Bei manchen Künstlern fällt eine adäquate Einleitung aufgrund der schieren Quantität ihres Outputs oder aber der Anzahl der Jahre, die sie tätig sind, schwer. Bei anderen ist es die Qualität – nicht notwendigerweise beschränkt auf Qualität im Sinne von gut oder schlecht, sondern verstanden als Variation im Schaffen(sprozess). Bei Little Annie, auch als Annie Anxiety bekannt, treffen beide Faktoren aufeinander. Nachdem sie in New York mit der Punkband Annie and the Asexuals um 1980 (ein aufgenommener Track erschien Jahre später auf einer auf Nigel Ayers’ Label Sterile erschienenen Compilation zur Unterstützung des Streiks der britischen Minearbeiter) kurzzeitig aktiv war Weiterlesen
Archiv der Kategorie: Interviews
ERNESTO TOMASINI – Interview
Ernesto Tomasini dürfte einigen Lesern dieser Publikation durch seinen Gesang auf dem vor knapp zwei Jahren auf Durtro veröffentlichten Album „Digital Angel“ von Othon aufgefallen sein, auf dem die mehrere Oktaven umfassende Stimme des gebürtigen Italieners, der seit Mitte der 90er Jahre in London lebt, einer der Höhepunkte war. Ein Jahr zuvor hatte Tomasini bereits zusammen mit Fabrizio Modonese Palumbo (Larsen) ein experimentelles Album aufgenommen, auf dem sie u.a. Judas Priests „Breaking the Law“ coverten. Weiterlesen
THE GREAT PARK – Interview
Ins Meer gegossener Wein, ein brennendes Haus, ein kalt scheinender Mond an wenig beschaulichen Weihnachtsabenden – all dies und mehr begegnet einem in dem weitläufigen Mikrokosmos, nach dem der Engländer Stephen Burch sein Musikprojekt benannte hat: THE GREAT PARK. Das Urbild des großen Parks liegt, wie wir noch erfahren werden, in Windsor, England. Als fiktiver Ort findet sich der Park überall, wo Burch, der in Berlin lebende britische Sänger mit dem großen Interesse für Menschliches und Allzumenschliches, seine Gitarre auspackt und vor einer meist kleinen, aber begeisterten Gruppe an Zuhörern spielt. Weiterlesen
LUSTMORD – Interview
„There is a place/Within darkness/Beyond, between/Without name“
Brian Williams’ Projekt entstand in den Nachwehen der ersten Industrialgeneration. Seine Bekanntschaft mit Throbbing Gristle, SPK und Monte Cazazza ließ ihn zuerst noch in bester transgressiver Tradition atonale Klänge herstellen, bevor er sich weniger konfrontativer und atmosphärisch dichterer Musik zuwandte und dabei ein Genre erfand, das unglücklicherweise wenig originell mit Dark Ambient betitelt wurde Weiterlesen
A Powerful Channel of Catharsis. Interview mit der Musikerin Lili Refrain
Die Rede vom Verschmelzen des Künstlers mit seinem Werk muss nicht zwangsläufig ein Gemeinplatz sein. Die junge römische Musikerin Lili Refrain jedenfalls, die unlängst ein Album namens “9” aufnahm und ihrer Gitarre widmete, behandelt ihr Instrumentarium beinahe wie ein lebendes Wesen, sich selbst benennt sie auf der anderen Seite nach einem musikalischen Begriff. Immer scheint die Musik selbst Thema ihrer Arbeiten zu sein, klingt sie doch in einigen ihrer Songtitel ebenso an wie in häufigen zitathaften Rückgriffen auf bekannte und weniger bekannte Stationen der Musikgeschichte. Weiterlesen
ROBIN CRUTCHFIELD – Interview
„FaerieDreams“ und „Zither Madness“
Robin Crutchfield hat einen langen Weg hinter sich: Mitte der 70er kam er nach New York und gründete 1978 zusammen mit Arto Lindsay und Ikue Mori die No Wave-Band DNA. Nach kurzer Zeit verließ er DNA und gründete Dark Day, die eine Reihe von Lineupwechseln und musikalischen Stilen durchliefen. Weiterlesen
