HEDEROMERUHEN: 2

Als der Grafiker Daisuke Ichiba und der Noiser Yasutoshi Yoshida vor knapp zwei Jahren ihr „Antifolk“-Steckenpferd namens Hederomeruhen ins Leben gerufen hatten, konnte man die krude Mixtur aus monotonem Geschrammel, wilden Zitaten und durchaus schönen Akustiksongs auch als einmaligen Jungenstreich abtun – schon weil einer der beiden Japaner nicht einmal primär aus der Musik kommt. Doch die beiden sind Serientäter: In regelmäßigen Abständen produziert Ichiba neue Tusche-Zeichnungen mit der gewohnt brutalen Erotik, die trotz ihrer Vielzahl an Sujets eine eigene Handschrift und die Lust an der Repetition offenbaren. Ähnliches gilt Weiterlesen

AIN SOPH: Ars Regia (LP Re-Release + Buch)

Es ist nicht leicht, etwas Allgemeines über Ain Soph zu sagen. Die Interessen und Ausdrucksweisen der römischen Band haben sich in den knapp drei Jahrzehnten seit ihrer Gründung zum Teil extrem gewandelt. Das gleiche lässt sich über die Stimmung ihrer Musik sagen, ähnliches über die Haltung des von einigen Umbesetzungen geprägten Kollektivs, die immer deutlich präsent ist, auch dann, wenn sie vordergründig vage und ungreifbar bleibt. Vergleicht man bestimmte Referenzen im Bandkosmos untereinander oder mit den Interessen der einzelnen Musiker in ihren anderen Aktivitäten Weiterlesen

MAEROR TRI: Mort Aux Vaches. Hypnos/Transe (Re-Release)

In Maeror Tris Beitrag zur niederländischen „Mort Aux Vaches“-Reihe treffen zwei Namen aufeinander, über die man seitenweise texten könnte. Aus dem Norddeutschen Trio, dessen Ambient stets auch zur Erforschung und Exposition tiefenpsychologischer Prozesse diente, gingen die Projekte Troum und Tausendschoen hervor, mit Drone Records zudem eines der wichtigsten Underground- und Experimentallabels in Deutschland. „Mort Aux Vaches“ ist eine seit den 90ern stattfindende Radioshow, bei der meist ein Noise-, Drone- oder sonstiger Experimental-Act exklusives Livematerial einspielte, das dann später Weiterlesen

GERÖLLGERÄTE: Emmenhausen

Mein geschätzter Großvater war mit seiner Popkritik ganz auf der gängigen Frankfurter Linie. Generell kein Freund ausufernder Diskussionen, beschränkte sich sein Beitrag allerdings auf das Statement, dass er die Rolling Stones gerne einmal mit den Flying Stones bekannt machen würde. Dass ich mir das noch in den 90ern anhören durfte, geht rückblickend in Ordnung und ist ohnehin ein anderes Thema. Aber Geröllgeräte hätte er sicher gemocht. Weiterlesen

KORPSES KATATONIK: Œvres Complètes

Bevor Michael DeWitt sein Ritualprojekt Zero Kama begann, dessen Widerhall und Kultstatus sicher sowohl mit der Musik als auch mit dem gewählten Instrumentarium zu tun hat, existierte für etwa ein Jahr von 1982 bis 1983  Korpses Katatonik, ein Projekt, das ganz offensichtlich visuell-musikalisch-thematisch an der ersten Industrialgeneration orientiert war. Von den in den Linernotes als Einfluss genannten Bands (Throbbing Gristle, Cabaret Voltaire, SPK) waren es sicher die letztgenannten, die eine entscheidende konzeptionelle Orientierung boten. Die Weiterlesen

Like Hunting In The Wild. Interview mit Yasutoshi Yoshida alias Government Alpha

Der in Tokyo lebende Yasutoshi Yoshida ist Musiker und Grafiker, und wenn es etwas gibt, das seine brachiale Noisemusik mit seinen bunten Kollagen verbindet, dann ein Moment des Plötzlichen, das eine entfesselte Wucht unmittelbar auf den Rezipienten loslässt. Die plötzlichen Schreikaskaden während seiner Auftritte und die zum Teil schockierende Gleichzeitigkeit ganz verschiedener Bildkomponenten sind nur zwei offensichtliche Beispiele dafür. Mit seinem Projekt, das er in den frühen 90ern in Anlehnung an einen bekannten Godard-Film Government Alpha nannte, hat er in den letzten zwanzig Jahren eine große Zahl an Tonträgern heraus gebracht, zunächst auf Tape, später auch in allen anderen Formaten Weiterlesen

MIMICOF: RundSkipper

Die aus Kyoto stammende Pianistin und Soundkünstlerin MIDORI HIRANO hat sich mit ihren Tonträgern und Filmscores längst auch in ihrer deutschen Wahlheimat einen Namen gemacht. Mit ihren ambienten Klangwelten, deren meditativer Charakter stets hervorgehoben wird, ist die Musikerin ein regelmäßiger Gast auf Berliner Bühnen; Club Transmediale und das bekannteste Filmfestival der Stadt sind dabei nur bekannte Wegmarken, kleinere Themenabende wie zuletzt bei Staalplaat willkommene Gelegenheiten, ihre Musik auch im kleineren Rahmen zu präsentieren. Weiterlesen

Angura – Experimentelle Kunst und Musik aus Japan

Dass Staalplaat auch eine deutsche Dependence besitzt, hat sich mittlerweile sicher bis in die entferntesten Winkel der Subkultur herumgesprochen. Mit seinem Umzug von Berlin-Mitte erst nach Kreuzberg und schließlich nach Neukoelln ist der Laden wie viele weitere idealistische Unternehmen dieser Art Gentrifizierungsflüchtling und -vorhut zugleich und würde ausreichend Stoff für ein kleines Kapitel urbaner Kulturgeschichte abgeben. Weiterlesen