HERMANN KOPP: Cantos Y Llantos

Auf seiner inzwischen vierten Veröffentlichung für Galakthorrö knüpft Hermann Kopp, der auf seiner Webseite seine Musik als „haunting sounds for extreme visions“ bezeichnet, an sein bisheriges Werk an. Schon auf seinem 1983 veröffentlichten lapidar „Pop“ betitelten Fulltime-Debüt ging es weniger um denselben, sondern fand man am „Nudistenstrand“ nicht Begehrliches als vielmehr eine „öde Fleischlandschaft“. Kopps thematische Interessen verorteten ihn zwischen „Mondo Carnale“ und „Nekronology“ – so der Titel einer Auswahl seiner Arbeiten für Jörg Buttgereits Filme. Körperlichkeit konnte hier eigentlich nur als fortwährender, akzelerierender Verfallsprozess gesehen werden. Weiterlesen

TE/DIS: Interrogation Gloom

Musikalisch-thematisch passt das unter dem Namen Te/DIS agierende Einmannprojekt problemlos zu den anderen auf Galakthorrö veröffentlichenden Künstlern. Schließlich liegt seit der 2013 veröffentlichten „Black Swan“-EP der Fokus auf analogem Instrumentarium, auf der (Nacht)Schattenseite menschlicher Existenz. Was Te/DIS aber von den anderen (etwas) abhebt, ist der Gesang, der -wenn man das so salopp sagt- Te/DIS zum gruftigtsten Projekt auf Galakthorrö macht, denn der Bariton, der Texte über „wrecking guilty feelings“ intoniert, lässt einen vermuten, dass hier jemand Weiterlesen

DA-SEIN: Death Is The Most Certain Possibility

Debütierte das in Madrid ansässige Duo auf Galakthorrö 2015 mit seiner „Tautology“-7‘, folgt nun das erste Album, das im Titel auf den Philosophen verweist, dem die Band ihren Namen verdankt und den Thomas Bernhard in Alte Meister in inzwischen notorisch gewordenen Invektiven als „Pantoffel- und Schlafhaubenphilosoph der Deutschen“ bezeichnete. Weiterlesen

TANZ OHNE MUSIK: Infinity

Von fast allen anderen auf Galakthorrö veröffentlichenden Künstlern (sieht man von Hermann Kopp einmal ab) unterscheidet sich das Duo Tanz Ohne Musik -bestehend aus dem Rumänen Dan Serbanescu und Lina, die für Fotos und Videos zuständig ist- insofern, als dass die beiden schon vorher in Klein(st)auflage Material veröffentlicht haben. Weiterlesen

NOVEMBER NÖVELET: The World In Devotion

Von den minimalistischen analogen Dissonanzen, die das Debüt „More Satanic Heroes“ prägten, hat sich der Haus Arafna-Seitenableger hin zu einer von Vintagesynths geprägten minimalen, analogen und melancholischen Popmusik entwickelt und auf inzwischen drei Alben und drei EPs gezeigt, wie – Achtung! Oxymoron – zeitgemäße an der elektronischen Vergangenheit orientierte Musik klingen kann. Weiterlesen

DA-SEIN: Tautology

Ich und auch andere Kollegen haben im Laufe der Jahre immer wieder auf diesen typischen (analogen) Galakathorröklang hingewiesen, einen Sound, der –auch wenn der Grad der Drastik der einzelnen Projekte doch unterschiedlich war – zu einer gewissen Wiedererkennbarkeit führte und für den sich dann der von SPK entlehnte Begriff des Angst Pop einbürgerte. Gleichzeitig war dieser Klang ebenso wie die gewählte Gattungsbezeichnung offen genug und ließ deswegen (genug) Spielraum. Weiterlesen

TE/DIS: Comatic Drift

Als TE/DIS vergangenes Jahr mit der „Black Swan“-7′ auf Galakthorrö debütierten, war die musikalische Verwandtschaft zu anderen Künstlern des Labels klar erkennbar: Da surrten die analogen Synthesizer, da war dieser typische Galakthorrö-Klang. Wodurch sich TE/DIS allerdings abhoben, war die Stimme: Hier gab es keinen markerschütternden Schreigesang, keinen reduzierten Sprechgesang – stattdessen Vocals, die darauf schließen ließen, dass der Künstler eine musikalische Sozialisation zu einer Zeit erlebt hatte, als Goth nichts mit Kirmestechno à la Blutengel oder mit Schlagerkitsch wie Unheilig zu tun Weiterlesen

