Chìsake: Indigene Flötenmusik von Timothy Archambault

Ideologic Organ bringen die Aufnahme einer Solo-Performance für Flöte von Timothy Archambault als Album heraus. Die Stücke, die Archambault 2014 in Beijing aufführte, stehen in einer alten Tradition und stammen aus dem rituellen Repertoire derjenigen Ureinwohner Nordamerikas, die unter dem Namen Anishinaabe gefasst werden und auf dem Gebiet des Ostens des heutigen Kanada und der USA lebten und zum Teil noch heute ansässig sind. Der titelgebende Begriff “Chìsake” entspricht unserem Verb “singen” und zugleich unserem Verb “beschwören”. Er referiert auf schamanische Praktiken, bei denen mittels bestimmter Sounds und ihrer physischen Bedingungen außerkörperliche Erfahrungen erreicht wurden mit dem Ziel, spirituelle Unsterstützung bei den unterschiedlichsten existenziellen Angelegenheiten zu erhalten. Die Struktur dieser Musik, die im Hauptteil aus unbegleiteten Flötenparts besteht, wurde mittels Piktogrammen an die Nachwelt vermittelt. Das Album ist Philip Cyril Archambault, dem Vater des Künstler, gewidmet. Auf der Bandcamp-Seite nennt Archambault eine große Zahl früherer indigener Flötenspieler ähnlicher Traditionen. Mitte August erscheint eine Vinyl-Edition des Albums. Weiterlesen

GOLEM MECANIQUE: Luciferis

Es gibt wohl wenig einflussreichere Werke der europäischen Geistes- und Literaturgeschichte als die Divina Commedia des Dante Alighieri. Zahlreich bis zahllos sind die Künstler, die sich auf den Text und die über die im Lauf der Jahrhunderte entstandenen Illustrationen anderer Künstler beziehen: Berühmt sind die Bilder des von Peter Ackroyd so titulierten „Cockney visionary“ William Blake, noch omnipräsenter sind Gustave Dorés Illustrationen (von denen eine auch das Cover des neuen Albums von Golem Mecanique ziert), Weiterlesen

PHURPA: Hymns Of Gyer

Viele denken beim Thema Schamanismus heutzutage wahrscheinlich weniger an Mircea Eliade als an auf Island gedrehte und in Spitzbergen spielende Mysteryserien oder an die zahlreichen/zahllosen Scharlatane, die denjenigen, die auf der Suche nach einem weiteren Mosaikstück für ihre Bricolagespiritualität sind, ihre Dienste anbieten. Weiterlesen

GOLEM MECANIQUE: Nona, Decita et Morta

Unter der Namen Golem Mecanique hat die Französin Karen Jebane in den letzten zehn Jahren eine Reihe von teilweise konzeptionellen Arbeiten veröffentlicht, so z. B. Alben beeinflusst von Dantes Göttlicher Komödie („Chant IV“) oder Pasolini/Euripides („Medea“). Sie selbst spricht auf ihrer Bandcampseite als Bezeichnung für ihre Musik von „Drone Sacred music/ghost /speaking with faded gods /blind spots / Weiterlesen