OF THE WAND & THE MOON: I Called Your Name (7”)

In den letzten Jahren hat Kim Larsen seine Fühler in alle möglichen Richtungen ausgestreckt, mehrere Seitenprojekte ins Leben gerufen und Of The Wand And The Moon entgültig als mehrköpfige Band ausgebaut. Die Veröffentlichungen kamen nun nicht mehr so regelmäßig wie in den ersten Jahren, dafür ist „The Lone Descent“ ein ungewöhnliches Album geworden. Ein ausgefeilteres Songwriting und zahlreiche Gastmusiker sorgten dafür, dass das Album nicht mehr in ein allzu enges Neofolk-Korsett passte, dezente Weiterlesen

POST SCRIPTVM: Gauze

Es gibt Musiker, die erst nach einigen Jahren ihre besondere musikalische Sprache finden, vielleicht anfangs noch einem Genre anhängen und erst mit der Zeit einen unabhängigen Stil finden. Oder aber sie irren anfangs noch etwas unsicher umher um erst nach einigen wechselhaften Releases ihre Heimat in etablierten Strukturen finden. Dann gibt es aber auch solche, die von Anfang an wissen, wohin die Reise geht und ihre einmal eingeschlage Richtung nur variieren und verfeinern. Zu dieser Gruppe zählen die beiden in New York lebenden Andrei und Liana, die als Post Scriptvm Weiterlesen

So if you don’t like it there must be something good about it. Interview mit John Murphy

John Murphy ist einer der wenigen Pioniere des Industrial, die der Musik, die sie miterfunden haben, über die Jahrzehnte hinweg treu geblieben sind. Und das muss bei Murphy schon deshalb hervorgehoben werden, weil er ein ausgesprochen vielseitiger Musiker ist, der meist mehreren Arbeiten parallel nachgeht und so manche Wandlungen und Entwicklungen vollzogen hat. John ist seit den 70ern ein renommierter Drummer, spätestens seit seiner Zeit bei SPK ist die elektronische Bearbeitung von Sounds sein zweites Standbein, und vielleicht sind seit jeher gerade die Projekte am interessantesten, bei denen er beide Fähigkeiten zusammenbringt. Weiterlesen

KE/HIL: Zone 0

B. Moloch und W. Herich sind beide seit Jahrzehnten im Bereich atonaler, analoger, oft transgressiver Musik tätig und debütierten als Ke/Hil – eine Wortschöpfung aus den bürgerlichen (Nach-)Namen der beiden – 2010 mit „Hellstation“, auf dem unter dem Motto „Music for the Prekariat“ [sic] die Stadt als desolater Ort des Verfalls (re)präsentiert wurde: Schwarz-weiße Bilder zeigten Unterführungen, die an Gaspar Noés pièce de résistance Irreversible denken ließen, Haltestellen waren außer Betrieb und das Titelstück des Albums war Ke/Hils Interpretation von Monte Cazazzas „Stairway To Hell“ und ließ sich durchaus programmatisch verstehen. Weiterlesen

POST SCRIPTVM: Benommenheit

Interessanterweise waren es v.a. deutschsprachige Denker, die seit dem 19. Jahrhundert dem Gefühl des modernen Subjekts, in einem entmenschlichten Verwertungszusammenhang gefangen zu sein, in markanten Schlagworten Ausdruck verliehen haben. Nicht nur werden die Zumutungen monotoner Arbeit und auf Konsum gründender Heilsversprechen als stählernes Gehäuse (Max Weber) betrachtet, früh wurde zudem beobachtet, wie sehr das alltägliche Räderwerk dem Einzelnen zur zweiten Natur (Lukács) wurde. Schon bald wähnte sich der Mensch in seinem fatalen Weiterlesen

POST SCRIPTVM: Grey Eminence

Auf den ersten Blick mag es fast irritieren, dass Post Scriptvm ihr (immer noch) aktuelles Album „Grey Eminence“ genannt hatten, denkt man bei dem Begriff doch unweigerlich an eine wichtige Person. „Grey Eminence“ hat jedoch wenig von einer persönlichen Message, und überhaupt macht es den Eindruck, als verschwinden die beiden Musiker im Laufe des Albums regelrecht hinter der eigens geschaffenen Düsternis, oder unter den Bergen fein bearbeiteter Klangobjekte. Natürlich, Spuren menschlichen Wirkens finden sich auf dem Longplayer zuhauf. Sie finden sich in Form etlicher Sprach- und Gesangsfetzen, die keinen geringen Teil der Samples ausmachen, auch in so manchem Zitat Weiterlesen

DÈRNIERE VOLONTÉ: Mon Meilleur Enemie

Dass bei dem ganzen Vintage-Wirbel, der in den letzten Jahren um die 80er, primär um deren erste Hälfte, gemacht wurde, auch der Synthie Pop nicht zu kurz kam, wurde auch in diesem Magazin bereits anhand von Gruppen wie Agent Side Grinder gewürdigt. Es gibt in dem Kontext die Fraktion der Computerfreaks und die der waschechten Popper, und der Franzose Geoffroy zählt mit seinem Projekt Dèrniere Volonté zur zweiten Kategorie. Popper, das sind in dem Fall ebenfalls Computerfreaks, aber man sieht ihnen die Technikbegeisterung nicht an, da sie eine ebenso große Leidenschaft für Mode besitzen und dem nerdigen Jungenzimmer dann doch die angesagten Clubs vorziehen. Weiterlesen