ERASURE / ECHO COLLECTIVE: World Beyond

Im letzten Frühjahr brachten Erasure mit “World be Gone” ihr mittlerweile siebzehntes Studioalbum heraus, und nach über dreißig Jahren und ohne längere Pausen oder abrupte Stilwechsel ist aus ihrem eingängigen Synthiepop, mit dem Andy Bell und Vince Clarke Mitte der 80er auch ein bisschen die erste Inkarnation von Depeche Mode beerbten, ein feinsinniger Producer-Pop mit leicht angesoulten Untertönen geworden. Bells immer noch androgyne Stimme ist um eine kleine Note herber geworden, die Texte mit der einen oder anderen Weiterlesen

LIZ GREEN: Haul Away!

Liz Green gehört zu denjenigen Folksängerinnen, die vor ihrer “Entdeckung” ein reges subkulturelles Vorleben weit unterhalb der Wahrnehmungsgrenze derjenigen führten, die sich zum Bescheidwissen über musikalische Zeitgeschichte berufen fühlen. Als die Experten für die Spitzen von Eisbergen gerade mit dem Ende des Weird Folk beschäftigt waren, spielte Liz Green zahlreiche Konzerte in Wohnzimmern und kleinen Bars, wo zur Bezahlung der Hut herumging, kleine DIY-Releases entstanden ohne PR und Management. In diesen Jahren entstand ein üppiger Erfahrungs- und Songfundus, aus dem die Künstlerin nun in ihrer Weiterlesen

BOHREN & DER CLUB OF GORE: Piano Nights

Das Zeitalter der Retromanie, das testcard schon in den 90ern ausrief, brachte neben anderen Stilblüten auch das Phänomen der radikalen Drosselung hervor, bei der der Zugriff auf historische Musikstile in Zeitlupe erfolgt, was beim fertigen Resultat dann meist sehr cool und trocken klingt. Nicht wenige Hardcore-Kapellen mutierten im Zuge dessen zu Doom-Acts, und dass man nahezu jede Musikart durch Langsamkeit dekonstruieren kann, bewiesen mehr noch als die Herunterpitcher der Witch House-Fraktion die italienischen Surfrocker Heroin In Tahiti, die wie Link Wray auf Benzos klingen. Es gibt in dem Kontext keinen wichtigeren Namen als Bohren & der Club of Gore, die gerne als Weiterlesen

THESE NEW PURITANS: Fields of Reeds

Puritanisch waren These New Puritans nie, ganz gleich, ob man darunter Stilpurismus oder unterkühlte Reduktion versteht. In der Folge ihrer zweiten Platte „Hidden“ galten die vier Engländer eine zeitlang als die Shootingstars des – ja, des was eigentlich? Dass gerade die gute alte Punk’n'Wave-Zeit wieder hochleben durfte kam ihnen gerade recht, auch wenn sie von den gängigen Stereotypen weit entfernt waren. Neoklassiche Elemente sind im Pop immer mal angesagt, nur die Art und Weise ändert sich stetig, und auch in der Hinsicht war das Quartett um die Barnett-Brüder keines Geistes Kind und passte umso besser auf die nicht festgelegte Agenda kurz vor Weiterlesen

DEAD CAN DANCE: Anastasis

Die Nachricht von der Wiederbelebung Dead Can Dance’ erreichte viele Fans sicher zu einem Zeitpunkt, als man sich längst damit abgefunden hatte, einer mittlerweile klassisch gewordenen Formation aus einer anderen Zeit die Treue zu halten – einer Band, die sich bestenfalls alle Schaltjahre für retrospektive Konzerttourneen reformiert. Tatsächlich planten Lisa Gerard und Brendan Perry schon vor ein paar Jahren eine Reunion, die nach einer ausgiebigen Tour dann doch nicht stattfand, da die Musiker sich konzeptuell wohl nicht einig wurden. Nach zahlreichen Weiterlesen

It’s Nice To Make Things. Ein Gespräch mit Liz Green

Wäre Liz Green ein halbes Jahrzehnt früher auf der medialen Bildfläche erschienen, dann wäre ihr Name sicher noch mehr durch aller Munde gegangen als es nun nach der Veröffentlichung ihres ersten Albums “O, Devotion!” der Fall ist. Damals nämlich hatten akustische Klänge folkloristischer Grundierung gerade Hochkonjunktur – vorzugsweise wenn sie über eine gewisse Schrägheit und ihre Erzeuger über einen deutlich erkennbaren Außenseitergestus verfügten. Von diesen Modephänomenen hätte sie nicht nur profitiert, sie hätte die ganze Bewegung auch bereichert. Zum einen, weil sie Engländerin ist, was in dem doch sehr amerikanisch geprägten Folk 2.0 selten war. Zum anderen aber auch, Weiterlesen

LIZ GREEN: O, Devotion!

Im Zuge der vielen (mal mehr, mal weniger gelungenen) Wiederbelebungsversuche des Folk erschien eine beachtliche Reihe an Stilmischungen auf der Bildfläche, und die Überblendung englischer und angloamerikanischer Traditionen wurde um einige interessante Facetten bereichert. Je nach Ausrichtung lassen sich solche Hybride auch kaum vermeiden, wenn man bedenkt, wie eng beide Linien miteinander verknüpft sind. Dennoch bringt die junge Engländerin Liz Green, die in der britischen Musikpresse derzeit unzählige Lobeshymnen erfährt, eine markante neue Nuance ins Spiel, denn die Bandbreite ihrer Songs geht weit über den Einbezug von Blues und Apallachian Folk hinaus. Weiterlesen

SOAP&SKIN: Narrow

Soap&Skin polarisiert. Die einen stecken ihre Songs gar zu schnell in die Ecke für sensible und leicht überdrehte Mädchenmusik – eine Drama Queen, die sich psychisch entblößt und der neurotischen Jugend von heute ihr Identitätsfutter gibt. Andere setzen auf hohen Stil und fahren schwere Geschütze klassischer Bildung auf, holen die Gedichte Trakls aus der Kiste und bemühen das romantische Kunstlied, um sich einen Reim auf die Anziehungskraft zu machen, die ihr Debüt „Lovetune for Vacuum“ vor ein paar Jahren ausstrahlte. Natürlich nicht ganz zu unrecht. Anja Plaschg, die Person hinter dem Namen, sieht sich als Popmusikerin, und ihr Unbeeindrucktsein gegenüber all den klugen Fachsimpeleien Weiterlesen