Cellophane Memories: Album von David Lynch und Chrystabell

Vor kurzem kündigte David Lynch auf X auf seine so typisch kryptische Art an, man solle auf den 5. Juni achten, denn „something is coming along for you to see and hear“. Ein kurz danach veröffentlichtes Foto ließ das Sacred Bones-Logo erkennen und man konnte ahnen, dass es kein neues Film- oder Fernsehprojekt geben würde, sondern wahrscheinlich ein neues Album. Jetzt ist klar, dass am 2. August das Album „Cellophane Memories“ von Lynch und der Sängerin und Schauspielerin Chrystabell erscheint. Letztere hatte bisher auf einer Reihe von Alben melancholischen Dream Pop gespielt und auf dem mit Marc Collin eingespieltem Album “Strange As Angels” zahlreiche Songs von The Cure neu interpretiert. In der fulminanten dritten Staffel von “Twin Peaks“ spielte sie eine FBI-Agentin. Weiterlesen

DREKKA: The Water of Life

Bei einer musikalischen Arbeit, die sich stark auf ein außer ihr selbst liegendes Ereignis oder Werk bezieht, ohne dass dies z.B. in Songtexten oder prägnanten Samples unmissverständlich deutlich wird, gibt es zwangsläufig immer mindestens zwei grundsätzliche Lesarten. Vereinfacht gesprochen könnte man sie zum einen als die Lesart derer bezeichnen, die den betreffenden Subtext bzw Überbau kennen, zum anderen als die Lesart derer, für die die Musik für sich steht. Weiterlesen

Oceans of Time: Gemeinsames Album von Gloria de Oliveira und Dean Hurley

Die in Berlin lebende Sängerin und Schauspielerin Gloria de Oliveira und der v.a. als David Lynch-Kollaborateur bekannte Komponist Dean Hurley bringen Mitte September ihr erstes gemeinsames Album heraus. Seit einiger Zeit waren die beiden über den Atlantik hinweg in Kontakt und entwickelten eine produktive künstlerische Freundschaft, schickten zunächst Ideen, dann Klänge von Berlin nach Los Angeles und zurück. Das Album, das den Titel “Oceans of Time” trägt, verwebt die oft entrückt anmutenden, sinnlichen Vocals der Sängerin mit einem neuen, sehr organischen Sound, der ihnen wie auf den Leib geschrieben erscheint, vom Label werden Begriffe wie Dreampop genannt und keinesfalls unberechtigte Vergleiche zu den klassischen Releases auf 4AD gezogen. Die Geschichte dieses Labels hat auf noch andere Weise ihe Spuren auf dem Album hinterlassen, denn der bislang einige veröffentlichte Song “All Flowers in Time” ist eine feinfühlige Interpretation des nie offiziell veröffentlichten Songs “All Flowers in Time Bend Towards the Sun” von Elisabeth Frazer und Jeff Buckley (mehr dazu und natürlich den Song selbst findet man auf Hurleys Bandcamp-Seite). “Oceans of Time” erscheint auf drei Vinyl-Editionen sowie als CD bei Sacred Bones. Weiterlesen

Hommage an Twin Peaks: Neue EP von Noveller

Nur wenige Wochen nach ihre auf CD veröffentlichten Miniaturen-Sammlung “Aphantasia” bringt Sarah Lipstate a.k.a. Noveller eine 2-Track-EP heraus, die sich mit der Serie Twin Peaks” befasst und Versionen des Hauptthemas und des Songs “Red Room” enthält. Video und Artwork stammen von George Griffith, der selbst als Darsteller in Twin Peaks: The Return (2017) mitwirkte. Die ultralimitierten Vinyl- und Lathe Cut-7″s sind bereits vergriffen, digital ist die EP über Lipstates Bandcamp erhältlich. Weiterlesen

David Lynch und Jack Cruz veröffentlichen neue Single auf Sacred Bones

Zusammen mit dem bislang wenig bekannten Sänger Jack Cruz hat David Lynch für seinen aktuellen Kurzfilm What Did Jack Do den Song “True Love’s Flame” produziert. Sacred Bones bringt diesen und einen weiteren Song auf der 7” “The Flame of Love” heraus. Die Single ist im Frühjahr erhältlich.
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DEAN HURLEY: Anthology Resource Vol. 1: △△ ‎

Als vor einigen Jahren bekannt wurde, dass David Lynch und Mark Frost eine neue Staffel von Twin Peaks drehen würden, waren die Reaktionen durchaus enthusiastisch, andererseits musste einem klar sein, dass der immense cultural impact der ersten beiden Staffeln kaum erreicht werden könnte. Zu groß war der Einfluss, den die Serie auf andere TV-Produktionen hatte – sowohl thematisch als auch was die Art des Erzählens anbelangte. Gleichzeitig ist bei solch einer langen Unterbrechung auch die Gefahr, dass die neue Staffel zu einem reinen Akt der Nostalgie wird, bei dem den Fans ein (vermeintliches) Best of serviert wird. Weiterlesen

