ANEMONE TUBE: The Three Worlds (3 CDs Allegory of Vanity – Forget Heaven – Vanity of Allegory)

„The three worlds are transient like clouds in autumn“ heißt es in einem buddhistischen Sutra des 14. Jahrhunderts, das im Englischen unter dem Titel „Far Reaching Pleasures“ bekannt ist. Die Geburt und der Tod aller Wesen entfaltet sich wie ein Tanz, rauscht vorbei wie ein Gebirgsbach, verschwindet wie ein Blitz am Firmament. Anemone Tube hat die Verse dieses Sutras als Hintergrund für sein neues Release gewählt und verbindet die Betrachtungen mit seinem langjährigen Interesse an westlichen Vanitaskonzepten und ihrer klaren Bildlichkeit. So weit Weiterlesen

Sabbat: Yajuj o Majuj, Anemone Tube, Geometria del Esplendor am 31. Mai im Berliner Urban Spree

Unter dem Slogan “A Night of Dark Ritualistic Meditation” veranstaltet Sabbat Berlin am 31. Mai einen Konzert- und Filmabend mit einem abwechslungsreichen Programm. Auf dem Plan stehen Konzerte des iranischen Ambient-Duos Yajuj o Majuj und des unseren Lesern hinlängliche bekannten Post Idustrial-Projektes Anemone Tube, dessen spirituelle und kulturkritische Ausrichtung in einer eindringlichen audiovisuellen Performance präsentiert wird. “Headliner” sozusagen ist José Ramón da Cruz’ Doku über die Band Esplendor Geométrico, die die abseitige elektronische Musik seit den frühen 80ern maßgeblich mitprägte und wie wenige andere zum Entstehen des sogenannten Rhythm Noise oder Rhythm Industrial beigetragen hat. Abgerundet wird der Abend durch DJ-Sets von Nekrobot, Angelic Sintesis und Lithium (Ancestral). Weiterlesen

ANEMONE TUBE: In the Vortex of Dionysian Reality (CD)

Dem einen oder anderen wird der Titel dieser Veröffentlichung sicher bekannt vorkommen, und besonders aufmerksame Leser unserer Seite werden sich fragen: Warum besprechen die das Album zweimal? Die Antwort ist einfach, denn es handelt sich bei dieser CD um eine derart ergänzte und bearbeitete Reissue des vor knapp zwei Jahren erschienenen Tapes, dass das Digipack mit dem neuen Artwork als ein fast neues Release durchgehen kann. Die sechs ursprünglichen Tracks bilden in remasterter und hier und da Weiterlesen

ANEMONE TUBE / POST SCRIPTVM: Litaniae Mortuorum Discordantes

Anemone Tube und Post Scriptvm verbindet einiges, z. B. die Arbeit mit obskuren, oft stark verfremdeten Field Recordings und ein Händchen für dunkle imaginäre Räume. Entwirft der deutsche Musiker Anemone Tube weiträumige Landschaften, so habe ich bei Post Scriptvm immer die Assoziation eines verwinkelten, labyrinthartigen Gebäudes von kaum einschätzbarer Größe. Post Scriptvm scheinen stark von den klassischen Avantgarde-Bewegungen des 20. Jahrhunderts inspiriert, ihre sorgsam dosierte Kulturkritik ist philosophischer Art. Anemone Tube lässt ein Interesse an der Dekadenz erahnen, ebenso Weiterlesen

ANEMONE TUBE: Golden Temple

Im Zentrum von Tokyos Bezirk Minato erhebt sich die Skyline der Roppongi Hills, einer Gruppe von Bürotürmen um den mächtigen Mori Tower, den die kritisch gesinnten unter den Einheimischen in leicht abergläubischer Weise den bösen Turm nennen. In ihrer Wahrnehmung steht er für die Macht, die das Kapital und der entfesselte Konsum auf alle Lebensbereiche ausweitet. Für den Musiker Anemone Tube, der vor einigen Jahren Japan bereiste und am Fuße der Türme das Covermotiv und nicht wenige der Sounds seines aktuellen Albums „Golden Temple“ aufnahm, ist der Ort ein Symbol der Weiterlesen

