THE HARE AND THE MOON: Wood Witch

„To fuck up tradition“ – mit diesem Schlagwort hat Alan Trench wiederholt die Notwendigkeit bezeichnet, traditionelle Stoffe, Motive und Spielweisen im Folk eben nicht nur wiederzukäuen oder platt in Rock- und Popstrukturen zu übersetzen, sondern ihnen durch kreatives Gegen den Strich-Bürsten eine neue Vitalität einzuhauchen. In unserem von einigen Jahren geführten Interview nannte er in dem Zusammenhang auch das englische Duo The Hare And The Moon als gelungenes Beispiel. Diese Band verfolgt seit Weiterlesen

V.A.: Where Words Fail, Music Speaks. For Ania

Viele von uns älteren Semestern blicken bisweilen nostalgisch auf die Zeit zurück, als viele Spielarten dunkler Musik noch eine gut vor der Öffentlichkeit gehütete Einheit bildeten. Dunkle, industrielle Lärmorgien, ambient dröhnende Soundscapes, Rituelles und mystische Folksongs – es gab eine Zeit, in der das alles irgendwie zusammengehörte, eine eingeschworene Gemeinschaft mit all ihren Vor- und Nachteilen bildete und von der Außenwelt doch meistens ignoriert wurde. Mittlerweile hat beinahe alles seine eigene Subkultur, zugleich herrscht ein unübersehbares Angebot an oft nur noch Weiterlesen

SOL INVICTUS: Once Upon A Time

Über Tony Wakeford und Sol Invictus ist viel geschrieben worden, über manches so viel, dass es einem schon zu den Ohren herauskam. Eine Sache, die nur gelegentlich zur Sprache kommt, ist die einzige Konstante, die es über die Jahre gegeben hat, und die alle thematischen, ideologischen und musikalischen Wandlungen standfest überdauert hat – gemeint ist Tonys rein musikalischer Beitrag, primär sein Gitarrenspiel, das sich seit Jahrzehnten über eine handvoll Motive spannt, die zwar merklich einfach sind, aber dennoch in puncto Tempo, Akkorde und Klangfarben so einzigartig, dass man Sol Invictus oft schon nach Sekunden aus einer Menge anderer Dark Folk-Bands heraushören kann. Auch sein Gesang hat sich Weiterlesen

TOR LUNDVALL: Structures and Solitude

Wie wenige andere Künstler verfolgt der in Neuengland ansässige Lundvall seine Vision(en) auf eine Weise, die mit konsequent nur unzureichend beschrieben ist, denn sowohl visuell als auch musikalisch ist seine Handschrift sofort zu erkennen, erschafft er Bilder und Alben, denen in ihren somnambulen Charakter immer eine gewisse Ambivalenz innewohnt, sind sie doch numinos, scheinen sie dem Hörer bzw. Betrachter oftmals gleichzeitig sowohl ein Gefühl der Geborgenheit als auch des Unheimlichen zu vermitteln. Wenn man soweit geht zu sagen, dass seine bevorzugte Jahreszeit der (ewige) Herbst ist, so könnte man vielleicht von dem Zwielicht als von seiner bevorzugten Tageszeit sprechen, ein Zwielicht, in dem (manchmal) Figuren (ver)einsam(t) in der Landschaft stehen, treten sie in Gruppen auf, tragen sie meistens Masken, sind zwielichtige Geschöpfe. Weiterlesen

V.A.: Hail Be You Sovereigns, Lief And Dear: Dark Britannica III

Je nach Zählung („John Barleycorn: Rebirth“ war ursprünglich lediglich als Downloadergänzung zur ersten Veröffentlichung „John Barleycorn: Reborn“ gedacht und wurde erst einige Jahre später eigenständig auf CD veröffentlicht) ist das der dritte respektive vierte Teil der umfangreichen Folkanthologie, die unter dem Banner des Zyklischen, des Säens und Erntens, des Werdens und Vergehens, das sich im Traditional „John Barleycorn“ widerspiegelt, von Cold Spring veröffentlicht wird. Weiterlesen

V.A.: Compilation for a Cat

Als Amanda Vottas Kater vor ein paar Wochen mit einem lädierten Hinterbein heimkam, sah alles noch nach einer leicht zu behandelnden Verletzung aus, die man schnell und ohne größere Kosten behandeln kann. Zumindest dachte das zunächst auch der Tierarzt, der erst nach weiteren Untersuchungen einen komplizierteren Oberschenkelbruch diagnostizierte, dessen Behandlung kostenmäßig im vierstelligen Bereich rangieren wird – ein Preis, den die Schwedin nicht mal so von jetzt auf gleich aufbringen konnte. Dass sie mit einigen bekannten Musikern befreundet ist, erwies sich dabei als kleiner Vorteil, Weiterlesen

