Meditation in Chaos: Bildband von Little Annie bei Timeless Ed.

Ein Buch wie dieses ist seit langem überfällig. Versucht man einen Überblick über die vielen Aktivitäten der jüngst von New York nach Miami gezogenen Künstlerin zu geben, dann fallen ihre Gemälde oft etwas unter den Tisch. Bekannter sind ihre musikalischen Werke, entweder solo, oder zusammen mit Musikern von Crass, Current 93 und Coil über Adrian Sherwood und DJ Khan bis zu Marc Almond, Larsen, Swans, Baby Dee, Paul Wallfisch und vielen mehr. Auch ihre beiden Bücher, die Autobiografie „You Can’t Sing The Blues While Drinking Milk“ und das ebenfalls autobiografische Erzählgedicht „Sing, Don’t Cry“ sorgten für Resonnanz. Little Annie a.k.a. Annie Bandez malt bereits seit den 90ern, dennoch gab es nur wengie Ausstellungen, und erst jetzt erscheint mit „Meditation in Chaos“ ihr erster Bildband, der neben zahlreichen Gemälden auch einige Fotoarbeiten enthält. Weiterlesen

LITTLE ANNIE: Trace

Wenn man die eigene Lebensgeschichte erzählt, tut man ganz unterschiedliche Dinge. Man erschafft, gestaltet, malt sein Narrativ in besonderen Farben, um eben ein bestimmtes Bild zu zeichnen, vor sich und vor anderen. Das ist, wenn man so will, der selbstbezogene und zugleich unmittelbar schöpferische Teil. Konzentriert man sich mehr auf die Spuren, die andere Menschen, aber auch Dinge und Ereignisse in der Biographie hinterlassen haben, wird das Erzählen zur Suche und der Erinnernde selbst zum Leser der Geschichten, die andere dem Leben eingeschrieben haben. Weiterlesen

THE MINISTRY OF WOLVES: Happily Ever After

Für viele ist das Wort „märchenhaft“ ein Attribut des Schönen, obwohl Märchen seit jeher umstritten sind. Der Hang vieler Märchenstoffe zu Gewalt und Grausamkeit war schon immer ein Stein des Anstoßes, ebenso die allegorischen Weltdeutungen, die bewusst den Weg des Vorrationalen gehen und die Fantasie der instrumentellen Vernunft vorziehen. Wenn selbst ein so ausgewiesener Experte wie Richard Dawkins – Spezialist für Religion, Biologie und Sozialethik und angeblich der drittwichtigste Intellektuelle unserer Zeit – ihren pädagogisch fragwürdigen Einfluss moniert, scheinen die Barometer heute eher eine märchenfeidliche Stimmung anzuzeigen. Dem steht entgegen, dass Weiterlesen

THE MINISTRY OF WOLVES: Music From Republik der Wölfe

Am 15.02. dieses Jahres wurde im Schauspiel Dortmund erstmals das Stück „Republik der Wölfe“ aufgeführt, eine opulente Adaption bekannter Kinder- und Hausmärchen der Gebrüder Grimm, oder genauer eine Adaption zweiten Grades, denn die Ideen und Texte basieren v.a. auf der lyrischen Neubearbeitung der Autorin Anne Sexton. Regisseurin Claudia Bauer arbeitet bei der Produktion eng mit dem musikalischen Leiter des Theaters, Paul Wallfisch, zusammen, und in den bisherigen Besprechungen ist neben Sexcrime und Splatter immer auch von der Musik die Rede. Wallfisch, selbst ein Weiterlesen

LITTLE ANNIE AND BABY DEE: State of Grace

Man muss sich wundern, dass eine Zusammenarbeit zwischen Little Annie und Baby Dee erst jetzt zustandegekommen ist, denn thematisch-musikalische Parallelen zwischen dem Werk der zwei Künstlerinnen sind unübersehbar: Die Charaktere, die die Songs beider schon seit Jahren bevölkern, zeichnen sich oft auch immer durch ihre Exzentrik und durch ihre Beschädigungen aus, und auch eine teilweise anarchische Komik spielt in den Songs und insbesondere bei den Auftritten der beiden keine geringe Rolle. Annie und Dee wären sicher auch bei Vaudevilles nicht fehl am Platz gewesen.

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LITTLE ANNIE: Sing Don’t Cry. A Mexican Journey (Buch)

Little Annie, die in einer ganzen Reihe an Künsten unterwegs ist, ist keineswegs ein Chamäleon, auch wenn das gelegentlich behauptet wird. Wenn sie als Sängerin mit ganz unterschiedlichen Musikern von Crass bis Coil und Adrian Sherwood, von Larsen bis Baby Dee und natürlich Paul Wallfisch aktiv ist, spricht das zwar immer für einen flexiblen Draht zur kreativen Sprache anderer, und doch steuert sie dort stets ebenso viel von sich bei. Ihr Beitrag ist jedoch weit mehr als ihre mal forsche, mal etwas erschöpfter klingende Stimme in Alt. Ihr Name steht auch für eine ganz eigene elegante Abgewetztheit, einen ehrlichen, unbeschönigenden Optimismus und eine Stehauf-Mentalität, die auch den miesesten Szenarien noch etwas Kraftgebendes abzugewinnen weiß. All dies durchzieht auch Weiterlesen

LITTLE ANNIE – Interview

Bei manchen Künstlern fällt eine adäquate Einleitung aufgrund der schieren Quantität ihres Outputs oder aber der  Anzahl der Jahre, die sie tätig sind, schwer. Bei anderen ist es die Qualität – nicht notwendigerweise beschränkt auf Qualität im Sinne von gut oder schlecht, sondern verstanden als Variation im Schaffen(sprozess). Bei Little Annie, auch als Annie Anxiety bekannt, treffen beide Faktoren aufeinander. Nachdem sie in New York mit der Punkband Annie and the Asexuals um 1980 (ein aufgenommener Track erschien Jahre später auf einer auf Nigel Ayers’ Label Sterile erschienenen Compilation zur Unterstützung des Streiks der britischen Minearbeiter) kurzzeitig aktiv war Weiterlesen

LITTLE ANNIE & PAUL WALLFISCH: Genderful

Little Annie, vormals Annie Anxiety, zählt zu denjenigen Künstlerinnen, bei denen man eine seitenlange Biografie voranschicken könnte. Man könnte zahlreiche Medien und Genres benennen, in denen die Wahl-New Yorkerin in den letzten dreißig Jahren tätig war, unzählige Kollegen aufzählen, mit denen sie neben MARC ALMOND, COIL und CRASS noch gearbeitet hat und – potentielle Neu-Fans damit hoffnungslos verschrecken. Annie Bandez verfügt über eine großartige Soulstimme in Alt, und hat in Paul Wallfisch, bekannt von den Gruppen BOTANICA und FIREWATER, einen virtuosen Pianisten gefunden, dessen Spielweise bestens mit ihrem Gesang fusioniert – zur nicht unwesentlichen Bereicherung jenes musikalischen Feldes, das der gängige Jargon gerne Torch-Song nennt. Weiterlesen