ANEMONE TUBE: In The Vortex of Dionysian Reality (C-41 Tape)

Auf seinem neuen Tape zieht uns Anemone Tube kompromisslos in den Strudel einer dionysischen Welt. Man muss nicht viel über den Mythos des griechischen Wein- und Rausch-Gottes wissen, um die abgründige Natur dieses Strudels zu begreifen, denn zumindest die ersten drei Stücke der vorliegenden EP lassen an dieser keinen Zweifel: Formlos und chaotisch wird die in Sound gegossene Welt des Dionysos gezeichnet, doch manchmal auch überraschend einfach in ihrer derben, verrauschten Musikalität. Man mag die Atmosphäre der vier Tracks dunkel und zum Teil niederdrückend finden, wenn man Rausch und Sinnlichkeit zu sehr mit Frohsinn assoziiert. Doch ganz Weiterlesen

V.A.: Epicurean Escapism 1

Anlässlich des kürzlich in Berlin stattgefundenen dritten „Epicurean Escapism“-Festivals folgt eine Zusammenstellung, die sich als Ergänzung/Überarbeitung der ursprünglichen Tape/DVD-Veröffentlichung, die vor zwei Jahren während des Vorläuferfestivals erstmalig verkauft wurde, versteht.

John Murphy steuert einen Track unter dem Namen seines in den letzten Jahrzehnten nur sehr sporadisch aktiven Projekts Krank bei: Weiterlesen

V.A.: 50 (5CDr-Box)

Als Stephen Burch vor sieben Jahren das Label Woodland Recordings ins Leben rief, dachte er vermutlich nicht daran, dass es in seinem Leben zu einer ähnlich starken Konstante heranwachsen sollte wie sein Musikprojekt The Great Park. Doch seit seinem Spilt-Album mit The Diamond Family Archive sind nicht nur sieben Jahre ins Land gezogen, sondern ganze fünfzig weitere Veröffentlichungen, die Jahr für Jahr in limitierter Stückzahl und in liebevoller, handgemachter Aufmachung herausgekommen sind. Mal erschienen die Tonträger in schicken handgefalteten Papiertüten, mal in sorgsam dekorierten Boxes aus Tonpapier, die mit Mixed Media-Ideen zu kleinen Assemblagen umgestaltet wurden. Oft glich Weiterlesen

ANEMONE TUBE: The Transfiguration Of The Image

Das Tape erlebt (insbesondere im (Post-) Industrial) als Tonträger eine gewisse Renaissance. Das liegt sicher an zweierlei. Zum einen ist es eigentlich das umständlichste Medium, dem gleichzeitig die „tactile pleasure of so-called obsolete media“ (David Keenan), die Vinyl innehat, fehlt und somit auf gewisse Weise sicher die anachronistisch-trotzigste Positionierung gegen das Nullmedium MP3 in all seiner Seelenlosigkeit ist. Zum anderen ermöglichten es Tapes in der Frühzeit experimenteller Musik auch Loops und Protosamples zu kreieren. Weiterlesen

ANEMONE TUBE AND DISSECTING TABLE: This Dismal World

Ebenso wie die letzten hier besprochenen Veröffentlichungen von Anemone Tube ist auch diese Split-LP mit Dissecting Table stark konzeptionell ausgerichtet: So geht es auf dem Album um die vier edlen Wahrheiten, die das Fundament des Buddhismus darstellen. Diese lauten, dass das Leben leidvoll ist (vgl. den Titel des Albums), dass die Ursachen für dieses Leid(en) u.a. Hass und Gier sind, die Auflösung dieser Ursachen das Leiden zum Erlöschen bringen kann, und dass man dies durch den edlen achtfachen Pfad schaffen kann. Weiterlesen

