ANDREW LILES: Ninki Nanka, Yumboes & Monsters

Wenn es darum geht, Motive aus Rock, Pop und Alltagskultur in seiner Musik und seinen Illustrationen zu verwursten, macht Andrew Liles vor wenig halt, und sein Ideenfundus scheint unerschöpflich. Alles, was sich ins plakativ Monströse steigern lässt, Spaß macht und keinen biederen Ernst aufkommen lässt, riskiert, irgendwann in seine unaufhörlich rotierende Mischmaschine geworfen und so geadelt zu werden. Der zentrale Faktor ist wohl tatsächlich der Spaß an der Sache: Liles zieht ungern Dinge durch den Fleischwolf, die er nicht mag, und dies vermutlich nicht einmal aus einer Weiterlesen

Nurse With Wound am 28. April in der Berliner Sophienkirche

Nurse With Wound waren mit ihrem wandlungsreichen Stil zwischen Krautkrock, Ambient, Musique Concrète und einer gehörigen Portion Surrealismus und Dada immer ein Thema in Berlin, auch wenn es hier seit einem Jahrzehnt kein reguläres Konzert mehr von ihnen gab. Darbietungen außer der Reihe allerdings gab es immer wieder: Zusammen mit Blind Cave Salamander spielte die Band um Stephen Stapleton eine neue Version des Klassikers “Soliloquy for Lilith” in der Volksbühne, Stapleton und Andrew Liles traten zusammen mit David Tibet beim Schlagstrom Festival auf, Stapleton solo gab dort eines seiner die Nacht ausfüllenden Schlafkonzerte. Nicht zuletzt nahm Liles mit seinen visuellen Arbeiten an einer Ausstellung im Rahmen des Epicurean Escapism Festivals teil. Am 28. April wird die Band erstmals seit langem in Berlin auftreten, Ort der Veranstaltung ist die Sophienkirche in Mitte, die sich durch die Konzertreihe “Neue Musik” jüngst auch einen Namen bei Freunden ungewöhnlicher Musik gemacht hat. Weiterlesen

NURSE WITH WOUND: The Great Ecstasy of the Basic Corrupt

Die beiden Alben „The Great Ecstasy of the Basic Corrupt“ und „Silver Bromide“ erschienen vor knapp drei Jahren auf streng limitierten LPs als art edition und sind seitdem gesuchte Sammerstücke, die Preise, die dafür im Netz geboten wurden, horrend. Da Nurse With Wound aber mehr als nur ein paar Dutzend Fans haben, war in diversen Kommentarspalten schon seit längerm der Wunsch nach regulären Wiederveröfentlichungen zu vernehmen. Dies ist nun seit kurzem geschehen, und ich erwähne beide Alben deshalb, weil Weiterlesen

Très Chère Mère / Mother Dearest: Kurzgeschichte von Andrew Liles erscheint am 2. Januar

Am 2. Januar 2017 erscheint beim französischen Lenka Lente-Verlag die illustrierte Short Story Très Chère Mère (Mother Dearest) von Andrew Liles in französischer und englischer Sprache. Liles, den man bisher als Musiker (solo, sowie als Mitglied von Nurse With Wound und Current 93), Remixer, Zeicher und Illustrator kennt, veröffentlicht damit seine erste literarische Arbeit. Dem Buch liegt eine CD mit einer dreizehnminütigen Komposition Liles’ bei. Weiterlesen

NURSE WITH WOUND: Dark Fat

Gegründet wurden Nurse With Wound vor nun beinahe 40 Jahren als Band, doch das Gefüge des Trios brach bald auseinander, und in den folgenden Dekaden stand der Name erst einmal für Steven Stapleton, der von nun an manchmal im Alleingang, meist aber mit einem harten Kern an weiteren Musikern seinen klanglichen (und, was in seinem Werk nicht bloß Beiwerk ist: visuellen) Ideen nachging. Seit etwa zehn Jahren nun gibt es bei Nurse With Wound wieder so etwas wie eine Bandstruktur, denn nicht nur Stapletons alter Freund Colin Potter, sondern auch die im letzten Jahrzehnt dazugestoßenen Andrew Liles und Matt Waldron sind nun Weiterlesen

