V.A.: Stumm 433

In Paul Austers Opus Magnum 4321 bekommt der Protagonist (respektive eine Inkarnation von ihm) John Cages Buch Silence mit den Worten geschenkt: „You have to read this […], or else you’ll never learn how to think about anything except what other people want you to think.“ Er blättert durch das Werk und stößt auf das Zitat: „The world is teeming: anything can happen.“ Für Mutechef Daniel Miller ist Cage ebenfalls eine enorm wichtige Bezugsgröße und er betont, von welch zentraler Bedeutung Weiterlesen

RENALDO AND THE LOAF: The Elbow is Taboo / Elbonus

Obwohl Renaldo & The Loaf, ganz im Unterschied zu ihren frühen Unterstützern, den Residents, nie ein Geheimnis um ihre Personen gemacht hatten, umgab und umgibt sie bis heute eine Aura des Mysteriösen – so, als wäre ihr schalkhafter Humor, ihre Absage an alle gängigen Stilmuster, ihre Lust am Zweckentfremden aller erdenklicher Instrumente und die daraus entstehenden svankmajerhaften Parallelwelten eine Maske, die die dahinter verborgenen Musiker Brian Poole und David Janssen Weiterlesen

VIVIEN LE FAY: Ecolalia

Vivien Le Fay ist im Artusstoff ein weiblicher Wassergeist, der viele Namen hat und besonders durch die Darstellung im Gemälde Edward Burne-Jones’ die Aura einer verführerischen Femme Fatale bekam. Das Mysteriöse und Ungreifbare dieser Gestalt könnte mit ein Grund sein, warum eine Musikerin aus Neapel diesen Namen für ihr rituelles Elektronik-Projekt gewählt hat. Le Fay hat wohl Soziologie und einige ästhetische Disziplinen studiert, u.a. in Kursen bei Jodorowski. Neben ihrem offiziellen Werdegang Weiterlesen

YUKO ARAKI: II

Mir ist Yuko Araki zuallererst über ihr Soloalbum begegnet, aus dem sie im lezten Jahr den einzig lupenreinen Noisetrack zur Asia-Compilation „Uchronia“ beisteuerte und dieser einen tosenden Abschluss bescherte. Dabei ist die in Tokyo lebende Multiinstrumentalistin schon seit ein paar Jahren in verschiedenen Gruppen aktiv und keineswegs nur auf Lärm spezialisiert. Als Sängerin und Producerin spielt sie in YobKiss eine zeitgemäße Form des Acid House. In Concierto de la Familia spielt sie eine raue Form neoklassischer Klänge mit einem Hauch von Black Metal und dunkler Filmmusik. In der All-Female-Combo Kuunatik Weiterlesen

GARETH DAVIS / DUANE PITRE: Nótt

In der nordischen Mythenwelt verkörpert die dunkle Riesin Nótt die aus ihrem Namen auch etymologisch hervorgegangene Nacht. Auf einem Pferd reitend zieht sie die Dunkelheit wie eine schwarze Decke über das Firmament und ist dabei doch eher eine schöpferische als eine endzeitliche Figur. Sie gilt als Mutter der Erde und des Tages, der von ihrem Sohn Dagr allegorisch verkörpert wird. Kein Wunder, dass sie in der göttlichen Familiensage der Eddas, ganz ähnlich ihrer Weiterlesen

CHROMATICS: Closer to Grey

Wenn es jemand versteht, die Erwartungshaltung von Fans zu triggern und zugleich ihre Geduld auf die Probe zu stellen, dann ist es das aus Portland stammende Quartett Chromatics. Ganze sieben Jahre ist es jetzt her, dass das “Late Night Drive Rock”-Gespann (Stereogum) um den kauzigen Multiinstrumentalisten Johnny Jewel und die charismatiche Sängerin Ruth Redelest mit “Kill for Love” ein dunkles, von Momenten aggressiver Verzweiflung durchdrungenes Werk herausbrachten. Kurz darauf schon Weiterlesen

MAZEN KERBAJ: Solo Trumpet Vol. 2.2

Mazen Kerbajs Trompetenspiel braucht nicht unbedingt Begleitung, um einen vollen, vielschichtigen und wechselhaften Sound zu erzeugen, doch da Kerbaj ein leidenschaftlicher Kollaborateur ist, dauerte es vierzehn Jahre, bis er wieder allein mit einem Instrument ins Studio ging und eine gute anderthalbe Stunde Musik aufnahm. Einen Teil davon ließ er unbearbeitet, und die verschiedenen Spieltechniken ließen dennoch ein großes Abenteuer daraus werden, dem es an nichts fehlt. Weiterlesen

LAURA CANNELL / POLLY WRIGHT: As The Crow Flies

Auf zahlreichen Veröffentlichungen hat die britische Komponistin  Laura Cannell in den letzten Jahren eine teils dunkle, an Drones angelehnte Musik gespielt, in deren klanglicher Fokus oft ihre Geige oder Flöte stand – jüngst noch bei ihrem Versuch Sphärenmusik zu spielen. Oft war sie von früher Musik beeinflusst. So zog sie  Inspiration aus mittelalterlichen Fragmenten, u.a. von Richard Löwenherz und Hildegard von Bingen – und letztere kommt bei „As The Crwo Flies“ auch kurz in den Sinn.

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3MUSKETIERE: Abflug

Den weitläufigen Kosmos um The Ex und seine bald vierzigjährige Geschichte überblicken wohl nur ganz wenige. Diese tief im Amsterdamer Squattermillieu verwurzelte Szene, die Ende der 70er im Zeichen des Anarchopunk auf der Bildfläche erschien, war anders als vergleichbare Zeitgenossen nicht nur Statement und Ereignis, sondern ließ ganz eigene subkulturelle Traditionen entstehen, die nie zur Selbstkarikatur wurden und weit mehr umfassten als Weiterlesen

SOPHIE DELAFONTAINE: Accord Ouvert

Sophie Delafontaine hat schon eine Reihe an Soundarbeiten für Tanz und Theater abgeliefert, bei denen sie mit intensiver Musik den Fokus auf andere Akteure gelenkt hat. Vielleicht hat dies ja, zusammen mit ihrem Studium der Akusmatischen Komposition, mit dazu beigetragen, dass “Accord Ouvert”, das erste Studioalbum der heute in Belgien lebenden Schweitzerin einen starken Reiz des Undurchsichtigen ausströhmt und einen besonderen Fokus auf hintergründige Spannungsmomente richtet. Weiterlesen

UNDERSPRECHE: Poet-Ease

Das Duo mit dem seltsam bilingualen Namen Underspreche existiert seit über zehn Jahren und ist einer der renommiertesten Electronica-Acts des süditalienischen Salento. Ihre tanzbare, rhythmische Musik hat bei genauem Hinhören einen tribalen Touch und verbindet House und andere “westliche” Stile mit strukturellen Mustern aus Nah- und Fernost, und einige akustische Samples fanden sich auf ihrem Debütalbum “Invito Alla Danza”. Dass Marika, die weibliche Hälte des Projektes, ihre Wurzeln in Weiterlesen