V.A.: Stumm 433

In Paul Austers Opus Magnum 4321 bekommt der Protagonist (respektive eine Inkarnation von ihm) John Cages Buch Silence mit den Worten geschenkt: „You have to read this […], or else you’ll never learn how to think about anything except what other people want you to think.“ Er blättert durch das Werk und stößt auf das Zitat: „The world is teeming: anything can happen.“ Für Mutechef Daniel Miller ist Cage ebenfalls eine enorm wichtige Bezugsgröße und er betont, von welch zentraler Bedeutung Weiterlesen

THE MINISTRY OF WOLVES: Happily Ever After

Für viele ist das Wort „märchenhaft“ ein Attribut des Schönen, obwohl Märchen seit jeher umstritten sind. Der Hang vieler Märchenstoffe zu Gewalt und Grausamkeit war schon immer ein Stein des Anstoßes, ebenso die allegorischen Weltdeutungen, die bewusst den Weg des Vorrationalen gehen und die Fantasie der instrumentellen Vernunft vorziehen. Wenn selbst ein so ausgewiesener Experte wie Richard Dawkins – Spezialist für Religion, Biologie und Sozialethik und angeblich der drittwichtigste Intellektuelle unserer Zeit – ihren pädagogisch fragwürdigen Einfluss moniert, scheinen die Barometer heute eher eine märchenfeidliche Stimmung anzuzeigen. Dem steht entgegen, dass Weiterlesen

MICK HARVEY: Intoxicated Man / Pink Elephants

Wenn englischsprachige Popmusik die am meisten exportierte ist, dann ist ihr französischsprachiges Pendant vielleicht die am meisten übersetzte. Der immer etwas ambivalente Versuch v.a. anglophoner Sänger, französischen Songs die Ehre zu erbieten und sie sich zugleich sprachlich anzueignen, brachte Resultate zustande, die auch als Cover längst zu Klassikern geworden sind, wobei interessant ist, dass immer ein Interesse an etwas älteren Aufnahmen bestand. Jeder kennt die Jacques Brel-Interpretationen von Scott Walker und Marc Almond, und Mick Harveys Versionen von Serge Gainsbourg-Songs stehen ihnen in nichts nach. Die Wiederveröffentlichung seiner beiden Weiterlesen

THE MINISTRY OF WOLVES: Music From Republik der Wölfe

Am 15.02. dieses Jahres wurde im Schauspiel Dortmund erstmals das Stück „Republik der Wölfe“ aufgeführt, eine opulente Adaption bekannter Kinder- und Hausmärchen der Gebrüder Grimm, oder genauer eine Adaption zweiten Grades, denn die Ideen und Texte basieren v.a. auf der lyrischen Neubearbeitung der Autorin Anne Sexton. Regisseurin Claudia Bauer arbeitet bei der Produktion eng mit dem musikalischen Leiter des Theaters, Paul Wallfisch, zusammen, und in den bisherigen Besprechungen ist neben Sexcrime und Splatter immer auch von der Musik die Rede. Wallfisch, selbst ein Weiterlesen

MICK HARVEY: Four (Acts Of Love)

Mick Harvey gehört nicht zu denen, die sich übermäßig viel Zeit lassen für ihre Alben, und wenn man bedenkt, was in der jüngeren Vergangenheit alles auf dem Plan stand – u.a. Touren mit den Neubauten, die Produktion des letzten PJ Harvey-Albums, die Arbeit an einer umfangreichen Serge Gainsbourg-Hommage – dann wundert man sich fast, dass zwischen „Sketches From the Book of the Dead“ und dem jüngst erschienenen „Four (Acts of Love)“ nur knapp zwei Jahre vergangen sind. Aber das passt umso besser, denn in dieser doch sehr australisch geprägten Saison darf neben Simon Bonney, Nick Cave und Hugo Race natürlich auch ein Lebenszeichen des ehemaligen Crime- und Bad Seeds-Mitstreiters Harvey nicht fehlen. Weiterlesen