REVOLUTIONARY ARMY OF THE INFANT JESUS: Beauty Will Save The World

Auch in deutschen Szenemagazinen tauchte zu Beginn der 90er hin und wieder die Band mit dem einprägsamen Namen Revolutionary Army of the Infant Jesus auf, und alles was man über das mysteriöse Projekt erfuhr, war, dass die Musiker aus Liverpool kamen und – für eine britische Band, die Musik mit Bezug zu rituellem Dark Folk spielte, eher untypisch – nichts mit dem Dunstkreis des World Serpent-Vertriebes zu tun hatten. Bei genauerem Hinhören musste man bei aller Liebe auch einräumen, dass RAIJ tatsächlich so manches, was schon damals im Neofolk verkultet wurde, in Sachen Weiterlesen

MAGDA MAYAS: Terrain

Magda Mayas zählt sicher zu den derzeit renommiertesten Vertreterinnen der Inside Piano-Techink, des improvisierenden Auslotens der Möglichkeiten, die ein geöffneter Klavierkasten bietet. Obwohl sie durchaus mit Kontaktmikros und Amplifier arbeitet, dominiert bei ihr meist ein akustischer Klangeffekt, so auch über weite Passagen ihrer soeben erschienenen LP “Terrain”, ein aus zwei längeren Tracks bestehendes Album, bei der auch ihr zweites Lieblingsinstrument, das Clavicord zum Einsatz kommt. Weiterlesen

FRANK BENKHO: The Revelation According To Frank Benkho

Frank Benkho, der eigentlich Mika Martini heißt, hat mit seiner Offenbarung bereits vor zwei Jahrne begonnen, als er in seinem Heimstudio in Santiago de Chile einmal mehr seinen Vorlieben für altes analoges Equipment fröhnend die vier geheimnisvollen Tracks in Echtzeit improvisierte. Die vollständige Offenbarung, deren Details man je nach eigenem Strickmuster durchaus apokalyptisch interpretieren könnte, erblickt natürlich erst nach einem langwierigen Prozess des Be- und Überarbeitens „in tranquility“ das Licht der Welt. Weiterlesen

We make music with our anger. Interview mit group A

Auf den ersten Blick wirken Tommi und Sayaka, die seit einigen Jahren unter dem Namen group A analoge elektronische Musik zwischen Noise und Minimal Wave spielen, wie die perfekte futuristische Version einer exotischen Fantasie: zwei nur spärlich bekleidete Japanerinnen mit body painting und den in Ostasien bekannten Reisbauernhüten, die allerdings aus Aluminium sind und so auch ein bisschen an die Kopfbedeckung diverser Chemtrail-Paranoiker erinnern. Doch auch wenn group A das Spiel mit Klischees mögen, haben ihre Musik und ihre Performances weit Weiterlesen

RUSALNAIA: s/t

In den Jahren nach 2000 verbrachte die englische Ausnahmesängerin Sharron Kraus einige Jahre in den USA, um als an englischen Traditionen geschulte Musikerin amerikanische Spielarten des Folk kennen zu lernen und neue Kontakte zu knüpfen. Schnell fand sie Anschluss an eine kleine Szene in Philadelphia, wo im Umfeld von Greg Weeks’ Language of Stone-Label und den Hexham Head Studios gerade interessante Folkgewächse aus dem Boden schossen. Weiterlesen

ARBRE DU TÉNÉRÉ: Quando gli Uomini Adoravano la Luna

Irgendwann in Jahr 1973 rammte ein betrunkener Lastwagenfaher einen Baum in der Region Ténéré im südlich der Sahara gelegenen Staat Niger. Sicher ist am gleichen Tag in China der eine oder andere Sack Reis umgefallen, aber mit dem Baum starb – beinahe – ein regionaler Mythos. Die Akazie, die der Trucker zu Fall brachte, stand dort einige Jahrhunderte und war der Überlieferung nach der einzige Baum im Umkreis von vierhundert Kilometern, diente lange als Wegweiser für Karawanen und galt in der Folklore der Einheimischen als Weiterlesen

