Sosehr man vielleicht davon angetan ist, dass in den letzten Jahren dunkle Musik auch in den (vermeintlich) hippen Zirkeln angesagt ist, nachdem viele Ausprägungen in den 90ern ein Schattendasein führten und primär in der Gothickultur rezipiert wurden, so ermüdend ist es manchmal, die hundertste als „Post Punk” apostrophierte Band zu hören, deren Stücke wie zweit- bis drittklassige Outtakes von einem „Zwischenfall“-Sampler klingen. Weiterlesen
Archiv des Autors: Michael
MAURIZIO BIANCHI: Armaghedon
Maurizio Bianchis 1981 auf Nigel Ayers’ Label Sterile Records veröffentlichtes Album „Symphony for a Genocide“ ist noch immer ein Kulminations- wie Ausgangspunkt finsterer dystopischer Musik, deren Einfluss von Atrax Morgue bis Controlled Death reicht. Im Kata 11-Magazin von William Bennetts Come Organisation hieß es damals zutreffend: „low key depression pieces […] All types of death go well with this ultimate funeral – Maurizio is ready to unload his death cargo“. Weiterlesen
Mutator: Unveröffentlichtes Alan Vega-Album auf Sacred Bones
Obwohl im Laufe von mehreren Jahrzehnten lediglich fünf Studioalben veröffentlicht wurden, ist Suicide, das aus Alan Vega und Martin Rev bestehende Duo, sicher eine der wichtigsten Bands der Popgeschichte, deren Einfluss von Soft Cell über The Sisters Of Mercy bis zu Bruce Springsteen und M.I.A. reicht. Ihr 1977 erschienenes Debüt ist noch immer ein absolutes Referenzwerk für viele Formen elektronischer Musik und das darauf enthaltene „Frankie Teardrop“ eines der Stücke, das man nach einmaligem Hören kaum wieder vergisst (und ohne das Springsteens „State Trooper“ sicher anders ausgefallen wäre).
THE BODY: I’ve Seen All I Need To See
Das aus Lee Buford and Chip King bestehende Duo hat in den vergangenen 20 Jahren auf einer ganzen Reihe von eigenständigen Alben und zahlreichen Kollaborationen (u.a. mit Uniform, Thou oder Krieg) und Seitenprojekten (z.B. Sightless Pit mit Lingua Ignota) eine massive, wuchtige Musik mit Doom- und Sludgeeinflüssen gespielt, aber auch von Anfang an immer verschiedenste Instrumente in das Klangbild integriert. Weiterlesen
NONCONNAH: Songs For And About Ghosts
Die aus dem Projekt Lost Trail hervorgegangenen sehr produktiven Nonconnah – ein Duo, bestehend aus Zach und Denny Corsa –, die in einem Interview, das wir mit ihnen führten, sagten, „There’s always been hints of apocalypse in our work“, sich selbst als „Mid-South doomy dronegaze collective“ bezeichnen, das „dronegaze in the time of dystopia “ spielt, präsentieren auf ihrem dritten regulären Album vier lange, aus verschiedenen Teilen bestehende Tracks, die so klingen, als hätten ein paar schemenhafte Gestalten ein altes, nicht mehr ganz funktionstüchtiges Grammophon in einem Schneesturm aufgestellt. Weiterlesen
JETZMANN: Use The Air
Die zwölf Stücke des Hamburger Musikers Horst Peterson (der u.a. bei Die Erde gespielt hat), die auf „Use The Air“ enthalten sind, entstanden über einen Zeitraum von 15 Jahren und waren urspünglich für Bühnenarbeiten konzipiert worden, für Choreographien, wobei darauf hingewiesen wird, dass es sich dabei nicht um „Tanzmusik“ im engeren Sinne gehandelt habe. Die Musik entstand manchmal durch die Integration von Feldaufnahmen (des Theaters etc.), Weiterlesen
MARTIN GORE: The Third Chimpanzee
Martin Gore, immerhin seit Jahrzehnten Hauptsongschreiber einer der erfolgreichsten Popbands überhaupt, hat auf eine sehr sympathische und unspektakuläre Weise über all die Jahre immer mal wieder sporadisch Arbeiten abseits von Depeche Mode veröffentlicht. 1989 debütierte er mit der „Counterfeit EP“, auf der er u.a. Stücke der Sparks und von Tuxedomoon coverte, ein Vollzeitnachfolger erschien erst 14 Jahre später (dort wurde u.a. Nick Cave und Hank Williams Tribut gezollt) und es gab eine kurze Tour anlässlich der Veröffentlichung. Weiterlesen
HEMATIC SUNSETS: Aroma Club Adieu
Auch wenn fast jede Veröffentlichung Asmus Tietchens von einem Cioran-Zitat begleitet und geziert wird, so hat sich schon immer auch Humor im Werk des Hamburgers gezeigt, was sich u.a. teilweise in der Titelgebung seiner Tracks widerspiegelte, jedoch war dieser Humor nie so dominant wie auf seinem „death lounge project “ Hematic Sunsets (auf dem seine anagrammatischen Mitspieler Achim Stutessen, Assistent Meusch, Hans Tim Cessteu, Mischa Suttense und Tussi Schemante heißen), auf dem Tietchens seiner Liebe zum – wie es in Weiterlesen
Lost Themes III: Alive After Death: Neues Album von John Carpenter auf Sacred Bones
Sacred Bones veröffentlicht Ende Februar unter dem Titel „Lost Themes III: Alive After Death“ ein neues Album von John Carpenter. Auf den Alben der „Lost Themes“-Reihe spielt der Regisseur Musik, die er versteht als “a soundtrack for the movies in your mind.” Musik also, die nicht als Soundtracks für (seine) Filme entstanden ist. Musikalisch knüpft er an seine genredefinierenden Filme und Filmmusiken aus den 80ern an. In den letzten Jahren hat Carpenter seine Musik auch vermehrt live aufgeführt.
