NIGHT CLEANER: Even

Bisher spielte der in Atlanta ansässige Matthew Lambert mit seiner Band All The Saints Shoegaze. Sein Soloprojekt Night Cleaner ist etwas anders ausgerichtet. Nach dem 2015 (auch auf Geographic North) veröffentlichten “Sketch for Winter III: Green Sleeves” ist der Nachfolger „Even“ eine beeindruckende Sammlung von sechs Stücken, die alle einer LoFi-Ästhetik folgen (“written, recorded & mixed by Matthew Lambert in a basement & a closet”). Weiterlesen

TOR LUNDVALL: A Dark Place

In den letzten Jahren hat Tor Lundvall eine Reihe von Boxsets veröffentlicht, auf denen alte und neue Arbeiten zu finden waren. Mit „A Dark Place“ – sicher eine angemessene Beschreibung der Stimmung des Albums und durchaus programmatisch zu verstehen – veröffentlicht Lundvall über Dais Records das erste nicht instrumentale Album seit dem 2009 veröffentlichten (aber schon 2005 aufgenommenen) „Sleeping and Hiding“. Weiterlesen

NONCONNAH: Winter EP 17‘

Der Winter ist sowohl eine Illustration des Zustands des (Ab-)Gestorbenseins („What old December’s bareness everywhere“ (Shakespeare)), wenn der Sensenmann die Ernte einfährt, als aber auch in Verbindung mit dem gefallenen Schnee eine Zeit des Gedämpften, des Zur-Ruhe-Kommens in Winterwäldern, die „lovely, dark and deep“ (Robert Frost) sein können. Weiterlesen

[BOLT]: (4)

Die Zahl derjenigen Bands, die sich im Bereich Drone/Doom bewegen, ist inzwischen Legion. Dabei erweitern selbst diejenigen, die oft mit Reduktion (des Klangspektrums, des gewählten Instrumentariums) assoziiert werden, ihr Klangbild. Es gibt einen erheblichen Unterscheid zwischen Sunn O)))s „Grimmrobe Demos“ und einem Album wie „Monoliths and Dimensions“ und auch Al Cisneros und Emil Amos haben die Beschränkung auf Bass, Schlagzeug und Gesang aufgegeben und das Duo OM mit Robert Lowe (aka Lichens) klanglich wie personell erweitert – um nur zwei prominente Beispiele zu nennen. Weiterlesen

WETWARE: Automatic Drawing

Als vergangenes Jahr Drew Mc Dowall sein zweites Soloalbum veröffentlichte, da steuerte Roxy Farman auf einigen Stücken Vocals bei. Sie ist eine Hälfte von Wetware, eines aus ihr und Matt Morandi bestehenden Duos, das sich irgendwo an der Schnittstelle von Postindustrial und Techno bewegt und (nach zwei EPs) mit „Automatic Drawing“  nun das Langdebüt vorlegt. Weiterlesen

STROMSTAD: New Devoted Human

Unter einem Portmanteauwort als Projektnamen veröffentlichen Jasse Tuukki und Toni Myöhänen -die als Strom.ec eine Reihe von im Power Electronics angesiedelten Alben veröffentlicht haben – und Kristoffer Oustad, der eher partiell etwas ruhiger, aber nicht weniger dunkel agieren kann, ihre erste Zusammenarbeit und das Debütalbum „New Devoted Human“ lässt dann auch klar den Einfluss der vorherigen Arbeiten der drei spüren. Weiterlesen

WILDNISGEIST: s/t

Timothy Renner hat neben seinen zahlreichen songorientierten Arbeiten auch immer wieder experimentellere, dronebasiertere Aufnahmen gemacht, etwa auf “SnowAngelsUndeathSong” oder dem „Undeath“-Album. In den letzten Jahren wurde Renners Interesse an Cryptozoologie und an (scheinbar) Unerklärlichem verstärkt virulent, was sich auf den letzten beiden Stone Breath-Alben „Cryptids“ und „Witch Tree Prophets“ sowie seinen Büchern (u.a. zu Bigfoot) und dem wöchentlichen Podcast „Strange Familiars“ widerspiegelt. Weiterlesen

CONTROLLED BLEEDING: Headcrack

Ich habe an anderer Stelle einen kurzen Abriss über die musikalische Entwicklung Controlled Bleedings gegeben, deswegen hier nur ein paar kurze Anmerkungen zur Kontextualisierung von „Headcrack“, dem ursprünglich 1986 auf Nigel Ayers‘ Sterile Records veröffentlichten Album. Nachdem sich die Ende der 70er gegründete Ursprungsformation, die eine eigenartige Form von Progressive Rock spielte, aufgelöst hatte, gründete Paul Lemos die Band 1983 neu Weiterlesen

LOST HARBOURS: Towers Of Silence

Das vor einigen Monaten veröffentlichte dritte Album des aus Richard Thompson und Emma Reed bestehenden „experimental folk duo“ Lost Harbours beginnt mit einer Interpretation von “Black Is The Colour”, die die musikalische Ausrichtung des Albums verdeutlicht: Das ursprünglich aus Schottland stammende Traditional, das über die Jahre zahllose Musiker (u.a. Nurse With Wound) eingespielt haben, wird bei Lost Harbours zu einem von zweistimmigem Gesang dominiertes Stück, das fast schon als Klagelied bezeichnet werden kann. Weiterlesen

V.A. : Drone-Mind // Mind-Drone Vol. 6

Auf diesen Seiten sind schon mehrfach die Veröffentlichungen der „Drone-Mind // Mind-Drone“-Serie besprochen worden – einer Reihe, die Künstler aus verschiedenen geographischen Regionen der Welt zusammenbringt. Auch der sechste Teil zeigt vier Künstler aus drei Ländern, die sich dem Drone auf ganz unterschiedliche Weise (an)nähern. Weiterlesen

