WILLIAM BASINSKI: A Shadow in Time

In einem anlässlich der Veröffentlichung von Christoph Ransmayrs neuem Romans über den „Lauf der Zeit“ gemachten Interviews versucht der Journalist fortwährend dem Autoren Sätze zu entlocken, dass das Erzählen über den Lauf der Zeit triumphieren kann – einem Wunsch, dem der Österreicher nicht nachkommt: „Wenn seine [des Erzählers] Gehirnströme erlöschen, zum Stillstand kommen, und sein Herzschlag, dann ist das Spiel natürlich auch für ihn zu Ende und von einem Triumph dann noch zu reden, wäre lächerlich.“ Weiterlesen

(r): All About Satan

Der Satan musste schon viele Platten über sich ergehen lassen, einige gute und zahllose schlechte, mitunter ganze Musikgenres, aber ganz sicher ist ihm das ziemlich egal, und ob er sich in einer der Vorstellungen über ihn – einer biblischen, einer mittelalterlichen, einer gegenaufklärerischen oder einer libertären – besonders wiedererkennt, bleibt sein Geheimnis. Es ist heute schwer, ihm ein Album zu widmen, mit dem man nicht abgedroschen wirkt, und genau genommen gibt es nur zwei Wege, dies auf die Beine zu bringen. Der eine besteht darin, alle Weiterlesen

ANNA CALVI: Strange Weather

Unter den Newcomern des laufenden Jahrzehnts belegt die Britin Anna Calvi einen der renommiertesten Plätze, ihr Debüt bescherte ihr zahlreiche Fans und gute Kritiken. Dass alte Recken wie David Byrne und Nick Cave ihrem Zauber erlagen und entsprechend Starthilfe gaben, wurde fast immer als verdient erachtet, selten wurde über Beziehungen und Patronage geunkt. In der Tat sind ihre Songs, die meist auf gezupften E-Gitarren oder Harmonium basieren, auf eine nur schwer festzulegende Weise geheimnisvoll und zugleich enorm wuchtig. Und auch wenn man sie nicht als Callas an der Gitarre bezeichnen muss, ist die Frau mit der wandlungsfähigen Stimme Weiterlesen

ROMA AMOR: On The Wire

Man könnte es sich einfach machen und die Musik von Roma Amor als Chanson oder Folk bezeichnen. Das wäre nicht einmal wirklich falsch, auch wenn der eine Begriff zu speziell, der andere zu allgemein gehalten wäre. Mit ihrem Grundinstrumentarium aus Akordeon und Gitarre und dem leidenschaftlichem Gesang stehen Euski und Michele in einer Tradition, die sich durch das ganze zwanzigste Jahrhundert zieht, bei italienischen Volksliedern beginnt, Abstecher in die Cabarets der 20er und die Music Hall der 60er macht, um irgendwann bei einem frühen Europop zu landen, den schon der Geist des Punk’n'Wave durchweht. Ihre Songs können nett und einschmeichelnd sein, und gefallen zum Teil auch Leuten, die Weiterlesen

ROZZ WILLIAMS: Sleeping Dogs

Durch die in den letzten Jahren (wieder)veröffentlichten Aufnahmen von Rozz Williams’ Projekt Premature Ejaculation, die wir auch auf dieser Seite regelmäßig besprochen haben, wurde der experimentelle Teil des Werkes des Kaliforniers in den Mittelpunkt gerückt, wobei Williams’ (Ver)Kult(ung) natürlich primär auf dem Frühwerk von Christian Death gründete, durch das er zur Gothic-Ikone schlechthin wurde und Stoff für gleich mehrere Hagiographien lieferte, denn das 1982 erschienene Debüt „Only Theatre of Pain“ diente -gerade auch ästhetisch- als Blaupause für zahlreiche oftmals weniger inspirierte Bands. Dabei waren Williams’ musikalische Einflüsse und Interessen vielseitig(er) und ließen sich -zumindest dann, wenn es um Songorientiertes ging- oftmals klar in den 70ern verorten. Weiterlesen

MUSHROOM’S PATIENCE: Road To Nowhere

Zu den interessantesten Büchern, die vermutlich nie geschrieben werden, zählt die Biografie der Band Mushroom’s Patience, bzw. dessen, was in den 80ern einmal als experimentelle Progband ins Leben gerufen wurde und sich mit den Jahren als ein offenes Kollektiv um Raffaele Cerroni, pardon: Dither Craf, entpuppen sollte. Es wäre ein Buch, dessen Kapitel hier und da abrupt enden. Einmontierte Nebenstränge würden je nach Gusto für Abwechslung oder Verwirrung sorgen, ebenso die wechselhafte Stimmung – mal heiter, oft dunkel, meist aber entspannt und nahezu immer kauzig verdreht. In einem surreal überzeichneten Italien, das den urbanen Schauplatz bildet, tauchen illustre Weiterlesen

Your veins will be bathed in light. Interview mit Jack November

Das Besondere an der Musik, die Daniela Moos unter dem Namen Jack November spielt, lässt sich nur schwer an oberflächlichen Merkmalen festmachen, und wenn man es versucht, landet man schnell bei der Aufzählung all dessen, was Jack November nicht oder nicht nur ist: Ein melancholisches Fräuleinwunder, ein weiteres Drone-Projekt, ein neues Gewächs aus dem Dunstkreis von Soap&Skin oder der Einstürzenden Neubauten. Auch mit Vergleichen kommt man nicht wirklich weiter. Weiterlesen