HAUS ARAFNA: All I Can Give 7″

Haus Arafna haben durch Namensgebung und Themenwahl immer wieder auf die unschönen Seiten der menschlichen Natur hingewiesen, ganz so, als wollten sie zeigen, dass Blut das „sprachgewandte Säugetier“ wie ein Ariadnefaden durch den Irrgarten der Geschichte führt. Musikalisch wurde das anfangs („Sex U Mas“-EP, „Blut“) durch brachial-rabiate analoge Klänge illustriert, die aber im Laufe der Jahre immer mehr durch reduziertere, melodischere Momente ergänzt und teilweise ersetzt wurden, die von der Band selbst – in Anlehnung an SPKs „Walking On Dead Steps“ – als Angst Pop bezeichnet wurden; Weiterlesen

HERMANN KOPP: Zyanidanger

Als im Jahr 2008 das Album „Under a Demon’s Mask“ von Hermann Kopp auf Galakthorrö veröffentlicht wurde, verwiesen die Referenzpunkte (u.a. Huysmans und Bataille) auf sein Interesse an der Transgression und auch schon seine Arbeiten an drei (von vier) Langfilmen Jörg Buttgereits machten deutlich, dass Kopp sich gerne dem Abseitigen, Morbiden, Heterogenen (Bataille) widmete. Das zweisprachige Portmanteauwort, das dem neuen Album seinen Titel gibt, macht das erneut deutlich. Inspiriert wurde „Zyanidanger“ von dem im 19. Jahrhundert veröffentlichten Werk Die Geschichte der Chemie des deutschen Chemikers, mit dem der Künstler seinen Namen teilt und das in Braunschweig veröffentlicht wurde. Koinzidenzen überall. Weiterlesen

NOVEMBER NÖVELET: Heart of Stone

Die großen Melancholiker und diejenigen im Galakthorrö-Kosmos, deren Musik am nächsten am Pop (im besten Sinne des Wortes) ist, veröffentlichen ihre inzwischen dritte EP mit vier neuen Songs, die in einer klanglichen wie textlichen Kohärenz emotionale Zustände in all ihrer Doppelbödigkeit illustrieren.

Das Titelstück wird von analogen Vintagesynthsounds durchzogen, die wie eine singende Säge oder ein Theremin klingen und den Eindruck erwecken, als werde die emotionale Versteinerung, die besungen wird, zutiefst bedauert; und emotionale Kälte ist eben oft (auch) eine (Über-)Lebensstrategie. Weiterlesen

SUBLIMINAL: Under Pressure

Nach der nach zwei Alben („Gracebudd“ aus dem Jahr 2000, „Coping“ von 2006) 2009 erschienenen „Look at the Creation“-EP folgt mit „Under Pressure“ eine visuell fast identisch gestaltete 7′ mit erneut vier Stücken, die auch musikalisch an den Vorgänger anknüpfen. Ich habe schon bei der Besprechung von „Kosmoloko 2“ darauf hingewiesen, dass das Einmannprojekt von Albert Fisch inzwischen das rabiateste auf Galakthorrö ist und insbesondere die immer zwischen Aggression und Verzweiflung pendelnden Vocals, die seit dem zweiten Album „Coping“ ein typisches Merkmal des Projekts sind, sind im doch Weiterlesen

V.A.: Kosmoloko 2

Die vor acht Jahren erschienene Zusammenstellung „Kosmoloko“ gab einen Überblick über die auf dem kleinen Label aus Braunschweig veröffentlichenden Künstler. Von den 2004 daran teilnehmenden Projekten fehlen auf dem Nachfolger zwei: Zum einen Karl Runau, der schon damals eine lange Phase des Schweigens hinter sich hatte, zum anderen Maska Genetik, das russische, schon vor einigen Jahren aufgelöste Einmannprojekt, dessen Schwanengesang „Strada“ von Galakthorrö 2011 posthum veröffentlicht wurde. Weiterlesen