JARL: Negtive Rotation Intensive Fracture

Erik Jarl spielt zusammen mit Martin Bladh als IRM einen zähflüssigen Industrial, bei dem der menschliche Körper in all seiner Fleischlichkeit und Verwundbarkeit thematisiert wird. Für eine Weile arbeiteten die beiden auch bei den thematisch ähnlich ausgerichteten Skin Area zusammen. Erik Jarl ist aber auch ein sehr aktiver Solokünstler, der unter seinem Nachnamen seit Anfang der 00er Jahre zahlreiche Tonträger veröffentlicht hat , Weiterlesen

FABIO FRIZZI & ANDREW LEMAN: H.P. Lovecraft’s The Picture In The House

H.P. Lovecraft ist mit seinen Kreationen, insbesondere mit seinem Oktopoden Cthulhu, aus der Popkultur nicht mehr wegzudenken. Dass die Rezeption dieses „literarischen Kopernikus“ (Fritz Leiber) heutzutage dann leider auch über Plüschtiere abläuft, ist bedauerlich („Wenn heute Lovecrafts Wesen oder Erfindungen zitiert werden, dann hat das in den seltensten Fällen etwas mit seinen Themen zu tun“, wurde schon vor ein paar Jahren bemerkt), denn Lovecrafts „kosmischer“ Horror, den der verstorbene Joel Lane als „ontologischen“ bezeichnete, situiert den Menschen adäquat in seiner ganzen Insignifikanz in einem indifferenten oder feindlichen Kosmos. Weiterlesen

BASS COMMUNION: Sisters Oregon

Das erste völlig neue, eigenständige Album seit sechs Jahren (die letzte Vollzeitveröffentlichung war „Cenotaph“) zeigt Porcupine Trees Steve Wilsons Droneprojekt als Teil der auf diesen Seiten schon mehrfach besprochenen „Substantia Innominata“-10‘‘-Reihe von Drone Records. Der thematische Schwerpunkt dieser nun die Nummer 25 erreichten Reihe sind Aufnahmen „inspired by or related to ‘the Unknown‘ around or within us.“ Weiterlesen

A passage into an altered state: Interview mit Ka Baird

Ka Baird hat mit den vor einigen Jahren zum Duo geschrumpften Spires That In The Sunset Rise eine ganze Reihe von Alben veröffentlicht, die in ihrer Originalität, Experimentierfreude und Wucht in der zeitgenössischen Folkmusik ihresgleichen suchen und man könnte vielleicht so weit gehen, die nach einer Zeile aus einem Gedicht von Baudelaire benannte Band als legitime Erben von Comus zu bezeichnen. Gleichzeitig hat Weiterlesen

A passage into an altered state: Interview with Ka Baird

With Spires That In The Sunset Rise, which shrank to a duo a couple of years ago, Ka Baird has released a number of albums that are unique in contemporary folk music with regard to originality, eagerness to experiment and force. One could go as far as to claim that the band that took its name from a line in a Baudelaire poem is the legitimate heir to Comus. But Ka Baird has also frequently expressed her creativity outside the band context: In the first half of the noughties two albums with folk miniatures were released under the name Traveling Bell. Weiterlesen

LAST DOMINION LOST: Abomination of Desolation

Nachdem der Name Last Dominion Lost ursprünglich rückwirkend für Aufnahmen verwendet wurde, die John Murphy, Jon Evans und Dominic Guerin Anfang der 90er gemacht hatten, wurde in den letzten Jahren aus Last Dominion Lost eine aus Murphy, Evans sowie Julian Percy bestehende und in Berlin ansässige Band, die eine durchaus an den Ursprüngen des Industrials orientierte Geräuschmusik spielte, aber dem 21. Jahrhundert klanglich angemessen agierte. Weiterlesen

BOTANIST: Collective: The Shape Of He To Come

Die Zahl der Bands, die Post Black Metal spielen, scheint inzwischen fast unüberschaubar, wobei man den Eindruck hat, dass sich manche Genres, Shoegaze etwa, besonders gut zur Integration eignen. Bands transzendieren die Thematik und das Image und fügen weitere, oft als atypisch wahrgenommene Instrumente hinzu. Natürlich führen solche Auflösungen allzuenger Genregrenzen oft zu Gegenbewegungen: Weiterlesen

WOLVES IN THE THRONE ROOM: Thrice Woven

Wolves in the Throne Room wurden vor einigen Jahren recht schnell zu Lieblingen auch der Presse, die sonst mit Black Metal nicht viel anfangen konnte. Neben einer guten Produktion, die weit entfernt war von der Lo-Fi-Pappschachtelschlagzeugästhetik mancher „True“ Black Metal-Alben, waren sicher auch die Themen (Ökologie, Nachhaltigkeit – wenn auch teils in ihren esoterischen Auswüchsen) anschlussfähiger an Mainstreamdiskurse als die tausendste Anrufung an den Gehörnten. Weiterlesen

MARTIAL CANTEREL: Lost at Sea

Es ist schon interessant zu beobachten, wie Genres, die in den 90ern von großen Teilen der Musikpresse bestenfalls ignoriert, schlechtenstenfalls lächerlich gemacht wurden, seit einigen Jahren auch für Hipster goutierbar und abfeierbar geworden sind. Zwar mussten sich Vertreter dunkler(er) Musik zumindest in Deutschland nicht um Möglichkeiten der Veröffentlichung und der medialen Repräsentanz sorgen (schließlich gab es Zillo und Orkus), aber die Rezeption fand doch oft in klar abgegrenzten Subkulturen statt. Der neuste Zillosampler wurde schließlich nicht in der Spex besprochen. Weiterlesen