PHARMAKON: Contact

Margaret Chardiets Arbeit als Pharmakon hat in den letzten Jahren erhebliche Resonanz erfahren – gerade abseits der üblichen Genrepublikationen. Auch das aktuelle (inzwischen vierte) Album ist da keine Ausnahme: Lead Review in The Quietus, lange Rezension in The Wire, Interview in The Village Voice – um nur drei Beispiele zu nennen. Wie bei Puce Mary stellt(e) sich die Frage, wie viel all das damit zu tun hat, dass die Musik auf einem angesagten Label erscheint und zudem hier kein adipöser Kraftelektroniker an den Knöpfen dreht, sondern eine junge Frau. Weiterlesen

V.A.: Killed By Deathrock – Volume Two

Die Bezeichnung Death Rock beinhaltet(e) oftmals zweierlei: Eine nationale (eine im Gegensatz zum englischen Gothic Rock in den USA beheimatete Musik) und musikalische (eine starke Orientierung am Punk) Verortung. Die auf dieser Compilation verwendete Begrifflichkeit ist allerdings eine andere und meint scheinbar weder das eine noch das andere, denn die Bandauswahl ist was die Nationalität anbelangt sehr inklusiv und auch musikalisch heterogen, so heißt es dann von Labelseite auch: „Looking back among and between these genres we now recognize various blends of Weiterlesen

PHARMAKON: Bestial Burden

Wenn es ein besonderes Alleinstellungsmerkmal bei Pharmakon gibt, dann findet man es am ehesten in den manchmal regelrecht entmenschlichten Schreien, mit denen Margaret Chardiet eher Schmerz als Wut ausdrückt und ihren postindustriellen Lärm mit einem Element anreichert, das man eher von anderen Genres, Black Metal etwa und einige Spielarten des Crustcore, her kennt. Alle anderen Eigenschaften, die gerne hervorgehoben werden – ihr Fokus auf Pathologisches, ihre etwas zu clubtauglichen Beatansätze und die Tatsache, dass sie der klugen Prollfraktion zufolge primär ein Weiterlesen

CULT OF YOUTH: Final Days

Auch in einer Zeit, in der es eigentlich keinen Neofolk mehr gibt, gilt für die Restbestände des Phänomens die gleiche alte Unterscheidung – es gibt die sentimentalen Schöngeister, die zum Schwulst neigen, und die Bösartigen, die mit viel Spaß an der Sache einem gehässigen Pessimismus frönen. Idealismus oder Nihilismus, um es mit einem der besten deutschen Musikkenner zu sagen. Cult of Youth schreiben ihre Texte im Knast und ergänzen ihr Instrumentarium durch Körperteile toter Menschen, womit die Zugehörigkeit geklärt sein sollte. Das passt dann auch gut zu ihrer Musik, die sich in den Zeiten der großen Weiterentwicklung eben nicht in Richtung Weiterlesen

MARISSA NADLER: July

Marissa Nadler zählt zu den Sängerinnen, die vom verblichenen Wirbel um akustische Musik einigermaßen profitieren konnten und dabei – zum Glück, möchte man sagen – nie allzu sehr abgefeiert wurden. Deshalb entging sie auch dem Schicksal, nun ein Sternchen von ehedem zu sein, was angesichts ihrer Originalität und musikalischen Konsequenz auch ganz unverdient wäre. In Besprechungen war immer wieder von einer fast teenagerhaften Morbidität die Rede, ebenso fielen Begriffe wie „kontemplativ“ und „weltabgewandt“ – Klischees, in denen mehr als nur ein Körnchen Wahrheit steckt, weswegen sie auch von Beginn an eher für traditionsbewusste Weiterlesen

JOZEF VAN WISSEM: Nihil Obstat

Jozef van Wissem spielt Laute und wurde erstmals als eine Hälfte der Brethren Of The Free Spirit einem größeren Publikum vorstellig. Seitdem lotet der in New York lebende Musiker die vielfältigen Möglichkeiten einer an Renaissance und Barock geschulten Spielweise aus und erforscht nebenbei das Zusammenspiel mit anderen Klangquellen. Dass er trotz dieses nicht gerade poppigen Konzeptes auch außerhalb der Hörerschaft Alter Musik zu Aufmerksamkeit gelangt, geht nur zum Teil auf seine Zusammenarbeit mit „Regie-Ikone“ Jim Jarmusch zurück, mit dem er seine Leidenschaft für’s Minimale, mitunter Lakonische teilt. Seine Musik Weiterlesen

PHARMAKON: Abandon

Auch wenn Industrial von Anfang an Grenzen überschritten hat – die Transgression vielleicht sogar das bestimmendste Merkmal war – und wenn ein Viertel der Gründungsband weiblich war, so ist Industrial dennoch immer primär ein Phänomen weißer Männer gewesen – sowohl auf Seiten der Produzenten als auch Rezipienten. Das führt natürlich dazu, dass oftmals in besonderem Maße hervorgehoben wird, wenn eine Künstlerin sich an extremer elektronischer Musik versucht, so auch im Falle von Pharmakon, dem Projekt der 22-jährigen in New York ansässigen Margaret Chardiet, die trotz ihres jungen Alters schon seit einigen Jahren aktiv ist: So war sie ein Gründungsmitglied des Weiterlesen

CULT OF YOUTH: Love Will Prevail

Es gibt Bands, deren Werk sich einem erst nach einer Livedarbietung erschließt, und in meinem Fall war das so bei Cult of Youth. Auf Platte hinterließ die Musik der New Yorker mit ihrer martialischen Steifheit und dem Gesang, der Ian Curtis anscheinend mit eigenen Mitteln überbieten soll und in gelegentliche Brüllattacken ausbricht, den paradoxen Eindruck eines rasenden Phlegmatismus. Jüngst habe ich erfahren, dass Cult of Youth einfach Spaß machen, denn auf der Bühne verwandeln sie sich in einen schweißtreibenden Oi-Mutanten und das kajalgeschminkte Publikum in einen pogenden Moshpit. Weiterlesen

MOON DUO: Circles

Was Konzepte angeht, kann Ripley Johnson ebenso gut ernsthaft wie sleazig, und beides bewies er erst letztes Jahr. Mit seiner Hauptband Wooden Shjips veröffentlichte er ein gewohnt krachiges Psych Rock-Album zum Mythos des amerikanischen Westens und zu zahllosen Stereotypen, welche die zweite kontinentale Besiedlungswelle, diesmal von Ost nach West, hervorbrachte. Es war insgesamt nicht gerade ein Loblied auf God’s Own Country, aber auch kein Wasser auf die Mühlen eines allzu platten Antiamerikanismus. Nach „West“ stand die „Horror Tour“-EP seines zweiten Projektes Moon Duo in den Regalen Weiterlesen

ZOLA JESUS: Stridulum

Der Name der jungen Amerikanerin Nika Roza Danilova, die ihre künstlerische Inkarnation ZOLA JESUS nennt, raunte in den letzten zwei Jahren in zuverlässiger Regelmäßigkleit durch internationale Medien. Was hat es auf sich mit dieser merkwürdig retromäßigen Wave-Musik, die gerade einem Szene-Schuppen der frühen 80er entsprungen sein könnte und schon deshalb heute, wo die Eighties-Welle doch vor einiger Zeit erfolgreich abgeklungen ist, der letzte Schrei sein müsste? Vielleicht ist es die Ernsthaftigkeit der Philosophiestudentin aus dem provinziellen Wisconsin, die ihrer vordergründig so altbekannten Musik die verdiente Aufmerksamkeit beschert. Weiterlesen