ANDREW LILES: Animal Magick

Nach den rund zwanzig Jahren, die Andrew Liles nun die Welt mit musikalischen und visuellen Monstrositäten bereichert, kann man durchaus ein Resümee zu der Richtung wagen, die sein bisheriges Werk genommen hat. Liles ist über die Jahre bunter, schriller und extrovertierter geworden, der Spaß an immer wieder neuen Facetten des Bizarren ist offensichtlicher, und nichts ist ihm heute fremder als das bisweilen trockene und vornehme Image der allgemein als experimentell bezeichneten Musik. Weiterlesen

FAMILY FODDER: Sunday Girls (Director’s Cut)

Hätte es 1979 die Punk’n'Wave-Kultur noch nicht gegeben, so hätten Alig Pearce und seine Band Family Fodder diesen ganzen Kosmos im Alleingang erfinden können, denn wenige Bands aus dieser Ära, die Simon Reynolds in seinem Band „Rip It Up And Start Again“ abfeiert, konnten es mit dadaeskem Humor, rebellischem Sarkasmus und sprunghafter musikalischer Vielfalt mit dem nerdigen Kollektiv aufnehmen, dem in der gängigen Geschichtsschreibung alternativer Musik meist nur ein kleines Kapitel beigemessen wird, das unter Freunden experimenteller Weiterlesen

JOCHEN ARBEIT & HUAN: s/t

Mit Jochen Arbeit und Víctor Hurtado alias Huan treffen zwei erfahrene Klangzauberer auf einander, die schon lange in unterschiedlichen Konstellationen aktiv sind. Arbeit, der erstmals mit Die Haut von sich reden machte, seit knapp zwanzig Jahren bei den Einstürzenden Neubauten die Gitarre spielt und neben vielen weiteren Aktivitäten mit Julia Kent, Palumbo und Beauchamp dröhnt und mit Mueran Humanos rockt, sollte hierzulande jedem Freund ausgefallener Musik bekannt sein. Sein katalanischer Kollege Hurtado ist jedoch nicht minder Weiterlesen

COLIN POTTER: Rank Sonata

In einem größeren Rahmen ist Colin Potter in jüngerer Zeit wohl v.a. als Teil der Nurse With Wound-Besetzung und als gelegentlicher Mitmusiker bei Current 93 in Erscheinung getreten, und viele Neueinsteiger wissen wohl nur wenig über die Bedeutung des Mannes in mittlerweile vier Dekaden experimenteller Musik. Da wäre neben weniger bekannten Formationen wie Monos und Ora natürlich sein eigenes Werk, mit dem er in steter Frequenz die Grenzgebiete zwischen Drone, Field Recordings und diverser Electronica auslotet. Mit Weiterlesen

Wounded Galaxies Tap at the Window. Cyclobe am 30.01.14 in Berlin auf dem CTM-Festival

Stephen Thrower und Ossian Brown debütierten 1999 mit „Luminous Darkness”, einem anspruchsvollen, unglaublich dichten Album von Geräuschmusik, das Throwers langjährige Mitwirkung bei Coil verriet, aber weniger am Song orientiert war. Der Nachfolger „The Visitors“ knüpfte daran an, enthielt allerdings einige wesentlich längere, ausufernde Tracks, die durchaus dazu geeignet waren, die Pforten der Wahrnehmung zu reinigen und zu erweitern. Das dritte Album war ihre (Re-)Interpretation bzw. (Neu-)Bearbeitung von Nurse With Wounds „Angry Eelectric Finger“ und trug den Titel „Paraparaparallellogrammatica“. Auf allen diesen Veröffentlichungen kombinierten Cyclobe die elektronischen Klänge mit akustischen Instrumenten, wie z.B. Geige, Klarinette, Cello, Drehleier. Dadurch entstand eine Musik, die dicht und verdichtet war und auf die das oft überstrapazierte Adjektiv organisch mehr als zutraf. Weiterlesen