IVAR GRYDELAND: Stop Freeze Wait Eat

Wenn man hört, dass ein Album das Ergebnis einer PHD-Arbeit ist, klingt das erst einmal nach Kopfgeburt und wenig Hörgenuss, was natürlich Quatsch ist, wie einem meist schon unmittelbar bewusst wird, denn eine wichtige Projektarbeit kann ebenso gut ein Garant für Gründlichkeit, Konzentriertheit und leidenschatliche Anstrengung sein. Der Norweger Ivar Grydeland, in der Vergangenheit aktiv in diversen Improv- und Rockbands wie Huntsville, Finland und Dans Les Arbres, stellte in seiner Abschlussarbeit (und somit im Album „Stop Freeze Wait Eat“) die Frage nach Weiterlesen

FURSAXA: Immured

Als vor sechs Jahren Tara Burke unter ihrem Projektnamen Fursaxa auf ATP Records „Mycorrhizae Realm“ veröffentlichte, da war das das bislang fertigste, eventuell auch (im weitesten Sinne) zugänglichste, weil songorientierteste Album. Ein Album, das so klang, als habe eine die Bezeichnung Weird Folk verdienende Band sich entschieden, sich nicht an der glasklaren Stimme von Comus‘ Bobbie Watson zu orientieren, sondern eine Wiedergängerin Nicos als Chanteuse auszuwählen: „Was Stimmung wie Stimme anbelangt, könnte man fast soweit gehen und sagen, dass Fursaxa näher Weiterlesen

SKREI: Önämuumänö

Ich weiß nicht, ob der Name SKREI etwas bedeutet oder ob das seltsame Palindrom des Titels aus eine ugro-finnischen Sprache stammt, hinter dieser geballten Ladung sprachlicher Obskurität jedenfalls verbirgt sich der in Berlin ansässige Neopolitaner Giuseppe Capriglione, der bereits auf eine ereignisreiche Zeit im weiten Feld zwischen Gitarrendrone, Improv und Harshnoise zurückblicken kann – als Betreiber von rührigen Tape- und Vinyl-Labels, als Veranstalter von Konzertreihen und mit eigenen Musikprojekten wie Gun, Gunzard und Weiterlesen

Das Opium der Schönheit. Interview mit Demian von Ô Paradis

Es gibt Attribute, mit denen man sparsam umgehen sollte, wenn man über Musik spricht, und eines davon ist sicher das Wort einzigartig. Man sollte aber nicht allzu erschrocken sein, wenn es einem im Bezug auf Ô Paradis ab und an herausrutscht, denn für einen solchen Fauxpas gäbe es Anlässe genung: Die Kunst, mit gesampleten Sounds originelle Kollagen zu zaubern, die gekrönt mit einer Weiterlesen

RAPOON: Blue Days

In den letzten Jahren haben sich zwei Entwicklungslinien im Werk von Robin ‘Rapoon’ Storey herausgebildet. Während der frühere Zoviet France-Musiker in einigen Arbeiten seine rituell-ambiente Seite in langsam aufbauenden Kompositionen primär auf Wirkungsintensität ausrichtet, gibt es seit einiger Zeit vermehrt Veröffentlichungen, denen man nur im weitesten Sinne Albumcharakter attestieren kann, die eher Sammlungen von Skizzen sind, bei denen man als Hörer oft nicht umhin kann, sich die einzeln vorgeführten Sounds in größeren konzeptuellen Zusammenhängen vorzustellen. Weiterlesen

FUTEISHA: Sulla Via Del Re Nel Ritorno

Juan Scassa ist einer der Mannen von La Piramide Di Sangue und hat vor gut einem Jahr mit seinem Soloprojekt Futeisha debütiert. Mit dem Album „Dannato” wäre er vermutlich als spätes Wunderkind des Neofolk gefeiert worden, wenn es bei einem entsprechenden Label herausgekommen wäre, denn solche Kriterien sind mittlerweile der am ehesten ausschlaggebende Faktor für Genrezuweisungen dieser Art – vorausgesetzt man besingt die entsprechenden Themen und lässt, wenn man aus Italien kommt, ab und an ein Akkordeon im Weiterlesen

MATS ERLANDSSON: Valentina Tereshkova

Das Schweigen der unendlichen Räume des Alls ließ schon Pascal erschau(d)ern und ein österreichischer Misanthrop setzte diese berühmten Worte aus den Pensées des Franzosen vor seinen Roman Verstörung. Hollywood hat sich in den letzten Jahren (wieder) vermehrt dem Weltraum zugewendet: Alfonso Cuarón hat mit Gravity dem Zuschauer zumindest kurzzeitig verdeutlicht, was man (auch) unter der Geworfenheit des Menschen verstehen kann, um dann allerdings durch das obligatorische (und wohl notwendige) against-all-odds happy ending Konsequenz vermissen zu lassen, Weiterlesen

