine allzu deutlichen Hinweise zu Schauplatz und Handlung, zu divergent erscheinen der japanische Name, der argentinisch-italiensiche Background des Künstlers und das musikalische Mosaik aus Elementen von südländichem Folk und Lärm, und der Schweinkram auf dem Cover steht auch für alles und nichts. Nur dass die Stimmung zwichen raubeiniger Abgeklärtheit und Wahnsinn changiert, ist offensichtlich. Weiterlesen

CONTROLLED BLEEDING: Larva Lumps and Baby Bumps

War in den letzten Jahren der Output von Controlled Bleeding sehr sporadisch geworden und konnte man den Eindruck gewinnen, dass Paul Lemos (vielleicht auch bedingt durch den Tod der beiden Mitstreiter Chris Moriarty und Joe Papa) etwas ausgebrannt und frustriert war, so scheint ihm das Musikmachen inzwischen wieder sichtlich zu begeistern, er hat sich als Gitarrist neu erfunden und scheint auch mit seiner Vergangenheit im Reinen zu sein. Weiterlesen

SKADEDYR: Culturen

Für Anja Lauvdal und Heida Jóhannesdóttir Mobeck ist Musik v.a. auch eine gemeinschaftliche Sache, und spontan und offen wie sie sind, haben sie ihre Künste an diversen Instrumenten bereits in vielen Konstellationen eingebracht – quer durch die meist skandinavischen Welten des Jazz, des Folk und diverser improvisierter Musik. Als sie ihr eigenes Bandprojekt Skadedyr ins Leben riefen, war klar, dass es sich um eine Art Supergroup handeln wird, die viele ihrer Weiterlesen

FAUN FABLES: Born of the Sun

Folk wird gerne nachgesagt, regressiv und rückwärtsgewandt zu sein und eine eskapistische Sehnsucht auf eine idealisierte Vergangenheit zu projizieren, in der ein einfacheres Leben im Einklang mit den Zyklen der Natur und eine unverdorbene Spiritualität möglich waren. In Wirklichkeit hat Folk nur in seinen trivialeren Ausprägungen mit solchen Utopien zu tun. Fraglos geht es immer wieder um Natur und Spiritualität, und als Vehikel für Traditionen und somit als der Zeit verpflichtetes Phänomen hat Folk natürlich auch mit Weiterlesen

STONE BREATH: Cryptids

Vor einiger Zeit hatte Timothy Renner einmal angesprochen, dass die Thematisierung des Spirituellen, die sich (auch) immer wieder in seinem Werk gefunden hat, zu Missverständnissen (in der Wahrnehmung anderer) geführt hat. Mit seinem Projekt Albatwitch hat er in den letzten Jahren zwei dezidiert politische Alben eingespielt. Vielleicht hat auch die Tatsache, dass in seinem Heimatland seit einer Reihe von Jahren der evangelikale lunatic fringe sich in zunehmendem Maße in den Mainstream der GOP ge- bzw. verschoben hat, dazu beigetragen, jetzt etwas zurückhaltender zu sein. Weiterlesen

LARSEN: Of Grog Vim

Ich weiß nicht viel über Grog Vim, aber der Legende nach soll er eine moderne Renaissance-Figur gewesen sein, und selbst das mit der Vergangenheitsform ist so eine Sache, denn niemand weiß genau, ob er nicht vielleicht doch noch unter uns weilt. Als man noch mehr von ihm mitbekam, war er auf der Suche nach einer Art Weltformel, und sein letztes Lebenszeichen war eine Mondfahrt, die allgemein als Fahrt nachhause interpretiert wurde, da er bereis zu Forschungszwecken auf unserem Trabanten war. Man findet ihn übrigens in keiner Enzyklopädie, aber das macht nichts, denn der Mythos, den Weiterlesen

PETER BRÖTZMANN / HEATHER LEIGH: Ears are Filled with Wonder

Die aus der Country- und Westernmusik bekannte Pedal Steel Guitar, die man als Laie nicht auf den ersten Blick als Gitarre erkennt, hatte ursprünglich wenig Berührungspunkte mit Blasinstrumenten wie Saxophon und Klarinette. Erst in jüngerer Zeit und im Zuge hybrider Stilansätze kamen diese Instrumente miteinander in Berührung, und mit dem entsprechenden Mut zum Improvisieren entfalteten sich bald interessante Harmonien und Kontraste. Weiterlesen