ANDREW LILES: Murgatroyd The Monster (A Northern Noir)

Es ist eine Szene wie aus einer anderen Welt: Eine junge Frau, fast immer blond und kühl, veruntreut Geld und versucht, sich damit ins ungewisse Irgendwo abzusetzen. Die Häscher sind ihr auf den Fersen, doch auch ihre forsche Absage an alle Skrupel hift ihr nicht dauerhaft, sich gegen ihre Verfolger, und seien es die aus der eigenen Gewissenswelt, zu behaupten. Was wäre eigentlich das Ziel ihrer Flucht gewesen, die im Knast oder in der Duschkabine eines oral fixierten Moteliers endete? Sich zu verstecken, sich irgendwo eine neue Existenz zu ergaunern? Oder etwas dazwischen, ein Leben in Sorglosigkeit mit weniger Verpflichtungen und Abhängigkeiten, das man nur vorsichtig genug Weiterlesen

NURSE WITH WOUND AND GRAHAM BOWERS: Parade

Die neue Gemeinschaftsarbeit von Stephen Stapleton und dem walisischen Komponisten Graham Bowers ist schon optisch eine solche Augenweide, dass man sich endlos lange damit befassen könnte. Von weitem erinnert das bunten Frontcover an Arbeiten von Yasutoshi Yoshida alias Govt. Alpha, man denkt vielleicht auch an Hannah Höch, und auf der Innenseite des Digipack befindet sich eine Kollage, die deutlich auf die Gemüsemänner Acrimboldos anspielt. Dass ich zudem an barocke Stillleben denken muss, ist sicher auch nicht nur meiner überbordenden Fantasie geschuldet. Für Nurse With Wound-Fans ist dieses schamlose Zusammenklauben von Querbezügen und ihre Neuanordnung in Weiterlesen

Vibrant Demons: Andrew Liles als Zeichner der organischen Groteske

Andrew Liles ist vor allem als Musiker bekannt. Schon in den 90ern ein unermüdlicher Bastler, machte er zunächst eher sporadisch mit minimalistischen Soundexperimenten von sich reden, meist in kleineren Auflagen auf CDr. Durch stetes Experimentieren vergrößerte sich sein Renommee recht bald, und die vor sechs Jahren erschienene „Vortex Vault“-Reihe ist aus der Geschichte soundorientierter Musik längst ebenso wenig wegzudenken wie seine Arbeiten mit Nurse With Wound, Liles’ wohl bekanntestem Nebenschauplatz zusammen mit Current 93. Die Zahl seiner musikalischen Kollaborationen ist groß, mit Daniel Menche, Bass Communion und Jean-Hervé Peron sind nur die bekanntesten genannt.  Weiterlesen

SUNN O))) MEETS NURSE WITH WOUND: The Iron Soul of Nothing

Stephen O’Malley und Greg Anderson, denen man nachsagt, ein recht gegensätzliches Duo zu sein, sind mit ihrem Projekt Sunn O))) nicht vom Himmel gefallen. Sie stehen in diversen Musiktraditionen, und innovativ waren sie vor allem als Missing Link, der Bereiche zusammenführt, die sich mehrfach sehr nah kamen und sich doch niemals völlig berührten. Bewegten sich Drone- und Minimalmusik in der Nachfolge von Young oder Palestine entgegen mancher Behauptungen nie vollends aus dem sogenannten E-Bereich heraus, hat sich (Doom-)Metal der Abstraktion und der völligen Auflösung Weiterlesen

NURSE WITH WOUND & ARANOS: Acts of Senseless Beauty (Re-Release)