JULEE CRUISE / KING DUDE: Sing Each Other’s Songs For You (7”)

Auf den ersten Blick wirken sie wie ein ziemlich ungleiches Duo – sie ein bekanntes Popsternchen mit Kameraerfahrung, das sich in den letzten Jahren etwas rar gemacht hat, er ein aufstrebender Szeneliebling, der vor wenigen Jahren erst in Subkulturen groß geworden ist, die ihr allenfalls dem Namen nach bekannt sind. Und doch haben Julee Cruise und King Dude so einiges gemeinsam. Ihre Songs wirken wie Echos einer fantastischen Welt, die zugleich ein integraler Teil des populären Amerika ist. Weiterlesen

MACELLERIA MOBILE DI MEZZANOTTE: Black Lake Confidence

Die Band mit dem Kürzel MMM nennt ihren Stil Swing Noir und wird erwartungsgemäß gerne mit dem Film Noir in Verbindung gebracht. Zurecht, in gewisser Weise, haftet ihren dunklen, angejazzten Soundscapes doch das Schattenhafte, Abgeklärte an, dass konstitutiv ist für die schwarze Serie und ihre lonerhaften Antihelden. Und doch beinhaltet die Musik etwas, das mit den bewegten Bildern der 40er und 50er Jahre nur bedingt vereinbar ist, ein entgrenzter, splatterhaft-animalischer Ton, der schon im Clive Barker entlehnten Bandnamen anklingt und die vornehme Abgewetztheit dieser Filme immer nur als Weiterlesen

DALE COOPER QUARTET & THE DICTAPHONES: Métamanoir

Nach der immensen Aufmerksamkeit, die dem dunklen Sound des Kilimanjaro Darkjazz Ensembles und seinem Pendant im Zeichen des Mount Fuji zuteil wurde, hätte man fast vergessen können, dass es noch ein weiteres, wenn auch kleineres Gebirgsmassiv gibt, das zumindest indirekt als Namensgeber eines bizarren Zeitlupengroove fungiert: Gemeint sind die fiktiven Twin Peaks aus der gleichnamigen Serie von David Lynch. Vor ihrer Kulisse versuchte ein FBI-Agent namens Dale Cooper einen myteriösen Mord aufzuklären. Weiterlesen

DAVID LYNCH: Crazy Clown Time

Wenn es einem Künstler gelungen ist, dass sein Name adjektivisch gebraucht wird, so bedeutet das mindestens zweierlei: eine Kanonisierung einerseits und andererseits, dass sein Werk gewisse inhaltlich-ästhetisch-gestalterische Konstanten aufweist, wiederkehrende Motiv(komplex)e. Beispiele wären etwa Kafka (der Mensch ist nicht zu durchschauenden Mächten ausgesetzt), Lovecraft (der Mensch ist einem nicht zu beherrschenden kosmischen Grauen ausgesetzt), Cronenberg (der Mensch in seiner Fleischlichkeit), Thomas Bernhard (Invektive in rhythmisch-musikalischer Sprache). Auch Lynch hat schon lange seinen Platz Weiterlesen

“For some reason I just really love that dark side of things” – Interview mit Laura Sheeran

Die meisten werden die junge Irin Laura Sheeran erstmals als zweite Stimme auf Fovea Hex’ „Neither Speak Nor Remain Silent…“-Trilogie wahrgenommen haben. Kürzlich veröffentlichte sie ihr Debüt „Lust of Pig & The Fresh Blood“: ein im besten Wortsinne schwer kategorisierbares Werk – im folgenden Interview gibt sie zu, selbst noch keine Genrebezeichnung für ihre Arbeit gefunden zu haben -, auf dem sich Elemente aus Folk, Klassik und experimenteller Musik um ihre Stimme paaren, die immer im Zentrum der Songs steht. Weiterlesen

OSSIAN BROWN: Haunted Air

In unseren Breitengraden mag man der Zunahme von Aktivitäten anlässlich Halloweens zu Recht kritisch gegenüberstehen, hat das (Über-)Angebot von Masken, Kostümen, Dekoration etc. doch primär mit dem Wunsch der Industrie zu tun, einen weiteren Markt für ihre Produkte zu finden, wirken die „Süßes oder Saures“-Rufe vieler Kinder seltsam leer und farblos, auf der anderen Seite die teils aggressiven Abwehrgesten älterer Mitbürger hilflos. Weiterlesen