V.A.: Epicurean Escapism

Unter Eskapismus versteht man – kurz gesagt – das Ausblenden der alltäglichen Realität. Will man es genauer wissen, so bemerkt man schnell, dass man ein Fass ohne Boden vor sich hat. Man erfährt, dass Eskapismus oft Kunstwerken nachgesagt wird, in der Regel denen, die nicht direkt Stellung zu Problemen der Zeit beziehen. Vielleicht auch, dass der Begriff erst in der Moderne aufgekommen ist, und für allerlei Fluchtreflexe steht, die eine von Masse und Marktgesetzen geprägte Gesellschaft mit all ihren Entfremdungserscheinungen nach sich zieht. Weiterlesen

BRUME / OUBLIER ET MOURIR: A Year To Live

2003 arbeiteten Anemone Tube und Christian Renou (Brume) erstmals auf „Transference“ zusammen und erschafften ein Album, das trotz unterschwellig unruhiger Momente eine (be)ruhige(nde) Melancholie ausstrahlte. „A Year to Live“ knüpft bedingt an dieses Album an, geht allerdings auch darüber hinaus. Wer die rabiaten und (sowohl musikalisch als auch konzeptionell) dichten, auf Feldaufnahmen basierenden letzten Anemone Tube-Aufnahmen im Kopf hat, wird nachvollziehen können, warum mit Oublier Et Mourir ein anderer Projektname gewählt wurde, denn schon das Eröffnungsstück „A New Weiterlesen

Die Leinwand als Bühne. Ein Gespräch mit Alex Tennigkeit über Fatalismus, Spiel und Inszenierung

Die Künstlerin Alex Tennigkeit wird gerne als Meisterin der Kombinatorik bezeichnet. Bekannte Themen der abendländischen Malerei, von klassischer Allegorik bis zum barocken Vanitas-Konzept, treffen in kollagenartiger Bildkomposition auf Motive der Populär- und Subkultur. Melancholische Szenarien von Tod und Vergänglichkeit kollidieren mit exzessiver Gewalt und fordernder Erotik, der (meist weibliche) Körper offenbart seine Schönheit ebenso sehr wie seinen morbiden Subtext. In den meisten Arbeiten verwendet sie ihr eigenes Abbild als Projektionsfläche für ästhetische Aussagen, die überindividuell, überzeitlich und offen für Deutungen unterschiedlichster Art sind. Weiterlesen

Wie ein unendlicher Fluss von Emotionen: Interview mit Anemone Tube

Seit 1996 veröffentlicht Anemone Tube anspruchsvolle Geräuschmusik, die sich irgendwo zwischen Dark Ambient und Power Electronics bewegt, wobei das Klangbild durchgängig differenzierter ist und enge (Genre-)Grenzen nur da zu sein scheinen, um ge-und durchbrochen zu werden. Dies beweisen auf den ersten Blick so unterschiedliche Veröffentlichungen, wie die Zusammenarbeit mit Christian Renou auf „Transference“, auf der organisch-melodische Tracks zu hören sind, die in ihrer Differenziertheit und Zerbrechlichkeit an Projekte wie Mirror erinnern Weiterlesen

ANEMONE TUBE: Death Over China

In einem Land, in dem Turbokapitalismus sich mit einem autoritären Regime paart, sind die Konsequenzen für die Umwelt katastrophal und weithin dokumentiert. Verglichen mit dem in einer Reihe von chinesischen Städten zu atmenden Miasma, das Atemluft zu nennen ein Hohn wäre, mutet Manchester zur Zeit der industriellen Revolution wie ein Luftkurort an. Weiterlesen

ANEMONE TUBE: Dream Landscape

Das deutsche Dark Ambient- / Noiseprojekt kehrt nach längerer Pause (zuletzt hatte ich sie auf der bei Auf Abwegen erschienenen Zusammenarbeit mit Christian Renou wahrgenommen) mit einem großformatigen CD/DVD-Paket zurück, das als erster Teil der so genannten „Suicide Series“, die auf an verschiedenen Orten gemachten Feldaufnahmen basiert, konzipiert ist und aufgrund der Gestaltung wie eine (Ver-)Weigerung wirkt, (illegale) Downloads (bzw. MP3s als dominantes Medium) zu akzeptieren. Weiterlesen