HAUS ARAFNA – Interview

Das deutsche Duo Haus Arafna erforscht seit 17 Jahren analoge Klänge und thematisiert Aspekte der conditio humana, die manche lieber im Verborgenen sehen würden. Sieben Jahre nachdem das letzte reguläre Studioalbum “Butterfly” erschienen ist, folgt mit dem schlicht betitelten “You” Album Nummer vier. Dabei nehmen Haus Arafna inzwischen eine Sonderstellung im Feld extremer elektronischer Musik ein, haben sie es doch wie kaum eine andere Band geschafft, Hörer über enge Genregrenzen hinweg zu gewinnen Weiterlesen

HAUS ARAFNA: New York Rhapsody

Puristen – und die gibt es insbesondere in Subkulturen so häufig, dass man sich vor lauter Reinheit manchmal  nach etwas Schmutz sehnt – mögen sich zuerst einmal vor den Kopf gestoßen fühlen: ein Album, das anlässlich des Auftritts der Modedesignerin Katie Gallagher bei der New York Fashion Week am 12. September 2009 konzipiert wurde?  Handelt es sich gar um den Versuch, Eintritt in die glamouröse Welt der Models gewährt zu bekommen? Was hat das mit Industrial, mit Transgression zu tun?  Weiterlesen

MASKA GENETIK: Strada

Als vor etlichen Jahren MASKA GENETIK, das Projekt des Russen Amon Radek, auf Galakthorrö die Debütsingle „Quarantine“ veröffentlichte, hörte man melancholische Analogschleifen, dazu Vocals, die eher Trauer als Wut auszudrücken schienen und auf dem Cover weckte der bandagierte Körper Assoziationen an Rudolf Schwarzkogler: Hier trat der Künstler als Verletzter auf, als (Ver)Wunde(ter), als Schmerzensmann. Weiterlesen

HERRMANN KOPP: Under A Demon’s Mask

Eine Neuerung gibt es bei dem kleinen Label aus Braunschweig: Fanden sich in der Vergangenheit neben dem Hausprojekt HAUS ARAFNA oder dessen Ableger/Ergänzung NOVEMBER NÖVELET nur Künstler, die auf Galakthorrö debütierten, wird nun zum ersten Mal ein Musiker veröffentlicht, der eine (musikalische) Vergangenheit hat: Herrmann Kopp, der am bekanntesten für seine Soundtracks zu den beiden Buttgereit-Filme “Nekromantik“ und “Der Todesking“ sein dürfte, hat ein Album aufgenommen, das von seiner elektrischen Geige dominiert wird, die teilweise klingt, als würde Hermann Kopp ein Theremin spielen. Weiterlesen

HAUS ARAFNA: You

Etwa einmal im Jahr bekommt man – in Form dessen, was im angloamerikanischen Raum inzwischen „snail mail“ genannt wird – einen schön gestalteten Flyer mit Ankündigungen von meistens etwa zwei neuen Veröffentlichungen von Galakthorrö – immer bevor im WWW die ersten Informationen auftauchen. Dieser liebenwürdige Anachronismus ist in einer Zeit, in der alles, was nur zu digitalisieren ist, in MP3s, AVIs, PDFs etc. transformiert wird, dabei seiner Materialität beraubt und dadurch oftmals kastriert wird, fast schon ein Akt des notwendigen Widerstands. Weiterlesen

HERZ JÜHNING: Miasma

Mit seiner schnell ausverkauften EP hatte sich Kay Jühning gut ins analoge Universum des kleinen (Post-)Industrial Labels eingefügt, irgendwo im abgesteckten Feld zwischen Angstpop und harscheren Sounds. Das Vollzeitdebüt führt dieses Changieren zwischen melodischeren Momenten und stärker aufs Harsche und Schockierende fokussierten Stücken fort: Nach dem scheinbar als Intro funktionierenden weitgehend instrumentalen “Induction“ folgt mit dem Titelstück ein durch die verzerrten Vocals raueres Stück, die Synths pulsieren und fiepen. Weiterlesen