Der amerikanische Folktroubadour B’ee, dessen größte Konstante wohl sein unstetes Wanderleben ist, hat sich in der Vergangenheit nie endgültig zwischen seinen beiden Inkarnationen Birch Book und In Gowan Ring entschieden, beide „Gruppen“ scheinen wohl auf Langzeit nebeneinander zu bestehen. Zu den Gemeinsamkeiten und Unterschieden der beiden Projekte ist viel gesagt worden, auch in unserem Interview mit dem Musiker wurde über die eher amerikanische und zugleich sehr erdverhaftete Grundierung Birch Books und die vergleichsweise europäische, abstrakte und zugleich weltentrückte Ausstrahlung des älteren Projektes In Gowan Ring gesprochen, ebenso über eine Entwicklung, die beides miteinander zu verbinden schien. Weiterlesen
Archiv des Autors: Michael
Tara handles the earth elements, I handle the fire elements. Ein Interview mit Clay Rendering
Mike Connelly ist aus der amerikanischen Noiseszene nicht wegzudenken und zahlreich und zahllos sind seine Bands und Projekte: Mit Hair Police oder bis kürzlich noch mit Wolf Eyes erzeugt er Grenzen und Ohren sprengende atonale Musik und auf seinem Label Gods of Tundra veröffentlicht er alle nur denkbaren Formate und Musiken. Er kann aber auch weniger brachial und mit seiner Frau Tara, die u.a. als The Pool at Metz aktiv ist, hat er als The Haunting zurückhaltendere, atmosphärisch dichte Alben herausgebracht. Das jüngste Projekt der beiden, Clay Rendering, orientiert sich Weiterlesen
WILLIAM BASINSKI: Nocturnes
Fast immer sind William Basinskis Arbeiten (auch) Meditationen über das Wesen der Zeit und der Vergänglichkeit, die dem Hörer aber – zumindest für die Dauer der jeweiligen Komposition – das Gefühl geben aufgehoben, der Tyrannei der Zeit entzogen und entrissen zu sein – trotz oder gerade wegen des melancholischen Charakters der Musik. Etwas, das dem inzwischen in Los Angeles ansässigen Basinski mit „Nocturnes“ erneut gelingt. Weiterlesen
Zeitlos frei: Ai im FFT Düsseldorf am 24.05.2013
Ai fliegen unter dem Radar, noch. Die wichtigste Frage für eine Band ihres Formats, letztendlich: Kann eine Band wie Ai, deren Einflüsse des Soundentwurfs doch recht offen daliegen, mit ihrer Musik trotzdem überzeugen, auf Platte wie bei einem Konzert? Ist da mehr als nur eine Retroschleife, die gerade heute ausgiebig überstrapaziert wird? Erstere Aufgabe ist vorerst aufgeschoben; noch liegt außer einem Compilationbeitrag bei dem kleinen Düsseldorfer Label Slowboy nichts Amtliches vor. Das ist bedauerlich, denn ihr Konzert gelingt – von kleinen Abstrichen abgesehen – mit Bravour. Weiterlesen
HAUS ARAFNA: All I Can Give 7″
Haus Arafna haben durch Namensgebung und Themenwahl immer wieder auf die unschönen Seiten der menschlichen Natur hingewiesen, ganz so, als wollten sie zeigen, dass Blut das „sprachgewandte Säugetier“ wie ein Ariadnefaden durch den Irrgarten der Geschichte führt. Musikalisch wurde das anfangs („Sex U Mas“-EP, „Blut“) durch brachial-rabiate analoge Klänge illustriert, die aber im Laufe der Jahre immer mehr durch reduziertere, melodischere Momente ergänzt und teilweise ersetzt wurden, die von der Band selbst – in Anlehnung an SPKs „Walking On Dead Steps“ – als Angst Pop bezeichnet wurden; Weiterlesen
HERMANN KOPP: Zyanidanger
Als im Jahr 2008 das Album „Under a Demon’s Mask“ von Hermann Kopp auf Galakthorrö veröffentlicht wurde, verwiesen die Referenzpunkte (u.a. Huysmans und Bataille) auf sein Interesse an der Transgression und auch schon seine Arbeiten an drei (von vier) Langfilmen Jörg Buttgereits machten deutlich, dass Kopp sich gerne dem Abseitigen, Morbiden, Heterogenen (Bataille) widmete. Das zweisprachige Portmanteauwort, das dem neuen Album seinen Titel gibt, macht das erneut deutlich. Inspiriert wurde „Zyanidanger“ von dem im 19. Jahrhundert veröffentlichten Werk Die Geschichte der Chemie des deutschen Chemikers, mit dem der Künstler seinen Namen teilt und das in Braunschweig veröffentlicht wurde. Koinzidenzen überall. Weiterlesen
ANEMONE TUBE AND DISSECTING TABLE: This Dismal World