“A harp is like a piano without its clothes on while it’s still young and pretty”
Baby Dee interviewed by Uwe Schneider
Over breakfast a friend of mine came up with the idea of investing a few thousands in a baby company, taking her eggs and my sperm and a few poor women, later sell the high-class blue-eyed treasures to the highest bidders. Then I got asked by a friend of a friend if I could babysit their daughter tonight. And on my way home huge masses of snow came down the roofs like white and shiny (late) Christmas bombs, I couldn’t help but imagine at least one of them hitting a baby buggy – survival of the luckiest. Weiterlesen
BEE (Birch Book/In Gowan Ring) – Interview
1994 veröffentlichte Bobin Eirth, der sich B’eirth oder Bee nennt, sein erstes Album (“Love Charms”) unter dem Namen IN GOWAN RING. Dort – wie auch auf den beiden folgenden Studioalben – verknüpfte er fragile, sicherlich europäisch beeinflusste Folkmusik mit meditativen, psychedelischen Drones. 2002 erschien das vierte und bislang letzte (Vollzeit-)Album “Hazel Steps Through A Weathered Home”, das das songorientierteste Album war und acht zerbrechlich-melancholische Stücke enthielt, die mit zum Ergreifendsten gehören, das in den letzten Jahren veröffentlicht wurde. Weiterlesen
WILLIAM BENNETT (WHITEHOUSE) – Interview
William Bennett hat mit WHITEHOUSE in den vergangenen drei Jahrzehnten extrem(st)e elektronische Musik gemacht und damit ein Genre mitgeschaffen, dessen enge Grenzen WHITEHOUSE allerdings bereits lange gesprengt haben. Schon seit längerem sind die analogen den digitalen Geräten gewichen, sind die Texte (spätestens seit “Cruise”) – auch Bennetts Interesse an NLP geschuldet –komplexer geworden; Weiterlesen
PETER CHRISTOPHERSON – Interview
Peter Christopherson, der schon seit mehr als drei Dekaden den Spitznamen Sleazy trägt, hat wohl wie kaum ein anderer im weiten Feld des (Post-) Industrials eine tragende Rolle gespielt. Er gründete mit Chris Carter, Cosey Fanni Tutti und (damals noch) Genesis P. Orridge die aus der von den Wiener Aktionisten beeinflussten Performancegruppe COUM TRANSMISSIONS hervorgegangenen THROBBING GRISTLE. Weiterlesen
OTHON – Interview
Im vergangenen Jahr wurde auf Durtro das Debütalbum des griechischen Pianisten OTHON Mataragas veröffentlicht, auf dem als Gastsänger Marc Almond, David Tibet und (seine Muse) Ernesto Tomasini zu hören waren. “Digital Angel” war in seiner Exzentrik, Emotionalität und Originalität einer der Höhepunkte des letzten Jahres. Momentan arbeitet OTHON an zwei weiteren Alben und auf dem im Oktober in Rom stattfindenden PRE Final Fest wird er einen neuen Soundtrack zu Jörg Buttgereits Klassiker “Nekromantik” vorstellen. Weiterlesen
FOVEA HEX – Interview
FOVEA HEX ist das Projekt von Clodagh Simmonds, die in den 60ern bei der Folkband MELLOW CANDLE spielte und auch schon für Mike Oldfield gesungen hat. Auf den bisherigen Veröffentlichungen – drei EPs, die zusammen die “Neither Speak Nor Remain Silent“-Trilogie bilden – wurde sie u. a. von Andrew McKenzie (THE HAFLER TRIO), Colin Potter (u.a. NURSE WITH WOUND), Brian Eno und Robert Fripp unterstützt – um nur ein paar der Beteiligten zu nennen. Weiterlesen
WOLVES IN THE THRONE ROOM – Interview
