TIME MACHINES: Time Machines

Ich habe schon an anderer Stelle darauf hingewiesen, dass es kaum möglich ist, über Coilveröffentlichungen der letzten Jahre zu schreiben, ohne die Fragwürdigkeit und/oder die Legitimität der meisten Tonträger anzusprechen, die nach Peter Christophersons Tod erschienen sind. Ein Beispiel ist die Veröffentlichung des “Backwards”-Albums, bei dem Cold Spring und Danny Hyde den Eindruck vermittelten, der einzige Grund, warum das Album nicht von Coil veröffentlicht worden sei, seien rechtliche Auseinandersetzungen mit den „grey men“ der Industrie gewesen seien und nicht etwa, dass das Album für Balance und Christopherson (u.a. auch) zu konventionell geraten war: Weiterlesen

DREW MCDOWALL: Unnatural Channel

Erst 2015 hat der ehemalige Coil-Mitstreiter Drew McDowall sein Solodebüt vorgelegt. „Collapse“ war ein Album , über das ich damals schrieb: „ Das ist dystopische Musik jenseits billiger Schockeffekte“. Über sein einige Zeit später veröffentlichtes Tape “Haecceity Deluge” hieß es auf diesen Seiten: „Bisweilen tastet sich der Fluss der Klänge fast schon erratisch voran, scheint auf der Stelle zu treten, doch bei McDowall hat das nichts mit Ereignislosigkeit zu tun, sondern mit Spannung“. Inzwischen ist McDowall nicht mehr aus der Geräuschmusik wegzudenken, arbeitet regelmäßig mit anderen Künstlern zusammen und hat nun mit „Unnatural Channel“ sein zweites Album veröffentlicht. Weiterlesen

SCOUT PARÉ-PHILLIPS: Heed The Call

Wer heute behauptet, Singer Songwriter-Musik sei brav, bieder und out, hat Scout Paré-Phillips noch nicht gehört. Die junge New Yorkerin sieht aus wie der feuchte Traum aller Gucci-Gothics und tanzt auf allen Hochzeiten. Bei den Sterling Sisters, der Band von Slim Cessnas Sohn, ließ sie ihren Bass brummen, auf einem Jack White-Abum ist ihre Stimme zu hören, nebenbei modelt sie für den kanadischen Designer Ovate. Ihre eigenen Songs wurden im hauseigenen Studio von Cult of Youth aufgenommen und über die dubiosen Dais Records veröffentlicht, und in der übrigens Zeit tourt die Dame ordentlich und spielt natürlich – wie könnte es auch anders sein – im Doppelpack mit King Dude. Aber auch mit Weiterlesen

LEILA ABDUL-RAUF & TOR LUNDVALL: Ibis/Quiet Seaside 7”

Leila Abdul-Rauf und Tor Lundvall blicken bereits auf langjährige Laufbahnen zurück, wenngleich Lundvalls Name öfter fällt, ist der im Nordosten der USA lebende Maler und Musiker doch hauptsächlich unter seinem bürgerlichen Namen und solo aktiv. Die in Kalifornien lebende Gitarristin Abdul-Rauf agierte bisher v.a. im Kontext verschiedener Bands, die wie Amber Asylum, Hammers of Misfortune oder Bastard Noise eine Bandbreite von organischem Ambient über Metal bis Noise und Powerviolence abdecken. Vor zirka drei Jahren trafen die beiden sich erstmals und fassten den Plan, ihren Vorlieben für heimelig-unheimliche Ambientwelten Weiterlesen

TOR LUNDVALL: Structures and Solitude

Wie wenige andere Künstler verfolgt der in Neuengland ansässige Lundvall seine Vision(en) auf eine Weise, die mit konsequent nur unzureichend beschrieben ist, denn sowohl visuell als auch musikalisch ist seine Handschrift sofort zu erkennen, erschafft er Bilder und Alben, denen in ihren somnambulen Charakter immer eine gewisse Ambivalenz innewohnt, sind sie doch numinos, scheinen sie dem Hörer bzw. Betrachter oftmals gleichzeitig sowohl ein Gefühl der Geborgenheit als auch des Unheimlichen zu vermitteln. Wenn man soweit geht zu sagen, dass seine bevorzugte Jahreszeit der (ewige) Herbst ist, so könnte man vielleicht von dem Zwielicht als von seiner bevorzugten Tageszeit sprechen, ein Zwielicht, in dem (manchmal) Figuren (ver)einsam(t) in der Landschaft stehen, treten sie in Gruppen auf, tragen sie meistens Masken, sind zwielichtige Geschöpfe. Weiterlesen

KING DUDE: Burning Daylight

„We are King Dude“ wird man von TJ Cowgill neuerdings auf Konzerten begrüßt, was darauf schließen lässt, dass er und seine beiden Kumpanen mittlerweile so etwas wie eine feste Band bilden. Zeit also, vom Singular auf den Plural umzusatteln? Warum nicht. King Dude ist also ein Trio aus dem Nordwesten der USA, das dunkle, balladeske Räuberpistolen über die Liebe, den Teufel und den Whiskey zum besten gibt, untermalt von monoton beschwörenden Gitarren, in steter Bewegung gehalten von einer einfachen, evokativen Drumsection, die sich hier und da Weiterlesen