Ebenso wie die letzten hier besprochenen Veröffentlichungen von Anemone Tube ist auch diese Split-LP mit Dissecting Table stark konzeptionell ausgerichtet: So geht es auf dem Album um die vier edlen Wahrheiten, die das Fundament des Buddhismus darstellen. Diese lauten, dass das Leben leidvoll ist (vgl. den Titel des Albums), dass die Ursachen für dieses Leid(en) u.a. Hass und Gier sind, die Auflösung dieser Ursachen das Leiden zum Erlöschen bringen kann, und dass man dies durch den edlen achtfachen Pfad schaffen kann. Weiterlesen
PHARMAKON: Abandon
Auch wenn Industrial von Anfang an Grenzen überschritten hat – die Transgression vielleicht sogar das bestimmendste Merkmal war – und wenn ein Viertel der Gründungsband weiblich war, so ist Industrial dennoch immer primär ein Phänomen weißer Männer gewesen – sowohl auf Seiten der Produzenten als auch Rezipienten. Das führt natürlich dazu, dass oftmals in besonderem Maße hervorgehoben wird, wenn eine Künstlerin sich an extremer elektronischer Musik versucht, so auch im Falle von Pharmakon, dem Projekt der 22-jährigen in New York ansässigen Margaret Chardiet, die trotz ihres jungen Alters schon seit einigen Jahren aktiv ist: So war sie ein Gründungsmitglied des Weiterlesen
CHARLEMAGNE PALESTINE + Z’EV: Rubhitbangklanghear Rubhitbangklangear
Unter den Minimalisten ist Charlemagne Palestine sicher derjenige, der im etablierten und institutionalisierten Musikbetrieb weniger als seine Kollegen wahrgenommen wird. Die Auftritte und Aufnahmen Palestines hatten bzw. haben – nicht nur wegen dem Moment des Repetetiven (der sich auch im Titel widerspiegelt) – (auch) immer einen gewissen rituellen Charakter, etwa wenn z. B. die Stofftiere aus der extensiven Sammlung Palestines auf der Bühne drappiert wurden (vgl. die Rückseite der CD) und er sich den obligatorischen Cognac (der hier das Cover ziert) einschüttete. Und auch Z’EV hat sich sowohl musikalisch Weiterlesen
WOLF EYES: No Answer – Lower Floors
Seit Wolf Eyes Ende der 90er – damals noch als Soloprojekt von Nate Young – debüttierten, war der Rezipient oft fassungslos ob der Flut der Veröffentlichungen – natürlich nicht nur, aber auch auf den Labels, die von jedem einzelnen Mitglied betrieben wurden (auf John Olsons American Tapes, auf Hanson Records des 2005 ausgestiegenen Aaron Dilloway, auf Gods of Tundra, das von Mike Connelly betrieben wird, der die Band vergangenes Jahr verließ und auf Youngs AA Records). Weiterlesen
ILLUSION OF SAFETY: Sweet Dreams
Das seit 1983 aktive Projekt um Dan Burke hat trotz durchaus atonaler Momente meistens zurückhaltender agiert als viele andere (Post-)Industrialvertreter. Obwohl auch Illusion Of Safety die Abgründe des Un-Tiers Mensch Inspiration waren, so wirkte die Konfrontation mit den Scheußlichkeiten, zu denen der Homo sapiens fähig ist, niemals wie bloßer Selbstzweck, verkam sie nie zur (letztlich) affirmativen Machogeste. Dies spiegelte sich auch in der musikalischen Gestaltung wider, denn Illusion Of Safety waren nie auf einen Ansatz festgelegt. Exemplarisch wird das einerseits verdeutlicht durch das relativ rabiate Weiterlesen
V.A.: Drone-Mind // Mind-Drone Volume 2: Yann Novak / Strom Noir / Emma Ya / Karl Bösmann
Schon an anderer Stelle haben wir die neue Reihe von Dronerecords vorgestellt, auf der sich jeweils vier Künstler ein Album teilen, um ihre Vorstellung(en) der „Drones of Minds“ zu zeigen. Teil zwei wird von dem Kalifornier Yann Novak, der auch als Video- und Installationskünstler tätig ist, eröffnet. Auf „Silent. Loop.001“ wird als Basis der Klang verwendet, der entsteht, wenn die Nadel des Plattenspielers in die Auslaufrille läuft. Hier spiegelt also das gewählte Ausgangsklangmaterial das Medium des Tonträgers wider. Weiterlesen
DEPECHE MODE: Delta Machine
Alle vier Jahre veröffentlichen Depeche Mode ein Album, fragen Journalisten die meist gleichen uninspirierten Fragen (meistens zum Beziehungsgefüge innerhalb der Band) und geht die Band auf eine extensive Tour, auf der deutlich wird, dass im Fansein auch immer Fanatismus steckt. Die Kehrseite der „Devotion“ der Fans ist die extreme Intoleranz – und wer erlebt hat, wie vor etlichen Jahren mit der Supportgruppe Miranda Sex Garden umgegangen wurde, weiß wovon ich spreche. Weiterlesen