“Yesterday morning enormous the moon hung low on the ocean,/ Round and yellow-rose in the glow of dawn;/The night-herons flapping home wore dawn on their/wings. Today/Black is the ocean, black and sulphur the sky,/ And white seas leap. I honestly do not know which day/is more beautiful./ I know that tomorrow or next year or in twenty years/I shall not see these things—and it does not matter, it/does not hurt;/They will be here. And when the whole human race/Has been like me rubbed out, they will still be here:/ storms, moon and ocean,/Dawn and the birds. And I say this: their beauty has/more meaning/Than the whole human race and the race of birds.” (Robinson Jeffers, Their Beauty Has More Meaning) Weiterlesen
DAVID AHLEN – Interview
Der Schwede David Åhlén dürfte den meisten Lesern ein Unbekannter sein, dabei hat er mit dem nur knapp 30-minütigen “We Sprout In Thy Soil” kürzlich ein dezent instrumentiertes Album veröffentlicht, das in seiner emotionalen Tiefe und stimmlichen Gestaltung entfernt an Antony erinnert, wobei Åhlén sich thematisch ausschließlich auf seinen Glauben an Gott konzentriert, dessen Bedeutung für ihn im folgenden Interview noch einmal mehr als deutlich wird. Weiterlesen
SPIRES THAT IN THE SUNSET RISE – Interview
“The Weird Sisters hand in hand,/Posters of the sea and land,/Thus do go about, about:/Thrice to thine, and thrice to mine,/And thrice again, to make up nine/Peace! – the charm’s wound up.” (William Shakespeare: Macbeth, Akt 1, Szene 3)
Auch der Interviewer kann es sich nicht verkneifen, mit dem obigen Zitat auf das manchmal Mysteriöse und Unheimliche, das der Musik von SPIRES THAT IN THE SUNSET RISE anhaftet, anzuspielen: Aufnahmen, die irgendwo in einer Kammer zwischen Phiolen mit Datura- und Tollkirscheextrakten gemacht worden zu sein scheinen. Weiterlesen
SARAH JUNE – Interview
Gerade hat Sarah June auf Timothy Renners Label Hand/Eye ihr Debüt veröffentlicht, auf dem die jetzt in San Francisco lebende gebürtige Detroiterin dezent melancholische Songs mit einer im wahrsten Sinne des Wortes mädchen- (oder märchen-?)haften Stimme singt und sich meistens lediglich auf der Gitarre begleitet. Das in Eigenregie aufgenommene “This Is My Letter To The World” wirkt wie ein Album für einen Herbst, der von seltsamen Gestalten heimgesucht wird. Weiterlesen
SHARRON KRAUS – Interview
Seit einigen Jahren veröffentlicht die Britin Sharron Kraus solo oder mit anderen Tonträger, die verschiedenste Facetten des Folk ausloten. Ihre Stimme und die Stimmung ihrer Alben mögen manchmal an die Grande Dame des britischen Folk – Shirley Collins – erinnern (deren Einfluss auch von ihr selbst genannt wird), aber Sharron Kraus verleiht jeder Aufnahme etwas Eigenes, Unverwechselbares. Weiterlesen
SAVAGE REPUBLIC – Interview
Anfang der 80er spielten SAVAGE REPUBLIC ihre eigenwillige Musik, die der Wut des Punks ebenso viel zu verdanken schien, wie dem Industrial, der stärker perkussiv orientiert war. Nach fünf Alben – wobei “Customs“ (in Griechenland mit geliehenem Equipment aufgenommen, nachdem der Zoll die Instrumente konfisziert hatte) sicherlich das experimentellste war – löste man sich 1989 auf. Weiterlesen
CONTROLLED BLEEDING – Interview
CONTROLLED BLEEDING haben im Laufe ihrer fast dreißigjährigen Bandgeschichte Unmengen von Alben aufgenommen, von denen meistens keins wie das andere klang. Von einer bizarren Mischung aus Jazz und Punk Ende der 70er, brutalem Noise Anfang der 80er, semigothischer Musik, EBM, Industrial Metal, Dub, Ambient, Metal (mit dem Projekt SKIN CHAMER), Free Jazz (als BREAST FED YAK), ihre Musik war immer erratisch und selbst Paul Lemos sagte einmal in einem Interview, das ich vor etwa zehn Jahren mit ihm machte, dass er als Musikhörer eine Band wie CONTROLLED BLEEDING (aufgrund der häufigen Stilwechsel) wahrscheinlich hassen würde. Weiterlesen