Wiederveröffentlichung des Masstishaddhu-Albums Shekinah auf Old Europa Café
Old Europa Cafe bringt das ursprünglich auf Steven Stapletons Label United Dairies 1988 veröffentlichte Album „Shekinah“ von dem Metgumbnerbone-Seitenprojekt Masstishaddhu, bei dem auch Richard Rupenus von den New Blockaders mitwirkte, auf CD neu heraus. Mit den teils perkussiv-tribalen Momenten, seltsamen Blasinstrumenten und merkwürdigen Stimmen, die zwischen Kehlkopfgesang und Delirium changieren, lässt sich das Album in die Tradition industrieller Ritual-Musik einordnen.
THANOS CHRYSAKIS: ΕΛΥΤΡΑ
Insekten üben seit langem eine (nicht nur) klangliche Faszination aus: Man denke an die vielen Filme, in denen das Zirpen der Zikaden fast schon ein alternativer Soundtrack ist oder an die symbolische Bedeutung der Geräusche der Grillen in einem Stück wie Sam Shephards „True West“. Eine Reihe von Musikern wurden vom Klangpotenzial der Insekten angezogen: 1986 veröffnetlichte Graeme Revell „The Insect Musicians“, sein Versuch einer auf dem Weiterlesen
Vivification Exercises I: Neues Tape von Ka Baird
Nachdem jüngst noch das neue Album von Spires That In The Sunset Rise veröffentlicht worden war, kommt im Januar ein auf 225 Exemplare limitertes Tape von Ka Baird, auf RVNG heraus, auf dem die Stücke auf Klavier, Gesang und Elektronik basieren. Die aus fünf Teilen bestehenden Aufnahmen orientieren sich konzeptionell an einem Auftritt, den Ka Baird 2018 im Brooklyn Theater hatte. Die Performances Ka Bairds der letzten Jahre waren oftmals geprägt von einer extremen physischen Präsenz, von einem scheinbaren Verschmelzen von Körper und Instrument und auch über den Auftritt in Brooklyn heißt es, dort sei es um ein Zusammengehen des „physical and visceral, though the musical, provocative sounds this time exorcised from both her body and the piano’s“ gegangen.
ORGANUM ELECTRONICS: Stilness
Verglichen mit anderen Künstlern aus dem (weiteren) Umfeld des Industrials verzichtetete David Jackman von Anfang an auf Programmatik und Konzepte und selbst auf solche Antislogans wie etwa The New Blockaders („Even anti-art is art…That is why we reject it!“), mit denen Jackman mehrfach zusammenarbeitetete. Bei ihm findet man, bezogen auf seine frühen Aufnahmen, lapidar die Aussage, Organum sei „damn noisy“. Weiterlesen
TOR LUNDVALL: Yule
Das damals noch über World Serpent vertriebene Minilabel des in Neuengland ansässigen Malers und Musikers, auf dem seine frühen Aufnahmen erschienen, trug im Namen schon die Jahreszeit, die am ehesten die von Musik und Bildern Lundvalls hervorgerufene Atmosphäre zu illustrieren schien: Eternal Autumn Editions. Weiterlesen
WILDNISGEIST: Pandemonium
Mit einem Auszug aus einer „Macbeth“-Verfilmung, auf dem es heißt, dass die Bäume im Birnam Wood beginnen, sich zu bewegen und damit die Erfüllung der Prophezeiung des Macbeth erschienenen gekrönten Kindes („Macbeth shall never vanquished be until/Great Birnam Wood to high Dunsinane Hill/Shall come against him.“) einleiten, beginnt das neue Wildnisgeist-Album. Sind es in Shakespeares kürzester Tragödie aber nur die Soldaten, die zur Verschleierung ihrer Anzahl Bäume und Äste mit sich tragen, Weiterlesen
COIL: Musick To Play In The Dark
Man stelle sich eine Philip K. Dicksche Alternativrealität vor, in der es kein Internet gibt. Der Einfachheit halber ignorieren wir alle anderen gesellschaftlichen Konsequenzen und konzentrieren uns auf einen Aspekt: Die Rezeption von Musik findet noch weiterhin so (analog) statt wie vor einigen Jahrzehnten. In dieser Welt gibt es jemanden, der schon mehrfach über diese enigmatische Band namens Coil gelesen hat, in deren Gründungsmanifest es hieß: Weiterlesen
Barren: Doppellivealbum von Nurse With Wound
Nachdem Nurse With Wound nach einigen Auftritten in den frühen 80ern über lange Jahre ein reines Studioprojekt war, hat Steven Stapleton seit seinem Auftritt im Wiener Narrenturm im Jahr 2005 NWW als Liveband neu er- und gefunden. Seitdem hat es zahlreiche Auftritte gegeben, die auf Tonträgern wie „Dark Fat“ oder „Cabbalism“ und auf ultralimitierten CD-Rs dokumentiert wurden. Mit „Barren“ erscheint nun eine neue Veröffentlichung.
Neue Solo-EP von Martin Gore
Martin Gore, dessen Soloarbeiten abseits von Depeche Mode immer auf eine sympathische Weise unspektakulär waren, veröffentlicht Ende Januar auf Mute eine EP namens „The Third Chimpanzee“ mit fünf Instrumentals.
Neues Soloalbum von Brendan Perry: Songs of Disenchantment – Music from the Greek Underground
Brendan Perry hat gerade digital sein neues Soloalbum veröffentlicht. Vinyl und CD werden im Februar erhältlich sein. Wie der Titel des Albums schon andeutet, greift Perry auf eine spezielle Form griechischer Musik zurück.