Das Gesamtwerk von Nurse With Wound ist ungemein vielgestaltig. In den ersten Schaffensphasen, in der Zeit der späten 70er und frühen 80er, trat Stephen Stapleton (zunächst mit Band-Verstärkung) mit einem opulenten und ereignisreichen Kollagensound an die Öffentlichkeit, kombinierte dabei bedrohlich klingende, zum Teil brutale Dunkelheit mit einem Faible für Triviales. In dieser Zeit bildeten sich mehr oder weniger alle Imagkomponenten des Projektes heraus, angefangen von einer absurden Ironie nach Dada-Art über einen surrealen Sinn fürs Überrationale bis hin zu einem in der allgemeinen Wahrnehmung oft unterschlagenen Hauptthema der Band: Die Erotik in all ihren abgründigen Facetten. Weiterlesen

FREIDA ABTAN: The Hand of the Dancer/The Temple of the Dreamer

Wer hierzulande schon einmal etwas von Freida Abtan gehört hat, der könnte ihr eventuell im Zusammenhang mit Nurse With Wound begegnet sein. Auf dem teilweise poppigen “Huffin’ Rag Blues”-Album hat die Kanadierin an einigen Stellen Gesang beigesteuert. Am markantesten bei “Thrill of Romance…?”, einem Song, der aus einem imaginären Massive Attack-Score zu “Eraserhead” stammen könnte. Hier lieh sie dem Klischee der von Verlangen zerfressenen und ihren Liebhaber sehnsüchtig erwartdenden Frau ihre Schmachtstimme, begleitet von einem entspannten Trip Hop-Beat und unheilschwangeren Sitharklängen. Weiterlesen

ANDREW LILES: Muldjewangk, Morgawr & Other Monsters

Die Kryptozoologie ist eine Art Parawissenschaft, die sich im Schatten des Hochbetriebes unserer Wissensfabriken eine kleine Nische gesichert hat. In ihrem Wesen oft spekulativ, versucht sie höchst interessanten Fragen auf den Grund zu gehen. Wie viele unentdeckte Tierarten mag es wohl auf unserem Planeten geben, und wird man sie jemals alle entdecken? Wie groß war die Fauna vergangener naturgeschichtlicher Epochen, über die man nur Bruchstücke weiß? Und welche Tiere waren eigentlich die Urbilder der vielen Fabelwesen, die die Mythen aller Kulturen bevölkern? Weiterlesen

ANDREW LILES: Mind Mangled Trip Monster

Schaut man sich den Output des in Brighton lebenden Liles an, kann man meinen, er sei ein Besessener: Kaum ein Monat vergeht, in dem er nicht solo oder in Zusammenarbeit mit anderen etwas veröffentlicht, dabei scheint er Serielles zu schätzen (man denke etwa an die archivarische „Vortex Vault“-Reihe). Einige von Liles Veröffentlichungen zeigen zudem, wie sehr er an der (Zusammen-)Arbeit mit Sängern  interessiert ist (u.a. steuerten Ernesto Tomasini, Rose Mc Dowall, Karl Blake oder Danielle Dax Vocals zu Liles’ Veröffentlichungen bei). Am kohärentesten und konsequentesten gelang dies bislang auf der Femme Fatale-Inszenierung „No Birds Do Sing“ mit Diana Rogerson. Weiterlesen

KUNST ALS STRAFE: Movement Across A Barren Surface

Wer mit der Musik der Berliner Gruppe KUNST ALS STRAFE nichts anfangen kann, der kommt sicher in Versuchung, ihren Bandnamen auf den eigenen Hörverdruss zu beziehen. Tatsächlich referiert er auf eine kulturwissenschaftliche Tagung, deren Vorträge auch in einem Sammelband vorliegen. Unter anderem mit dem „genealogischen“ Foucault („Überwachen und Strafen“ etc.) im Gepäck, wird dort den Wechselbeziehungen von Kreativität und Disziplin nachgegangen, und man könnte es sich jetzt zum Sport machen, diesen Relationen im Sound der Band um Gerrit Haasler nachzuspüren. Weiterlesen