L’OCEAN: Primio

Der Anfang von L’Oceans Debüt „Primio” wirkt fast ein wenig irreführend, denn bei dem ganz schön kratzigen, übersteuerten Noisesound gehen die entspannten Gitarrentwangs und die sparsamen Taktanschläge auf dem Klavier geradezu unter, zumindest für eine gewisse Zeit. Immerhin steht schnell fest, dass es bei den gemächlichen Downtempo-Akkorden nicht (nur) um Schöngeistiges geht. Vielmehr steht hier alles im Zeichen einer Suche, die sich im Trial and Error-Verfahren durch Weiterlesen

LARSEN: Of Grog Vim

Ich weiß nicht viel über Grog Vim, aber der Legende nach soll er eine moderne Renaissance-Figur gewesen sein, und selbst das mit der Vergangenheitsform ist so eine Sache, denn niemand weiß genau, ob er nicht vielleicht doch noch unter uns weilt. Als man noch mehr von ihm mitbekam, war er auf der Suche nach einer Art Weltformel, und sein letztes Lebenszeichen war eine Mondfahrt, die allgemein als Fahrt nachhause interpretiert wurde, da er bereis zu Forschungszwecken auf unserem Trabanten war. Man findet ihn übrigens in keiner Enzyklopädie, aber das macht nichts, denn der Mythos, den Weiterlesen

FATHER MURPHY: Lamentations

Es ist gerade einmal acht Monate her, dass Father Murphy ihr Album „Croce“ herausbrachten. Mit der EP “Lamentations” kommt dann noch im alten Jahr ihre „Trilogy of The Cross“ zum Abschluss, zu der noch das im Januar erschienene Tape „Calvary“ zählte – alle drei Teile der im Zeichen eines eigenwilligen Noise Rock ins Leben gerufenen und mittlerweile immer mystischer und ritueller ausgerichteten Band sind der Auseinandersetzung mit dem ambivalent empfundenen katholischen Erbe der beiden Italiener Chiara und (Reverend) Freddy Murphy gewidmet: der Weiterlesen

(r): All About Satan

Der Satan musste schon viele Platten über sich ergehen lassen, einige gute und zahllose schlechte, mitunter ganze Musikgenres, aber ganz sicher ist ihm das ziemlich egal, und ob er sich in einer der Vorstellungen über ihn – einer biblischen, einer mittelalterlichen, einer gegenaufklärerischen oder einer libertären – besonders wiedererkennt, bleibt sein Geheimnis. Es ist heute schwer, ihm ein Album zu widmen, mit dem man nicht abgedroschen wirkt, und genau genommen gibt es nur zwei Wege, dies auf die Beine zu bringen. Der eine besteht darin, alle Weiterlesen

FABRIZIO MODONESE PALUMBO: Doropea

Dass der Titel „Doropea“ wie ein Personenname klingt, könnte mit dem äußerst lebendigen Bild zusammenhängen, dass Fabrizio Modonese Palumbo auf dem so betitelten Tape-Album von seiner Heimatstadt Turin zeichnet. Ohne den zusätzlich eingeschmuggelten Vokal wäre das Wort lediglich eine annagrammatische Verschachtelung der Namen zweier Flüsse, die an diesem Ort zusammenfließen: der bekannte Po und die kleine Dora, auch genannt Dora Riparia. Mit Mitteln, die einem von dem früheren Aufnahmen des Larsen- und Blind Cave Salamander-Musikers, der auch als “(r)” firmiert, her Weiterlesen

ALMAGEST!: Messier Objects

Die Gruppe Almagest! wurde erst im letzten Jahr gegründet, doch man muss nicht einmal besonders italophil sein, um dem Lineup zu entnehmen, dass es sich um eine Allstar-Combo aus gestandenen Musikern handelt. Im Zentrum des Geschehens steht Sänger und Performer Ernesto Tomasini, der – vermutlich eher aufgrund als trotz seines Charismas – nie ein Soloalbum herausgebracht hat, sondern die Zusammenarbeit mit ebenso markanten Musikern bevorzugt. Hinlänglich bekannt sind zudem die Turiner Fabrizio Palumbo und Paul Beauchamp, deren Stammbands Larsen und Blind Cave Salamander ebenfalls von dynamischen Konstellationen zehren. Ebenfalls kein unbekannter ist der Mailänder Evor Ameisi, dessen Soloprojekt Northgate Weiterlesen

ARBEIT/BEAUCHAMP/PALUMBO: Torino 012010

Ich weiß nicht, wann Jochen Arbeit erstmals auf das schon länger befreundete Gespann Beauchamp und Palumbo gestoßen ist, das meist noch zusammen mit Julia Kent unter dem Namen BLIND CAVE SALAMANDER firmiert. Die Zusammenarbeit der drei Klangbastler stand jedenfalls von Beginn an unter einem guten Stern. Seit Jahren touren sie inklusive Verstärkung, und die sanfte Dröhnung ihrer gemeinsamen Jams dürfte gerade für den Gitarristen der EINSTÜRZENDEN NEUBAUTEN eine willkommene Abwechslung darstellen. Weiterlesen

ERNESTO TOMASINI – Interview

Ernesto Tomasini dürfte einigen Lesern dieser Publikation durch seinen Gesang auf dem vor knapp zwei Jahren auf Durtro veröffentlichten Album „Digital Angel“ von Othon aufgefallen sein, auf dem die mehrere Oktaven umfassende Stimme des gebürtigen Italieners, der seit Mitte der 90er Jahre in London lebt, einer der Höhepunkte war. Ein Jahr zuvor hatte Tomasini bereits zusammen mit Fabrizio Modonese Palumbo  (Larsen) ein experimentelles Album aufgenommen, auf dem sie u.a. Judas Priests „Breaking the Law“ coverten. Weiterlesen

XIU XIU: Dear God, I Hate Myself

Um es ganz klischeehaft zu sagen: Dunkle, melancholische Popsongs sind seit Jahren wieder in. Etwas differenzierter kann man festhalten, dass vor einiger Zeit in gewissen Independent-Kreisen das Potenzial waveinspirierter Klänge mit 80er-Jahre-Referenz wiederentdeckt wurde und nun eine neue Würdigung erfährt. Wenn dabei so Unterschiedliches wie EDITORS, ZOLA JESUS, BLESSURE GRAVE oder A PLACE TO BURY STRANGERS herauskommt, ist das eine dankenswerte Bereicherung, ganz zu schweigen von dem Kontrapunkt, den so etwas darstellt gegenüber all den nach Jahrzehnten kaum noch zu ertragenden DEPECHE MODE-Partys und anderen Seniorentreffs, die mehr mit Festgefahrenheit als mit Rückbesinnung zu tun haben. Weiterlesen