CLIFF STAPLETON AND FRIENDS: The Tumbling of Creatures

Ihrem Ruf nach ist die Drehleier, die man im Englischen Hurdy-Gurdy nennt, ein eher altertümliches Instrument, doch in Wirklichkeit hat sie in vielen nicht nur traditionellen, sondern auch modernen Musikarten ihre Spuren hinterlassen. Seit dem Mittelalter war sie in höfischen und populären Kontexten verbreitet, und heute findet man ihren Einsatz in einer ganzen Palette von Musikrichtungen von Folk über Rock bis hin zur sogenannten Neuen Musik. Weiterlesen

DANIEL HIGGS: The Fools Sermon, Part 1

Traditionell ist der Narr eine Figur, die ungestraft unangenehme Wahrheiten aussprechen darf. Der Deal ist, dass er als mehrdeutige Figur auftritt, deren Aussagen ebenso sehr als dumm, deren Haltung jederzeit auch als ironisch und scherzhaft aufgefasst werden kann. Wer sich nicht auf die Füße treten lassen will, der muss ihn nicht ernst nehmen. Geht es darum, unorthodoxe religiöse Wahrheiten zu verkünden, bedarf es mitunter Figuren, die sich im Grenzbereich von Prophetie und Narrentum aufhalten. Weiterlesen

ARMCHAIR MIGRAIN JOURNEY: Magnetic Coupling Blood

Armchair Migrain Journey nennt sich ein obskurer deutscher Dronespezialist, über den auch hierzulande wenig mehr bekannt ist, als dass er in regelmäßigen Abständen im Dunstkreis der Pink Dots und auf gemeinsamen Arbeiten mit den amerikanischen Earthmonkey oder den slowenischen Seven That Spells in Erscheinung tritt und über die Jahre einen soliden Stapel Platten herausgebracht hat. Seine neue EP, für die erneut Earthmonkeys Peat Bog virtuell im Studio vorbeischaute, enthält ein knapp zwanzigminütiges, äußerst wechselhaftes Mutantendrone, um es im Vokabular des Künstlers zu sagen. Weiterlesen

SHACKLETON WITH ERNESTO TOMASINI: Devotional Songs

Sam Shackleton hat in den letzten Jahren gezeigt, dass er sowohl die Großform als auch die Konzentration auf das Kleine sowie die Verschmelzung von Techno mit im weitesten Sinne fernöstlichen Klängen beherrscht. Ernesto Tomasini hat mit seiner Stimme die bisherigen drei Alben von Othon Mataragas maßgeblich mitgeprägt, seine Arbeit u.a. mit Andrew Liles oder im Bandkontext von Almaghest! haben bewiesen, dass er auch in einem experimentelleren Rahmen zu Hause ist. Weiterlesen

WHITEHOUSE: The Sound Of Being Alive

Wenn sich in den letzten Jahren in der Rezeption von Musik wie Power Electronics etwas geändert hat, dann insofern, dass es immer mehr Projekte gibt, die – ob wegen ihrer Musik oder aufgrund von Kriterien wie Labelzugehörigkeit sei dahingestellt – auch außerhalb einschlägiger Szenen gehört werden, auf hippen Labels herauskommen, auf arty Events spielen, bei Pitchfork und im Wire besprochen werden u.s.w. Whitehouse waren in der Hinsicht schon Grenzgänger, als Power Noise noch weitgehend eine Sache der Weiterlesen

V.A.: Sacred Flute Music From New Guinea (recorded by Ragnar Johnson & assisted by Jessica Mayer)

Mitte der 70er verbrachte der Anthropologe Ragnar Johnson, der sich in der Vergangeheit ausgiebig mit regionaler Musik in Äthiopien und dem Jemen befasst hatte, ein paar Monate in Papua Neuguinea, um zusammen mit seiner Kollegin Jessica Mayer rituelle Musik der Einheimischen zu erforschen und zumindest auf Tonkonserven vor dem Zahn der Zeit zu retten. Sein besonderes Augenmerk lag auf den meist aus Bambusrohren hergestellten Heiligen Flöten, mit denen die Stimmen von Geistern nachgeahmt und somit evoziert werden sollten. Weiterlesen