Personal loss is an important literary theme and one that I return to quite often: Interview mit Joel Lane
Unter den Autoren, die in der jüngeren Vergangenheit originelle Beiträge zur unheimlichen Literatur beigesteuert haben, sticht der in Birmingham lebende Brite Joel Lane aus verschiedenen Gründen hervor. Sein Output ist weder auf ein Genre noch auf eine Gattung festgelegt: So lassen sich seine bisher veröffentlichten zwei Romane From Blue to Black und The Blue Mask tendenziell eher dem Mainstream zuordnen, seine vier Sammlungen mit Kurzgeschichten (The Earth Wire wurde 1994 mit dem British Fantasy Award ausgezeichnet) gehören dagegen zur unheimlichen Literatur; außerdem hat er noch mehrere Lyrikbände veröffentlicht. Weiterlesen
V.A.: Hail Be You Sovereigns, Lief And Dear: Dark Britannica III
Je nach Zählung („John Barleycorn: Rebirth“ war ursprünglich lediglich als Downloadergänzung zur ersten Veröffentlichung „John Barleycorn: Reborn“ gedacht und wurde erst einige Jahre später eigenständig auf CD veröffentlicht) ist das der dritte respektive vierte Teil der umfangreichen Folkanthologie, die unter dem Banner des Zyklischen, des Säens und Erntens, des Werdens und Vergehens, das sich im Traditional „John Barleycorn“ widerspiegelt, von Cold Spring veröffentlicht wird. Weiterlesen
AKUBI OBJECT: Akubi Object
War Malaise Music anfangs noch das Label, das sich der Mammutaufgabe gestellt hatte, Rozz Williams’ experimentelle Arbeiten mit seinem Projekt Premature Ejaculation zu veröffentlichen, so wird mit Akubi Object eine Band gewürdigt, die im weiteren Umfeld von Williams tätig war und in der kurzen Zeit ihres Bestehens – die 1996 gegründete Band wurde 1998 nach dem Tod des Bassisten Israel Medina aufgelöst – lediglich eine EP herausbrachte. Neben den fünf Tracks finden sich auf der CD ein unveröffentlichtes Stück sowie der Beitrag der Band zur „Merry Maladies“-Compilation (auf der auch Williams und andere verwandte Acts extensiv vertreten waren). Weiterlesen
X-TG: Desertshore / The Final Report
Schon die Re-Formation Throbbing Gristles im Jahr 2004 nach der Terminierung der Mission im Jahre 1981 war eigentlich ein Affront, ein zum Scheitern verurteilter Versuch, denn Throbbing Gristle waren immer mehr als nur die Musik. Von Anfang an ging es (auch) um das Außermusikalische, die Transgression, den Schock, der sicher eine ebenso wichtige Rolle zur Bildung der „Legende“ (David Henderson in Sounds) beitrug, wie diese „Musik der Unbefugten“ (G. Brus). Ganz häretisch könnte man sagen, dass die Geschichte (durchaus doppeldeutig zu verstehen) Throbbing Gristles vielen Rezensenten geläufiger war als die Musik. Gegen diese These spricht auch nicht der (erfolgreiche) Versuch eines Journalisten 24 Stunden am Stück die Musik der Band zu hören. Weiterlesen
LITTLE ANNIE AND BABY DEE: State of Grace
Man muss sich wundern, dass eine Zusammenarbeit zwischen Little Annie und Baby Dee erst jetzt zustandegekommen ist, denn thematisch-musikalische Parallelen zwischen dem Werk der zwei Künstlerinnen sind unübersehbar: Die Charaktere, die die Songs beider schon seit Jahren bevölkern, zeichnen sich oft auch immer durch ihre Exzentrik und durch ihre Beschädigungen aus, und auch eine teilweise anarchische Komik spielt in den Songs und insbesondere bei den Auftritten der beiden keine geringe Rolle. Annie und Dee wären sicher auch bei Vaudevilles nicht fehl am Platz gewesen.
CUT HANDS: Black Mamba
Als William Bennett erstmals die Bezeichnung „Afro Noise“ ins Spiel brachte, hatte er wahrscheinlich nicht die Absicht, ein neues Genre ins Leben zu rufen, und doch war der Begriff von Beginn an mehr als bloß ein Titel. Afro Noise sollte eine Musik bezeichnen, die Bennett mit seinem Whitehouse-Nachfolgeprojekt Cut Hands vielleicht nicht ohne Vorläufer aus der Taufe gehoben hat, die jedoch in den beiden Bereichen, die dabei schnittmengenartig zusammenkamen, keineswegs zum Tagesgeschehen gehört. Die Überblendung ist einfach zu beschreiben, ging es doch darum Weiterlesen