V. A.: Thanateros – Visions Of Love & Death

Jede Subkultur kennt sie: Familientreffen, bei denen sich alte Freunde die Hand schütteln, sich gegenseitig versichern, dass man noch immer zusammen gehört, auch wenn sich die Bande über die Jahre etwas gelockert haben. Familien dieser Art bilden sich häufig im Umfeld beliebter Bands oder im Dunstkreis einiger Kultlabels. Gelegentlich auch um Magazine. Weiterlesen

SOL INVICTUS: The Cruellest Month

Bis zum 2005 erschienenen Album „The Devil’s Steed“ war es Tony Wakeford über die Jahre mit Hilfe von Leuten wie Sally Doherty und Matt Howden gelungen, SOL INVICTUS in eine harmonischere und klassische Richtung zu lenken und auf „Thrones“ sogar dezente Jazzeinflüsse zu integrieren. Er selbst bezeichnete das damalige Lineup mehrfach (u.a. in den Linernotes zu der Compilation „The Giddy Whirls of Centuries“) als das beste der Bandgeschichte. Weiterlesen

OWLS: The Night Stays

“It was the owl that shrieked, the fatal bellman,
Which gives the stern’st good-night.” (W. Shakespeare, Macbeth, II.2)

Eulen sind einerseits Symbole der Weisheit, ihnen ist aber gleichzeitig oftmals die Rolle der Unglücksbringer, der Todesboten zugeschrieben worden und zumindest zwei der drei an OWLS Beteiligten haben sich im Laufe ihrer langen Karrieren auf die eine oder andere Art mit dem grim reaper auseinadergesetzt und sind seit Jahrzehnten in verschiedensten (sub-) kulturellen Konstellationen aktiv. Weiterlesen

ORCHESTRA NOIR: What If…

“Was wäre wenn..?” – eine Frage, die wohl jedes Gemüt ab und an in tagträumerischer Laune in eine Welt glücklicherer Wendungen und besserer Entscheidungen abdriften lässt. Die das Hadern mit dem Hier und Jetzt verstärkt, und doch die Möglichkeit eines besseren Lebens bewusst macht. Selbstverständlich kann man dieses Gedankenspiel auch umdrehen, und sich fragen, wie es wohl wäre, wenn alles noch schlechter kommen würde, oder am Ende sogar ganz ohne den Konjunktiv: Ob nicht sowieso alles viel trostloser ist, als es scheint. Weiterlesen

V.A.: With Friends Like These

Der Weg des Tursa-Völkchens ist von einer beeindruckenden Geradlinigkeit und Unbeirrbarkeit geprägt. Seit den Anfangstagen von SOL INVICTUS scharte Tony Wakeford Musiker mit eigenen Projekten um sich, doch spätestens seit Mitte der 90er kann man von einer eigenständigen kleinen Szene sprechen mit nur noch losem Bezug zur sich immer mehr aufsplittenden World Serpent-Familie. Und als diese irgendwann in völlig unterschiedliche Richtungen auseinander fiel, stellte sich für Tony und seinen Anhang die Frage nie wirklich, ob man nun der „England’s Hidden Reverse“-Richtung näher stehe, oder jenen Sezessionisten, die damals die Neofolk-Szene so stark prägten. Weiterlesen

V.A.: John Barleycorn Reborn. Dark Britannica

Das Weblabel Woven Wheat Whispers ist eine Anlaufstelle für legale Downloads verschiedenster Arten von Folk. Als meines Wissens erster “greifbarer“ Tonträger erscheint ein Album unter einem Projektnamen, der vielen etwas sagen sollte: John Barleycorn, ein Gedicht über die Herstellung (und Wirkung!) von Alkohol, ist (auch) immer wieder als Restspur heidnischer Riten gedeutet worden, das legt das Zyklische, der darin beschriebene Kreislauf von Geburt und Tod nahe. Weiterlesen

TOR LUNDVALL – Interview

1998 erschien ein Album, das Tony Wakeford mit dem bisher als Maler bekannten Tor Lundvall aufgenommen hatte: Der herbstlichen Ausrichtung entsprechend, fanden sich auf “Autumn Calls“ fragile Kompositionen, auf denen elektronische  ambiente Passagen mit melancholischer akustischer Instrumentierung kombiniert wurden. Seitdem hat Tor Lundvall sich alleine den restlichen Jahreszeiten gewidmet, dem Frühling (“The Mist“), Sommer (“Under the Shadows of Trees“) und Winter (“Ice“), wobei das Herbstliche seiner Arbeit wahrscheinlich am nächsten stehen dürfte. Weiterlesen