ANEMONE TUBE: Golden Temple

Im Zentrum von Tokyos Bezirk Minato erhebt sich die Skyline der Roppongi Hills, einer Gruppe von Bürotürmen um den mächtigen Mori Tower, den die kritisch gesinnten unter den Einheimischen in leicht abergläubischer Weise den bösen Turm nennen. In ihrer Wahrnehmung steht er für die Macht, die das Kapital und der entfesselte Konsum auf alle Lebensbereiche ausweitet. Für den Musiker Anemone Tube, der vor einigen Jahren Japan bereiste und am Fuße der Türme das Covermotiv und nicht wenige der Sounds seines aktuellen Albums „Golden Temple“ aufnahm, ist der Ort ein Symbol der Weiterlesen

MORTHOUND: Off The Beaten Track The Light Don’t Shine

Betrachtet man die düstere Industrial-Riege der 90er und vergleicht diese mit der gediegenen und nicht selten etwas hippen heutigen Soundart-Szene, die man auf der CTM erleben kann und über die Monat für Monat der Wire berichtet, so kommt man zu dem Schluss, dass es zwischen diesen beiden Subkulturen kaum Berührungspunkte gibt. Dennoch hat Benny Nilsen, der sich mittlerweile BJ nennt, als einer der wenigen den Sprung von der einen in die andere Szene geschafft und tanzt mittlerweile auf beiden Hochzeiten. Sein Projekt Morthound, vor rund zwanzig Jahren einer der klassischen Exponenten des Weiterlesen

MAEROR TRI: Mort Aux Vaches. Hypnos/Transe (Re-Release)

In Maeror Tris Beitrag zur niederländischen „Mort Aux Vaches“-Reihe treffen zwei Namen aufeinander, über die man seitenweise texten könnte. Aus dem Norddeutschen Trio, dessen Ambient stets auch zur Erforschung und Exposition tiefenpsychologischer Prozesse diente, gingen die Projekte Troum und Tausendschoen hervor, mit Drone Records zudem eines der wichtigsten Underground- und Experimentallabels in Deutschland. „Mort Aux Vaches“ ist eine seit den 90ern stattfindende Radioshow, bei der meist ein Noise-, Drone- oder sonstiger Experimental-Act exklusives Livematerial einspielte, das dann später Weiterlesen

THE PROTAGONIST: Songs of Experience

Magnus Sundström alias The Protagonist ist ein streng konzeptuell arbeitender Musiker, der mit seinen Kompositionen und seiner Auswahl an literarischen Referenzen recht fundamentalen Fragen auf die Spur zu kommen sucht, Fragen, die für Außenstehende vage und unbestimmt bleiben müssen und doch immer um Themen der Vergänglichkeit, des Ennui und einer damit zusammenhängenden Dandyhaltung kreisen. Medium seiner Suche war in der Vergangenheit meist bestimmte Literatur von der frühen Romantik bis zur klassischen Moderne Weiterlesen

THE PROTAGONIST: A Rebours

Aufgrund seines gepflegten Stils assoziiert man den klassischen Dandy gerne mit Mode, doch in Wirklichkeit waren die Dandys des 19. Jahrhunderts recht unzeitgemäße Originale, die sich mit ihrem herausgeputzten Äußeren dem Stildiktak ihrer Zeit entgegen stellten. Ihr Protest gegen die moderne Schelllebigkeit, die uns heute nichtig erscheinen muss, war so radikal wie skurril. Es wird gesagt, dass französische Dandies Schildkröten als Haustiere hielten und sie in demonstrativer Langsamkeit an der Hundeleine vor Fabrikanlagen spazieren führten. Arbeit galt laut Oscar Wilde als eines der größten Laster der trinkenden Klassen. Weiterlesen