FATIMA AL QADIRI: Brute

Mit einem ordinären Hype hat die stetig wachsende Anerkennung Fatima al Qadiris als Producer wenig zu tun, denn selbst wenn sich die Stylerfraktion der elektronischen Musik zu Wort meldet, ist nie ausschließlich von ihrer Originalität die Rede, sondern ebenso sehr von ihrem Talent für stimmige inhaltliche Konzepte, die immer eine politische Dimension haben und stets über subtile Andeutungen ästhetisch umgesetzt werden. Dabei wird keineswegs mit Lob für ihr handwerkliches Können gespart. Zurecht, muss man ergänzen. Weiterlesen

RANGDA: The Heretic’s Bargain

Rangda sind eine sogenannte Supergroup, d.h. sie bestehen aus altgedienten Musikern, die z.T. in bekannten Bands spielen, bzw. zahlreiche Soloarbeiten und Kollaborationen zu verzeichnen haben. Da wären an den beiden Gitarren Sir Richard Bishop, der seit dem Ende der Sun City Girls primär solo unterwegs ist und zuletzt ein fantastisches Akustikalbum im Stil arabischer und nordafrikanischer Musik herausbrachte, und Ben Chasny, dessen Hauptprojekt Six Organs of Admittance Weiterlesen

If you’re writing music, you write what’s inside of you. Interview mit der Musikerin und Kuratorin R. Loftiss

Als im vergangenen Jahrzehnt grade Folkmusik in aller Munde war, gerieten neben den großen Hypes und dem obligatorischen Mittelmaß auch ein paar obskure Gewächse in den Fokus, denen aufgrund ihrer Sperrigkeit und ihrer Unscheinbarkeit die Aufmerksamkeit großer Magazine versagt blieb. Zu diesen Gewächsen zählte auch das Projekt mit dem mysteriösen Namen The Gray Field Recordings, dessen Musik nur schwer einzuordnen war: Neben filigranen Melodien auf der Weiterlesen

VIRTUAL FOREST: Ritual Machine Music

Ein Titel wie „Ritual Machine Music” spielt natürlich mit einer offenkundigen Referenz, und vielleicht soll die gleichzeitige Assoziation zu Ritualmusik und zu Lou Reeds Pionierarbeit zeitgenössischer Geräuschkunst ja auch ein wenig den Ort umreißen, den Marco Bernacchia seinem Projekt Virtual Forest auf der Landkarte ungewöhnlicher Musik reserviert hat. Nach einem Tape, auf dem Bernacchia mit urigen Sounds einem – trotz elektronischer Verfemdung und vielen kleinteiligen Soundideen – eher klassichen Ritualismus frönte, steht seine neue LP ganz im Zeichen eines Weiterlesen

MONKEY PLOT: Angående Omstendigheter Som Ikke Lar Seg Nedtegne

Seltsame Dinge geschehen unter dem Zeichen des Uhu, den die Norweger Hubro nennen. Ein etwas nachlässig gekleideter Kerl spült Geschirr vor einer Blockhütte. Wie um das Klimpern zu übertönen hämmert eine kindliche Spieluhr eine nur schwer greifbare Melodie. Monoton angeschlagene Basssaiten erklingen und steigern sich mehr und mehr zu einem schrammeligen Allegro. Irgendwann, ein Track weiter, tritt Statik ein, Ausbremsung, ein Drummer frickelt auf seinen Fellen herum, und man fragt sich, ob all dies nur der Präsentation der Instrumente dienen soll. Weiterlesen

V.A.: The Last House On Dead End Street

Wenn man inzwischen auf Langstreckenflügen Episoden von The Walking Dead sehen kann, dann merkt man, wie weit man inzwischen von der Video Nasties- und „Mama, Papa, Zombie“-Hysterie der frühen 80er entfernt ist. In den letzten Jahren sind vermehrt, u.a. über Death Waltz, Soundtracks von Filmen auf Vinyl veröffentlicht worden, die früher Betroffenheitsfanatiker zum Klo hätten rennen lassen. Weiterlesen